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Inschriften, D.-, S.-Blätter |
14. An Personen
Erste Reihe
am 3. September 1783
Anmutig Tal! Du immer grüner Hain!
Mein Herz begrüßt euch wieder auf das beste;
Entfaltet mir die schwer behangnen Äste,
Nehmt freundlich mich in eure Schatten ein,
Erquickt von euren Höhn am Tag der Lieb' und Lust
Mit frischer Luft und Balsam meine Brust!
Wie kehrt' ich oft mit wechselndem
Geschicke,
Erhabner Berg, an deinen Fuß zurücke!
O lass mich heut an deinen sachten Höhn
Ein jugendlich, ein neues Eden sehn!
Ich hab' es wohl auch mit um euch verdienet:
Ich sorge still, indes ihr ruhig grünet.
Lasst mich vergessen, dass auch hier die
Welt
So manch Geschöpf in Erdefesseln hält,
Der Landmann leichtem Sand den Samen anvertraut
Und seinen Kohl dem frechen Wilde baut,
Der Knappe karges Brot in Klüften sucht,
Der Köhler zittert, wenn der Jäger flucht.
Verjüngt euch mir, wie ihr es oft getan,
Als fing ich heut ein neues Leben an.
Ihr seid mir hold, ihr gönnt mir diese
Träume,
Sie schmeicheln mir und locken alte Reime.
Mir wieder selbst, von allen Menschen fern,
Wie bad' ich mich in euren Düften gern!
Melodisch rauscht die hohe Tanne wieder,
Melodisch eilt der Wasserfall hernieder;
Die Wolke sinkt, der Nebel drückt ins Tal,
Und es ist Nacht und Dämmrung auf einmal.
Im finstern Wald, beim Liebesblick der
Sterne,
Wo ist mein Pfad, den sorglos ich verlor?
Welch seltne Stimmen hör' ich in der Ferne?
Sie schallen wechselnd an dem Fels empor.
Ich eile sacht' zu sehn, was es bedeutet,
Wie von des Hirsches Ruf der Jäger still geleitet.
Wo bin ich? Ist's ein Zaubermärchenland?
Welch nächtliches Gelag am Fuß der Felsenwand?
Bei kleinen Hütten, dicht mit Reis bedecket,
Seh' ich sie froh ans Feuer hingestrecket.
Es dringt der Glanz hoch durch den Fichtensaal;
Am niedern Herde kocht ein rohes Mahl;
Sie scherzen laut, indessen, bald geleeret,
Die Flasche frisch im Kreise wiederkehret.
Sagt, wem vergleich' ich diese muntre
Schar?
Von wannen kommt sie? Um wohin zu ziehen?
Wie ist an ihr doch alles wunderbar!
Soll ich sie grüßen? Soll ich vor ihr fliehen?
Ist es der Jäger wildes Geisterheer?
Sind's Gnomen, die hier Zauberkünste treiben?
Ich seh' im Busch der kleinen Feuer mehr;
Es schaudert mich, ich wage kaum zu bleiben.
Ist's der Ägyptier verdächt'ger Aufenthalt?
Ist es ein flücht'ger Fürst wie im Ardenner Wald?
Soll ich Verirrter hier in den verschlungnen Gründen
Die Geister Shakespeares gar verkörpert finden?
Ja, der Gedanke führt mich eben recht:
Sie sind es selbst, wo nicht ein gleich Geschlecht!
Unbändig schwelgt ein Geist in ihrer Mitten,
Und durch die Roheit fühl' ich edle Sitten.
Wie nennt ihr ihn? Wer ist's, der dort
gebückt
Nachlässig stark die breiten Schultern drückt?
Er sitzt zunächst gelassen an der Flamme,
Die markige Gestalt aus altem Heldenstamme,
Er saugt begierig am geliebten Rohr,
Es steigt der Dampf an seiner Stirn empor.
Gutmütig trocken weiß er Freud' und Lachen
Im ganzen Zirkel laut zu machen,
Wenn er mit ernstlichem Gesicht
Barbarisch bunt in fremder Mundart spricht.
Wer ist der andre, der sich nieder
An einen Sturz des alten Baumes lehnt
Und seine langen, steingestalten Glieder
Ekstatisch faul nach allen Seiten dehnt
Und, ohne dass die Zecher auf ihn hören,
Mit Geistesflug sich in die Höhe schwingt
Und von dem Tanz der himmelhohen Sphären
Ein monotones Lied mit großer Inbrunst singt?
Doch scheinet allen etwas zu gebrechen.
Ich höre sie auf einmal leise sprechen,
Des Jünglings Ruhe nicht zu unterbrechen,
Der dort am Ende, wo das Tal sich schließt,
In einer Hütte, leicht gezimmert,
Vor der ein letzter Blick des kleinen Feuers schimmert,
Vom Wasserfall umrauscht, des milden Schlafs genießt.
Mich treibt das Herz, nach jener Kluft zu wandern,
Ich schleiche still und scheide von den andern.
