16. Parabolisch
Erste Reihe
Es steht ein junger Feigenstock
In einem schönen Garten;
Daneben sitzt ein Ziegenbock,
Als wollt' er seiner warten.
Allein, Quiriten, wie man irrt!
Der Baum ist schlecht gehütet,
Und ihm zur andern Seite schwirrt
Ein Käfer, ausgebrütet.
Es fliegt der Held mit Panzerbrust
Und naschet in den Zweigen,
Und auch der Bock hat große Lust,
Gemächlich aufzusteigen.
Drum seht ihr, Freunde, schon beinah'
Das Bäumchen nackt von Blättern;
Es steht ganz erbärmlich da
Und flehet zu den Göttern.
Drum hört die guten Lehren an,
Ihr Kinder, zart von Jahren:
Vor Ziegenbock und Käferzahn
Soll man ein Bäumchen wahren!
Bewährt den Forscher der Natur
Ein frei und ruhig Schauen,
So folge Messkunst seiner Spur
Mit Vorsicht und Vertrauen.
Zwar mag in einem Menschenkind
Sich beides auch vereinen;
Doch, dass es zwei Gewerbe sind,
Das lässt sich nicht verneinen.
Es war einmal ein braver Koch,
Geschickt im Appretieren;
Dem fiel es ein, er wollte doch
Als Jäger sich gerieren.
Er zog bewehrt zu grünem Wald,
Wo manches Wildbret hauste,
Und einen Kater schoss er bald,
Der junge Vögel schmauste.
Sah ihn für einen Hasen an
Und ließ sich nicht bedeuten,
Pastetete viel Würze dran
Und setzt' ihn vor den Leuten.
Doch manche Gäste das verdross,
Gewisse feine Nasen:
Die Katze, die der Jäger schoss,
Macht nie der Koch zum Hasen.
Hier ist's, wo unter eignem Namen
Die Buchstaben sonst zusammenkamen.
Mit Scharlachkleidern angetan,
Saßen die Selbstlauter oben an:
A, E, I, O und U dabei,
Machten gar ein seltsam Geschrei.
Mit Mitlauter kamen mit steifen Schritten,
Mussten erst um Erlaubnis bitten.
Präsident A war ihnen geneigt,
Da wurd' ihnen denn der Platz gezeigt;
Andre aber, die mussten stehn,
Als Pe-Ha und Te-Ha und solches Getön.
Dann gab's ein Gerede, man weiß nicht wie:
Das nennt man eine Akademie.
In der Wüsten ein heiliger Mann
Zu seinem Erstaunen tät treffen an
Einen ziegensüßigen Faun, der sprach:
"Herr, betet für mich und mein Gefährt',
Dass ich zum Himmel gelassen werd',
Zur seligen Freud'; uns dürstet darnach."
Der heilige Mann dagegen sprach:
"Es sieht mit deiner Bitte gar gefährlich.
Du kommst nicht zum englischen Gruß,
Denn du hast einen Ziegenfuß."
Da sprach hierauf der wilde Mann:
"Was hat euch mein Ziegenfuß getan?
Sah ich doch manche strack und schön
Mit Eselsköpfen gen Himmel gehn."
Über die Wiese, den Bach herab,
Durch seinen Garten,
Bricht er die jüngsten Blumen ab;
Ihm schlägt das Herz vor Erwarten.
Sein Mädchen kommt - O Gewinst! O Glück!
Jüngling, tauschest deine Blüten um einen Blick!
Der Nachbar Gärtner sieht herein
Über die Hecke: "So ein Tor möcht' ich sein!
Hab' Freude, meine Blumen zu nähren,
Die Vögel von meinen Früchten zu wehren;
Aber, sind sie reif: Geld! Guter Freund!
Soll ich meine Mühe verlieren?"
Das sind Autoren, wie es scheint.
Der eine streut seine Freuden herum
Seinen Freunden, dem Publikum,
Der andre lässt sich pränumieren.
