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Wolfram von Eschenbach - Biografie

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         Biografie
            1. Wolframs Heimat
            2. Stand
            3. Vermögen
            4. Wolfram u. Walther
            5. W. Nachbarschaft
            6. Eheliches Leben
            7. Wolframs Werke
            8. W. und Gottfried
            9. Kiot
            10. Flegetanis
            11. Mythos vom Gral
            12. Deutung
            13. Anklänge Mythen
            14. Chronik Anjou
            15. Parzivals Abent.
            16. Parzival Peridur
            17. Kritik Mabinogi
            18. Ursprung Fortb.
            19. Templerorden
            20. Loherangrin
            21. Klinschor
            22. Priester Johannes
            23. Verchristlichung
            24. Jüngere Titurel
            25. Albrecht und Kiot
            Anmerkungen

20. Loherangrin

Noch haben wir dreier Nebenzweige der Sage zu gedenken, die, abweichend von allen übrigen, weder in der Bretagne, noch in der Provence, noch im fernen Orient wurzeln, nämlich jener ovn Loherangrin, Klinschor und dem Priester Johannes. Über erstern und seine lotharingische oder niederrheinische Abkunft können wir uns kurz fassen, da aus Grimms deutschen Sagen und Görres Vorrede zum Lohengrin die vielfachen Gestalten, in denen die Sage vom Schwanenritter umgeht, bekannt genug sind. Nimmt man Grimms deutsche Mythologie 1. Aufl. S.218 Anb. S. XVIII, und H. Leos Einleitung zum Beowulf hinzu, so hat man alles was nötig ist beisammen, um eine vollständige Übersicht der Verwandlungen dieser vielleicht schon von Tacitus (Germ. 3) vernommenen deutschen Ulyssessage zu gewinnen. Bekanntlich besitzen wir ein eigenes Gedicht von Lohengrin, das sich an den Wartburgkrieg anschließt, den Zusammenhang mit dem Gral aus Wolfram beibehält, und ein Teil der deutschen Kaisergeschichte mit einwebt. Dass Kiot schon diesen Nebenzweig der Sage gekannt habe, bezweifle ich jedenfallsund halte seine Anfügung für Wolframs Werk. Es steht nicht entgegen, dass schon Chrestien nach Dr. Holland S. 200 die Schwanensage in das Gewirr der Abenteuer zieht, die er episodisch an Gawan knüpft. Denn nicht von Parzival noch von dessen Sohn, Loherangrin, wird dies Abenteuer berichtet, das überdies nur bei König Artus die Ankunft eines toten Ritters in dem Kahn meldet, der von einem Schwan gezogen wird. Ein ausdrückliches Zeugnis, das Kiots Werk nichts von Loherangrine nthalten habe, besäßen wir, wenn ich Parz. 827, 5-8

endehaft giht der Provenzâl
wie Herzeloyden kint den grâl
erwarp, als im daz gordent was,
dò in verworhte Anfortas.

in der ersten Ausgabe richtig so verstanden hätte, als sollte Kiots Werk damit geschlossen haben, dass Parzival den Gral erwarb, nachdem ihn Anfortas verwirkt hatte. Allein der vieldeutige Ausdruck "endehaft" wird hier "vollständig" meinen, und so könnte diese Stelle eher gegen mich gewendet werden. Aber Loherangrins Schicksale gehören nicht zu dem vollständigen Bericht über Parzivals Erwerbung des Grals. Und gerade hierin, in der vollständigen Darlegung, wie Parzival durch innere Heilung würdig wurde, den Gral zu erwerben, auf den ihm schon seine Geburt Anspruch verliehen hatte, und wie ihn dagegen Anfortas durch sittliche Verschuldung verwirkte, besteht der Vorzug, welchen Wolfram seinem Gedichte vor dem Chrestiens beilegen durfte; die weitere Anknüpfung der Geschicke Loherangrins ist nur eine Zugabe, die man schon darum am besten Wolfram zuschreibt, wie sie sich bei Chrestiens Fortsetzern noch nicht findet. Sonst können auch alle die Gründe dafür angeführt werden, die von den übrigen deutschen Bestandteilen in Wolframs Gedichte gelten.

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