-
Als sich der starke Titurel
noch wusste zu rühren,
Er getraute wohl die Seinen
und sich selbst im Sturme zu führen;
Jetzt sprach er im Alter: "Ich lerne
Dass ich den Schaft muss lassen:
Den schwang ich sonst so schön und so gerne.
-
"Könnt ich noch Waffen tragen,"
sprach der Furchtlose,
"Die Lüfte müssten schüttern
von meines Speeres krachendem Stoße,
Splitter gäben Schatten vor der Sonnen;
Viel Helmzierden sah ich
von meines Schwertes Schneide hell entbronnen.
-
"Hab ich von hoher Minne
je Trost empfangen,
Ließ mich der Minne Süße
je Beseligung erlangen,
Wenn je mich grüßten minnigliche Frauen,
Das ist nun fremd geworden
dem schwachen Greise, dem altergrauen.
-
"Mein Glück, mein Entsagen,
mein liebendes Sinnen,
Und ließ mich milde Gabe
und kühne Tat je Würdigkeit gewinnen,
Das kann an meine Kindern nicht verderben.
Treu und wahre Minne
muss sich auf mein ganz Geschlecht vererben.
-
"Ich weiß wohl, wen weibliches
Lachen begrüßet,
Dass sein Herz auf immerdar
hoher Sinn und Stetigkeit durchsüßet.
Nimmermehr verlassen ihn die beiden
Als mit dem Tod alleine;
anders kann sie niemand von ihm scheiden.
-
"Da der Gral mir wurde
von Gott gesendet,
Den ich aus des Engels
Hand empfing, von seinem Glanz geblendet,
Geschrieben fand ich da des Grales Orden:
Nie war vor mir die Gabe
menschlichen Händen noch zu Teil geworden.
-
"Der Herr des Grales lebe
in Demut und Reine.
O weh, süßer Sohn
Frimutel, dass ich nur dich alleine
Von meinen Kindenrnoch dem Gral bewahre!
Nun empfah des Grales Krone
und den Gral, mein Sohn der lichte klare.
-
"Sohn, das Amt des Schildes
hast du bei jungen Jahren
Kräftiglich verwaltet,
Zagheit hat man nie an dir erfahren.
Von der Ritterschaft muss ich mich wenden:
Nun wehr dich, Sohn, alleine;
sieh, die Kraft entschwindet meinen Händen.
-
"Fünf liebe Kinder,
Sohn, hat dir Gott verliehn:
Die sind auch hier dem Grale
zu einem werten Ingesind gediehen.
Anfortas und Trevrezent der schnelle:
Vor allem Preise, selber
wohl noch erleb ichs, schallt ihr Preis einst helle.
-
"Deine Tochter Schoisiane
beschließt der guten Gaben
So viel in ihrem Herzen,
einst wird die Welt noch Frommen von ihr haben.
Herzeleiden mag es auch gelingen.
Urrepans de Schoiens Lob
wird kein ander Lob zum Schweigen bringen."
-
Diese Reden hörten
die Frauen und die Ritter.
Wohl in manchen Herzen
der Templeisen ward der Jammer bitter,
Die er einst aus manchem Treffen brachte,
Wenn er den Gral mit seiner Hand
und ihrer Hilfe ritterlich bewachte.
-
So war der starke Titurel
geworden der schwache,
So von hohem Alter
als von des Siechtumes Ungemache.
Frimutel besaß hinfort in Ehren
Den Gral auf Monsalväsche:
kein irdisch Reich mag höher Heil gewähren.
-
Nun waren seiner Töchter
zwo in den Jahren,
Dass sie zu hoher Minne
an Freundes Arm voll ausgewachsen waren.
Werben sah man um Schoisianens Minne
Viel Könge mancher Lande:
da ward sie einem Fürsten zum Gewinne.
-
Kiot aus Katelangen
erwarb Schoisianen.
Nie an Schönheit unterm Mond
glich eine Jungfrau der Wohlgetanen.
Auch mocht ihm ihre Hand viel Tugend lohnen:
Hohe Kosten, kühne Tat
pflegt' er, wo es Preis galt, nicht zu schonen.
-
Man führte sie ihm herrlich zu;
auch ward sie reich empfangen.
Der König Tampentäre,
sein Bruder, kam auch gen Katelangen.
Reiche Fürsten sah man da in Scharen:
Von schönerer Hochzeit
hat man in allen Landen nie erfahren.
-
Kiot, der Herr des Landes,
hatte Preis errungen
Mit Kühnheit oft und Milde;
selten war es seiner Tat misslungen,
Wo es unerschrocken galt zu streiten
Und um Lohn der Frauen
unterm Helmschmuck zu der Tjost zu reiten.
-
Hat je ein Fürst auf Erden
ein lieber Weib gewonnen,
Wie schenkte dem die Minne
so voll das Maß der herzlichen Wonnen.