Sei mir gegrüßt, der hier in später
Nacht
Gedankenvoll an dieser Schwelle wacht!
Was sitzest du entfernt von jenen Freuden?
Du scheinst mir auf das Wichtiges bedacht.
Was ist's, dass du in Sinnen dich verlierest,
Und nicht einmal dein kleines Feuer schürest?
"O frage nicht! Denn ich bin nicht
bereit,
Des Fremden Neugier leicht zu stillen;
Sogar verbitt' ich deinen guten Willen;
Hier ist zu schweigen und zu leiden Zeit.
Ich bin dir nicht imstande selbst zu sagen,
Woher ich sei, wer mich hierher gesandt;
Von fremden Zonen bin ich her verschlagen
Und durch die Freundschaft fest gebannt.
Wer kennt sich selbst? Wer weiß, was er
vermag?
Hat nie der Mutige Verwegnes unternommen?
Und was du tust, sagt erst der andre Tag,
War es zum Schaden oder Frommen.
Ließ nicht Prometheus selbst die reine Himmelsglut
Auf frischen Ton vergötternd niederfließen?
Und konnt' er mehr als irdisch Blut
Durch die belebten Adern gießen?
Ich brachte reines Feuer vom Altar;
Was ich entzündet, ist nicht reine Flamme.
Der Sturm vermehrt die Glut und die Gefahr,
Ich schwanke nicht, indem ich mich verdamme.
Und wenn ich unklug Mut und Freiheit
sang
Und Redlichkeit und Freiheit sonder Zwang,
Stolz auf sich selbst und herzliches Behagen,
Erwarb ich mir der Menschen schöne Gunst;
Doch ach! Ein Gott versagte mir die Kunst,
Die arme Kunst, mich künstlich zu betragen.
Nun sitz' ich hier, zugleich erhoben und gedrückt,
Unschuldig und gestraft und schuldig und beglückt.
Doch rede sacht'! Denn unter diesem Dach
Ruht all mein Wohl und all mein Ungemach:
Ein edles Herz, vom Wege der Natur
Durch enges Schicksal abgeleitet,
Das, ahnungsvoll, nun auf der rechten Spur
Bald mit sich selbst und blad mit Zauberschatten streitet
Und, was ihm das Geschick durch die Geburt geschenkt,
Mit Müh' und Schweiß erst zu erringen denkt.
Kein liebevolles Wort kann seinen Geist enthüllen,
Und kein Gesang die hohen Wogen stillen.
Wer kann der Raupe, die am Zweige
kriecht,
Von ihrem künft'gen Futter sprechen?
Und wer der Puppe, die am Boden liegt,
Die zarte Schale helfen durchzubrechen?
Es kommt die Zeit, sie drängt sich selber los
Und eilt auf Fittichen der Rose in den Schoß.
Gewiss, ihm geben auch die Jahre
Die rechte Richtung seiner Kraft!
Noch ist bei tiefer Neigung für das Wahre
Ihm Irrtum eine Leidenschaft.
Der Vorwitz lockt ihn in die Weite,
Kein Fels ist ihm zu schroff, kein Steg zu schmal;
Der Unfall lauert an der Seite
Und stürzt ihn in den Arm der Qual.
Dann treibt die schmerzlich überspannte Regung
Gewaltsam ihn bald da, bald dort hinaus,
Und von unmutiger Bewegung
Ruht er unmutig wieder aus.
Und düster wild an heitren Tagen,
Unbändig, ohne froh zu sein,
Schläft er, an Seel' und Leib verwundet und zerschlagen,
Auf einem harten Lager ein,
Indessen ich hier still und atmend kaum
Die Augen zu den freien Sternen kehre
Und, halb erwacht und halb im schweren Traum,
Mich kaum des schweren Traums erwehre."
Verschwinde, Traum!
Wie dank' ich, Musen, euch,
Dass ihr mich heut auf einen Pfad gestellet,
Wo auf ein einzig Wort die ganze Gegend gleich
Zum schönsten Tage sich erhellet;
Die Wolke flieht, der Nebel fällt,
Die Schatten sind hinweg. Ihr Götter, Preis und Wonne!
Es leuchtet mir die wahre Sonne,
Es lebt mir eine schönre Welt;
Das ängstliche Gesicht ist in die Luft zerronnen,
Ein neues Leben ist's, es ist schon lang begonnen.
Ich sehe hier, wie man nach langer Reise
Im Vaterland sich wiederkennt,
Ein ruhig Volk in stillem Fleiße
Benutzen, was Natur an Gaben ihm gegönnt.
Der Faden eilet von dem Rocken
Des Webers raschem Stuhle zu;
Und Seil und Kübel wird in längrer Ruh'
Nicht am verbrochnen Schachte stocken;
Es wird der Trug entdeckt, die Ordnung kehrt zurück,
Er folgt Gedeihn und festes ird'sches Glück.
So mög', o Fürst, der Winkel deines
Landes
Ein Vorbild deiner Tage sein!