Da hatt' ich einen Kerl zu Gast,
Er war mir eben nicht zur Last;
Ich hatt' just mein gewöhnlich Essen.
Hat sich der Kerl pumpsatt gefressen,
Zum Nachtisch, was ich gespeichert hatt'.
Und kaum ist mir der Kerl so satt,
Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,
Über mein Essen zu räsonieren:
"Die Supp' hätt' können gewürzter sein,
Der Braten brauner, firner der Wein."
Der Tausendsakerment!
Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent.
Es hatt' ein Knab' eine Taube zart,
Gar schön von Farben und bunt,
Gar herzlich lieb nach Knabenart,
Geätzet aus seinem Mund,
Und hatte so Freud' am Täubchen sein,
Dass er nicht konnte sich freuen allein.
Da lebte nicht weit ein Alt-Fuchs herum,
Erfahren und lehrreich und schwätzig darum;
Der hatte den Knaben manch Stündlein ergetzt,
Mit Wundern und Lügen verprahlt und verschwätzt.
"Muss meinem Fuchs doch mein Täubelein
zeigen!"
Er lief und fand ihn strecken in Sträuchen.
"Sieh, Fuchs, mein lieb Täublein, mein Täublein so schön!
Hast du dein Tag so ein Täubchen gesehn?"
Zeig' her! - Der Knabe reicht's. - Geht
wohl an:
Aber es fehlt noch manches dran.
Die Federn, zum Exempel, sind zu kurz geraten. -
Da fing er an, rupft' sich den Braten.
Der Knabe schrie. - Du musst stärkre
einsetzen,
Sonst ziert's nicht, schwinget nicht. -
Da war's nackt - Missgeburt! - Und in Fetzen.
Dem Knaben das Herze bricht.
Wer sich erkennt im Knaben gut,
Der sei vor Füchsen auf seiner Hut.
Ich begegnet' einem jungen Mann,
Ich fragt' ihn um sein Gewerbe;
Er sagt': "Ich sorge, wie ich kann,
Dass ich mir, eh' ich sterbe,
Ein Bauergütchen erwerbe."
Ich sage: Das ist sehr wohl gedacht;
Und wünschte, er hätt' es so weit gebracht.
Da hört' ich, er habe vom lieben Papa
Und ebenso von der Frau Mama
Die allerschönsten Rittergüter.
Das nenn' ich doch originale Gemüter.
Ein unverschämter Naseweis,
Der, was er durch Stahlarbeitersfleiß
Auf dem Laden künstlich liegen sah,
Dacht', es wär' für ihn alleine da;
So tatscht' er dem geduldigen Mann
Die blanken Waren sämtlich an
Und schätzte sie, nach Dünkelsrecht,
Das Schlechte hoch, das Gute schlecht.
Getrost, zufriednen Angesichts;
Dann ging er weg und kaufte - nichts.
Den Kramer das zuletzt verdross,
Und macht ein stählern künstlich Schloss
Zur rechten Stunde glühend heiß.
Da ruft gleich unser Naseweis:
"Wer wird so schlechte Ware kaufen!
Der Stahl ist schändlich angelaufen."
Und tappt auch gleich recht läppisch drein
Und fängt erbärmlich an zu schrein.
Der Kramer fragt: "Was ist denn das?"
Der Quidam schreit: "Ein frostiger Spaß!"
Wir reiten in die Kreuz und Quer
Nach Freuden und Geschäften;
Doch immer kläfft es hinterher
Und billt aus allen Kräften.
So will der Spitz aus unserm Stall
Uns immerfort begleiten,
Und seines Bellens lauter Schall
Beweist nur, dass wir reiten.
Auf großen und auf kleinen Brucken
Stehn viel gestaltete Nepomuken
Von Erz, von Holz, gemalt, von Stein,
Kolossisch hoch und puppisch klein.
Jeder hat seine Andacht davor,
Weil Nepomuk auf der Brucken das Leben verlor.