Doch o weh, nun nahet ihm die Trauer!
So nimmt die Welt ein Ende!
Des süßen Glückes Neige schmeckt uns sauer.
-
Zur rechten Zeit gewährte
sein Weib ihn eines Kindes.
Dass mich Gott erlasse
in meinem Hause solchen Ingesindes,
Wenn ich es so teuer müsst entgelten!
Behalt ich kluge Sinne,
so hegt mein Herz solche Wünsche selten.
-
Die süße Schoisiane,
die schöne und gute,
Gebar im Tode
eine Tochter reich an selgem Mute.
An der ward aller Jungfraun Preis zu Schanden:
Sie pflag solcher Treue,
dass man von ihr noch sagt in manchen Landen.
-
So war des Fürsten Leid
doch verwebt mit Freuden:
Seine Tochter war am Leben,
ihre Mutter tot: Das hatt er an den beiden.
Schoisianens Tod verhalf seinem Herzen
Zu Verlust wahrer Wonne,
zu Gewinn immerdar an den Schmerzen.
-
Da befahl man die Fraue
mit Jammer der Erden.
Mit köstlichen Gewürzen
sollte sie zuvor gebalsamt werden:
Da musst es noch so lange Anstand haben.
Von allen Seiten kamen
Fürsten und Könige, sie zu begraben.
-
Der Herzog trug zu Lehen
sein Land von Tampentäre,
Dem König, seinem Bruder,
der genannt war von Pelrapäre.
Der lieh es nun dem Kinde, seiner Nichten;
Denn auf Schwert, Helm und Schild
wollte Kot hinfort verzichten.
-
Manfilot der Herzog
sah so im Leide
Seinen teuern Bruder:
Das war eine bittre Augenweide!
Da schied auch er aus Jammer sich vom Schwerte,
Dass Kampf und hohe Minne
nun keiner von beiden mehr begehrte.
-
Sigune ward die Tochter
genannt in der Taufe,
Die ihr Vater Kiot
bezahlt hatte zu so teuerm Kaufe,
Denn er verlor durch sie die Wohlgetane,
Von der der Gral zu Anfang
sich tragen ließ: Das war Schoisiane.
-
Nun fuhr Tampentäre
mit Sigunen, der kleinen
Heim zu seiner Tochter.
Da sie Kiot küsste, da sah man weinen!
Da lag Kondwiramur noch an den Brüsten.
Die zwei Gespielen wuchsen,
dass wir kein Ziel ihres Lobes wüssten.
-
Zu denselben Zeiten
war Kastis gestorben:
Der hatte Herzeleiden
zu Monsalväsch, die schöne, erworben.
Kanvoleis gab er der Fraun zum Lohne
Und Kingrivals: in beiden
trug sein Haupt vor Fürsten die Krone.
-
Nie hatte sie doch Kastis
gewonnen zum Weibe,
Die in Gahmuretens
Arme lag mit unberührtem Leibe,
Doch wurde sie Gebietrin zweier Reiche,
Des holden Frimutellens Kind
von Monsalväsche, die wonnereiche.
-
Als König Tampentäre starb,
und Kardeiß der klare
Die Kron empfing in Brobarz,
das geschah in dem fünften Jahre,
Seit sich Sigune bei ihm aufgehalten.
Da mussten sie sich scheiden,
die jungen zwei Gespielen, nicht die alten.
-
Herzeleid die Königin
Sigunens gedachte:
Sie warb so lang mit Bitten;
bis man sie von Brobarz zu ihr brachte.
Kondwiramur begann zu klagen;
Dass sie ihrer Freundschaft
und trauten Nähe nun sollt entsagen.
-
Das Kind sprach: "Liebes Väterlein,
nun lass mir mit Docken
Die Kisten erfüllen,
so magst du mich zu meiner Muhme locken:
So bin ich auf die REise gut gerichtet.
Es lebt mancher Ritter,
der sich zu meinem Dienst noch verpflichtet."
-
"Wohl mir so werten Kindes!
wie sprichst du mit Verstande!
Möchte Gott nur lange
so hehre Herrin gönnen meinem Lande.
Mein Kummer schläft, so lang dein Heil darf wachen.
Wär Schwarzwald hier zu Lande,
zu Schäften säh ich ganz um dich ihn machen."
-
So erwuchs Kiotens Kind
Sigune bei der Muhmen.
Wer sie sah, dem schien sie
wie Maienglanz bei taunassen Blumen.
Ehr und Heil aus ihrem Herzen blühte;
Naht erst ihre Lobeszeit,
so mehr ich noch das Lob ihrer Güte.
-
Was zu vollem Lobe
gehört bei reinem Weibe,
Des war nicht eines Haares breit
vergessen an ihrem süßen Leibe.
Sie reine Frucht, die lautre, wohlgetane,
Der Mutter gleich geartet Kind,
jung, keusch und rein wie einst Schoisiane.
