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Wolfram von Eschenbach - Lieder (Original

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Lieder (Original)

Her Wolfram von Eschenbach

Den morgenblic bî wahters sange erkôs
ein froue, dâ sie tougen
an ir werden friundes arme lac;
dâ von si ... freuden vil verlôs.
des muosen liehtiu ougen (3-5)
aver nazzen. sie sprach 'ôwê tac,
wilde und zam daz frewet sich dîn
und siht dich gerne,
   wan ich ein. wie sol iz mir ergên!
nu enmac niht langer hi bî mir bestên (3-10)
mîn vriunt: den jaget von mir dîn schîn.'
   Der tac mit kraft al durh diu venster dranc.
vil slôze si besluzzen:
daz half niht: des wart in sorge kunt.
diu friundîn den vriunt vast an sich dwanc: (3-15)
ir ougen diu beguzzen
ir beider wangel. sus sprach zim ir munt.
'zwei herze und einen lîp hân wir
gar ungescheiden:
   unser triwe mit ein ander vert. (3-20)
der grôzen liebe der bin ich vil gar verhert,
wan sô du kumest udn ich zuo dir.'
   Der trûric man nam urloup balde alsus.
ir liehten vel diu slehten
kômen nâher. sus der tac erschein (3-25)
weindiu ougen, süezer frouen kus.
sus kunden si dô vlehten
ir munde, ir brüste, ir arm, ir blankiu bein:
swelh schiltær entwurfe daz
gselleclîche
   als si lâgn, des wære ouch dem genuoc. (4-5)
ir beider liebe doch vil sorgen truoc.
si phlâgen minne ân allen haz.

'Sîne klâwen
durh die wolken sint geslagen,
er stîget ûf mit grôzer kraft, (4-10)
ich sih in grâwen
tägelîch als er wil tagen,
den tac, der im geselleschaft
erwenden wil, dem werden man,
den ich mit sorgen în verliez. (4-15)
ich bringe in hinnen, ob ich kan.
sîn vil manegiu tugent michz leisten hiez.'
   'Wahtær, du singest
daz mir manege freude nimt
unde mêret mîne klage. (4-20)
mær du bringest,
der mich leider niht gezimt,
immer morgens gegen dem tage.
diu solt du mir verswîgen gar.
daz biut ich den triwen dîn: (4-25)
des lôn ich dir als ich getar.
sô belîbet hie der selle mîn.'
   'Er muoz et hinnen
balde und âne sûmen sich:
nu gib im urloup, süezez wîp. (4-30)
lâze in minnen
her nâch sô verholne dich,
daz er behalte êr und den lîp.
er gab sich mîner triwe alsô,
daz ih in bræhte ouch wider dan. (4-35)
ez ist nu tac: Naht was ez dô
mit druck an brust dîn kus mirn an gewan.'
   'Swaz dir gevalle,
wahtær, sinc, und lâ den hie,
der minne brâht udn minne enphienc. (4-40)
von dînem schalle
ist er und ich erschrocken ie:
sô ninder morgenstern ûf gienc
ûf in, der her nâch minne ist komen,
noch ninder lûhte tages lieht,
du hâst in dicke mir benomen
von blanken armen, und ûz herzen nieht.' (5-5)
   Von den blicken,
die der tac tet durh diu glas,
und dô der wahtær warnen sanc,
si muose erschricken
durch den der dâ bî ir was. (5-10)
ir brüstelîn an brust si dwanc.
der rîtter ellens niht vergaz
(des wold in wenden wahters dôn):
urloup nâh und nâher baz
mit kusse und anders gab in minne lôn.

Ein wîp mac wol erlouben mir
daz ich ir neme mit triuwen war.
ich ger (mir wart ouch nie diu gir
verhabet) mîn ougen swingen dar.
wie bin ich sus iuwelnslaht? (5-20)
si siht mîn herze in vinster naht.
   Si treit den helfelîchen gruoz,
der mich an vröiden rîchen mac,
dar ûf ich iemer dienen muoz.
vil lîhte erschînet noch der tac (5-25)
daz man mir muoz vröiden jehen.
noch grœzer wunder ist geschehen.
   Seht waz ein storch den sæten schade:
noch minre schaden hânt mîn diu wîp.
ir haz ich ungern ûf mich lade. (5-30)
diu nu den schuldehaften lîp
gegen mir treit, daz lâze ich sîn:
ich wil nu pflegen der zühte mîn.