Du kennest lang die Pflichten deines Standes
Und schränkest nach und nach die freie Seele ein.
Der kann sich manchen Wunsch gewähren,
Der kalt sich selbst und seinem Willen lebt;
Allein wer andre wohl zu leiten strebt,
Muss fähig sein, viel zu entbehren.
So wandle du - der Lohn ist nicht gering
-
Nicht schwankend hin, wie jener Sämann ging,
Dass bald ein Korn, des Zufalls leichtes Spiel,
Hier auf den Weg, dort zwischen Dornen fiel;
Nein! Streue klug wie reich, mit männlich steter Hand
Den Segen aus auf ein geackert Land;
Dann lass es ruhn! Die Ernte wird erscheinen
Und dich beglücken und die Deinen.
von Oeser.
Als Gellert, der geliebte, schied,
Manch gutes Herz im stillen weinte,
Auch manches matte, schiefe Lied
Sich mit dem reinen Schmerz vereinte;
Und jeder Stümper bei dem Grab
Ein Blümchen an die Ehrenkrone,
Ein Scherflein zu des Edlen Lohne
Mit vielzufriedner Miene gab;
Stand Oeser seitwärts von den Leuten
Und fhlte den Geschiednen, sann
Ein bleibend Bild, ein lieblich Deuten
Auf den verschwundnen werten Mann
Und sammelte mit Geistesflug
Im Marmor alles Lobes Stammeln,
Wie wir in einen engen Krug
Die Asche des Geliebten sammeln.
Schon wälzen schnelle Räder rasselnd
sich und tragen
Dich von dem unbeklagten Ort,
Und, angekettet fest an deinen Wagen,
Die Freude mit dir fort.
Du bist uns kaum entwichen, und
schwermütig ziehen
Aus dumpfen Höhlen, (denn dahin
Flohn sie bei deiner Ankunft, wie vorm Glühen
Der Sonne Nebel fliehn,)
Verdruss und Langeweile. Wie die
Stymphaliden
Umschwärmen sie den Tisch und sprühn
Von ihren Fittichen Gift unsrem Frieden
Auf alle Speisen hin.
Wo ist, sie zu verscheuchen, unser
güt'ger Retter,
Der Venus vielgeliebter Sohn,
Apollens Liebling, Liebling aller Götter?
Lebt er? Ist er entflohn?
O gäb' er mir die Stärke, seine mächt'ge
Leier
Zu schlagen, die Apoll ihm gab;
Ich rührte sie, dann flöhn die Ungeheuer
Erschreckt zur Höll' hinab.
O leih mir, Sohn der Maja, deiner Fersen
Schwingen,
Die du sonst Sterblichen geliehn;
Sie reißen mich aus diesem Elend, bringen
Mich nach der Ocker hin;
Dann folg' ich unerwartet ihm am Flusse;
Allein so wenig staunet er,
Als ging ihm, angeheftet seinem Fuße,
Sein Schatten hinterher.
Von ihm dann unzertrennlich wärmt den
jungen Busen
Der Glanz, der glorreich ihn umgibt.
Er liebet mich; dann lieben mich die Musen,
Weil mich ihr Liebling liebt.
1.
Wenn die Zweige Wurzeln schlagen,
Wachsen, grünen, Früchte tragen;
Möchtest du dem Angedenken
Deines Freunds ein Lächeln schenken.
2.
Und wenn sie zuletzt erfrieren,
Weil man sie nicht wohl verschanzet,
Will sich's alsobald gebühren,
Dass man hoffend neue pflanzet.
Wohin du trittst, wird uns verklärte
Stunde,
Dir leuchtet Klarheit frisch vom Angesicht,
Vom Auge Gutheit, Lieblichkeit vom Munde,
Aus Wolken dringt ein reines Himmelslicht.
Der Ungeheuer Schwarm im Hintergrunde,
Er drängt, er droht, jedoch er schreckt dich nicht,
Wie du mit Freiheit unbefangen schreitest,
Das Herz erhebst und jeden Geist erweitest.
So wandelst du, dein Ebenbild zu
schauen,
Das majestätisch uns von oben blickt,
Der Mütter Urbild, Königin der Frauen,
Ein Wunderpinsel hat sie ausgedrückt;
Ihr beugt ein Mann mit liebevollem Grauen,
Ein Weib die Knie, in Demut still entzückt;
Du aber kommst, ihr deine Hand zu reichen,
Als wärest du zu Haus bei deinesgleichen.
Doch schreite weiter, was auch hier sich
finde,
Zum Lande hin, dem doch kein andres gleicht,
Wo uns Natur befreit, wie Kunst auch binde,
Der Geist sich stählt, wenn sich das Herz erweicht,
Vor stillem Schaun so Zeit- als Volksgewinde
Zum Abgrund wallt, zur Himmelshöhe steigt:
Dorthin gehörst du, die du schaffend strebest,
Die Trümmer herstellst, Totes neu belebest.