-
Lasst uns auch gedenken
Herzeleids der reinen.
Man mocht ihr Lob wohl schenken;
ich will die liebe minnen und meinen.
Sie Bronnen aller weiblichen Ehren,
Sie wusst es zu verdienen,
wie man ihr Lob sah in den Landen mehren.
-
Die magdliche Witwe,
die Tochter Frimutelles,
Wo man der Frauen Lob besprach,
da erscholl nach ihrem kein so helles.
In alle Lande fuhr das Lob der Werten,
Bis ihrer Minne ward gedient
vor Kanvoleis mit Speeren und mit Schwerten.
-
Nun hört von Sigunen,
der Maid, fremde Wunder.
Sich bräunt' ihr fahles Lockenhaar,
ihre Brüste wölbten sich runder.
Da wuchs in ihrem Herzen Hochgemüte,
Sie wurde stolz und lose
und doch dabei voll weiblicher Güte.
-
Wie Gahmuret geschieden
vom Lande Belakanens,
Wie er darauf erworben
ritterlich die Schwester Schoisianens,
Wie er der Französin sich entschlagen,
Das will ich hier verschweigen
und euch von magdtumlicher Minne sagen.
-
Anflise, die Französin,
ließ sich ein Kind vertrauen
Von fürstlichem Geschlechte
und solcher Art, die immer trug ein Grauen
Vor allen Dingen, die da Preis verderben:
Prüfet alle Fürsten,
so seht ihr keinen so nach Preise werben.
-
Da Gahmuret den Schild
empfing von Anflisen,
Ihm lieh die werte Königin
dies Kind. Das wird noch hoch von uns gepriesen:
Das verdient seine kindliche Süße:
Es wird der Aventüre Herr,
um den ich alle Kinder freundlich grüße.
-
Auch zog dasselbe Kind
mit dem Anscheweine
Hinüber in die Heidenschaft
zu dem Baruch Ackareine;
Gen Waleis bracht er es hernach zurücke.
Wo Kinder Tapferkeit erspähn,
das frommt dereinst dem Manne noch zum Glücke.
-
Zum Teil will ich des Kindes
Geschlecht euch benennen.
Gurnemans von Grahharz,
sein Ahne, konnte Eisen wohl zertrennen:
In mancher Tjost hatt er den Ruhm erworben;
Gurzgri hieß sein Vater,
der um Schoi de la Kurt gestorben.
-
Seine Mutter war Mahaute,
Eckunatens Schwester,
Des reichen Pfalzgrafen,
genannt nach der starken Stadt Berbester;
Selber hieß er Schionatulander:
Höhern Preis erwarb der Held
als die andern alle miteinander.
-
Dass ich des werten Gurzgri
Sohn euch nicht nannte
Vor der Magd Sigunen,
das tat ich, weil man ihre Mutter sandte
Aus des Grales Pflege dem Gemahle;
Den Vorzug gibt ihr wohl Geburt,
denn ihr Geschlecht diente dem Grale.
-
Die des Grales hüten,
das sind die Erwählten,
Immer selig hier und dort,
die stets dem höchsten Preise zugezählten.
Auch Sigune war von diesem Samen,
Der in die Welt von Monsalväsch
ward ausgestreut, den nur die Würdgen nahmen.
-
Wohin dieses Samens
gebracht ward in die Lande,
Da musst er Früchte bringen:
Wie ein Hagel fiel er auf die Schande.
Weit ist der Name Kanvoleis gedrungen:
Hauptstadt der Treue
ward sie seitdem genannt in manchen Zungen.
-
O wohl dir, Kanvoleis!
Von der Treu und Stete
Wird man ewig sprechen,
die in dir begann nicht zu späte.
Da hob sich zweier Kinder frühe Minne
So lauterlich, die ganze Welt
würde keiner Trübheit an ihr inne.
-
Der stolze Gahmuret
erzog sie miteinander
In seiner Kemenate.
War der junge Schionatulander
Nur zu schwachen Sinne noch gediehen,
Er konnte doch der Herzensnot
von Sigunens Minne nicht entfliehen.
-
O wehe! Sie sind noch
zu jung solchen Ängsten.
Wo die Jugend von der Minne
ergriffen wird, da währt sie am längsten.
Das Alter mag der Minne leicht entsagen;
Die Jugend zwingt der Minne Band;
sie kann sich ihrer Kraft nicht entschlagen.
-
Weh, Minne, was verschont nicht
deine Kraft die Kinder!
Einer, der nicht Augen hat
würde dich doch spüren, ein Blinder.
Zu vielfach, Minne, bist du stets gewesen;
Alle Schreiber schrieben
deine Art nicht aus noch dein Wesen.
