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            Goethe an Schiller
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               Anh. 1: Goethe an Ch. Schiller
               Anh. 2: Herzog K.-A. an Schiller
               Anh. 3: Schiller an Prof. Süvern
               Zusammenstellung Band 1
               Zusammenstellung Band 2
               Register Goethe
               Register Schiller
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Vorwort zur vierten Auflage

   Im Jahr 1878 kamen in Folge letztwilliger Verfügung Goethes die Originalhandschriften seines Briefwechsels mit Schiller zum Verkauf. Da an der Stelle, welche vermöge ihrer Bestimmung und ihrer Traditionen sich in erster Reihe berufen fühlen musste, diesen kostbaren Schatz der deutschen Nation zu erhalten, verfügbare Mittel zur Zeit nicht vorhanden waren, drohte die Gefahr, es möchte derselbe ins Ausland wandern oder zersplittert werden. Da fasste Freiherr Carl v. Cotta, eingedenk der ruhmvollen Beziehungen, welche jene beiden Namen mit dem seinigen für immer verknüpfen, den Entschluss, die Handschriften zu erwerben und auf diese Weise ein so herrliches Besitztum in unversehrtem Bestand dauernd dem Vaterland zu erhalten und nutzbar zu machen.

   Es ist bekannt, dass in den bisherigen Ausgaben des Briefwechsels nicht alle vorhandenen Briefe mitgeteilt wurden, die mitgeteilten vielfach nicht vollständig zur Veröffentlichung kamen. Zwar hatte schon die von H. Hauff besorgte zweite Ausgabe eine Anzahl der von Goethe bei der ersten Redaktion unterdrückten Briefe – gegen 20 – und Briefstellen zum Abdruck gebracht, doch blieb die Publikation noch immer eine ziemlich lückenhafte, und an diesem Zustand vermochte die dritte Auflage nichts zu ändern, trotzdem sie drei weitere, anderwärts schon gedruckte Briefe bringen durfte.

   Erst jetzt, in dieser hier vorliegenden vierten Ausgabe kommt, auf Grundlage der Originalmanuskripte, das gesamte vorhandene Material vollständig zur Veröffentlichung. Aus den Handschriften werden mitgeteilt als nur die Nummern 160, 161, 254, 263, 538, 539, 666, 680, 748, 826, 8741); von den Nummern 301 und 866 ist je die erste Hälfte bisher ungedruckt, namentlich erweist sich der letztgenannte Teil als der wichtigste Zuwachs, den diese neue Auflage bietet. Nr. 479 ist zuerst von G. v. Loeper im Archiv für Literaturgeschichte, Nr. 846 von C. A. H. Burkhardt in den Grenzboten und Nr. 974 von A. Cohn in „Ungedrucktes etc.“ veröffentlich worden. Die „Bemerkungen zu Macbeth“ in Nr. 769, von Hoffmeister in seiner Schillerbiographie irrtümlich als von Schiller herrührend mitgeteilt, werden in dieser Ausgabe ihrem rechtmäßigen Urheber zugewiesen.

   Leider enthält die Sammlung der Originalbriefe, wie sie von Freiherrn v. Cotta erworben wurde, weder die Summe der Briefe, die zwischen Goethe und Schiller gewechselt wurden, noch auch nur das Gesamtmaterial, wie es hier und in den bisherigen Ausgaben veröffentlicht ist. Von den Nummern 344, 392, 394, 466, 497, 557, 642, 738, 739, 741, 776, 807, 827, 830, 846, 891, 958, 974 und 975 fehlen die Originalhandschriften. Da der Komplex des Briefwechsels seit der ersten Veröffentlichung im Jahr 1828 unter gerichtlichem Verschluss gehalten und dessen intakter Bestand bei der jeweiligen Eröffnung und Wiederversiegelung notariell beglaubigt wurde, so müssen die fehlenden Originalbriefe, zu denen auch die seitdem beigebrachten Urschriften der Nummern 479, 846 und 974, beziehungsweise 866 kommen, schon vor dem Jahr 1828, wahrscheinlich bereits vor der im Jahr 1824 begonnen Redaktion des Briefwechsels, abhanden gekommen sein. Das Originalmanuskript von Nr. 814, das ebenfalls gefehlt hatte, befand sich im Besitz des Freiherrn Carl v. Beaulieu Marconnay in Dresden. Es wurde, nebst der Hälfte der Nr. 866, die gleicherweise in dessen Besitz war, dem Herausgeber zur Vervollständigung der Sammlung aufs Zuvorkommendste überlassen, eine Freundlichkeit, die wir ebenso von der bisherigen Besitzerin der Handschrift des Briefs Nr. 479 zu rühmen haben.