Führ' uns indes durch blumenreiche
Matten,
Am breiten Fluss durchs wohlbebaute Tal,
Wo Reben sich um Sonnenhügel gatten,
Der Fels dich schützt vor mächt'gem Sonnenstrahl;
Genieße froh der engen Laube Schatten,
Der reinen Milch unschuldig würd'ges Mahl.
Und hier und dort vergönn' an deinen Blicken,
An deinem Wort uns ewig zu entzücken!
am zweiten Januar 1815.
Hat der Tag sich kaum erneuet,
Wo uns Winterfreude blühet,
Jedermann sich wünschend freuet,
Wenn er Freund und Gönner siehet.
Sagt, wie schon am zweiten Tage
Sich ein zweites Fest entzündet?
Hat vielleicht willkommne Sage
Vaterland und Reich gegründet?
Haben sich die Allgewalten
Endlich schöpferisch entschieden,
Aufzuzeichnen, zu entfalten
Allgemeinen ew'gen Frieden?
Nein! - Dem Würdigen, dem Biedern
Winden wir vollkommne Kränze,
Und zu aller Art von Liedern
Schlingen sich des Festes Tänze.
Selbst das Erz erweicht sich gerne,
Wundersam ihn zu verehren;
Aber ihr, auch aus der Ferne,
Lasst zu seinem Preise hören!
Er, nach langer Jahre Sorgen,
Wo der Boden oft gebidmet,
Sieht nun Fürst und Volk geborgen,
Dem er Geist und Kraft gewidmet.
Die Gemahlin, längst verbunden
Ihm als treulichstes Geleite,
Sieht er auch, der tausend Stunden
Froh gedenk', an seiner Seite.
Leb' er so, mit Jünglingskräften
Immer herrlich und vermögsam,
In den wichtigsten Geschäften
Heiter klug und weise regsam,
Und in seiner Trauten Kreise
Sorgenfrei und unterhaltend,
Eine Welt nach seiner Weise
Nah und fern umher gestaltend.
Viel Männer sind hoch zu verehren,
Wohltätige durch Werk und Lehren;
Doch wer uns zu erstatten wagt,
Was die Natur uns ganz versagt,
Den darf ich wohl den größten nennen:
Ich denke doch, ihr müsst ihn kennen?
mit einem Bildnisse.
Der Abgebildete
Vergleicht sich billig
Heil'gem Dreikönige,
Dieweil er willig
Dem Stern, der ostenher
Wahrhaft erschienen,
Auf allen Wegen war
Bereit zu dienen.
Der Bildner gleichenfalls
Vergleicht sich eben
Dem Reiter, der den Hals
Darangegeben,
Wie Hemelink auch getan,
Ein Held geworden,
Durch seine Manneskraft
Ritter vom Orden.
Darum zusammen sie
Euch nun verehren,
Die zum Vergangenen
Mutig sich kehren,
Stein, Heil'ge, Samt und Gold -
Männiglich strebend
Und altem Tage hold -
Fröhlich belebend.
Himmel, ach! So ruft man aus,
Wenn's uns schlecht geworden.
Himmel will verdienen sich
Pfaff- und Ritterorden.
Ihren Himmel finden viel'
In dem Weltgetümmel;
Jugend unter Tanz und Spiel
Meint, sie sei im Himmel.
Doch von dem Klaviere tönt
Ganz ein andrer Himmel;
Alle Morgen grüß' ich ihn,
Nickt er mir vom Schimmel.
1.
Erst ein Deutscher, dann ein Schweizer,
Dann ein Berg- und Taldurchkreuzer,
Römer, dann Napolitaner,
Philosoph und doch kein Aner,
Dichter, fruchtbar aller Orten,
Bald mit Zeichen, bald mit Worten,
Immer bleibest du derselbe
Von der Tiber bis zur Elbe!
Glück und Heil, so wie du strebest!
Leben, so wie du belebest!
So genieße! Lass genießen!
Bis die Nymphen dich begrüßen,
Die sich in der Ilme baden
Und aufs freundlichste dich laden.
2.
Alles, was du denkst und sinnest,
Was du der Natur und Kunst
Mit Empfindung abgewinnest,
Drückst du aus durch Musengunst.
Farbe her! Dein Meisterwille
Schafft ein sichtliches Gedicht;
Doch, bescheiden in der Fülle,
Du verschmähst die Worte nicht.
3.
Für das Gute, für das Schöne,
Das du uns so reichlich sendest,
Möge jegliche Kamöne
Freude spenden, wie due spendest!
Möge dir, im nord'schen Trüben,
Aller Guten, aller Lieben
Reine Neigung so bereiten,
Überall dich zu begleiten
Mit des Umgangs trauter Wonne,
Wie im heitern Land der Sonne!
4.
Statt den Menschen in den Tieren
Zu verlieren,
Findest du ihn klar darin
Und belebst, als wahrer Dichter,
Schaf- und säuisches Gelichter
Mit Gesinnung wie mit Sinn.
Auch der Esel kommt zu Ehren
Und naht uns weise Lehren.
