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Wolfram von Eschenbach - Biografie

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            21. Klinschor
            22. Priester Johannes
            23. Verchristlichung
            24. Jüngere Titurel
            25. Albrecht und Kiot
            Anmerkungen

4. Wolfram und Walther

Wir finden zwar Wolfram mit Walther zugleich in Eisenach am Hofe des milden Landgrafen Hermann, der für die Dichter des hohenstaufischen Zeitalters das gewesen scheint, was ein benachbarter thüringischer Hof den Heroen unserer neuern poetischen Literatur geworden ist. Aber wenn auch Wolfram in dem Landgrafen einen Gönner verehrte, so nimmt er doch ihm gegenüber eine viel unabhängigere Stellung an, als Walther die Verhältnisse gönnen mochten. Dieser schildert das Getümmel am Hofe zu Eisenach zwar lebhaft, doch ohne ein Wort des Tadels einzuflechten:

Der Hof zu Eisenach

   Wer in den Ohren siech ist oder krank im Haupt,
Der meide ja Thüringens Hof, wenn er mir glaubt:
Käm er dahin, er würde ganz betöret;
   Ich drang so lange zu, dass ich nicht mehr vermag,
Ein Zug führt ein, ein andrer aus, so Nacht als Tag;
Ein Wunder ists, dass da noch jemand höret.
   Der Landgraf hat so milden Mut,
Dass er mit stolzen Helden, was er hat, vertut,
Davon ein jeder wohl als Kämpe stände:
Mir ist sein hohes Tun wohl kund:
Und gält ein Fuder guten Weines tausend Pfund,
Doch niemand leer der Ritter Becher fände.

Die vierte Zeile sagt nicht, dass es Walther nicht sonderlich zu Eisenach gefalle, weil es da zu geräuschig hergehe. Mit einer solchen Andeutung würde er seinen Zweck verfehlt haben. Er klagt nur, dass er bisher noch nicht zu Worte kommen konnte; zugleich aber, da er mit diesem Liede zu Worte gekommen ist, rühmt er den Hof und die Milde des Landgrafen. Auch scheint er seine Absicht erreicht zu haben, denn in einem zehn Jahre später gedichteten Spruch preist er den Landgrafen wegen seiner Stetigkeit in der Milde: "Er war es einst und ist es noch." S. Meine Übersetzung II. Aufl. Leipzig 1853. S. 209.

Dagegen redet Wolfram, indem er von Keien, dem strengen Seneschall an Artus Hofe spricht (297, 16), den Landgrafen an:

"Von Thüringen Fürst Hermann,
Wie ich dein Ingesind befinde,
Ein Teil hieß besser Ausgesinde.
Dir wär auch eines Keien Not,
Da wahre Milde dir gebot
Deinen Hof so bunt zu mischen,
Dass zu den Werten, Höfischen
Auch viel Verächtliche dringen.
Darum muss Herr Walther singen:
"Gut und Böse, guten Tag."
Wo man also singen mag,
Da sind die Falschen geehrt:
Das hätt ihn Keie nicht gelehrt
Noch Herr Heinrich von Rispach."

Ein solches Lied Walthers hat man bisher vergebens aufgesucht. Doch ist noch die Frage, ob Wolframs Worte wirklich als ein Zeugnis dafür gelten müssen, dass er ein Lied mit dieser Zeile gedichtet habe. Vielleicht beziehen sie sich nur auf Walthers soeben mitgeteilte Schilderung des bewegten Lebens und Treibens am Hofe zu Eisenach, an welcher es Wolfram zu rügen scheint, dass sie allzubeifällig ausgefallen sei, und im Getümmel der ein- und ausfahrenden Gäste zwischen Guten und Bösen keinen Unterschied mache. Hätte Walther wirklich ein solches Lied gedichtet, so könnte es, wie auch W. Wackernagel annimmt, nur ein Spottlied sein, wenigstens hätte Walther doch selbst zu verstehen gegeben, dass er nicht alle, die am Hofe Aufnahme fanden, für gut halte, wenn er gleich seiner Stellung gemäß auch die Bösen gelten lassen müsste: Immer brächte also an Wolframs Tadel die Spitze. Wolfram, von dem wir nicht wissen, dass er je einen Fürsten gelobt hätte, war zu einer solchen Rüge berechtigt, zumal da sie den freimütigen Tadel des Landgrafen einschließt, der sich doch noch späterhin als sein Gönner erwies.