-
Auch den Mönch im Kloster
überwindet Minne,
Sie zwingt den Einsiedel
selbst zu gehorsamem Sinne:
Keine Regel hält sie dann im Zaume;
Sie zwingt den Ritter unterm Helm:
ihr genüget an dem engsten Raume.
-
Der Minne Macht bewältigt
die Nähe wie die Weite;
Minne hat auf Erden Haus;
in den Himmel gibt sie gut Geleite.
Minn ist allwärts, außer in der Hölle.
Der starken Minne lahmt die Kraft,
wird Wankelmut und Zweifel ihr Geselle.
-
Ohne Wank und Zweifel
sah man die beiden
Schionatulander
und Sigunen, in der Liebe Leiden;
Große Freude mischte sich darunter.
Es wird zu lang, sonst sagt' ich euch
von kindlicher Minne manches Wunder.
-
Verschämte Zucht und ihres
Geschlechts ererbte Weise
(Aus lautrer Liebe stammten sie)
hielt sie in dem angestammten Gleise,
Dass sie außen sich der Minn erwehrten
Vor der Merker Augen,
und in den Herzen innen sich verzehrten.
-
Schionatulander
war in der Minne weise
Durch manche süße Botschaft,
die der Franzosen Königin Anfleise
Heimlich einst der Anschewein gesendet:
Er brachte sie und wandte
oft beider Not: Wär seine nun gewendet!
-
Schonatulander
hatt es oft erfahren
Bei seinem Oheim Gahmuret;
wie der zu sprechen wusst und zu gebahren,
Und wie er sich von Kummer konnte scheiden:
Das rühmten die Getauften hier,
das rühmten dort von ihm die werten Heiden.
-
Die je geminnt haben
und Minneleid getragen,
Von magdlichem Kummer
höret nun und Jünglingsschmerzen sagen.
Davon will ich euch Abenteuer künden,
Allen, die der Sehnsucht Pein
je herzliche Liebe ließ ergründen.
-
Der süße Schionatu-
lander Genannte,
Als seiner Gespielin
Huld sein leidend Herz übermannte,
Da sprach er: "Sigune, hilfereiche,
Hilf, süße Magd, dass deine Hand
mir aus diesen Sorgen Hilfe reiche.
-
"Düschels von Katelangen,
lass mich des genießen,
Man sagt du seist der Art entstammt,
die es niemals mochte verdrießen,
Mit Minnelohn ihm Hilfe zu gewähren,
Der Minnenot durch sie empfing:
die Sitte solltest du an mir bewähren."
-
"Doux Ami, nun sprich,
süßer Freund, was du meinest.
Lass hören, ob du solche
Gesinnung gegen mich mir bescheinest,
Dass ich Gehör der Klage müss erteilen:
Bist du des Schadens nicht gewiss,
so solltest du dich nicht übereilen."
-
"Gnade soll man suchen
da wo sie wohnet.
Herrin, ich suche Gnade:
nun sieh, wie deine Gnade mir lohnet.
Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern;
Aber Ungnade,
wem könnte die wohl Schmerzen lindern?"
-
Sie sprach: "Du sollst um Linderung
deinen Schmerz da künden,
Wo man dir besser helfen mag
als ich, du mächtest sonst dich versünden,
Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile.
Denn ich bin eine Waise,
Land und Leuten fern, ach, manche Meile!" -
-
"Ich weiß wohl, dass dir Leut und Land
gehorchen, ihrer Frauen;
Das begehr ich alles nicht:
nur lass dein Herz durch deine Augen schauen,
So dass es meines Kummers Not bedenke:
Nun hilf, eh deiner Minne Flut
mir das Herz und die Freuden ertränke." -
-
"Wer solche Minne hat, dass er
durch Minne gefährde
So lieben Freund, wie du mir bist,
mir der liebste Freund auf der Erde,
Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne.
Gott weiß wohl, ich wusste
nie von der Minne Verlust noch Gewinne.
-
"Minne, ist das ein er?
Kannst du Minne beschreiben?
Ist es ein sie? Und kommt mir
Minne, wo soll ich mit ihr bleiben?
Soll ich sie verwahren bei den Docken?
Fliegt sie uns auf die Hand,
oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl locken."
-
"Herrin, ich hörte sagen
von Frauen und von Mannen,
Minne kann auf Alt und Jung
den Bogen so meisterlich spannen,
Dass sie mit Gedanken tödlich schießt:
Sie trifft ohne Fehlen
was da läuft, kriecht, fliegt oder fließet.
-
"Ich kannte, süße Magd, bisher
Minne nur aus Mären:
In Gedanken wohnt die Minne;
das kann ich mit mir selber nun bewähren.
Dazu treibt sie wandellose Liebe.
Minne stiehlt mir Freude
aus dem Herzen gleich einem Diebe."
-
"Schionatulander,
mich zwingen Gedanken,
Wenn du mir aus den Augen kommst,
dass ich an den Freuden muss erkranken,
Bis ich dich heimlich wieder angesehen.