Das, was Buffon nur begonnen,
Kommt durch Tischbein an die Sonnen.
Muntre Gärten lieb' ich mir,
Viele Blumen drinne,
Und du hast so einen hier,
Merk' ich wohl im Sinne.
Mögen Wünsche für dein Glück
Tausendfach erscheinen;
Grüße sie mit heitrem Blick
Und voran die meinen.
zum Geburtstag.
Dem schönen Tag sei es geschrieben!
Oft glänze dir sein heitres Licht.
Uns hörest du nicht auf zu lieben,
Doch bitten wir: Vergiss uns nicht!
Ein alter Freund erscheint maskiert,
Und das, was er im Schilde führt,
Gesteht er wohl nicht allen;
Doch du entdeckst sogleich den Reim
Und sprichst ihn aus ganz ins geheim:
Er wünscht dir zu ...
Die Freundin war hinausgegangen,
Um in der Welt sich umzutun;
Nun wird sie bald nach Haus gelangen
Und auf gewohnte Weise ruhn.
Und neigt sie dann das art'ge Köpfchen,
Umwunden reich von Zopf und Zöpfchen.
Nach einem kissenreichen Sitzchen,
So bietet freundlich ihr das Mützchen.
Zweite Reihe
Im Namen der Bürgerschaft von Karlsbad
Den 6. Juni 1810.
Zu des einzigen Tages Feste
Schmückt euch alle, windet Kränze!
Dass für Heimische, für Gäste
Herrlicher das Tal erglänze,
Dem ein neuer Frühling weht.
Väter, Mütter, Töchter, Söhne,
Auf! Ein frohes Lied ertöne,
Alles um euch her verschöne
Den Empfang der Majestät!
Hier im Wald bewachs'nen Tale,
Das so mancher Fremde segnet,
Weil mit heilsam heißer Schale
Die Genesung ihm begegnet
Und ihm frisches Leben schafft,
Muss in tiefen Felsenschlünden
Feuer sich mit Wasser binden,
Klüften siedend sich entwinden;
Neue Kräfte wirkt die Kraft.
Dem Genes'nen, dem Gesunden
Bieten sich so manche Schätze.
Dass der Freund den Freund gefunden,
Zeugen die erwählten Plätze,
Wie Erinnrung köstlich sei.
Und so wurden Wald und Wiese
Zum bewohnten Paradiese,
Dass ein jeglicher genieße,
Sich empfinde froh und frei.
Aber heute neu mit Machten
Sprudle, Quell, aus deinen Höhlen!
Faltet aus die frischen Prachten,
Ihr, des grünen Tals Juwelen,
Holde Blumen, euren Flor!
Und ihr Sprossen dieser Gauen,
Kinder mit Wonne, mit Vertrauen
Zu der Herrlichen empor!
Sie, die Tausenden gehöret,
Sie erwählt euch, sie ist euer!
Ihr umgebt sie unverwehret;
Gnädig gönnt sie dieser Feier
Mutterblicke hoch und mild.
Dränget euch, ihr jungen Scharen!
Dem, der früh solch Glück erfahren,
Wächst an Glanz von Jahr zu Jahren
Der Erinnerung Himmelbild.
Was in segensreicher Enge
Diese Kaiserstadt umwallet,
Was in fröhlichem Gedränge
Seit Jahrhunderten erschallet,
Werde diesem Tag zuteil!
Alles Wohl, das hier gequollen
Alle Lust, die hier erschollen,
Ruft herab mit feuervollen
Segenswünschen, ihr zum Heil!
Den 10. Juni 1810.
Dich, klein geblümt Gefäß, mit Schmuck
und Leben
Des Blumenflores malerisch zu umwinden,
Ist zwar zu spät; doch unser Glück zu künden,
Soll nun von Worten dich ein Kranz umgeben.
Und möcht' er auch so zierlich dich
umschweben,
Wie ihn die Grazien, die Musen binden;
Rein auszusprechen, was wir rein empfinden,
Ist für den Dichter selbst vergeblich Streben.
Den Lippen, denen Huld und Gunst entquellen,
Von denen Freundlichkeit und Frohsinn wirken,
Hast du, beglückt Gefäß, dich nähern dürfen;
Gekostet haben sie die heißen Wellen. -
O möchten sie aus unsern Lustbezirken
Des Lebens Balsam frisch erquicklich schlürfen!
Den 19. Juni 1810.
Wenn vor dem Glanz, der um die Herrin
schwebet,
Das Volk sich teilt in drängendem Gewühle,
Dann gleich um sie sich neu zu sammeln strebet,
Stumm erst und staunend, dann im Hochgefühle
Mit Leberuf den Widerhall belebet;
So spreche nun die Nymphe dieser Kühle
Zu jedem still empfindenden Gemüte
Von ihrer Anmut, Heiterkeit und Güte.
Ehrwürd'ger Fels! Der sich vom
Himmelsblauen
Herab dem Tale reich bemoost vermählte,
Am schattengrünen Berg ihr bunten Auen!
