Johann Wolfgang von Goethe @ www.Wissen-im-Netz.info
Homepage
   Literatur
      Johann Wolfgang von Goethe
         Briefe
            Goethe an Schiller
               Inhaltsverzeichnis
               Vorwort
               An König von Bayern
               Briefe 1794
               Briefe 1795
               Briefe 1796
               Briefe 1797
               Briefe 1798

               Briefe 1799
                  ...
                  620. An Schiller
                  621. An Goethe
                  622. An Schiller
                  623. An Goethe
                  624. An Schiller
                  625. An Goethe
                  626. An Schiller
                  627. An Goethe
                  628. An Schiller
                  629. An Schiller
                  630. An Goethe
                  631. An Schiller
                  632. An Goethe
                  633. An Schiller
                  634. An Goethe
                  635. An Schiller
                  636. An Goethe
                  637. An Schiller
                  638. An Goethe
                  ...
               Briefe 1800
               Briefe 1801
               Briefe 1802
               Briefe 1803
               Briefe 1804
               Briefe 1805
               Anh. 1: Goethe an Ch. Schiller
               Anh. 2: Herzog K.-A. an Schiller
               Anh. 3: Schiller an Prof. Süvern
               Zusammenstellung Band 1
               Zusammenstellung Band 2
               Register Goethe
               Register Schiller
               Register Personen
               Sach-Register
               Orts-Register
              
              

629. An Schiller

   Ich habe heute keinen Brief von Ihnen erhalten, wahrscheinlich weil Sie glauben daß ich kommen werde: ich muß aber meine alte Litanei wieder anstimmen und melden daß ich hier noch nicht loskomme. Die Geschäfte sind polypenartig: wenn man sie in hundert Stücke zerschneidet, so wird jedes einzelne wieder lebendig. Ich habe mich indessen drein ergeben und suche meine übrige Zeit so gut zu nutzen als es gehen will. Aber jede Betrachtung bestärkt mich in jenem Entschluß: blos auf Werke, sie seien von welcher Art sie wollen, und deren Hervorbringung meinen Geist zu richten und aller theoretischen Mittheilung zu entsagen. Die neusten Erfahrungen haben mich aufs neue überzeugt: daß die Menschen statt jeder Art von ächter theoretischer Einsicht nur Redensarten haben wollen, wodurch das Wesen was sie treiben zu etwas werden kann. Einige Fremde die unsere Sammlung besuchten, die Gegenwart unserer alten Freundin, und über alles das1) sich neu constituirende Liebhabertheater haben mir davon schreckliche Beispiele gegeben und die Mauer, die ich schon um meine Existenz gezogen haben, soll nun noch ein Paar Schuhe höher aufgeführt werden.

   Im Innern sieht es dagegen gar nicht schlimm aus. Ich bin in allen Zweigen meiner Studien und Vorsätze um etwas weniges vorgerückt, wodurch sich denn wenigstens das innere fortwirkende2) Leben manifestirt, und Sie werden mich in gutem Humor und zur Thätigkeit gestimmt wieder sehen.

   Ich dachte Sie auf einen Tag zu besuchen; dadurch ist uns aber nicht geholfen; denn wir bedürfen nun schon einiger Zeit, um uns wechselseitig zu erklären und etwas zu Stande zu bringen.

   Heute drohet Ihnen, wie ich höre, ein Besuch der la Rochischen Nachkommenschaft. Ich bin neugierig wie es damit abläuft. Was mich betrifft bin ich diese Tage so ziemlich in meiner Fassung geblieben; erlustigen aber wird Sie3) das unendliche Unglück in welches Meyer bei dieser Gelegenheit gerathen ist, indem diese seltsamen und, man darf wohl sagen, unnatürlichen Erscheinungen ganz neu und frisch auf seinen reinen Sinn wirkten.

   Damit ich aber diesmal nicht ganz leer erscheine, lege ich ein Paar sonderbare Producte bei, davon Sie das eine wahrscheinlich mehr als das andere unterhalten wird.

   Leben Sie recht wohl, gedenken mein und geben mir Nachricht von Ihrem Befinden und Thun.

   Weimar am 27. Juli 1799.

G.

Ü   Þ

© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de