Drum traur ich in der Wochen
nicht einmal, zu oft ist mirs geschehen."
-
"So darfst du, süße Magd, mich
nicht fragen nach Minne:
Du erfährst wohl ohne Fragen
von der Minne Verlust und Gewinne.
Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen;
Tu der Minn ihr Recht, dass
uns die Minne nicht verderbt in den Herzen."
-
Sie sprach: "Kann die Minne
die Herzen so beschleichen,
Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd
mit Behendigkeit mög entweichen:
Weiß denn jemand, was die Minne rächen
Will an Leuten, die ihr nie
geschadet, ihre Freuden so zu brechen?
-
"Wohl ist sie gewaltig
der Jungen wie der Greisen:
Kein Meister lebet,
der ihre Wunder alle möge preisen.
Lass uns um ihre Hilfe beide werben
Mit wandelloser Freundschaft;
so kann mit Wank uns Minne nicht verderben."
-
"O weh, könnte Minne
doch andre Hilf erzeigen,
Als dass ich meinen freien Leib
in dein Gebot dir gäbe zu eigen!
Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen:
Du musst mich unter Schildesdach
erst verdienen, das sollst du wissen!"
-
"Herrin, wenn ich erstarke
die Waffen zu führen,
In süßer, saurer Arbeit
will ich heut und immer mich rühren,
Dass mein Dienst nach deiner Hilfe ringe;
Deine Hilfe tut mir Not:
hilf denn, dass mir an dir gelinge."
-
So hatt ihre Minne
den Anfang genommen
Mit Worten, in den Zeiten
da Pompejus vor Baldag zu kommen
Sich gerüstet mit gewaltgem Heere,
Und Ipomidon der Werte;
da zerbrachen sie viel neue Speere.
-
Gahmuret entschloss sich
auch dahin zu fahren,
Nur mit eignem Schilde:
nicht entbot er seine stolzen Scharen,
Denn er trug wohl dreier Lande Kronen.
So trieb ihn Minne in den Tod;
den empfing er von Ipomidonen.
-
Schionatulanders
Herz war beklommen,
Da ihm Sigunens Minne
hohen Mut und Freude benommen.
Er musste doch mit seinem Oheim scheiden;
Das war Sigunenes Herzeleid
und seins: Nachstellte Minne den beiden.
-
Urlaub nahm der junge Fürst
von der Magd verborgen.
"O weh, wie soll ichs erleben,
sprach er, "dass die Minne mich der Sorgen
Erledigen müsse, und vom Tode scheiden?
Wünsche Glück mir, süße Maid:
ich muss von dir hinaus zu den Heiden."
-
"Ich bin dir hold, getreuer Freund:
nun sprich: Ist das Minne?
So soll sich immer
mir erneun der Wunsch nach dem Gewinne,
Der uns beiden hohe Freud erwerbe:
Es brennen alle Wasser,
eh die Minne meinerseits verderbe."
-
Viel Lieb verblieb allda,
Lieb schied von dannen,
Nie hört ich sagen
von Maiden, Fraun noch mannlichen Mannen,
Die sich herzlicher mochten minnen:
Das ward an Sigunen
Parzival bei der Linden wohl innen.
-
Von Kingrivals der König
Gahmuret verstohlen
Von Freunden und von Mannen schied:
Seine Fahrt blieb ihnen all verhohlen.
Nur zwanzig Fürstenkinder klug und weise
Und achtzig Harnischknappen
ohne Schild hatt er erwählt zu der Reise.
-
Fünf schöne Rosse, Goldes viel,
von Assagog Gesteine,
Folgt' ihm auf die Fahrt; sein Schild
sonder andern Schild, ganz alleine.
Immer sollt ein Schild Gesellen kiesen,
Dass ein andrer Schild ihm Heil
wünschte, wenn dieser Schild sollte niesen.
-
Ihre Lieb und seine
Minne waren fremde
Sich noch nie geworden.
Ihm gab die Königin ihr blankes Hemde
Von Seide, wie es ihren Leib berühret,
Den blanken, und das Braune dort.
Das ward vor Baldag in die Schlacht geführet.
-
Aus Norgals durch Spanien
gen Sevilla der Veste
Zog des kühnen Gandein Sohn,
der den Augen Wassers viel entpresste,
Da man den Ausgang hörte seiner Reise.
Die Getauften wie die Heiden
sprechen stets von seinem hohen Preise.
-
Das red ich nach der Wahrheit,
nicht nach leerem Wahne.
Nun lasst uns auch gedenken
des jungen Fürsten aus Graswaldane,
Wie seinem Herzen alle Freud entzogen
Sein keusches Lieb Sigune,
wie Bienen stets aus Blumen Süße sogen.