   Außerdem fehlen, wie schon angedeutet, Briefe gänzlich, von denen gleichfalls angenommen werden muss, dass sie schon vor der Redaktion des Briefwechsels zu Verlust geraten sind. So viel teils aus den vorhandenen Briefen, teils aus dem Schillerkalender ermittelt werden kann, lassen sich vorläufig 15 solcher fehlender Briefe Goethes und 12 Schillers nachweisen, womit indes die Zahl der verlorenen Stücke keineswegs abgeschlossen sein mag, da aus jenen Zeiten noch manche fehlen mögen, wo beide Dichter am gleichen Ort wohnten und der Verkehr, wenn keine persönliche Begegnung möglich war, sich auf den Austausch kurzer Billets beschränkte.

   Neben der vollständigen Mitteilung der Briefe erstreckte sich die Tätigkeit des Herausgebers auf eine möglichst genaue Einordnung, resp. Datierung ursprünglich undatierter Briefe, auf die Herstellung eines authentischen Textes und Nutzbarmachung des Briefwechsels durch Beigaben, und auf eine zweckentsprechende äußere Einrichtung.

   Es sind nunmehr nur noch wenige ursprünglich nicht datierte Briefe ohne Bezeichnung des Datums geblieben, und auch bei den meisten von diesen wurde die Zeit der Abfassung teils vor den Briefen selbst, teils in der jedem Band angehängten „Zusammenstellung“ annähernd zu bestimmen versucht. Nicht datiert sind die Nummern 156, 160, 162, 444, 512, 680, 744, 776-778, 783, 792, 826, 890, 891, 909, 931, 956, 964, 981, 982, 999. Ein in eckige Klammern eingeschlossenes Datum zeigt an, dass dasselbe ursprünglich in den Handschriften fehlte und später beigefügt worden ist. Fehlende Ortsdaten sind meist ohne weitere Bezeichnung ergänzt.

   Um einen korrekten authentischen Text herzustellen, wurde als oberster Grundsatz festgehalten, den Wortlaut der Briefe in der Gestalt zu geben, wie er niedergeschrieben wurde und zur Kenntnis der Empfänger kam. Alle Änderungen, die Goethe bei der späteren Redaktion, sei es in den Originalbriefen, sei es in der als Druckvorlage dienenden Kopie vornahm oder vornehmen ließ, blieben, selbst wenn sie sich in allen bisherigen Ausgaben eingebürgert hatten, vom Text ausgeschlossen und sind in die Variantensammlung der „Zusammenstellung“ verwiesen. Ausnahmen wurden nur da zugelassen, wo der ursprüngliche Brieftext eine grammatikalische oder syntaktische Urnichtigkeit enthielt, die bei der Redaktion oder Druckkorrektur verbessert wurde. Änderungen, die während oder unmittelbar nach der Niederschrift am Text vorgenommen wurden, sind in diesen aufgenommen und über die frühere Form ist in der „Zusammenstellung“ Rechenschaft abgelegt. Dahin gehören insbesondere auch die Hörfehler, die sich bei Goethes Schreiber einschlichen und durch die das von Ersterem veröffentlichte Verzeichnis noch manche ergötzliche Bereichung erfahren würde; so: völlig (statt: gefällig), von Metall (formidabel), tückischen (Dykischen), von Ihrem Wohl (von Hrn. Humboldt), hintan (in Gang), Väter (Feder), abscheulichen (abscheidenden) u.a.m.

Was Orthografie und Interpunktion betrifft, so ist bekannt, dass sowohl Goethe als Schiller hierin ziemlich sorglos verfuhren und dass von einer konsequenten Festhaltung eines bestimmten Systems bei Beiden kaum die Rede sein kann. Nachdem nun die zweite und dritte Ausgabe des Briefwechsels eine Neigung verraten haben, die Rechtschreibung mehr in sich übereinstimmend zu machen und zu modernisieren, kehrt die vorliegende vierte zu dem von Goethe bei seiner Redaktion, freilich nicht streng und folgerichtig genug, durchgeführten Grundsatz der Anpassung an die Originale zurück, wenn sie auch im Hinblick auf ihren Leserkreis nicht gewagt hat, hierin völlig konsequent zu verfahren und einen diplomatisch getreuen Abdruck der Handschriften zu liefern. Bei Eigennamen war nicht die Schreibweise der Briefe, sondern die als richtig rezitierte Form zu geben; also nicht Humbold, Ifland, Meier, sondern Humboldt, Iffland und Meyer. Im Übrigen wurden die orthographischen Eigentümlichkeiten der beiden Briefschreiber tunlichst berücksichtigt; vieles musste dabei dem subjektiven Ermessen des Herausgebers überlassen bleiben, und es lässt sich mit ihm hadern, dass er einzelne veraltete Schreibweisen, wie „Ahndung“ für „Ahnung“, beseitigt, andere, wie z.B. „ohngefähr“, „weitläuftig“ u. dgl., geschont hat. Ähnlich verhält es sich mit der Interpunktion. Die Schillers bietet an sich weniger Schwierigkeiten. Goethe hatte sein bestimmtes System, das er namentlich, wenn er seine Diktate durchkorrigierte, in Anwendung brachte, an welches er sich aber, wenn er seine Briefe selbst schrieb, so wenig band, dass er zum Beispiel oft zwei und drei völlig selbständige Perioden weder durch einen Punkt oder ein anderes Unterscheidungszeichen, noch dadurch auseinander hielt, dass er das erste Wort des neuen Satzes mit großem Anfangsbuchstaben schrieb. In solchen Fällen hielt sich der Herausgeber nicht an die Originale, sondern an die durch die Ausgaben eingeführte Satztrennung.