Ist einer nun mit Kopf und
Ohren
Einmal zum Heiligen auserkoren,
Oder hat er unter Henkershänden
Erbärmlich müssen das Leben enden,
So ist er zur Qualität gelangt,
Dass er gar weit im Bilde prangt.
Kupferstich, Holzschnitt tun sich eilen,
Ihn allen Welten mitzuteilen;
Und jede Gestalt wird wohl empfangen,
Tut sie mit seinem Namen prangen:
Wie es denn auch dem Herren Christ
Nicht ein Haar besser geworden ist.
Merkwürdig für die Menschenkinder,
Halb Heiliger, halb armer Sünder,
Sehn wir Herrn Werther und allda
Prangen in Holzschnitts-Gloria.
Das zeugt erst recht von seinem Werte,
Dass mit erbärmlicher Gebärde
Er wird auf jedem Jahrmarkt prangen,
Wird in Wirtsstuben aufgehangen.
Jeder kann mit dem Stocke zeigen:
"Gleich wird die Kugel das Hirn erreichen!"
Und jeder spricht bei Bier und Brot:
"Gott sei's gedankt, nicht wir sind tot!"
In einer Stadt, wo Parität
Noch in der alten Ordnung steht,
Da, wo sich nämlich Katholiken
Und Protestanten ineinander schicken
Und, wie's von Vätern war erprobt,
Jeder Gott auf seine Weise lobt;
Da lebten wir Kinder Lutheraner
Von etwas Predigt und Gesang,
Waren aber dem Kling und Klang
Der Katholiken nur zugetaner;
Denn alles war doch gar zu schön,
Bunter und lustiger anzusehn.
Dieweil nun Affe, Mensch und Kind
Zur Nachahmung geboren sind,
Erfanden wir, die Zeit zu kürzen,
Ein auserlesnes Pfaffenspiel:
Zum Chorrock, der uns wohl gefiel,
Gaben die Schwester ihre Schürzen;
Handtücher, mit Wirkwerk schön verziert,
Wurden zur Stola travestiert;
Die Mütze musste den Bischof zieren,
Von Goldpapier mit vielen Tieren.
So zogen wir nun im Ornat
Durch Haus und Garten, früh und spät,
Und wiederholten ohne Schonen
Die sämtlichen heiligen Funktionen;
Doch fehlte noch das beste Stück.
Wir wussten wohl, ein prächtig Läuten
Habe hier am meisten zu bedeuten;
Und nun begünstigt' uns das Glück:
Denn auf dem Boden hing ein Strick.
Wir sind entzückt, und wie wir diesen
Zum Glockenstrang sogleich erkiesen,
Ruht er nicht einen Augenblick;
Denn wechselnd eilten wir Geschwister,
Einer ward um den andern Küster,
Ein jedes drängte sich hinzu.
Das ging nun allerliebst vonstatten,
Und weil wir keine Glocken hatten,
So sangen wir Bum Baum dazu.
Vergessen, wie die älteste Sage,
War der unschuld'ge Kinderscherz;
Doch grade diese letzten Tage
Fiel er mit einmal mir aufs Herz:
Da sind sie ja, nach allen Stücken,
Die neupoetischen Katholiken!
1.
Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so sieht's auch der Herr Philister;
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.
Kommt aber nur einmal herein,
Begrüßt die heilige Kapelle!
Da ist's auf einmal farbig helle,
Geschicht' und Zierrat glänzt in Schnelle
Bedeutend wirkt ein edler Schein;
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut euch und ergetzt die Augen!
2.
Gott sandte seinen rohen Kindern
Gesetz und Ordnung, Wissenschaft und Kunst,
Begabte die mit aller Himmelsgunst,
Der Erde grasses Los zu mindern.
Sie kamen nackt vom Himmel an
Und wussten sich nicht zu benehmen;
Die Poesie zog ihnen Kleider an,
Und keine hatte sich zu schämen.
3.
Wenn ich auf dem Markte geh'
Durchs Gedränge
Und das hübsche Mädchen seh'
In der Menge;
Geh' ich hier, sie kommt heran,
Aber drüben;
Niemand sieht uns beiden an,
Wie wir lieben.
