www.wissen-im-Netz.infoWolfram von Eschenbach - Biografie |
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Homepage Literatur Eschenbach Biografie 1. Wolframs Heimat 2. Stand 3. Vermögen 4. Wolfram u. Walther 5. W. Nachbarschaft 6. Eheliches Leben 7. Wolframs Werke 8. W. und Gottfried 9. Kiot 10. Flegetanis 11. Mythos vom Gral 12. Deutung 13. Anklänge Mythen 14. Chronik Anjou 15. Parzivals Abent. 16. Parzival Peridur 17. Kritik Mabinogi 18. Ursprung Fortb. 19. Templerorden 20. Loherangrin 21. Klinschor 22. Priester Johannes 23. Verchristlichung 24. Jüngere Titurel 25. Albrecht und Kiot Anmerkungen |
15. Parzivals AbenteuerWolfram meldet uns, Kiot habe aus lateinischen Büchern geschöpft. Allerdings stoßen wir in der Sagengeschichte überall auf frühe mönchische Niederschreibungen der noch jungen unentwickelten Sage; diese haben aber ihren Inhalt aus der mündlichen Überlieferung entliehen, welcher die Niederschreibung den Todesstoß nicht versetzt, die also fortlebt und fort wächst, und wenn sie dereinst als Gedicht in voller Blüte steht, jenen mönchischen Kompilationen wohl manches verdanken mag, aber keineswegs allein aus ihnen geflossen ist. So werden auch Parzivals Jugendabenteuer, die eine sagenhafte Gestaltung verraten, ursprünglich aus der mündlichen Überlieferung herrühren. Gewiss sind jedem, der in Sagen und Märchen belesen ist, die vielen märchenhaften Züge aufgefallen, die sich namentlich in Parzivals Jugendgeschichte finden. In den altdeutschen Wäldern I, 1-30 hat J. Grimm schon vor vielen Jahren den Zusammenhang der Blutstropfen im Schnee, wodurch Parzival (VI) an Kondwiramur erinnert wird, mit andern Überlieferungen, namentlich in altbritannischen, italienischen und deutschen Märchen nachgewiesen, und es wäre nicht schwer, für alle die Züge, welche Parzivals kindische Einfalt schildern, so wie für Kunnewarens Lachen und Antanors Schweigen aus denselben oder verwandten Quellen, selbst aus Tausend und einer Nacht, Gleichnisse zu häufen. Was aber die zuletzt erwähnten Züge betrifft, so verhält es sich damit in den Märchen gewöhnlich so, dass eine Königstochter so trauriger Gemütsart ist, dass sie weder lachen noch sprechen will (KM. 9. 49 Pentam. I, 3), weshalb der König demjenigen ihre Hand und die Hälfte seines Reichs verspricht, der sie zum Lachen brächte. Dies gelingt den Klügsten nicht; als aber der Dümmling in seinem albernen Aufzug erscheint, lacht sie von selber, und so erwirbt er ohne sein Verdienst Gemahlin und Reich. In Parzivals Geschichte, wo Kunneware nicht lacht, und Antanor nicht spricht, ist dieser Zug etwas anders gewendet, denn Kunneware lacht weder über Parzivals albernen Aufzug, noch über seine kindische Einfalt, obgleich dies gewöhnlich der Zusammenhang ist, sondern sie erlacht freudig, weil sie den ersieht, der den höchsten Preis zu erwerben bestimmt ist. Über die Bedeutung des Lachens in jenen Sagen vergleiche mein Handbuch der Mythologie S. 360. Hiernach ist nicht zu zweifeln, dass wir in Parzivals Jugendgeschichte eine Variation der bei allen Völkern vorkommenden Dümmlingsmärchen vor uns haben. Welchem Volke aber das Märchen angehörte, welches die schriftliche oder mündliche Überlieferung mit der Gralssage in Verbindung brachte, ist schwer zu bestimmen, doch würde dasjenige Volk den meisten Anspruch darauf haben, bei welchem sich dies Märchen außerhalb jenes Zusammenhangs nachweisen ließe. |
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Jürgen Kühnle
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