Johann Wolfgang von Goethe @ www.Wissen-im-Netz.info
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               Anh. 1: Goethe an Ch. Schiller
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347. An Goethe

   Die Nachricht von Ihrem Übelbefinden hat mich heute früh nach einer schlaflos zugebrachten Nacht sehr unangenehm empfangen; ich hoffe dieser Brief findet Sie schon in der Besserung, wozu vielleicht die Ankunft des Herzogs das ihrige beiträgt. Doch werden Sie unter diesen Umständen erst eine festere Gesundheit abwarten müssen.

   Ich sende Ihnen hier zu Ihrer Recreation ein ganz neues Opus zu, welches die deutsche Industrie auf eine ganz neue Weise documentirt. Solch eine Erscheinung der Nullität, Absurdität und Frechheit ist doch wirklich nur in den neuesten Zeiten unsrer Literatur möglich, wo der schnelle Wechsel von Ideen und Formen das Mein und Dein nicht mehr zu bestimmen Zeit läßt. Ich habe unter anderm ganze halbe Seiten lange Stellen aus meinen ästhetischen Abhandlungen, ohne Citation, hier abgedruckt gefunden, und mich nicht wenig verwundert, meine ipsissima verba mir aus dem königlichen Munde entgegen schallen zu hören.

   Dafür hat sich aber auch in diesen Tagen ein neuer Poet gemeldet, der endlich einmal etwas besseres verspricht. Er sitzt zu Friedberg bei Frankfurt, heißt Schmidt und wie ich aus seinem ganzen Habitus schließe, muß er recht in der wilden Einsamkeit und vielleicht in einer niedern Condition leben. Aus einigen Proben die ich beilege werden Sie sehen, daß an dem Menschen etwas ist, und daß aus einer rauhen harten Sprache ächte tiefe Empfindung und ein gewisser Schwung des Geistes herausblickt. Wenn dieser Halbwilde seine Sprache und den Vers recht in der Gewalt haben und sich eine äußre Anmuth zu einem innern Gehalte verschafft haben wird, so hoffe ich für die künftigen Almanache eine Acquisition an ihm zu machen. Wenn er Ihnen auch gefällt, so wäre die Frage, ob Sie ihm nicht, so wie unserm Hauptmann v. Steigentesch, in Frankfurt etwas1) ans Herz legen könnten.

   Ich breche für heute ab, denn die Feder fällt mir vor2) Müdigkeit fast aus den Händen. Lassen Sie uns ja morgen erfahren, wie es um Sie steht; meine Frau läßt Ihnen auch von Herzen gute Besserung wünschen. Leben Sie recht wohl.

   Jena, 25. Juli 1797.3)

Sch.

Ü   Þ

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