"Alter, hörst du noch nicht auf!
Immer Mädchen!
In dem jungen Lebenslauf
War's ein Kätchen.
Welche jetzt den Tag versüßt,
Sag's mit Klarheit!"
Seht nur hin, wie sie mich grüßt,
Es ist die Wahrheit!
4.
Zu Regenschauer und Hagelschlag
Gesellt sich liebeloser Tag,
Da birgst du deinen Schimmer;
Ich klopf' am Fenster, poch' am Tor:
"Komm, liebstes Seelchen, komm hervor!
Du bist so schön wie immer."
5.
Den Musenschwestern fiel es ein,
Auch Psychen in der Kunst, zu dichten,
Methodice zu unterrichten;
Das Seelchen blieb prosaisch rein
Nicht sonderlich erklang die Leier,
Selbst in der schönsten Sommernacht;
Doch Amor kommt mit Blick und Feuer -
Der ganze Kursus war vollbracht.
6.
Sie saugt mit Gier verrätrisches Getränke
Unabgesetzt, vom ersten Zug verführt;
Sie fühlt sich wohl, und längst sind die Gelenke
Der zarten Beinchen schon paralysiert,
Nicht mehr gewandt, die Flügelchen zu putzen,
Nicht mehr geschickt, das Köpfchen aufzustutzen,
Das Leben so sich im Genuss verliert.
Zum Stehen kaum wird noch das Füßchen taugen;
So schlürft sie fort, und mitten unterm Saugen
Umnebelt ihr der Tod die tausend Augen.
7.
Wenn du am breiten Flusse wohnst,
Seicht stockt er manchmal auch vorbei;
Dann, wenn du deine Wiesen schonst,
Herüber schlemmt er, es ist ein Brei.
Am klaren Tag hinab die Schiffe,
Der Fischer weislich reicht hinan;
Nun starret Eis am Kies und Riffe,
Das Knabenvolk ist Herr der Bahn.
Das musst du sehn und unterweilen
Doch immer, was du willst, vollziehn!
Nicht stocken darfst du, vor nicht eilen;
Die Zeit, sie geht gemessen hin.
8.
Zwei Personen, ganz verschieden,
Luden sich bei mir zu Tafel;
Diesmal lebten sie in Frieden,
Fuchs und Kranich, sagt die Fabel.
Beiden macht' ich was zurechte,
Rupfte gleich die jüngsten Tauben;
Weil er von Schakals Geschlechte,
Legt' ich bei geschwollne Trauben.
Lang gehälstes Glasgefäße
Setzt' ich ungesäumt dagegen,
Wo sich klar im Elemente
Gold- und Silberfischlein regen.
Hättet ihr den Fuchs gesehen
Auf der flachen Schüssel hausen,
Neidisch müsstet ihr gestehen:
"Welch ein Appetit zum Schmausen!"
Wenn der Vogel ganz bedächtig
Sich auf einem Fuße wiegte,
Hals und Schnabel, zart und schmächtig,
Zierlich nach den Fischlein schmiegte.
Dankend freuten sie beim Wandern
Sich der Tauben, sich der Fischchen;
Jeder spottete des andern
Als genährt am Katzentischchen.
Willst nicht Salz und Schmalz verlieren,
Musst, gemäß den Urgeschichten,
Wenn die Leute willst gastieren,
Dich nach Schnauz' und Schnabel richten.
9.
Schwer, in Waldes Busch und Wuchse
Füchsen auf die Spur gelangen;
Hält's der Jäger mit dem Fuchse,
Ist's unmöglich, ihn zu fangen.
Und so wäre manches Wunder
Wie A B Ab auszusprechen,
Über welches wir jetzunder
Kopf und Hirn im Kopf zerbrechen.
10.
Ein großer Teich war zugefroren,
Die Fröschlein, in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,
Versprachen sich aber, im halben Traum,
Fänden sie nur da oben Raum,
Wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
Nun ruderten sie und landeten stolz
Und saßen am Ufer weit und breit
Und quakten wie vor alter Zeit.