Der helden minne ir klage
du sunge ie gegen dem tage, (5-35)
daz sûre nâch dem süezen.
swer minne und wîplich grüezen
alsô enpfienc
daz si sich muosen scheiden,
swaz du dô riete in beiden, (5-40)
dô ûf gienc
der morgensterne, wahtær, swîc, dâ von niht gerne sienc.
   Swer pfliget odr ie gepflac
daz er bî liebe lac
den merkern unverborgen,
der darf niht durch den morgen
dannen streben, (6-5)
er mac des tages erbeiten:
man darf in niht ûz leiten
ûf sîn leben.
ein offen süeze wirtes wîp kan sölhe minne geben.

Von der zinnen (6-10)
wil ich gên, in tagewîse
sanc verbern.
die sich minnen
tougenlîche, und obe si prîse
ir minne wern, (6-15)
so gedenken sêre
an sîne lêre,
dem lîp und êre
ergeben sîn.
der mich des bæte, (6-20)
dêswâr ich tæte
im guote ræte
und helfe schîn.
ritter, wache, hüete dîn.
   Niht verkrenken (6-25)
wil ich aller wahtær triuwe
an werden man.
niht gedenken
solt du, vrowe, an scheidens riuwe
ûf künfte wân. (6-30)
ez wære unwæge,
swer minne pflæge,
daz ûf im læge
meldes last.
ein sumer bringet (6-35)
daz mîn munt singet:
durch wolken dringet
ein tagender glast.
hüet dîn, wache, süezer gast.'
   Er muos et dannen, (6-40)
der si kalgen ungerne hôrte.
dô sprach sîn munt
'allen mannen
trûren nie sô gar zerstôrte
ir vröiden funt.'
swie balde ez tagte,
der unverzagte
an ir bejagte
daz sorge in flôch: (7-5)
unvrömedez rucken,
gar heinlîch smucken,
ir brüstel drucken
und mêr dannoch
urloup gap, des prîs was hôch. (7-10)

Ursprinc bluomen, loup ûz dringen,
und der luft des meigen urbort vogel ir alten dôn:
etswenn ich kan niuwez singen,
sô der rîfe ligt, guot wîp, noch allez ân dîn lôn.
die waltsinger und ir sanc (7-15)
nâch halben sumers teile in niemens ôre enklanc.
   Der bliclîchen bluomen glesten
sol des touwes anehanc erliutern, swâ si sint:
vogel die hellen und die besten,
al des meigen zît si wegent mit gesange ir kint. (7-20)
dô slief niht diu nahtegal:
nu wache abr ich und singe ûf berge und in dem tal.
   Mîn sanc wil genâde suochen
an dich, güetlich wîp: nu hilf, sît helfe ist worden nôt.
dîn lôn dienstes sol geruochen, (7-25)
daz ich iemer biute und biute unz an mînen tôt.
lâz mich von dir nemen den trôst
daz ich ûz mînen langen klagen werde erlôst.
   Guot wîp, mac mîn dienst ervinden,
ob dîn helfelîch gebot mich fröiden welle wern, (7-30)
daz mîn trûren müeze swinden
und ein liebez ende an dir bejagen mîn langez gern?
dîn güetlîch gelâz mich twanc
daz ich dir beide singe al kurz od wiltu lanc.
   Werdez wîp, dîn süeziu güete (7-35)
und dîn minneclîcher zorn hât mir vil fröide erwert.
Maht du trœsten mîn gemüete?
wan ein helfelîchez wort von dir mich sanfte ernert.
mache wendic mir mîn klagen,
sô daz ich werde grôz gemuot bî mînen tagen.