Die längst zum Bilde sich der Künstler wählte,
Ihr ließt euch stets geschmückt und fröhlich schauen;
Doch immer war's, als ob euch eines fehlte:
Nun sie auf euch mit Huld und Neigung blicket,
Nun wisst ihr erst, warum ihr euch geschmücket.
Die Sonne wird, o Nymphe, bald sich
senken,
An die du mit uns allen dich verwöhnet;
Nicht ohne Schmerz lässt sie entfernt sich denken.
O möchte sie, nach der sich alles sehnet,
Hieher den Weg, froh wiederkehrend, lenken!
O möchtest du, wenn du dich neu verschönet,
In deinem Zweig umwölbten, lust'gen Saale
Sie wieder sehn, sie sehn mit dem Gemahle!
Den 22. Juni 1810.
Lasset uns die Nacht erhellen
Abermals mit bunten Feuern,
Die, von Felsen, die, von Wellen
Widerglänzend, ihr beteuern
Unsrer treuen Wünsche Glut!
Abermals zur Morgenstunde
Sammle sich die bunte Menge,
Stimme fröhliche Gesänge!
Von dem Herzen zu dem Munde
Ströme neuer Lebensmut!
Hörner schallen, Fahnen fliegen,
Trommeln künden frohe Feier;
Aber ach! Auf allen Zügen
Liegt es wie der Wolkenschleier,
Der um Gipfel sich getan.
Und so spricht's aus trüben Blicken:
Sie, die unser sich bemeistert,
Uns erhoben, uns begeistert,
Ach! Sie zeiht in Augenblicken
Langsam scheidend berghinan.
Die, zu uns hernieder steigend,
Mit uns wandelt unsre Pfade,
Unsrem Gruße freundlich neigend,
Die allseitig heitre Gnade,
Sie zu missen, welch ein Schmerz!
Tröstet euch! Auch sie empfindet,
Und die Muse soll's euch sagen;
Denn die Muse darf es wagen,
Die das Innre wohl ergründet,
Auch zu blicken ihr ins Herz.
"An der Kluft, vom Fels umschlossen,
Dem der größte Schatz entquillet;
Bei dem Volk, das unverdrossen
Junggewohnte Pflicht erfüllet,
Allen dient um kleinen Lohn;
In dem menschenreichen Tale,
Dem von allen Ort- und Enden
Hilfsbedürft'ge zu sich wenden,
Herrsch' ich nun im grünen Saale,
Herrsche von dem Blumenthron.
Und so seh' ich Abgesandte
Vieler Völker, die mich ehren;
Freunde find' ich, Nahverwandte,
Die ganz eigens mir gehören,
Und so nenn' ich alles mein.
Ja, durch Neigung mir verbunden,
Fühlt sich jeder aufgeheitert;
Auch mir ist das Herz erweitert,
Und die Freiheit dieser Stunden
Wird mir unvergesslich sein.
Keine Blumen soll man streuen,
Da ich mit Bedauern scheide.
Geh, o Muse! Sag' den Treuen,
Dass ich selbst mit ihnen leide:
Schnell war mir die Stunde da.
Lasst verstummen alle Lieder!
Doch auf euren Lippen schwebet
Jener Wunsch, der mich belebet.
Wenn ihr lispelt: Kehre wieder!
Habt ihr gleich mein offnes Ja.
Auf denn, Muse, zu verkünden,
Was die Frau dir aufgetragen!
Lasset alle Nebel schwinden!
Lasst die schönste Sonne tagen!
Weil ein jeder hoffen mag.
Die ihr traurig sie begleitet,
Eilt entzückt ihr dann entgegen;
Und ihr bringt auf neuen Wegen.
Kaiserlich umher geleitet,
Sie herab am schönsten Tag.
Wie lange harren wir gewisser Kunde!
Wie ist das Zweifeln bang, die Hoffnung süß!
Noch schwebt sie vor, die unwillkommne Stunde,
Da uns die Frau, die herrliche, verließ
Und uns das letzte Wort vom Gnadenmunde
Die Wiederkehr, die baldige, verhieß;
Wir sollten ja in diesem stillen Tale
Sie wiedersehn, sie sehn mit dem Gemahle.
Doch solch ein Wort lässt immer noch in
Sorgen,
Und leider waren wir zu sehr verwöhnt,
Erinnerten an jedem heitren Morgen,
Wie sie uns einst den schönsten Tag verschönt
Und unser Leben, häuslich sonst verborgen,
Mit Herrlichkeit der Majestät gekrönt.
Es war geschehn! Sie war uns nun entrissen,
Und wo sie ging, wird man sie stets vermissen.
Der starre Fels, er scheint sich noch zu
neigen
Vor ihrer Hoheit, ihrer Majestät;
Die Stämme wiegen sich, in allen Zweigen
Von ihrer Anmut lind und leis mweht;
Die Blumen, die ihr Haupt im Grünen beugen,
Erheben's forschend, wo vielleicht sie geht?