11.
Im Dorfe war ein groß Gelag,
Man sagt' es sei ein Hochzeittag.
Ich zwängte mich in den Schenkensaal,
Da drehten die Pärchen allzumal,
Ein jedes Mädchen mit seinem Wicht,
Da gab es manch verliebt Gesicht.
Nun fragt' ich endlich nach der Braut -
Mich einer starr ins Angesicht schaut:
"Das mögt ihr von einem andern hören!
Wir aber tanzen ihr zu Ehren,
Wir tanzen schon drei Tag und Nacht,
Und hat noch niemand an sie gedacht."
Will einer im Leben um sich schauen,
Dergleichen wird man ihm viel vertrauen.
12.
Ein Mägdlein trug man zur Tür hinaus
Zu Grabe;
Die Bürger schauten zum Fenster heraus,
Sie saßen eben in Saus und Braus
Auf Gut und Habe.
Da dachten sie: "Man trägt sie hinaus,
Trägt man uns nächstens auch hinaus,
Und wer denn endlich bleibt im Haus,
Hat Gut und schöne Gaben:
Es muss sie doch einer haben."
13.
Tritt in recht vollem klaren Schein
Frau Venus am Abendhimmel herein;
Oder dass blutrot ein Komet
Gar rutengleich durch Sterne steht;
Der Philister springt zur Türe heraus:
"Der Stern steht über meinem Haus!
O weh! Das ist mir zu verfänglich! -"
Da ruft er seinem Nachbar gänglich:
"Ach seht, was mir ein Zeichen dräut,
Das gilt fürwahr uns arme Leut'!
Meine Mutter liegt am bösen Keuch,
Mein Kind am Wind und schwerer Seuch,
Meine Frau, fürcht' ich, will auch erkranken,
Sie tät schon seit acht Tag nicht zanken:
Und andre Dinge nach Bericht!
Ich fürcht', es kommt das jüngste Gericht."
Der Nachbar spricht: "Ihr habt wohl
recht,
Es geht uns diesmal allen schlecht.
Doch lasst uns ein paar Gassen gehen,
Da seht ihr, wie die Sterne stehen."
Sie deuten hier, sie deuten dort.
Bleibe jeder weislich an seinem Ort
Und tue das Beste, was er kann,
Und leide wie ein andrer Mann.
14.
Zu der Apfelverkäuferin
Kamen Kinder gelaufen;
Alle wollten kaufen;
Mit munterm Sinn
Griffen sie aus dem Haufen,
Beschauten mit Verlangen
Nah und näher rotbäckige Wangen -
Sie hörten den Preis
Und warfen sie wieder hin,
Als wären sie glühend heiß.
Was für Käufer haben sollte,
Der Ware gratis geben wollte!
15.
Jetzt war das Bergdorf abgebrannt,
Sieh nur, wie schnell sich das ermannt!
Steht alles wieder in Brett und Schindeln,
Die Kinder liegen in Wieg' und Windeln:
Wie schön ist's, wenn man Gott vertraut!
"Neuer Scheiterhaufen ist aufgebaut,
Dass, wenn es Funken und Wind gefiele,
Gott selbst verlör' in solchem Spiele."
16.
Im Vatikan bedient man sich
Palmsonntags echter Palmen,
Die Kardinäle beugen sich
Und singen alte Psalmen.
Dieselben Psalmen singt man auch,
Ölzweiglein in den Händen,
Muss im Gebirg zu diesem Brauch
Stechpalmen gar verwenden;
Zuletzt, man will ein grünes Reis,
So nimmt man Weidenzweige,
Damit der Fromme Lob und Preis
Auch im Geringsten zeige.
Und habt ihr euch das wohl gemerkt,
Gönnt man euch das Bequeme,
Wenn ihr im Glauben euch bestärkt;
Das sind Mythologeme.
1.
Soll denn dein Opferrauch
Die Götter kränken?
Du hältst die Nase zu -
Was soll ich denken?
