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129. An GoetheJena den 17. December 1795. Wie beneide ich Sie um Ihre jetzige poetische Stimmung, die Ihnen erlaubt recht in Ihrem Roman zu leben. Ich habe mich lange nicht so prosaisch gefühlt, als in diesen Tagen und es ist hohe Zeit, daß ich für eine Weile die philosophische Bude schließe. Das Herz schmachtet nach einem betastlichen Object. Es ist prächtig1), daß der scharfsinnige Prinz sich in den mystischen Sinn des Mährchens so recht verbissen hat. Hoffentlich lassen Sie ihn eine Weile zappeln; ja wenn Sie es auch nicht thäten, er glaubte Ihnen auf Ihr eigenes Wort nicht, daß er keine gute Nase gehabt habe. Daß in Weimar jetzt die Hundsposttage grassiren, ist mir ordentlich psychologisch merkwürdig; denn man sollte sich nicht träumen lassen, daß derselbe Geschmack so ganz heterogene Massen vertragen könnte, als diese Production und Clara du Plessis ist. Nicht leicht ist mir ein solches Beispiel von Charakterlosigkeit bei einer ganzen Societät vorgekommen. Das Gedicht, welches Sie mir so gütig waren copiren zu lassen, hat der Verfasser vorigen Sommer in Manuscript an mich gesendet. Es freut mich, daß man doch hie und da etwas wachsen und blühen sieht, und leib ist mir die öffentliche Erscheinung gerade jetzt, da es die Widersacher gewaltig verdrießen wird. Cotta, der mir vor einigen Tagen schrieb, weiß von der neuen Subscription noch nichts zu sagen. Daraus, daß jetzt noch nicht schon abbestellt wird, schließe ich doch etwas gutes. Herdern will ich zu disponiren suchen, daß er die Religieuse übersetzt. Den Staelischen Aufsatz bringe ich nicht später als im Februar. Eine Übersetzung gleich im ersten Stück, wo schon eine poetische sich findet, würden uns die Herren auch aufgemutzt haben. Leben Sie recht wohl. Meine Frau dankt schönstens für Ihr Andenken. Gezeichnet ist nicht viel worden. Sch. |
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