Und mit den Büschen, die ihr Blüten streuen,
Wetteifern all' die Herzen ihrer Treuen.
Und wenn sie sich im weiten Reich
beweget,
Nach jeder Richtung wird sogleich gefragt;
Wenn dann der Weg sie in die Ferne träget,
Vereitelt Hoffen bitterlich beklagt,
Und immer neu die Hoffnung aufgereget,
Sie wird erfüllen, was sie zugesagt;
Erst soll es ihr und dem Gemahle glücken,
Die Tochter und den Eidam zu erblicken.
Es ist geschehn! Im seligsten Momente
Begegnet sich der liebevolle Blick,
Und was die Donau ernst und schmerzlich trennte,
Gibt wonnevoll die Elbe nun zurück.
Wer ist es, der's in Worte fassen könnte!
Begünstigt ist der Höchsten größtes Glück,
Im Drang der ahnungsvollsten Weltgewühle
Die elterlichen, kindlichen Gefühle.
Auf hoher Burg sodann ein festlich
Prangen
Erhebt den Geist und überrascht den Sinn;
Denn Böhmens Hauptstadt soll das Glück erlangen,
Des höchsten Anblicks einzigen Gewinn;
Der Vater will die Tochter dort empfangen,
Der Kaiser Östreichs Frankreichs Kaiserin.
So wird er sie am Tag der Freude führen,
Die herrlich Fremdgewordne, zu den Ihren.
So nah gerückt sollt' es vorüberrollen,
Ein Glück, das dann wohl immer sich verliert?
Nein! Ihr versagt es nicht den Hoffnungsvollen,
Sie rufen aus, was sie im Tiefsten rührt:
Wie unsre Brunnen immer treu gequollen,
So unser Herz dem, der das Zepter führt,
Und unser Tun, wie wir die Gäste pflegen,
Verdienet seinen Blick und seinen Segen.
Nun endlich meldet würdevoll Geläute
Der Majestäten feierliches Nahn,
Und an des Berges ausgeglichner Seite
Rückt schon der Zug den Kaiserweg heran;
Die Menge schwillt in wogenhafter Breite,
Zu seiner Herrscher Blick drängt sie hinan.
Verstumme, Lied! Und lasst in vollen Chören
Den Freuderuf entzückten Busens hören!
Er kommt! Er naht! - Wie fühlt bei
diesem Schalle
Die Seele gleich sich ahnungsvoll bedingt!
Doch schon befreien sich die Herzen alle
Durch Leberuf, davon der Fels erklingt.
Nun, Muse! Streue gleich auf die im Schwalle
Bewegte Volksflut, die den Herrn umringt,
Den Samen aus zu würdiger Beachtung
Des Augenblicks und ewiger Betrachtung!
Denn wendet er in seinen weiten Reichen
Den Blick umher nach mannigfalt'gem Gut,
So übersieht er Fülle sondergleichen,
Die über allem ausgebreitet ruht;
Wo Ebne sich verflächet, Berge steigen,
Der Ähre Gold, der edlen Rede Blut,
Und scharenweis, zum Nutzen eingehändigt,
Der Tiere Herden, die der Mensch gebändigt.
Und wo die großen Flüsse sich ergießen
Durch überbreites, reich bebautes Land,
Mit schnellen Fluten manche Städte grüßen,
Dort hält er gern das Auge hingewandt.
Nun lass er auch des Vaterblicks genießen
Die tiefe Stadt, die kühn sich unterwand,
In enge Schlucht sich notgedrungen setzte,
Vielleicht die kleinste, keineswegs die letzte.
Weil dieses Tal, von Bergen rings
umfriedet,
Ein ungeheures Wunder sich erzeugt,
Wo heimlich, seit Urjahren unermüdet,
Heilsam Gewässer durch die Klüfte schleicht,
In tiefen Höhlen ohne Feuer siedet
Und ohne Fall hoch in die Lüfte steigt
Und, wenn des Wirkens Leidenschaft gestillet,
Die Felsen bildet, denen es entquillet.
In tiefer Wildnis dieser Täler schreckte
Des Jägers Horn die scheuen Wilde kaum.
Er war es, der den Wunderquell entdeckte,
Und Böhmens Karl belebt den stummen Raum.
Ein jeder, der zu bauen sich erkeckte
Auf heißem Boden, an der Schlünde Saum,
Und ferne her nun die Erkrankten ladet,
Sieht sich mit Wald und Feld und Trist begnadet.
So hat fortan mit immer regem Streben
Natur und Kunst viel Tausenden genützt.
Was Gott dem Bürger in die Hand gegeben,
Wenn es der Fürst begünstigt und beschützt,
Dann bleibt fürwahr ein unverwüstlich Leben,
Indem der Sohn dem Vater nachbesitzt.
Geschlechter widerstehn der größten Plage
Und blühn und wachsen bis zum spätsten Tage.
Vollständig ist jedoch kein Glück zu
nennen,
Wenn bei so manchem Gut das höchste fehlt;
Wir durften das nur in der Ferne kennen
Und Jahre haben wir umsonst gezählt.
