Johann Wolfgang von Goethe @ www.Wissen-im-Netz.info
Homepage
   Literatur
      Johann Wolfgang von Goethe
         Briefe
            Goethe an Schiller
               Inhaltsverzeichnis
               Vorwort
               An König von Bayern
               Briefe 1794
               Briefe 1795
               Briefe 1796
               Briefe 1797
               Briefe 1798

               Briefe 1799
                  ...
                  596. An Goethe
                 
597. An Goethe
                  598. An Schiller
                  599. An Goethe
                  600. An Schiller
                  601. An Goethe
                  602. An Schiller
                  603. An Goethe
                  604. An Goethe
                 
605. An Goethe
                  606. An Schiller
                  607. An Goethe
                  608. An Schiller
                  609. An Goethe
                  610. An Schiller
                  611. An Goethe
                  612. An Schiller
                  613. An Goethe
                 
614. An Goethe
                  ...
               Briefe 1800
               Briefe 1801
               Briefe 1802
               Briefe 1803
               Briefe 1804
               Briefe 1805
               Anh. 1: Goethe an Ch. Schiller
               Anh. 2: Herzog K.-A. an Schiller
               Anh. 3: Schiller an Prof. Süvern
               Zusammenstellung Band 1
               Zusammenstellung Band 2
               Register Goethe
               Register Schiller
               Register Personen
               Sach-Register
               Orts-Register
              
              

605. An Goethe

Jena den 14. Juni 1799.              

   Sie sind, wie ich höre, vor einigen Tagen in Roßla1) gewesen, aber wieder nach Weimar zurück, welches Sie bei dem gestrigen schlechten Wetter nicht bereut haben werden. Mellischens haben es noch eben recht getroffen und einen sehr angenehmen Tag in Jena mit genossen. Er brachte einen Fremden aus dem Walliser Land mit, der mit deutschen gelehrten Sachen nicht unbekannt schien, und über die neuere Philosophie sogar, so weit sich darüber in französischer Sprache reden ließ, nicht unvernünftig sprach. Es mag indessen irgend eine geheime Bewandtniß mit ihm haben.

   Ich hörte dieser Tage, daß Fichte dem Rudolstädter Fürsten das Ansinnen gethan, ihm in Rudolstadt in einem herrschaftlichen Hause Wohnung zu geben, daß es ihm aber höflich refüsirt worden. Es ist doch unbegreiflich, wie bei diesem Freunde eine Unklugheit auf die andere folgt und wie incorrigibel er in seinen Schiefheiten ist. Dem Fürsten von Rudolstadt, der sich den Teufel um ihn bekümmert, zuzumuthen, daß er ihm durch Einräumung eines Quartiers öffentliche Protection geben und umsonst und um nichts sich bei allen anders denkenden Höfen compromittiren soll! Und was für eine armselige Erleichterung verschaffte ihm wohl ein freies Logis dort, wo er durchaus nicht an seinem Orte wäre.

   Ich wünsche daß Sie fleißiger sein möchten, als ich in diesen Tagen sein konnte. Mittwochs war Mellisch und Donnerstag die Kalb2) bei uns, und so ist in diesen Zwei Tagen wenig geschehen. Ich sitze noch3) immer bei meinen drei ersten Expositionscenen und suche einen festen Grund für das künftige zu legen.

   Es scheint wirklich, daß ich in England mit meinen Stücken etwas werde machen können. Ich habe binnen acht Tagen zwei Anträge aus London erhalten, Stücke in Manuscript hinzuschicken, zwar nur von Buchhändlern und von Übersetzen und noch mit keinen bestimmten Geldversprechungen begleitet, aber die Nachfrage ist so stark, daß ich Aussichten darauf gründen kann.

   Haben Sie doch die Güte, mir den Äschylus zu senden, mich verlangt wieder sehr nach einer griechisch tragischen Unterhaltung.

   Leben Sie recht wohl und sehen Sie, daß Sie bald auf einen Tag herkommen.

   Die4) Frau grüßt bestens.

Sch.

Ü   Þ

© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de