-
Liebliche Siechheit,
die er trug von Minne,
Verlust des hohen Mutes
bei der Sorgen reichlichem Gewinne,
Sah man den von Graharz schmerzlich peinen.
Den Tod nähm er lieber,
wie sein Vater Gurzgri von Mabonagreinen.
-
Wie manche Tjost durch Feindesschild
mit des Speerbruchs Krache
Seine Hand auch führte,
sein Leib ist doch zu solchem Ungemache
Zu schwach, da ihn die Minne schwächt und kränket,
Und sein Gedank an liebliche
Liebe so unvergesslich gedenket.
-
Wenn andere Junker
auf Feldern und Straßen
Turnierten und rangen,
so musste ers vor Herzweh unterlassen;
An allen Freuden ließ ihn Minne siechen.
Aufstehn lernt ein Kind am Stuhl;
erst aber muss es hin zu ihm kriechen.
-
Nun trag er hohe Minne!
So muss er auch denken
Den Sinn empor zu richten,
und aller Falschheit fern ab zu lenken
Die Ehre in der Jugend wie im Alter;
Eh mancher Fürst das lernte,
man lehrte einen Bären eh den Psalter.
-
Schionatulander
trug lang sein Leid verborgen,
Eh der werte Gahmuret
inne ward der verhohlnen Sorgen,
Wie seinen nächsten Blutsfreund Kummer drückte:
Sommer und Winter quält' er sich,
wie auch der Erde wechselnd Kleid sich schmückte.
-
Die angestammte Schönheit,
sein Anstand, sein Geschicke,
Sein Angesicht, die lichte Haut,
seiner Augen leuchtende Blicke,
Die schied der Gram von ihrem lautern Glanze:
Ihn zwang nicht halbe Neigung,
die mächtge Liebe war es, die ganze.
-
So ward auch Gahmuretens
Herz einst bedränget
Von der Minne Feuer;
oft hatt ihm ihre Flammenglut versenget
Die lautre Haut, bis all ihr Schein entschwunden.
Von der Minne Hilfe wusst er wohl;
er kannt auch ihre zwängenden Stunden.
-
Wie listig sei die Minne,
sie muss sich entdecken,
Wer Augen hat und Minne kennt,
dem kann sich ihre Kraft nicht verstecken.
Sie ist als Winkelmaß auch ohne Tadel;
Sie stickt und zeichnet wunderschön,
noch besser als Stift oder Nadel.
-
Gahmuret gewahrte
den verborgnen Kummer,
Der aus Graswaldan dem jungen
Delfin die Freude nahm und den Schlummer.
Er zog ihn auf das Feld beiseit mit Fragen:
"Wie hat Anflisens Knabe sich?
Seine Trauer gibt mir kein Behagen.
-
"Ich habe Teil an deinen
Seufzern, deinen Tränen.
Der römische Kaiser
und der Großherr aller Sarazenen,
All ihr Reichtum kann es mir nicht wehren,
Was Dich in Kummer brachte,
das muss auch meine Freude verzehren."
-
Wohl möchtet ihr nun schauen
an Gahmuretens Miene,
Könnt er nur, er helfe
gern dem jungen liebenden Delfine.
Er sprach: "O weh, wo ist der Schein geblieben
Deines lautern Angesichtes?
Die Minne will sich selbst in dir betrüben.
-
"Ich spür an dir die Minne:
die Spur ist tief geschlagen.
Hehl mir nicht deine Heimlichkeit,
da wir so nahe Verwandtschaft tragen.
Wir sind ein Fleisch und Blut durch rechte Sippe,
Näher als von der Mutter,
die da erwuchs aus der gestohlnen Rippe.
-
"Du Minnebronnen, frisches
Reis der Minneblühte!
Wie muss mich nun dauern
Anflise, die dich aus weiblicher Güte
Mir lieh: Als hätte dich ihr Schoß geboren,
So hielt sie dich an Kindesstatt:
stets war dir ihre Gunst unverloren.
-
"Birgst du mir deine Heimlichkeit,
wie muss das beschweren
Mein Herz, das stets dein Herz auch war;
deine Treue kann es auch nicht ehren,
Dass du mir so große Not verhehlest;
Deiner Stete trau ich es nicht zu,
dass du so wankelmütig dich verfehlest."
-
Der Knappe sprach in Sorgen:
"So will ich nur denken,
Wie mir dein Friede bleibe
und mich dein Zorn nicht ferner dürfe kränken:
Aus Zucht verbarg ich dir all meine Schmerzen.
Nun nenn ich dir Sigunen:
Die hat es angetan meinem Herzen.
-
"Meine Bürd erleichtern kannst du,
willst dus nicht versagen.
Nun gedenke der Französin:
Hab ich Sorge je für dich getragen,
So nimm mich jetzt aus dieser Not, den kranken.
Der Leu träumt im Schlafe
nicht so schwer, als meine wachenden Gedanken.
