www.wissen-im-Netz.infoWolfram von Eschenbach - Biografie |
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Homepage Literatur Eschenbach Biografie 1. Wolframs Heimat 2. Stand 3. Vermögen 4. Wolfram u. Walther 5. W. Nachbarschaft 6. Eheliches Leben 7. Wolframs Werke 8. W. und Gottfried 9. Kiot 10. Flegetanis 11. Mythos vom Gral 12. Deutung 13. Anklänge Mythen 14. Chronik Anjou 15. Parzivals Abent. 16. Parzival Peridur 17. Kritik Mabinogi 18. Ursprung Fortb. 19. Templerorden 20. Loherangrin 21. Klinschor 22. Priester Johannes 23. Verchristlichung 24. Jüngere Titurel 25. Albrecht und Kiot Anmerkungen |
18. Ursprung und FortbildungEin rohes englisches Gedicht, das Lady Guest aus dem Thornton-Manuskript anführt, verfolgt Parzivals Geschichte, wie wir sie aus Wolfram kennen, nur bis zu seiner Verbindung mit Kondwiramur, die hier Lufamur heißt. Als er diese verlässt, um seine Mutter aufzusuchen, besteht Parzevell noch den Kampf mit Orilus wegen Jeschuten (doch kommen diese Namen nicht vor); als er aber seinen Ring zurückbegehrt, findet es sich, dass dieser dem Herrn des Landes, einem mächtigen Riesen, gegeben worden ist. Diesen besiegt Parzevell und findet unter seinen Schätzen mit großer Mühe den Ring, der sich unterdes als ein sehr Unheil bringendes Kleinod erwiesen hat, denn als ihn der Eise einer Dame zum Geschenk angeboten, um ihre Neigung zu gewinnen, war diese in Wahnwitz verfallen, weil sie ihren Sohn für tot hielt, welchem sie den Ring zum Andenken gegeben hatte. Demnach sucht nun Parzevell, der seine Mutter in der Dame erkannte, nicht in ritterlichem Aufzug, sondern in dem rohen Gewand, in welchem er sie verlassen hatte, seine Mutter wieder auf und heilt sie durch die Freude des Wiedersehens. Nachmals zieht Parzevell ins heilige Land und fällt dort im Kampf. So jung das Gedicht sein mag, so überliefert es doch die älteste Gestalt eines Teils der Jugendgeschichte Parzivals, ehe sie mit dem Gral in Verbindung gebracht wurde. Von Gahmurets Geschichte weiß das Gedicht so wenig als das Mabinogi und Chrestien, und die Meldung, dass der rote Ritter, den hernach Parzevell erschlägt, seinen Vater im Turnier getötet habe, stimmt gar nicht zu dem was uns sonst gemeldet wird. Gervinus hat nun I, 251. 383 noch auf einen betagnischen Balladenkranz über den Helden Morvna lez-Breiz aufmerksam gemacht, der von dem Kinde Morvan Ähnliches erzählt, wie unser Dichter im dritten Buch von dem Knaben Parzival. Einen wandernden Ritter hält Morvan für einen Engel, und als er nun selbst Ritter zu werden auf Abenteuer auszieht und nach zehn Jahren ruhmvoll zurückkehrt, findet er seine Mutter unterdes gestorben. Hierin möchten allerdings noch ältere Anfänge einiger Züge der Sage liegen. Das Dümmlingsmärchen von dem verwaisten Knaben, der gegen den Wunsch der Mutter auf Abenteuer auszieht, finden wir demnach mit Artus schon bei einem der britischen Völker in Verbindung gebracht, die diesseits und jenseits des Kanals wohnten; am Wahrscheinlichsten in der Bretagne, da der Name Parzevell französischen Ursprung kund gibt. Wann und wo aber die so entstandene Erzählung mit der Gralssage dadurch verbunden wurde, dass statt des Zugs nach dem heiligen Grabe, wo Parzevell sein Leben nach jener rohen Erzählung beschließt, nun sein Streben nach dem Gral der Mittelpunkt der Erzählung in ihrer weitern Fortbildung ward, darüber haben wir nicht mehr als Vermutungen, die leicht irre gehen können. Wenn die Gralssage aus einer Verschmelzung deutscher und christlicher Elemente