So würdevoll hier Wolframs Betragen dem Walthers gegenüber erscheint, so darf man doch nicht glauben, dass dieser sich gegen den Landgrafen anders als in stillschweigender Duldung etwas vergeben hätte. Er würde nicht einmal an dessen Hofe erschienen sein, wenn der Landgraf sich nicht kurz vorher dem Könige Philipp, dem Walther aufrichtig anhing, unterworfen hätte. Diese Treue Walters gegen seien politische Gesinnung, von der wir ihn in einem langen Sängerleben nicht einmal abweichen sehen, hilft uns den Zeitpunkt seines Zusammentreffens mit Wolfram am Hofe zu Eisenach bestimmen, von welchem in den Amkerungen zu seinen Liedern erwiesen ist, dass es sch vor dem Jahre 1204 nicht ereignet haben kann. In das Jahr 1207 setzt die Sage vom Wartburgkrieg jenen Sängerkampf, wo um Tod und Leben gesungen wurde. Obgleich ich ihn durchaus für fabelhaft halte und die Meinung jetzt niemand mehr teilt, als wären die Lieder, welche das ziemlich späte Gedicht vom Wartburgkriege den Sängern in den Mund legt, wirklich von diesen gedichtet oder improvisiert, und von Geschwindschreibern sogleich aufgefasst worden, so wird er doch nicht aller historischen Grundlage ermangeln. Indes bestand diese wohl schwerlich in etwas anderm, als eben in der Kunstliebe des Landgrafen und in seiner Milde gegen die Sänger, die außer Walther und Wolfram, beide Teilnehmer am Wartburgkriege, noch andere namhafte Dichter an seinen Hof zog, wie schon früher Albrecht von Halberstadt und Heinrich von Veldeke, der, nach dem Ausdrucke Gottfrieds von Straßburg, das erste Reis in deutscher Zunge impfte, dort Aufnahme gefunden hatten. Sollte jene Meinung gelten, so müsste auch der Teufel Nasion vor dem Hofe zu Eisenach Lieder gesungen haben, die aus seinem Munde von Stenographen nieder geschreiben wären. Dass aber überhaupt das Gedicht auf der Sage, nicht auf geschichtlichen Vorgängen ruht, zeigt am deutlichsten die Art, wie hier Wolfram einer Figur seines Parzivals, dem Zauberer Klinschor, als einer historischen Person, im Singekampf gegenüber gestellt wird.

Bei dieser Natur des Wartburgkrieges dürfen wir seiner Angabe nicht trauen, wonach Wolfram zu Masfeld an der Werra von dem Grafen von Henneberg zugleich mit dem tugendhaften Schreiber in den Ritterstand erhoben worden sei, obgleich diese Stelle mit einem Teile des Gedichts, einer Art Totenfeier des Landgrafen und des Hennebergers, zusammenhängt, der vielleicht ausnahmsweise wirklich von dem Sänger herrührt, welchem er zugeschrieben wird. Wenn freilich dieser tugendhafte Schreiber, der auch Heinrich heißt, mit dem Henricus notarius oder scriptor, der in thüringischen Urkunden von 1208 - 1228 erscheint, einerlei Person wäre, so würde die Glaubwürdigkeit jener Angabe sehr gewinnen.

Noch ein anderes Mal finden wir Wolfram am Hofe des Landgrafen zu Eisenach, wo ihn dieser mit dem Gegenstande seines Willehalm (W. 3, 8) bekannt machte. Im Verlauf dieses Gedichts (W. 47, 22) spricht Woflram von Hermann als einem Verstorbenen. Schon hieraus dürften wir schließen, dass jene Mitteilung nicht allzu lange vor Hermanns Tode stattgefunden habe. In einer andern Stelle des "Willehalm (393, 30) gibt sich Wolfram als Anhänger Kaiser Otto IV. zu erkennen. Dessen Gegner war aber Hermann bis kurz vor seinem Tode (April 1215), wo er im Begriff war, sich wieder mit dem Kaiser zu verbinden. Um diese Zeit finden wir auch Walther wieder bei dem Landgrafen; beide Dichter mögen hier abermals zusammen getroffen sein. Wolfram spielt im "Willehalm" auf ein erhaltenes Lied Walthers an, worin dieser den Köchen riet, sie möchten die Braten etwas dicker schneiden, damit die Fürsten nicht durch die Kargheit ihres Herrn von ihm abwendig gemacht würden; in Griechenland habe einmal ein König darüber sein Reich verloren. Dieses Lied scheint mir jetzt auf Philipp bezüglich, wenn auch nicht gegen ihn, sondern gegen die Fürsten gerichtet. Bei dieser Ansicht kann es nicht zum Beweis dienen, dass die beiden Sänger sich noch ein anderes Mal bei dem Landgrafen begegnet wären.

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