-
"Auch sei gemahnt, ich habe
Meer und Land durchstrichen
Dir zu Liebe, nicht aus Armut.
Ich bin von Land und Leuten gewichen
Und von Anflisen, meiner werten Frauen.
Das komme mir nun alles
bei dir zu gut: Lass deine Hilfe schauen.
-
"Du magst mich wohl erlösen
der schließenden Banden.
Trag ich einst selber Helm und Schild
mit fürstlicher Pracht in den Landen,
Und soll mit tapfrer Hand da Preis erringen,
Bis dahin sei mein Vogt, auf dass
dein Schirm mich schütze vor Sigunens Zwingen."
-
"Ei, schwacher Knapp, wie muss so viel
des Waldes noch verderben
In Tiosten deine Hand,
sollst du der Minne der Düchess erwerben.
Werte Minne lohnt nur dem Verdienste:
Tapferm Armen wird sie ehr
als dem verzagten Reichen zum Gewinnste.
-
"Doch hör ich gerne, dass dein Herz
so hoch dir steiget:
Wo hat ein Baum die Äste
wohl noch je so wonniglich verzweiget?
Blüht schönre Blum auf Flur und Wiesengrunde?
Hat dich mein Mühmchen bezwungen,
o wohl dir der lieblichen Kunde!
-
"Ihre Mutter Schoisiane
war dafür berufen,
Dass Gott und seine Kunst mit Fleiß
sie so schön und wonniglich erschufen:
Schoisianens Glanz, den sonnenhellen,
Den hat Sigune, Kiots Kind,
an sich: Das Urteil hör ich alle fällen.
-
"Kiot, der in scharfer Not
stets sich Preis errungen,
Der Fürst von Katelangen,
eh seine Kraft Schoisianens Tod bezwungen:
Der beiden Tochter mag ich wahrhaft grüßen
Siegerin Sigune,
wo man zwischen Maiden wählt, den süßen.
-
"Die dir hat obgesiegt, nun sollst
du Sieg an ihr erringen
Mit dienstlicher Treue.
Ich will auch bald auf deine Seite bringen,
Dass sie dir beisteht, ihre werte Muhme.
Durch Sigunens Glanz soll deine
Farb erblühn gleich einer lichten Blume."
-
Schionatulander
begann da zu sprechen:
"So will mir deine Treue
aller meiner Sorgen Bande brechen,
Nun ich darf mit deinem Willen minnen
Sigunen, die mir lange
Freude stahl und fröhliche Sinne."
-
Da durfte wohl der Hoffnung
auf Hilfe sich vermessen
Schionatulander.
Nun lasst uns nicht der großen Not vergessen,
Die Kiots und Schoisianens Kind getragen,
Bevor sie gleichen Trost empfing:
Die musste aller Freude lang entsagen.
-
Da von Katelangen
die Fürstin war bezwungen
Von der strengen Minne,
mit Schmerzen allzulang hat sie gerungen,
Wie sie es vor ihrer Muhme hehle.
Die Königin ward inne
mit Erschrecken, was Sigunen fehle.
-
Wie eine tauge Rose
nass bei der Röte,
So wurden ihr die Augen.
Ihr Mund, ihr Angesicht empfand die Nöte.
Da konnte die Verschämte nicht verstecken
Die Lieb in ihrem Herzen:
Das verging nach dem kindlichen Recken.
-
Da sprach zu ihr die Königin
aus liebendem Herzen:
"O weh mir, Schoisianens Kind,
ich trug bisher zu viel andre Schmerzen,
Da von dem Anschewein ich musste scheiden:
Nun wächst in meinen Kummer
ein neuer Dorn, da ich dich sehe leiden.
-
"An Land oder Leuten
was ist dir geschehen?
Oder will dir mein Trost
und anderer Verwandten entstehen,
Dass du keine Hilfe magst erlangen?
Wo blieb dein sonnenhafter Glanz?
weh, wer hat den gestohlen deinen Wagen?
-
"Verwaistes Kind, nun musst du
Waise mich erbarmen.
Bei dreier Lande Kronen
zähle man mich immer zu den Armen
Bis ichs erwirke, dass dein Kummer schwindet
Und mein spähend Auge
den wahren Grund deines Leides findet." -
-
"So muss ich mit Sorgen
all meine Angst dir künden:
Hast du mich darum wenger lieb,
gewiss, das hieße sich an mir versünden;
Ich weiß mich ja nicht mehr davon zu scheiden:
Bleibe mir gewogen,
liebe Mutter, das geziemt uns beiden.
-
"Gott soll dir lohnen:
niemals hat dem Kinde
Eine Mutter größre Zärtlichkeit
erboten, als ich an dir hier finde,
Musst ich gleich an Freuden jetzt erkranken.
Hier war ich keine Waise:
Deiner weiblichen Güte will ichs danken.
