www.wissen-im-Netz.infoWolfram von Eschenbach - Biografie |
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Homepage Literatur Eschenbach Biografie 1. Wolframs Heimat 2. Stand 3. Vermögen 4. Wolfram u. Walther 5. W. Nachbarschaft 6. Eheliches Leben 7. Wolframs Werke 8. W. und Gottfried 9. Kiot 10. Flegetanis 11. Mythos vom Gral 12. Deutung 13. Anklänge Mythen 14. Chronik Anjou 15. Parzivals Abent. 16. Parzival Peridur 17. Kritik Mabinogi 18. Ursprung Fortb. 19. Templerorden 20. Loherangrin 21. Klinschor 22. Priester Johannes 23. Verchristlichung 24. Jüngere Titurel 25. Albrecht und Kiot Anmerkungen |
23. Verchristlichung der SageDie Sage vom Gral, Parzivals und Schionatulanders Geschichten, sind uns in Wolframs beiden Werken in der echtesten und zugleich schönsten Gestalt erhalten; alle übrigen Bearbeitungen derselben sind mehr oder weniger Entstellungen, wie Eschenbach selbst schon Chrestiens Werk dafür erklärte. Nach unserer Ausführung, § 11 und 12, hatten sich an die Verehrung einer Reliquie uralte heidnische Vorstellungen von deren wundertätiger, ja schöpferischer Kraft geknüpft. Im Mabinogi ist aber der Name des Johannes schon vergessen, wenn gleich noch nicht von der Schüssel, sondern von dem Haupte darauf, die schöpferische Kraft auszugehen scheint. Diese sehen wir aber weiterhin an der Schüssel haften, und nun musste man sich deren Heiligkeit zu erklären suchen. In der Meldung über Flegetanis, § 10, ist sie nun teils mit dem geheimen Einfluss der Gestirne, teils mit dem Fall Luzifers in Verbindung gebracht. Näher sucht Letzteres die Meldung des Wartburgkriegs zu begründen, wonach der Gral ein Stein war, der aus der Krone Luzifers sprang, als sie ihm der Erzengel Michael vom Haupte brach. Hiermit war ein neuer Weg zur Verchristlichung der Sage angebahnt. Doch kann schon Wolfram der Gral, wäre es auch nur wegen der Taube, die sich alljährlich am Karfreitag vom Himmel schwingt, als ein Symbol des christlichen Glaubens aufgefasst werden, weshalb er auch den Heiden unsichtbar bleibt. Die völlige Christianisierung, womit aber auch schon das Verderbnis der Sage beginnt, vollbrachten erst die spätern Nordfranzosen. Nach ihnen ist der Gral die Schüssel, aus welcher Christus mit seinen Jüngern das Abendmahl genossen, und worin dann Joseph von Arimathiä sein Blut aufgefangen hat, wovon Wolfram nicht wusste, vielleicht auch Chrestien nicht. Vgl. jedoch St. Marte Wolfr. 413 u. § 19. Von Joseph von Arimathiä, als dem Begleiter Philipps, des Apostels von Britanien, weiß aber schon Wilhelm von Malmesbury (um 1143), ohne jedoch der Abendmahlsschüssel zu gedenken. So wird auch die blutende Lanze, bei Wolfram noch nichts als der vergiftete Speer des Heiden, der den Anfortas verwundet hatte, bei ihnen zu der Lanze, womit Longinus Christi Seite durchbohrte, und das Schwert, das der Fischerkönig dem Parzival verehrt, soll einst Judas Maccabäus getragen haben. Der jüngere Titurel endlich gerät mit sich selber und mit Wolfram in Widerspruch, indem er Anfangs diesem folgt, gegen den Schluss aber manches von jenen Meldungen der nordfranzösischen Dichter aufnimmt. Hier endlich ist es and er Zeit den § 9 angedeuteten zweiten Grund anzugeben, durch welchen sich Wolfram zu der Angabe über Kiot gedrängt sah. Die Meldung des Flegetanis über den Gral konnte nur zu einer Zeit erfunden werden, wo dieser nichts mehr als eine Schüssel war, weil man das ursprünglich darauf liegende blutige Haupt, vielleicht des grausenhaften Eindrucks willen, bereits aus der Erzählung getilgt hatte. Hier wird es nun wahrscheinlich, dass es Wolfram selber war, der die Meldung über Flegetanis, der dem Zabulon gleicht, in das Gedicht brachte, weil er dem Verlangen seiner Hörer sich die Wunderkraft des Grals erklären zu können, genügen wollte. Aber hätte er sie auch irgendwo schon vorgefunden, immer kam ihm dazu Kiot, den er für eine Provenzalen ausgeben konnte, gelegen, weil diesem zuzutrauen war, dass er das in arabischer Sprache geschriebene Buch des Flegetanis, auf das er sich wegen des Grals in letzter Instanz beruft, in Toledo gefunden habe, währen er auch, da das Gebiet der Provenze bis an die Loire reicht, mit der Chronik von Anjou bekannt sein konnte. |
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Jürgen Kühnle
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