   Über Einzelheiten dieser Ausgabe sei noch folgendes bemerkt:

   Die ganz von Goethes Hand geschriebenen Briefe sind mit einem voranstehenden Sternchen bezeichnet.

   Zu dem Schreiben Goethes Nr. 107 vom 6. – 10. Oktober 1795 sind zwei auf demselben Briefbogen stehende Xenien mit abgedruckt, deren Abfassung selbstverständlich einige Monate später fällt, und zu Schillers Brief Nr. 142 wird ein von Goethe beigefügtes, später unterdrücktes politisches Epigramm mitgeteilt; alle drei Distichen wären, streng genommen, in die „Zusammenstellung“ zu verweisen gewesen, wurden aber ausnahmsweise im Text belassen, um eine lebendige Veranschaulichung des Zusammenwirkens beider Dichter beim Xeniengericht zu geben.

   Nicht wieder mit abgedruckt ist der Brief Schillers an H. Meyer vom 5. Februar 1795, der in nur sehr losem Zusammenhang mit dem Briefwechsel steht; Schillers Brief an Professor W. Süvern in Berlin ist nebst der Antwort des Herzogs Karl August auf des Dichters Gesuch um Gehaltserhöhung in den Anhang des II. Bandes verwiesen, wo auch die schönen Briefe Goethes an Schillers Gattin aus „Charlotte von Schiller und ihre Freunde“, II, 234-241, ihren Platz gefunden haben, zu denen noch der durch Burkhardt im Jahrgang 1783 der Grenzboten mitgeteilte vom 16. Dezember 1803 hinzugekommen ist.

   Die jedem Band angehängte „Zusammenstellung“ gibt Rechenschaft über das Verhältnis dieser Ausgabe zu den Handschriften, sowie über ihre Abweichungen von den bisherigen drei Editionen, und liefert so eine fortlaufende, übersichtliche Geschichte des Textes. Offenbare Schreibversehen in den Originalmanuskripten, sofern sie ohne Einfluss auf die Textgestaltung blieben, und unwesentliche Varianten der Ausgaben, wenn sie sich nicht über den Charakter orthographischer Abweichungen erheben, sind unberücksichtigt gelassen. Außerdem enthält die „Zusammenstellung“ Nachweise über die ersten Drucke einzelner Schriftstücke, über das Fehlen anderer und über die mutmaßliche Abfassung undatierter Briefe.

   Das ziemlich erweiterte Register soll gewissermaßen die Stelle eines Kommentars vertreten und sucht über Personen und Sachen ergiebigen Aufschluss zu vermitteln, als ihn das für seine Zeit und seine Zwecke gewiss sehr brauchbare Verzeichnis zu geben vermochte, welches H. Hauff der zweiten Auflage beigefügt. Von wesentlichem Nutzen waren dem Herausgeber hierbei Düntzers „Übersichten und Erläuterungen“, wie er sich überhaupt diesem Gelehrten und außerdem noch den Herren Prof. Bernays, Wold. Freiherrn v. Biedermann, Wilh. Fielitz und R. Köhler für manche persönliche Winke und Förderungen zu wärmsten Dank verpflichtet bekennt.

   Die schöne, den beiden vorangegangenen Ausgaben fehlende Zuschrift, mit welcher Goethe im Jahr 1829 den Briefwechsel dem König Ludwig von Bayern widmete, möge die Korrespondenz eröffnen.

W. Vollmer

Ü   Þ


1) Ein weiteres, bisher ungedrucktes Billet Goethes an Schiller möge an dieser Stelle eingeschaltet werden, da sich ein sicherer Anhaltspunkt für die richtige Einordnung desselben nicht ergibt. Es ist eigenhändig und lautet:

„Dürft ich Sie wohl um ein Exemplar der Piccolomini auf kurze Zeit bitten? Mit den besten Wünschen

G.“ ­

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