-
"Deines Rates, deines
Trostes, deiner Hulden
Bedarf ich miteinander,
seit ich nach dem Freund muss Jammer dulden,
Viel qualenreiche Not; sie ist zu peinlich.
Er knüpft mein schweifend Denken
an seinen Strick; all mein Sinn ist ihm heimlich:
-
"Nach dem lieben Freunde
ist all mein Schauen
Aus den Fenstern auf die Straße,
über Haid und nach den lichten Auen
Vergebens, ich erspäh ihn allzu selten.
Drum müssen meine Augen
des Freundes Minne weinend teur entgelten.
-
"So geh ich von dem Fenster
hinauf an die Zinnen
Und schaue ostwärts, westwärts,
ob ich Stein nicht Kunde mag gewinnen,
Der mein Herz schon lange hat bezwungen;
Man mag mich zu den alten
Liebenden zählen, nicht zu den jungen.
-
"Wenn ich dann auf wilder Flut
im Nachen gleite,
So spähen meine Blicke
wohl über dreißig Meilen in die Weite,
Ob ich solche Kunde möge finden,
Die des Leids um meinen
jungen klaren Freund mich könnt entbinden.
-
"Wo blieb meine Freude?
Warum ist geschieden
Aus meinem Herzen hoher Mut?
Ach und Weh vertrieb unsern Frieden.
Ich wollt es gern alleine für ihn leiden;
Doch weiß ich, dass auch ihn zu mir
Verlangen zieht, muss er gleich mich meiden.
-
"Weh mir, wie könnt er kommen?
zu fern ist mein Getreuer,
Um den ich bald erkalte,
bald lodre wie im knisternden Feuer:
So erglüht mich Schionatulander,
Seine Minne gibt mir Hitze
wie Agremontin dem Wurm Salamander."
-
"O weh," sprach die Königin,
"zu kluge Red ist diese:
Bin ich an dir verraten?
Nun fürcht ich die Französin, Anflise:
Hat sich vielleicht ihr Zorn an mir gerochen?
All deine weislichen
Worte sind aus ihrem Mund gesprochen.
-
"Schionatulander
ist ein Fürst ohne Tadel.
Doch nimmermehr erkühnen
dürfte sich sein Reichtum und sein Adel,
Dass er so jung an deine Minne dächte,
Wenn der stolzen Königin
Anflise Hass sich nicht an mir rächte.
-
"Sie hat dies Kind erzogen, seit
es von der Brust gekommen;
Gab ihre Tücke nicht den Rat,
durch den so weh dir ward und beklommen,
So magst du ihm, er Dir viel Freud erwerben.
Bist du ihm hold, so lass darum
deinen jungen Leib nicht verderben.
-
"Tus ihm zu Lieb, lass wieder
Klarheit offenbaren
Augen, Kinn und Wange.
Wie geziemt es also jungen Jahren,
Wenn so lichter Haut der Schein erlischet?
Du hast kurzen Freuden
allzu viel der Sorgen beigemischet.
-
"Hat der Delfin, der junge,
viel Freude dir verderbet,
Er kann dir Freuden auch verleihn.
Lieb und Gutes viel auf ihn vererbet
Hat sein Vater und die Delfinette
Mahande, seine Mutter,
und die Köngin seine Muhme Schoette.
-
"Ich klage nur, du wurdest
ihm lieb allzu frühe:
Du willst den Kummer erben,
den Mahande trug um den Delfin Gurzgrie.
Ihre Augen sahns zu allen Stunden,
Wie er den Preis in manchem Land
sich erwarb, den Helm aufs Haupt gebunden.
-
"Schionatulanders
Preis wird noch noch steigen:
Er stammt von Leuten, die den Preis
nie sinken ließen, nicht einmal sich neigen:
Stets wuchs er in die Breit und in die Länge.
Nun sorge, dass er Freud und Trost
und nicht Kummer über dich verhänge.
-
"Wenn das Herz bei seinem Anblick
in der Brust dir erlachte,
Das nimmt mich nicht Wunder;
wie schickt' er sich so schön, wenn ihn bedachte
Der Schild, wie hielt er sich im Feuerregen
Der Funken, die den Helmen
entsprühten von seines Schwertes Schlägen!
-
"Kein Maler malt' ihn, wie er
beim Lanzenspiel gesessen!
An eines Mannes Antlitz
war wohl nie so wenig vergessen,
Dass ein Weib ihn liebe, wenn ichs kenne.
Sein Schein mag deine Augen
erfreun: Deine Minn ich ihm gönne."
-
Da war Minn erlaubet,
Herz an Herz geschlossen.
Ohne Wank der Minne
war beider Herz zu minnen unverdrossen.
"Wohl, Muhme, mir," sprach sie mit frohem Sinne,
"Dass ich den von Graharz
vor aller Welt mit deinem Urlaub minne!"