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13. Antiker Form sich nähernd
Dich ergriff mit Gewalt der alte Herrscher des
Flusses,
Hält dich und teilet mit dir ewig sein strömendes Reich.
Ruhig schlummerst du nun beim stilleren Rauschen der Urne,
Bis dich stürmende Flut wieder zu Taten erweckt.
Hilfreich werde dem Volke! So wie du ein Sterblicher wolltest,
Und vollend' als ein Gott, was dir als Menschen misslang.
Flach bedeckt und leicht den goldenen Samen die
Furche,
Guter! Die tiefere deckt endlich dein ruhend Gebein.
Fröhlich gepflückt und gesät! Hier keimet lebendige Nahrung,
Und die Hoffnung entfernt selbst von dem Grabe sich nicht.
Wo die Rose hier blüht, wo Reben um Lorbeer sich
schlingen,
Wo das Turtelchen lockt, wo sich das Grillchen ergötzt,
Welch ein Grab ist hier, das alle Götter mit Leben
Schön bepflanzt und geziert? Es ist Anakreons Ruh'.
Frühling, Sommer und Herbst genoss der glückliche Dichter;
Vor dem Winter hat ihn endlich der Hügel geschützt.
Schlummer und Schlaf, zwei Brüder, zum Dienste der
Götter berufen,
Bat sich Prometheus herab, seinem Geschlechte zum Trost;
Aber den Göttern so leicht, doch schwer zu ertragen den Menschen,
Ward nun ihr Schlummer uns Schlaf, ward nun ihr Schlaf uns zum Tod.
Eros, wie seh' ich dich hier! In jeglichem Händchen
die Sanduhr!
Wie? Leichtsinniger Gott, missest du doppelt die Zeit?
"Langsam rinnen aus einer die Stunden entfernter Geliebten;
Gegenwärtigen fließt eilig die zweite herab."
Wecke den Amor nicht auf! Noch schläft der liebliche
Knabe;
Geh, vollbring' dein Geschäft, wie es der Tag dir gebeut!
So der Zeit bedienet sich klug die sorgliche Mutter,
Wenn ihr Knäbchen entschläft, denn es erwacht nur zu bald.
Die ihr Felsen und Bäume bewohnt, o heilsame Nymphen,
Gebet jeglichem gern,w as er im stillen begehrt!
Schaffet dem Traurigen Trost, dem Zweifelhaften Belehrung
Und dem Liebenden gönnt, dass ihm begegne sein Glück!
Denn euch gaben die Götter, was sie den Menschen versagten:
Jeglichem, der euch vertraut, tröstlich und hilflich zu sein.
Was bedächtlich Natur sonst unter viele verteilet,
Gab sie mit reichlicher Hand alles der Einzigen, ihr.
Und die so herrlich Begabte, von vielen so innig Verehrte
Gab ein liebend Geschick freundlich dem Glücklichen, mir.
Hier im stillen gedachte der Liebende seiner
Geliebten;
Heiter sprach er zu mir: Werde mir Zeuge, du Stein!
Doch erhebe dich nicht, du hast noch viele Gesellen;
Jedem Felsen der Flur, die mich, den Glücklichen, nährt,
Jedem Baume des Walds, um den ich wandernd mich schlinge:
Denkmal bleibe des Glücks! Ruf' ich ihm weihend und froh.
Doch die Stimme verleih' ich nur dir, wie unter der Menge
Einen die Muse sich wählt, freundlich die Lippen ihm küsst.
Seid, o Geister des Hains, o seid, ihr Nymphen des
Flusses,
Eurer Entfernten gedenk, eueren Nahen zur Lust!
Weihend feierten sie im stillen die ländlichen Feste;
Wir, dem gebahnten Pfad folgend, beschleichen das Glück.
Amor wohne mit uns! Es macht der himmlische Knabe
Gegenwärtige lieb und die Entfernten euch nah.
Dich hat Amor gewiss, o Sängerin, fütternd erzogen;
Kindisch reichte der Gott dir mit dem Pfeile die Kost.
So, durchdrungen von Gift die harmlos atmende Kehle,
Trifft mit der Liebe Gewalt nun Philomele das Herz.
Wenn zu den Reihen der Nymphen, versammelt in
heiliger Mondnacht,
Sich die Grazien heimlich herab vom Olympus gesellen,
Hier belauscht sie der Dichter und hört die schönen Gesänge,
Sieht verschwiegener Tänze geheimnisvolle Bewegung.
Was der Himmel nur Herrliches hat, was glücklich die Erde
Reizendes immer gebar, das erscheint dem wachenden Träumer.
Alles erzählt er den Musen, und dass die Götter nicht zürnen,
Lehren die Musen ihn gleich bescheiden Geheimnisse sprechen.
Welch ein himmlischer Garten entspringt aus Öd' und
aus Wüste,
Wird und lebet und glänzt herrlich im Lichte vor mir!
Wohl den Schöpfer ahmet ihr nach, ihr Götter der Erde,
Fels und See und Gebüsch, Vögel und Fisch und Gewild.
Nur, dass euere Stätte sich ganz zum Eden vollende,
Fehlet ein Glücklicher hier, fehlt euch am Sabbat die Ruh'.