'Ez ist nu tac,      daz ich wol mac      mit wârheit jehen,
   ich wil niht langer sîn.
diu vinster naht      hat uns nu brâht      ze leide mir
   den morgenlîchen schîn.'
'sol er von mir scheiden nuo,
mîn friunt, diu sorge ist mir ze vruo:
ich weiz vil wol, daz ist ouch ime,
      den ich in mînen ougen gerne burge,
      möhte ich in alsô behalten. (8-5)
      mîn kumber wil sich breiten.
ôwê des, wie kumt ers hin?
      der hôhste fride müez in noch wider an mînen arm geleiten.'
   Daz guote wîp      ir vriundes lîp      vast umbevienc:
      der was entslâfen dô. (8-10)
dô daz geschach      daz er ersach       den grâwen tac,
      dô muose er sîn unfrô.
an sîne brüste dructe er sie,
und sprach 'jâne erkande ich nie
kein trûric scheiden alsô snel. (8-15)
      uns ist diu naht von hinnen alze balde:
      wer hât si sô kurz gemezzen?
      der tac wil niht erwinden.
hât diu minne an sælden teil,
      diu helfe mir daz ich dich noch mit vröiden müeze vinden.' (8-20)
   Sie beide luste      daz er kuste      si genuoc:
      gevluochet wart dem tage.
urlop er nam,      daz dô wol zam;       nu merket wie:
      da ergienc ein schimpf bî klage.
si heten beide sich bewegen, (8-25)
ezn wart sô nâhe nie gelegen,
des noch diu minne hât den prîs:
      obe der sunnen drî mit blicke wæren,
      sin möhten zwischen si geliuhten.
      er sprach 'nu wil ich rîten. (8-30)
dîn wîplich güete neme mîn war,
      und sî mîn schilt hiut hin und her, und her nâch zallen zîten.'
   Ir ougen naz       dô wurden baz:      och twanc in klage:
      er muose dan von ir.
si sprach hin zime      'urlop ich nime       zen vröiden mîn: (8-35)
      diu wil nu gar von mir,
sît daz ich vermîden muoz
dînen munt, der mangen gruoz
mir bôt und och dîn süezen kus,
      als in dîn ûz erweltiu güete lêrte, (8-40)
      und diu geselle dîn, diu triuwe.
      weme wilt du mich lâzen?
nu kum schier wider ûf rehten trôst.
      ôwê dur daz enmac ich strenge sorge niht gemâzen.'

[Guot wîp, ich bite dich minne,
ein teil dur daz,
sît ich dir niht gebieten mac. (9-5)
du gib mir die gewinne,
daz ich baz
an dir gelebe noch lieben tac.
snel für mich, wilder danne ein tier,
mac mir dîn helfe entwenken. (9-10)
wilt an triuwe gedenken,
sælic wîp,
         sô gîst ein liebez ende mier.
      Du treist sô vestez herze
ûf mîne vlust: (9-15)
wie sol der site an dir zergên?
ein mûzervalke, ein terze,
dem mac brust
niht baz dan dir diu dîne stên.
dîn munt ist ûf den kus gestalt, (9-20)
dîn lachelîchez grüezen
mac mir wol gesüezen
sûre nôt:
         sus hât dîn minne mîn gewalt.
      Möht ich die sælde reichen, (9-25)
diu sô hôch
ob mîner fröide stêt gezilt!
got müez ir herze erweichen,
sît ez noch
der mîner swære niht bevilt. (9-30)
man siht mich alze selten geil.
ein vlins von donrestrâlen
möht ich zallen mâlen
hân erbeten,
         daz im der herte entwiche ein teil. (9-35)
      Ir wengel wol gestellet
sint gevar
alsam ein towic rôse rôt.
diu schœn mir wol gevellet,
sist valsches bar. (9-40)
ir ougen bringent mich in nôt.
si dringent in mîns herzen grunt:
so enzündet mich ir minne,
daz ich von ir brinne:
an der stat (9-45)
         bin ich von der süezen wunt.
      Ir schœne fröide machet
durliuhtic rôt
ist ir munt als ein rubbîn.
swem si von herzen lachet,
des sorge ist tôt. (10-5)
sist mîn spilnder ougen schîn.
ir frömde krenketz herze mîn:
ich stirb, mir werde ir minne.
Vênus diu gotinne,
lebt si noch, (10-10)
         si müest bî ir verblichen sîn.
      Ich wil des mînen ougen
sagen danc,
daz si si vunden alsô guot.
die ich dâ minne tougen (10-15)
sunder wanc,
diu hât gehœhet mir den muot.
daz schaffet mir ir rôter munt:
ir minneclîchez lachen
kan mir wol gemachen (10-20)
hôhen muot,
         dâ von mir wirt ein fröide kunt.]

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