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795. An Goethe

Jena, 10. März 1801.                 

   In Rücksicht auf die Preisfrage kann ich Ihnen noch nicht viel brauchbares mittheilen. Das Einzige gebe ich Ihnen zu bedenken, ob man die Frage nicht ganz aus dem Gebiet der Geschichte hinweg in das Gebiet der Anthropologie verlegen sollte, wobei man einer ungeheuren Moles los würde, die noch dazu nicht viel hilft, denn die Geschichte ist für den philosophischen Gebrauch zu unzuverlässig und empirisch. Für die Sache selbst ist es, däucht mir, ganz gleichgültig ob die Untersuchung nach der Länge oder nach der Breite angestellt wird. Denn wenn man, wie Sie selbst meinen, den Naturstand zur Basis macht, so ist man gleich gut bedient, man mag nun das Ganze der Gegenwart anthropologisch ansehen, oder die verschiedenen Erscheinungen des Menschen rückwärts in der Geschichte aufsuchen: der Mensch ist in jeder Zeit ganz zu finden.

   Ich erwarte in Ihrem nächsten Brief noch bestimmter zu hören, wie ich die Frage eigentlich fassen und aussprechen soll, um mit unsern Philosophen darüber umständlicher zu conferiren.

   Ich habe diese bis jetzt noch nicht viel zum Gespräch bringen können; wenn die Ferien angehen, wird es hoffe ich besser damit gehen, weil sich jetzt am Ende der Collegien die Arbeiten häufen. Schelling will eine Deduction der verschiedenen Kunstgattungen a priori liefern, worauf ich begierig bin.

   Was mein eigenes Thun betrifft, so kann ich noch nicht viel Gutes davon sagen. Die Schwierigkeiten meines jetzigen Pensums spannen mir den Kopf noch zu sehr an, dazu kommt die Furcht, nicht zu rechter Zeit fertig zu werden; ich hetze und ängstige mich und es will nicht recht damit fort. Wenn ich diese pathologischen Einflüsse nicht bald überwinde, so fürchte ich muthlos zu werden.

   Vielleicht sind Sie mitten unter Ihren Weimarischen Zerstreuungen productiver als ich in meiner Einsamkeit, welches ich Ihnen herzlich wünsche.

   Die Tage sind heiter und ich genieße si ein meinem Garten.

   Leben Sie recht wohl. Ich hoffe, das nächstemal Sie besser zu unterhalten.

Sch.

Ü   Þ

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