etwa im nördlichen Frankreich entstanden war, so liegt am nächsten, dass ihre Verbindung mit der Parzevellssage vond en Trouveres des nördlichen Frankreichs vollbracht wurde. Erst in dieser Verbindung wird sie dann nach Wales gebracht wordne sein, wo sie die Quelle des Mabinogi ward, das den ausländischen Ursprung der Erzählung zu verhüllen, den in Wales unerhörten Gral mit den Hexen von Gloucester vertauschte, ohne doch den blutigen Speer, das zerbrochene Schwert (S. oben) und selbst die Schüssel, die doch offenbar zusammen gehörten, beseitigen oder befriedigend motivieren zu können. Für die Heimat der Gralssage, mit Ausscheidung der britischen Bestandteile, habe ich früher das Gebiet der provenzalischen Sprache angesehen, welches bekanntlich das südliche Frankreich bis an die Loire und das nördliche Spanien begriff. Dass aber wirklich die Provence in diesem weiten Sinne die Heimat der Sage sei, welche uns der Provenzale Kiot überliefert haben soll, dafür ist der Name des Grals nicht entscheidend; doch ist an keltischen Ursprung am wenigsten zu denken, während er im Provenzalischen und Altfranzösischen ganz einfach ein Gefäß bedeutet. Vgl. Diez, Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprache, Bonn 1855 S. 646: "Noch jetzt braucht man in Südfrankreich grazal grazau grial grau für verschiedene Gefäße." Provenzalisch ist aber allerdings der Name des Hundes Gardevias in Wolframs Titurel. Dass das südliche Frankreich und das nördliche Spanien vorzugsweise der Schauplatz der Gralssage sind, kann gleichfalls nicht entscheiden, da wir wenigstens für Spanien schon einen andern Grund unter § 11 angegeben fanden. Wenn freilich Karidol, Dianaßdron, Karminal, Nantes, Löver, Lohneis (Leonnais, die Gegen von Laon), Kukummerland (Kumberland), der Wald von Briziljan und andere britische, betragnische oder benachbarte nordfranzösische Lokalitäten genannt werden, so sind diese allerdings erst durch die aufgenommenen britischen Sagenelemente, die wir, als der Gralssage nicht angehörig, auszuscheiden haben, hineingekommen, und die über die Provence in anderer Richtung hinaus liegenden südspanischen, maurischen oder gar orientalischen Orts- und Ländernamen haften schwerlich tief in der Sage und können durch Wolfram und seine Gewährsmänner, seien diese nun Kiot oder Chrestien, eingewebt sein. Dasselbe gilt von den zahlreich eingestreuten, zum Teil schon den Alten bekannten Bruchstücken des morgenländischen Aber- und Wunderglaubens: Von dem Golde des Kaukasas (Kaukasus), das von Greifenklauen aus dem harten Felsen gezerrt in Arabien zu der grünen Achmardi-Pfelleln verarbeitet wird; von dem Berge zu Agremontin, wo die Würme Salamander im heißen Feuer kostbare Stoffe weben; von den Wundertieren Phönix, Pelikan und Ezzidemon, von zauberkräftigen Kräutern und Steinen; von den seltsamen Menschenungeheuern usw. Der Annahme provenzalischen Ursprungs stünde indes nicht entgegen, dass der Name Parzival sich aus dem nordfranzösischen Idiom besser als aus dem provenzalischen erklärt, denn Anjou liegt auf der äußersten Grenze des südlichen Frankreichs, ja es reicht zum Teil schon in das nördliche hinüber. Wenn aber Görres (Lohengrin S. VI) diesen Namen aus dem arabischen ableitet, wo Parseh Fal der reine oder arme dumme bedeute, so passt dies allerdings auf Parzivals Dümmlingsnatur, doch kann es auch ein zufälliges Einstimmen sein, da wir keinen Grund haben, zur Erklärung des Namens eines Fürsten von Anjou die arabischen Wörterbücher zu befragen. die französischen Gedichte und Romane von Parzival beziehen diesen Namen auf das Durchstreifen der Täler, und der eines jüngern Helden, Perceforest, scheint nach seinem Gleichnis gebildet. Tiefer ist Wolframs Deutung 140, 16 ff, indem er Sigunen sagen lässt:
Welche Stelle wohl Ulrich von dem Türlin in der Aventiure Krone im Sinne hatte:
Ans ich würde auch nicht entgegenstehen, dass das Provenzalische sich mehr zur Lyrik als zur Epik neige, denn wenn dies gleich zugegeben werden muss und Fauriel sich vergebens bemüht, ihr auch auf diesem Felde den Vorrang vor der nordfranzösischen zu erstreiten, so hat doch wohl nie ein Volk der epischen Poesie durchaus entbehrt, und der provenzalischen Literatur kann sie so wenig ganz abgesprochen werden, als der nordfranzösischen die Lyrik. Aber wäre auch die Provence als Heimat der Gralssage erweisbar, so bliebe sie doch nach ihrem oben angegebenen Umfange ein zu weites Gebiet, als dass nicht eine nähere Erkundigung innerhalb desselben nötig wäre. Diesseits der Pyrenäen, im südlichen Frankreich, begegnet uns zuerst das Königsgeschlecht von Anjou, das aber sogleich in Gahmuret, wenn dieser der Gralssage angehören sollte, über diese Hälfte der Provence nach Waleis und Norgals, ja in den fernen Orient hinüber greift. Seinen Bruder Galoes finden wir zwar nur mit der Auvergne (Averre 91, 23) in Beziehung, aber schon beider Vater Gandein, der nach der weiten Stadt Gandein (498, 25) genannt sein soll, schweift nach Steier hinüber. Gurnemans tritt im Parzival zuerst bei dem Turnier zu Kanvoleis, also jenseits der Pyrenäen auf; die Lage von Graharz vermögen wir nicht zu bestimmen, aber aus dem echten Titurel lernen wir seinen Enkel Schionatulander als den Delfin von Graswaldane (graisivaudan in der Dauphineée) kennen, so dass auch sie dem südlichen Frankreich angehören, durch Schionatulanders Verlobung mit Sigune, der Düchess von Katalangen (Katalonien), aber gleichfalls in die transpyrenäische Provence hinüberleiten. Orilus von Lalander und seine Schwester, Kunneware de Laland, deuten auf les Landes, 545, 29 wird Orilus ein Burgundois genannt; auch Poitou und Gaskogne kommen vor, ja Hennegau und Brabant genannt werden, so sind sie doch niemals Schauplatz der Sage. Indessen fragt es sich, wie alt diese Ortsnamen in der Sage sind und wer sie hineingebracht hat, Chrestien oder Wolfram; ja die zuletzt genannten scheinen den ausgeschiedenen britischen Sagenbestandteilen anzugehören. Auffallend bleibt es nur, dass so viele Königreiche, Landschaften und Städte, die man sich ins heutige Frankreich denken zu müssen glaubt, wie Iserterre mit der Hauptstadt Brandigan. Brobarz mit der Hauptstadt Delrapär, Li mit der Hauptstadt Barbigöl, Destrigleis mit der Hauptstadt Karnant, Askalon mit der Hauptstadt Schampfenzon, Beaursoch, Lirivoin, Avendroin, Gross, Logrois, Roschsabins, Ioflanze usw. sich schwerlich nachweisen lassen. Nimmt man hinzu, dass Parzivals Ritt aus der Wüste Solitane, die man sich doch gern in die Pyrenäen, in die Nähe der Länder Waleis und Norgals, denken möchte, nach dem Walde Briziljan, von dem wir wissen, dass er in der Bretagne lag, und gleich darauf von Nantes nach Graharz, das nach dem Obigen in der Dauphinée liegen müsste, keine sonderliche Rücksicht auf die Entfernungen verrät, so wird man begreifen, dass man sich im Lande der Dichtung befindet, nicht in einem solchen, das zu irgend einer Zeit auf der Karte nachweisbar wäre. Jenseits der Pyrenäen wird freilich der Schauplatz bestimmter und die Bezüge auf den Gral