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15. Kunst
Erste Reihe
Als Minerva, jenen Liebling,
Den Prometheus, zu begünst'gen,
Eine volle Nektarschale
Von dem Himmel niederbrachte,
Seine Menschen zu beglücken
Und den Trieb zu holden Künsten
Ihrem Busen einzuflößen,
Eilte sie mit schnellen Füßen,
Dass sie Jupiter nicht sähe;
Und die goldne Schale schwankte,
Und es fielen wenig Tropfen
Auf den grünen Boden nieder.
Emsig waren drauf die Bienen
Hinterher und saugten fleißig;
Kam der Schmetterling geschäftig,
Auch ein Tröpfchen zu erhaschen;
Selbst die ungestalte Spinne
Kroch herbei und sog gewaltig.
Glücklich haben sie gekostet,
Sie und andre zarte Tierchen!
Denn sie teilen mit dem Menschen
Nun das schönste Glück, die Kunst.
Wandrer.
Gott segne dich, junge Frau,
Und den säugenden Knaben
An deiner Brust!
Lass mich an der Felsenwand hier
In des Ulmbaums Schatten
Meine Bürde werfen,
Neben dir ausruhn.
Frau.
Welch Gewerbe treibt dich
Durch des Tages Hitze
Den staubigen Pfad her?
Bringst du Waren aus der Stadt
Im Land herum?
Lächelst, Fremdling,
Über meine Frage?
Wandrer.
Keine Ware bring' ich aus der Stadt.
Kühl wird nun der Abend
Zeige mir den Brunnen,
Draus du trinkest,
Liebes junges Weib!
Frau.
Hier den Felsenpfad hinauf.
Geh voran! Durchs Gebüsche
Geht der Pfad nach der Hütte,
Drin ich wohne,
Zu dem Brunnen,
Den ich trinke.
Wandrer.
Spuren ordnender Menschenhand
Zwischen dem Gesträuch!
Diese Steine hast du nicht gefügt,
Reich hinstreuende Natur!
Frau.
Weiter hinauf!
Wandrer.
Von dem Moos gedeckt ein Architrav!
Ich erkenne dich, bildender Geist!
Hast dein Siegel in den Stein geprägt.
Frau.
Weiter, Fremdling!
Wandrer.
Eine Inschrift, über die ich trete!
Nicht zu lesen!
Weggewandelt seid ihr,
Tiefgegrabne Worte,
Die ihr eures Meisters Andacht
Tausend Enkeln zeugen solltet.
Frau.
Staunest, Fremdling,
Diese Stein' an?
Droben sind der Steine viel
Um meine Hütte.
Wandrer.
Droben?
Frau.
Gleich zur Linken
Durchs Gebüsch hinan;
Hier.
Wandrer.
Ihr Musen und Grazien!
Frau.
Das ist meine Hütte.
Wandrer.
Eines Tempels Trümmern!
Frau.
Hier zur Seit' hinab
Quillt der Brunnen,
Den ich trinke.
Wandrer.
Glühend webst du
Über deinem Grabe,
Genius! Über dir
Ist zusammengestürzt
Dein Meisterstück,
O du Unsterblicher!
Frau.
Wart', ich hole das Gefäß
Dir zum Trinken.
Wandrer.
Efeu hat deine schlanke
Götterbildung umkleidet.
Wie dur emporstrebst
Aus dem Schutte,
Säulenpaar!
Und du, einsame Schwester dort,
Wie ihr,
Düstres Moos auf dem heiligen Haupt,
Majestätisch trauernd herabschaut
Auf die zertrümmerten
Zu euren Füßen,
Eure Geschwister!
In des Brombeergesträuches Schatten
Decke die Schutt und Erde,
Und hohes Gras wankt drüber hin!
Schätzest du so, Natur,
Deines Meisterstücks Meisterstück?
Unempfindlich zertrümmerst du
Dein Heiligtum?
Säest Disteln drein?
Frau.
Wie der Knabe schläft!
Willst du in der Hütte ruhn,
Fremdling? Willst du hier
Lieber in dem Freien bleiben?
Es ist kühl! Nimm den Knaben,
Dass ich Wasser schöpfen gehe.
Schlafe, Lieber! Schlaf!
Wandrer.
Süß ist deine Ruh!
Wie's, in himmlischer Gesundheit
Schwimmend, ruhig atmet!
Du, geboren über Resten
Heiliger Vergangenheit,
Ruh' ihr Geist auf dir!
Welchen der umschwebt,
Wird in Götterselbstgefühl
Jedes Tags genießen.
Voller Keim blüh' auf,
Des glänzenden Frühlings
Herrlicher Schmuck,
Und leuchte vor deinen Gesellen!