Als Diogenes still in seiner Tonne sich sonnte,
Und Calanus mit Lust stieg in das flammende Grab,
Welche herrliche Lehre dem raschen Sohn des Philippus,
Wäre der Herrscher der Welt nicht auch der Lehre zu groß!
Reichte die schädliche Frucht einst Mutter Eva dem
Gatten.
Ach! Vom törichten Biss kränkelt das ganze Geschlecht.
Nun vom heiligen Leibe, der Seelen speiset und heilet,
Kostet du, Lydia, fromm, liebliches büßendes Kidn!
Darum schick' ich dir eilig die Frucht voll irdischer Süße,
Dass der Himmel dich nicht deinem Geliebten entzieh'.
Selbst ein so himmlisches Paar fand nach der
Verbindung sich ungleich:
Psyche ward älter und klug, Amor ist immer noch Kind.
O des süßen Kindes, und o der glücklichen Mutter,
Wie sie sich einzig in ihm, wie es in ihr sich ergötzt!
Welche Wonne gewährte der Blicka uf dies herrliche Bild mir,
Stünd' ich Armer nicht so heilig, wie Joseph, dabei!
Du verklagest das Weib, sie schwanke von einem zum
andern!
Tadle sie nicht: Sie sucht einen beständigen Mann.
Einen Chinesen sah ich in Rom; die gesamten Gebäude
Alter und neuerer Zeit schienen ihm lästig und schwer.
"Ach!", so seufzt' er, "die Armen! Ich hoffe, sie sollen begreifen,
Wie erst Säulchen von Holz tragen des Daches Gezelt,
Dass an Latten und Pappen, Geschnitz und bunter Vergoldung
Sich des gebildeten Augs feinerer Sinn nur erfreut."
Siehe, da glaubt' ich im Bilde so manchen Schwärmer zu schauen,
Der sein lustig Gespinst mit der soliden Natur
Ewigem Teppich vergleicht, den echten reinen Gesunden
Krank nennt, dass ja nur er heiße, der Kranke, gesund.
Sich zu schmücken begierig, verfolgte den rinnenden
Bach einst
Früh die Muse hinab, sie suchte die ruhigste Stelle.
Eilend und rauschend indes verzog die schwankende Fläche
Stets das bewegliche Bild; die Göttin wandte sich zürnend.
Doch der Bach rief hinter ihr drein und höhnte sie: "Freilich
Magst du die Wahrheit nicht sehn, wie rein dir mein Spiegel sie zeiget!"
Aber indessen stand sie schon fern, am Winkel des Sees,
Ihrer Gestalt sich erfreuend, und rückte den Kranz sich zurechte.
Delos ernster Beherrscher und Majas Sohn, der
gewandte,
Rechteten heftig, es wünscht' jeder den herrlichen Preis.
Hermes verlangte die Leier, die Leier verlangt' auch Apollon,
Doch vergeblich erfüllt Hoffnung den beiden das Herz;
Denn rasch dränget sich Ares heran, gewaltsam entscheidend,
Schlägt das goldene Spiel wild mit dem Eisen entzwei.
Hermes lacht unmäßig, der schadenfrohe; doch Phöbos
Und den Musen ergreift inniger Schmerz das Gemüt.
Amor, nicht das Kind, der Jüngling, der Psychen
verführte,
Sah im Olympus sich um, frech und der Siege gewohnt;
Eine Göttin erblickt' er, vor allen die herrlichste Schöne,
Venus Urania war's, und er entbrannte für sie.
Ach! Die Heilige selbst, sie widerstand nicht dem Werben,
Und der Verwegene hielt fest sie im Arme bestrickt.
Da entstand aus ihnen ein neuer lieblicher Amor,
Der dem Vater den Sinn, Sitte der Mutter verdankt.
Immer findest du ihn in holder Musen Gesellschaft,
Und sein reizender Pfeil stiftet die Liebe der Kunst.
Klopstock will uns vom Pindus entfernen; wir sollen
nach Lorbeer
Nicht mehr geizen, uns soll inländische Eiche genügen;
Und doch führet er selbst den überepischen Kreuzzug
Hin auf Golgothas Gipfel, ausländische Götter zu ehren!
Doch, auf welchen Hügel er wolle, versamml' er die Engel,
Lasse beim Grabe des Guten verlassene Redliche weinen:
Wo ein Held und Heiliger starb, wo ein Dichter gesungen,
Uns im Leben und Tod ein Beispiel trefflichen Mutes,
Hohen Menschenwertes zu hinterlassen, da knien
Billig alle Völker in Andachtswonne, verehren
Dorn und Lorbeerkranz, und was ihn geschmückt und gepeinigt.
War doch gestern dein Haupt noch so braun wie die
Locke der Lieben,
Deren holdes Gebild' still aus der Ferne mir winkt;
Silbergrau bezeichnet dir früh der Schnee nun die Gipfel,
Der sich in stürmender Nacht dir um den Scheitel ergoss.
Jungend, ach! Ist dem Alter so nah, durchs Leben verbunden,
Wie ein beweglicher Traum gestern und heute verband.
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