mehren sich. Das bedeutet aber wenig, wenn die zu 11 mitgeteilte Ansicht Ferd. Wolfs über den Grund der Versetzung des Grals nach Spanien richtig ist. In den Pyrenäen selbst scheint Monsalväsch zu liegen, der zweideutige Name möge nun den behaltenen, verborgenen Berg (mont salvat) oder den wilden (mont salvatge fr. sauvage) bedeuten. Nach dem jüngern Titurel (wenn dessen Zeugnis gelten kann) bekehrte Parill, Sennabors Sohn, des Stammvaters der Gralskönige, nachdem ihm Vespasian seine Tochter Argusille vermählt, das Königreich Frankreich geschenkt, seine Brüder aber mit Anjou und Kornwall beliehen hatte, die Heiden in Saragossa und Galicien. Sein Sohn titurison vermählte sich mit Elisabet von Arragonien, und dessen Sohn Titurel unterwarf mit Hilfe der Provenzalen, Kärlinger (Nordfranzosen),d eren von Arles und des Herzogs Karl von Lothringen die empörten Heiden von Auvergne und Navarra, und vermählte sich mit Richeiden, der Tochter des Königs von Spanien. Als der Engel ihm den Gral brachte, baute er bei Salvaterra in den Pyrenäen, zwischen Navarra und Arragonien, wo noch ein Ort dieses Namens liegt den Tempel von Monsalväsche. Ihm folgte im Priesterkönigtum (auch nach Wolfram) sein Sohn Frimutel, dessen Tochter Herzeleide, dem König Kastis vermählt, die Königreiche Waleis und Norgals, von denen wir nicht recht wissen wo sie liegen, von ihm ererbte. Ihre Schwester Schoisiane war Kiot dem Herzogen von Katalangen (Katalonien), vermählt; die Königreiche Waleis und Norgals, von denen wir nicht recht wissen wo sie liegen, von ihm ererbte. Ihre Schwester Schoisiane war Kiot dem Herzogen von Katalangen (Kataloneien), vermählt; aber auch Kailet, den König von Spanien, dessen Hauptstadt Toledo ist, sehen wir den Gralskönigen durch Richeiden, Frimutels Schwester, verschwägert. Hierzu kommt endlich das von Flegetanis aufgefundene Manuskript von Toledo, dessen oben erörterter Inhalt schon auf die mit dem Orient zusammenhängenden maurischen Provinzen Spaniens hinweist. Nun ist es an der Zeit, eine Bemerkung von Görres, die St. Marte wiederholt hat, zu erwähnen, wonach in diesen Gralsgeschichten noch keine Spur sei von dem Hass der Christen gegen die Mohammedaner, den die zur Zeit Kiots eintretenden Kreuzzüge entflammt hätten. Christliche Ritter, Gahmuret und Schionatulander, fechten ohne Bedenken im Dienst des Kalifen, und als ersterer in der Schlcht gefallen ist, gönnt ihm der Kalif ein christliches Begräbnis und lässt ein Kreuz bei seinem Grab aufrichten, ja nach dem jüngern Titurel will der Kalif ein Mönchskloster bei seinem Grabe stiften. Kailet von Toledo, Morholt von Irland und Friedebrand von Schotten verbinden sich mit Heiden, um Isenhart, einen dem Schotten verwandten Mohren mit deutschem Namen an Heiden zu rächen. "Dieser gänzliche Mangel einer feindlichen Richtung gegen das Heidentum als Religionspartei, die ungemeine Toleranz, die beide Glaubensbekenner gegeneinander üben, deuten auf die Länder als Heimat der Sage, wo diese Toleranz im größten Umfang geübt wurde, Spanien." Ich bin jetzt nicht mehr der Meinung, dass aus solcher Toleranz, welche übrigens die Kreuzzüge eher vermittelt als aufgehoben haben möchten, ein Schluss auf den Ort erlaubt sei, wo die Sage sich bildete; nur die ohne dies fest stehende frühe Zeit des Ursprungs jener von Gahmuret, die erst Wolfram mit der von Parzival verband, könnte daraus hervorgehen. |
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Jürgen Kühnle
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