Erst heute mögen wir getrost bekennen,
Wie solch ein Mangel uns bisher gequält;
Heut fühlen wir entbehrter Regung Wonne:
Der Blick des Herrn, er ist die zweite Sonne.
Erhabne Gegenwart, die heute gründet,
Was lange schon der Wunsch im stillen war!
Beamte, Bürger, wechselseits entzündet,
Beeifern sich im neuen Jubeljahr,
Und jeder macht die Kraft, die er sich findet,
Nach allen Seiten tätig offenbar,
Und nun erscheint, damit der Herr sich freue,
Das Alte fest und Leben voll das Neue.
Selbst jener wilde Quell, den tief im
Grunde
Kein Menschenwitz und keine Kraft beschwor,
Ergrimmt nicht mehr am eingezwängten Schlunde,
Ihm lässt die Weisheit nun ein offnes Tor.
Damit der fernste Pilger hier gesunde,
Wirst sprudelnd frei er volle Kraft hervor,
Zerreißt nicht mehr die selbst gewölbten Decken;
Nur heilen will er künftig, nicht erschrecken.
Und wo die Brunnen lau und milder
wallen,
Befiehlt der Herr, soll es auch heiter sein.
Schon richten sich empor geraume Hallen,
Behauner Stamm fügt sich geviertem Stein.
Des Herren Preis wird stets daselbst erschallen:
Er gab uns diesen Raum, er lud uns ein!
Uns wird die Not nicht mehr zusammendrängen,
Behaglich soll das Wandeln sich verlängen.
Von seines Augen mildem Blick entbrennet
Ein heilig Feuer, das uns nie entweicht;
Und wie man erst des Sommers Kräfte kennet,
Wenn sich im Herbst der Trauben Fülle zeigt,
So zeige sich, wenn er von uns getrennet,
Der Segen wirksam, den er uns gereicht,
Und werde so beim glücklichsten Ereignis
Die kleine Stadt des großen Reiches Gleichnis.
Sieht man den schönsten Stern die Nacht
erhellen,
So wird das Auge wie das Herz erquickt;
Doch wenn in seltnen, lang ersehnten Fällen,
Ein herrliches Gestirn zum andern rückt,
Die nah verwandten Strahlen sich gesellen,
Dann weilt ein jeder schauend, hoch entzückt;
So unser Blick, wie er hinauf sich wendet,
Wird vom Verein der Majestät geblendet.
Wir denken noch, wie sie hinweg gezogen,
Der Eltern Lust, die holde Friedensbraut;
Schon beugten sich des Rheines edle Wogen,
Die beiden Ufer lächelten vertraut;
So freut die Erde sich am Himmelsbogen,
Von farbigen Juwelen aufgebaut,
Der, wenn er schon vor unsern Augen schwindet,
Den Frieden sichert, den er angekündet.
Im neuen Reich empfängt sie das Behagen
Von Millionen, die aus düstrer Nacht
Aufschauen wieder zu gesunden Tagen,
Zum festen Leben abermals erwacht.
Ein jeder fühlt sein Herz gesichert schlagen
Und staunet nun, denn alles ist vollbracht:
Die holde Braut in lebensreichem Scheine -
Was Tausende verwirrten, löst der eine.
Worüber trüb Jahrhunderte gesonnen,
Er übersieht's in hellstem Geisteslicht,
Das Kleinliche ist alles weg geronnen,
Nur Meer und Erde haben hier Gewicht;
Ist jenem erst das Ufer abgewonnen,
Dass sich daran die stolze Woge bricht,
So tritt durch weisen Schluss, durch Machtgefechte
Das feste Land in alle seine Rechte.
Und wenn dem Helden alles zwar gelungen,
Den das Geschick zum Günstling auserwählt
Und ihm vor allen alles aufgedrungen,
Was die Geschichte jemals aufgezählt,
Ja reichlicher, als Dichter je gesunden -
Ihm hat bis jetzt das Höchste noch gefehlt;
Nun steht das Reich gesichert wie geründet,
Nun fühlt er froh im Sohne sich gegründet.
Und dass auch diesem eigne Hoheit gnüge,
Ist Roma selbst zur Wächterin bestellt.
Die Göttin, hehr, an ihres Königs Wiege,
Denkt abermal das Schicksal einer Welt.
Was sind hier die Trophäen aller Siege,
Wo sich der Vater in dem Sohn gefällt?
Zusammen werden sie des Glücks genießen,
Mit milder Hand den Janustempel schließen.
Sie, die zum Vorzug einst als Braut
gelanget,
Vermittlerin nach Götterart zu sein,
Als Mutter, die, den Sohn im Arme, pranget,
Befördre neuen, dauernden Verein!
Sie kläre, wenn die Welt im Düstern banget,
Den Himmel auf zu ew'gem Sonnenschein!
Uns sei durch sie dies letzte Glück beschieden -
Der alles wollen kann, will auch den Frieden.
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