www.wissen-im-Netz.infoWolfram von Eschenbach - Biografie |
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Homepage Literatur Eschenbach Biografie 1. Wolframs Heimat 2. Stand 3. Vermögen 4. Wolfram u. Walther 5. W. Nachbarschaft 6. Eheliches Leben 7. Wolframs Werke 8. W. und Gottfried 9. Kiot 10. Flegetanis 11. Mythos vom Gral 12. Deutung 13. Anklänge Mythen 14. Chronik Anjou 15. Parzivals Abent. 16. Parzival Peridur 17. Kritik Mabinogi 18. Ursprung Fortb. 19. Templerorden 20. Loherangrin 21. Klinschor 22. Priester Johannes 23. Verchristlichung 24. Jüngere Titurel 25. Albrecht und Kiot Anmerkungen |
17. Kritik des MabinogiSt. Marte erklärt dies Mabinogi für die alte echte Quelle der Parzivalsage, die demnach fast ihrem ganzen Inhalte nach wälischen Ursprungs wäre. Letztern kann ich nicht zugestehen. Das rote Buch von Hergest, aus dem es entnommen ist, ward, wie er selber zugesteht, erst gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts geschrieben und auch seine erste Abfassung setzt er nicht viel früher an. Sollte nun sein Stoff dritthalb Jahrhunderte älter sein und sich von 1150, wo er nach Frankreich oder der Provence gebracht und von Kiot oder Chrestien benutzt wurde, im Munde der Barben von Wales unverändert erhalten haben? Ist es nicht glaublicher, dass der Verfasser des Mabinogi das Werk eines der nächsten Vorgänger Chrestiens benutzt habe? St. Marte hält es für unmöglich, dass ein wälscher Barde, zu einer Zeit, wo die Gralssage schon die ganze Dichterwelt ergriffen habe, alles dahin Gehörige abgestreift und Peredur in der Nacktheit und Simplizität wiederhergestellt hätte, wie er in dem Mabinogi erscheint. Aber erscheint er denn wirklich in solcher Simplizität, wie man sie einer altwälischen Bardensage zutrauen sollte, und ist alles zum Gral gehörige abgestreift? Finden wir nicht den bluttriefenden Speer und die Schüssel (mit dem blutigen Haupt, ein echter und alter Zug, der für die Identität der Templeisen und Tempelritter spricht und uns oben auf den ersten Ursprung der Sage gewiesen hat), den gelähmten König und die unterlassene Frage? Sind nicht fast alle Abenteuer Parzivals, die wir aus Wolfram kennen, schon vorhanden, und finden sich nicht deutliche Spuren, dass der Verfasser auch sämtliche Abenteuer Gawans, die der Parzival enthält, wenigstens kannte, wenn er auch vermeidet, sie alle zu berichten? Nur das mit Antikonien erzählt er ausführlich, das von Chatelmerveil deutet er an, indem das schwarze hässliche Mädchen, das die Stelle Kondriens vertritt, dazu auffordert; aber auch das Abenteuer mit Obien leitet sie ein (was Kondrie la Sorziere im Parzival nicht tut), indem sie von dem Ort auf luftiger Höhe spricht, wo ein Mädchen gefangen gehalten werde. Ich finde im Gegenteil Wolframs Erzählung einfacher, da das Mabinogi noch eine Menge anderer, bei den nordfranzösischen Gralsdichtern wiederkehrender Abenteuer einflicht, die doch wenig zur Sache gehören, und die Kiot sehr mit Recht ausgeschieden hätte, wenn diese wälische Erzählung seine, er aber Wolframs Quelle wäre. Entscheidender ist mir aber, dass in Peredurs Geschichte die wälischen Namen nicht gespart sind, während die romanischen verschwiegen werden. Geneyr Gwystyl und Howle werden ganz ohne Not genant, während Parzivals Mutter (Herzeleide), der rote Ritter (Ither von Gahevieß), der eisgraue Mann (Gurnemans), der lahme König (Anfortas), nur so bezeichnet, aber so gut als Kondrie la Sorziere, Orilus und Jeschute, Sigune und Schionatulander ungenannt bleiben. Klangen diese Namen zu romanisch und war es zu mühsam, wälische an die Stelle zu setzen? Die Art wie die beiden oben genannten Abenteuer Gawans angelegt und hernach doch nicht ausgeführt werden, beweist wohl, dass wir keine sehr sorgfältige Arbeit vor uns haben. Fand vielleicht der Verfasser die Namen in seiner romanischen Quelle nicht vor? Auch Chrestien vermeidet die Person der Fabel mit Namen zu nennen. Friedlich der Name des Haupthelden und seiner Gattin konnten nicht verschwiegen bleiben, aber Parzival und Blanchefleuer (Konwiramur) hätte ein wälsiches Ohr gleich als eingeschwärtz