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III. Schiller an Professor Süvern in BerlinEntschuldigen Sie, hochgeschätzter Herr, meine so lang verspätete Antwort auf Ihren werthen Brief und die mit gütig mitgetheilte Schrift. Ich habe diese mit sehr großem Interesse gelesen, und freue mich daß die Tragödie der Griechen einen so geistreichen Verfechter, mein Stück aber einen so freundschaftlichen Beurtheiler gefundne hat. Ich fühlte mich Anfangs sehr versucht, mich über die Schrift weitläufiger herauszulassen, und einige Ihrer Behauptungen, womit ich nicht ganz einstimmen kann, zu bestreiten, aber da ich mich vor der Hand bemühen muß, mir den Wallenstein ganz aus dem Sinne zu schlagen, um mich bei meinem jetzigen Geschäft nicht zu stören, so erspare ich dieses auf eien andere Gelegenheit. Sie werden übrigens schon aus dem gedruckten Wallenstein ersehen haben, daß verschiedenen Ihrer Erinnerungen schon in der ersten Anlage des Stücks von mir begegnet war; nur die spätere Idee, dasselbe auf die Bühne zu bringen, war Schuld, daß ich gewisse Forderungen der Kunst dem Bedürfniß der Theater aufopfern mußte. Ich theile mit Ihnen die unbedingte Verehrung der Sophokleischen Tragödie, aber sie war eine Erscheinung ihrer Zeit, die nicht wieder kommen kann, und das lebendige Produkt einer individuellen bestimmten Gegenwart einer ganz heterogenen Zeit zum Maßstab und Muster aufdringen, hieße die Kunst, die immer dynamisch und lebendig entstehen und wirken muß, eher tödten als beleben. Unsere Tragödie, wenn wir eine solche hätten, hat mir der Ohnmacht, der Schlaffheit, der Charakterlosigkeit des Zeitgeistes und mit einer gemeinen Denkart zu ringen, sie muß also Kraft und Charakter zeigen, sie muß das Gemüth zu erschüttern, zu erheben, aber nicht aufzulösen suchen. Die Schönheit ist für ein glückliches Geschlecht, aber ein unglückliches muß man erhaben zu rühren suchen. Doch darüber zu einer andern Zeit. Empfangen Sie schließlich die Versicherung meiner aufrichtigen Hochachtung und Ergebenheit. Weimar am 26. Juli 1800. Schiller. |
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