Den Weihrauch schätzet man
Vor allen Dingen;
Wer ihn nicht riechen kann,
Soll ihn nicht bringen.
Mit starrem Angesicht
Verehrst du Puppen;
Und riecht der Priester nicht,
So hat Gott den Schnuppen.
2.
Geist und Schönheit im Streit
Herr Geist, der allen Respekt verdient
Und dessen Gunst wir höchlich schätzen,
Vernimmt, man habe sich erkühnt,
Die Schönheit über ihn zu setzen;
Er macht daraus ein großes Wesen.
Da kommt Herr Hauch, uns längst bekannt
Als würdiger Geistsrepräsentant,
Fängt an, doch leider nicht galant,
Dem Luderchen den Text zu lesen.
Das rührt den Leichtsinn nicht einmal,
Sie läuft gleich zu dem Prinzipal:
Ihr seid ja sonst gewandt und klug!
Ist denn die Welt nicht groß genug?
Ich lass euch, wenn ihr trutzt, im Stich;
Doch seid ihr weise, so liebt ihr mich.
Seid versichert, im ganzen Jahr
Gibt's nicht wieder so ein hübsches Paar.
''AlwV
Die Schönheit hatte schöne Töchter,
Der Geist erzeugte dumme Söhne,
So war für einige Geschlechter
Der Geist nicht ewig, doch das Schöne.
Der Geist ist immer Autochthone.
So kam er wieder, wirkte, strebte
Und fand, zu seinem höchsten Lohne.
Die Schönheit, die ihn frisch belebte.
3.
Regen und Regenbogen
Auf schweres Gewitter und Regenguss
Blickt' ein Philister zum Beschluss
Ins weiter ziehende Grause nach,
Und so zu seinesgleichen sprach:
"Der Donner hat uns sehr erschreckt,
Der Blitz die Scheunen angesteckt,
Und das war unsrer Sünden Teil!
Dagegen hat zu frischem Heil
Der Regen fruchtbar uns erquickt
Und für den nächsten Herbst beglückt.
Was kommt nun aber der Regenbogen
An grauer Wand herangezogen?
Der mag wohl zu entbehren sein,
Der bunte Trug! Der leere Schein!"
Frau Iris aber dagegen sprach:
"Erkühnst du dich zu meiner Schmach?
Doch bin ich hier ins All gestellt
Als Zeugnis einer bessern Welt,
Für Augen, die vom Erdenlauf
Getrost sich wenden zum Himmel auf
Und in der Dünste trübem Netz
Erkennen Gott und sein Gesetz.
Drum wühle du, ein andres Schwein,
Nur immer den Rüssel in den Boden hinein
Und gönne dem verklärten Blick
An meiner Herrlichkeit sein Glück."
Sonst war ich Freund von Narren,
Ich rief sie ins Haus herein;
Brachte jeder seinen Sparren;
Wollten Zimmermeister sein.
Wollten mir das Dach abtragen,
Ein andres setzen hinauf,
Sie legten das Holz zu Schragen
Und nahmen's wieder auf
Und rannten hin und wieder
Und stießen einander an;
Das fuhr mir in die Glieder,
Dass ich den Frost gewann.
Ich sagt': "Hinaus, ihr Narren!"
Sie ärgerten sich drob;
Nahm jeder seinen Sparren,
Der Abschied, der war grob.
Daher bin ich belehrt,
Ich sitze nun an der Tür,
Wenn einer sich zu mir kehret:
"Geh," ruf' ich, "für und für!
Du bist ein Narr, so gräulich!" -
Da macht er ein flämisch Gesicht:
"Du Hausherr! Wie abscheulich!
Was gibst dir für ein Gewicht!
Wir faseln ja durch die Straßen,
Wir jubeln auf dem Markt,
Wird einer wegen Unmaßen
Gar selten angequarkt;
Du sollst uns gar nichts heißen!"
Nun endet meine Qual!
Denn gehn sie vor die Türe,
Es ist besser als in den Saal.
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