erkannt, darum mussten sie mit Peredur und Angharad Law Evrawc vertauscht werden. Die Namen Artus (Arthur), Ginover (Gwenhwyvar), Gawan (Gwalchmai) und Iwanet (Owain), die wälischen Ursprungs sind, brauchten nur in die heimische Form zurück übersetzt zu werden. Die Vergleichung lehrt uns, was wir bisher nicht wussten, und vielleicht Wolfram selber nicht ahnte, dass der freundliche Knappe Iwanet eine Person ist mit Iwein, den wir aus Hartmanns gleichnamigem Gedicht als den Ritter mit dem Löwen kennen, denn das Mabinogi nennt ihn Owain, Uriens Sohn. Was bewog aber, die wahre Bewandtnis mit der unterlassenen Frage, der Schüssel, dem Blut triefenden Speer und dem lahmen Könige nicht bloß zu verschweigen, sondern mit einer andern, ganz unmöglichen zu vertauschen? Denn wenn wirklich die Hexen von Gloucester den Vetter Peredurs, dessen Haupt auf der blutigen Schüssel lag, getötet und seinen Oheim, den lahmen König, verwundet hatten, und Peredur berufen war, alle diese Dinge zu rächen, so war kein Grund vorhandne, warum er nicht schon bei der ersten Zusammenkunft auch ohne seine Frage von dem Zusammenhang unterrichtet und zur Rache aufgefordert ward, da es bei der letzten geschieht, ohne dass er gefragt hätte. Und wie soll die Rache für diese Dinge vermögen, dem lahmen König seine Gesundheit wieder zu geben? Lässt sich wohl denken, dass derselbe Barde, der so Schönes dichten konnte, wie alles ist, was in Peredurs Geschichte mit der Parzivals übereinstimmt, etwas so Albernes und Haltloses wie diese Auflösung erfundne hätte? Ich halte also die Hexen von Gloucester und alles, was mit ihnen zusammenhängt, für interpoliert. Die Ursache dazu liegt nahe: Der Mythos vom Gral, der in Wales unerhört war und den ausländischen Ursprung des Mabinogi sofort verraten hätte, sollte mit einem heimischen Wunder vertauscht werden, und da kamen die Hexen von Gloucester recht gelegen. Eine Verfälschung, um nicht zu sagen Verwälschung, scheint es auch, dass statt Kunnewarens und Antanors, die in Wales und der Bretagne beliebten Zwerge eingeführt sind, worüber der alte märchenhafte Zug von der trauernden, nun endlich zum Lachen bewegten Königstochter und dem schweigenden, und endlich sprechenden Antanor vergessen wird. Indem diese Zwerge den Peredur als die Blüte der Ritterschaft begrüßen, greift der Verfasser des Mabinogi die zufällige Wendung jenes alten Zuges, der noch bei Wolfram Parzivals künftigen Preis vorhersagt, auf, während er das Ursprüngliche, das Lachen über die Einfalt des Knappen, berichten müsste, wenn sein Werk die älteste Quelle der Parzivalsage wäre. aus dem Mabinogi ist also Parzivals Sage ursprünglich nicht geflossen, sondern etwa aus einem Dümmlingsmärchen, die überall in jener Nacktheit und Simplizität zu Hause sind, die wir an Peredur vermissen. Es versteht sich von selbst und ist oben § 14 schon angedeutet, dass lange vor Chrestiens Zeit die britische Sage und die Tafelrunde des Artus in Frankreich, in Anjou bekannt sein konnte. Es war also leicht, den Helden in jene oberflächliche Beziehung zu Artus und der Tafelrunde zu bringen, in der wir ihn noch bei Wolfram finden. Denn dass Parzival, so wenig als Tristan, der auch späterhin mit Artus, ja mit dem Gral in Bezug gesetzt worden ist, kein echter Held der Tafelrunde, wohl aber die Tafelrunde nach ihm strebt, und Gawan, der Neffe des Artus und der vornehmste Held der Tafelrunde, sich verpflichten muss, nach dem Grale zu forschen, wie man denn in den spätern Romanen, wo das Verderbnis immer tiefer einreißt, alle ihre Helden auf den Gral Jagd machen sieht. Ursprünglich hatte gewiss Parzival nichts mit der Tafelrunde, und die Massenie des Artus nichts mit dem Gral zu schaffen. Die Einführung des Artuskreises in die Gralssage war aber letzterer vorteilhaft, denn Artus, Gawan, Kai und Segramors mussten dem Parzival zur Folie dienen. Wenn nun das Mabinogi nicht die erste Quelle der Parzivalsage sein kann, so müssen wir uns nach einem andern Ursprung erkundigen. |
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Jürgen Kühnle
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