Und welkt die Blütenhülle weg,
Dann steig' aus deinem Busen
Die volle Frucht
Und reife der Sonn' entgegen!
Frau.
Gesegne's Gott! - Und schläft er noch?
Ich habe nichts zum frischen Trunk
Als ein Stück Brot, das ich dir bieten kann.
Wandrer.
Ich danke dir.
Wie herrlich alles blüht umher
Und grünt!
Frau.
Mein Mann wird bald
Nach Hause sein
Vom Feld. O bleibe, bleibe, Mann!
Und iss mit uns das Abendbrot.
Wandrer.
Ihr wohnet hier?
Frau.
Da, zwischen dem Gemäuer her,
Die Hütte baute noch mein Vater
Aus Ziegeln und des Schuttes Steinen
Hier wohnen wir.
Er gab mich einem Ackersmann
Und starb in unsern Armen. -
Hast du geschlafen, liebes Herz?
Wie er munter ist und spielen will!
Du Schelm!
Wandrer.
Natur! Du ewig keimende,
Schaffst jeden zum Genuss des Lebens,
Hast deine Kinder alle mütterlich
Mit Erbteil ausgestattet, einer Hütte.
Hoch baut die Schwalb' an das Gesims,
Unfühlend, welchen Zierat
Sie verklebt;
Die Raup' umspinnt den goldnen Zweig
Zum Winterhaus für ihre Brut;
Und du flickst zwischen der Vergangenheit
Erhabne Trümmer
Für deine Bedürfniss'
Eine Hüte, o Mensch,
Genießest über Gräbern! -
Leb' wohl, du glücklich Weib!
Frau.
Du willst nicht bleiben?
Wandrer.
Gott erhalt' euch,
Segn' euren Knaben!
Frau.
Glück auf den Weg!
Wandrer.
Wohin führt mich der Pfad
Dort übern Berg?
Frau.
Nach Cuma.
Wandrer.
Wie weit ist's hin?
Frau.
Drei Meilen gut.
Wandrer.
Leb' wohl!
O leite meinen Gang, Natur!
Den Fremdlingsreisetritt,
Den über Gräber
Heiliger Vergangenheit
Ich wandle.
Leit' ihn zum Schutzort,
Vorm Nord gedeckt,
Und wo dem Mittagsstrahl
Ein Pappelwäldchen wehrt.
Und kehr' ich dann
Am Abend heim
Zur Hütte,
Vergoldet vom letzten Sonnenstrahl;
Lass mich empfangen solch ein Weib,
Den Knaben auf dem Arm!
Der Tempel ist euch aufgebaut,
Ihr hohen Musen all,
Und hier in meinem Herzen ist
Das Allerheiligste.
Wenn morgens mich die Sonne weckt
Warm froh ich schau' umher,
Steht rings ihr Ewiglebenden
Im heil'gen Morgenglanz.
Ich bet' hinan, und Lobgesang
Ist lauter mein Gebet,
Und freudeklingend Saitenspiel
Begleitet mein Gebet.
Ich trete vor den Altar hin
Und lese, wie sich's ziemt,
Andacht liturg'scher Lektion
Im heiligen Homer.
Und wenn der ins Getümmel mich
Von Löwenkriegern reißt,
Und Göttersöhn' auf Wagen hoch
Rachglühend stürmen an,
Und Ross dann vor dem Wagen stürzt,
Und drunter und drüber sich
Freund', Feinde wälzen in Todesblut -
Er sengte sie dahin
Mit Flammenschwert, der Heldensohn,
Zehntausend auf einmal,
Bis dann auch er, gebändiget
Von einer Götterhand,
Ab auf den Rogus niederstürzt,
Den er sich selbst gehäust,
Und Feinde nun den schönen Leib
Verschändend tasten an:
Da greif' ich mutig auf, es wird
Die Kohle zum Gewehr,
Und jene meine hohe Wand
In Schlachtfeldwogen braust.
Hinan! Hinan! Es heulet laut
Gebrüll der Feindeswut,
Und Schild an Schild, und Schwert auf Helm,
Und um den Toten Tod.
Ich dränge mich hinan, hinan,
Da kämpfen sie um ihn,
Die tapfern Freunde, tapferer
In ihrer Tränenwut.
Ach, rettet! Kämpfet! Rettet ihn!
Ins Lager tragt ihn fort
Und Balsam gießt dem Toten auf
Und Tränen Totenehr'!
Und find' ich mich zurück hierher,
Empfängst du Liebe mich,
Mein Mädchen! Ach, im Bilde nur,
Und so im Bilde warm!
Ach, wie du ruhtest neben mir
Und schmachtetest mich an,
Und mir's vom Aug' durchs Herz hindurch
Zum Griffel schmachtete!
Wie ich an Aug' und Wange mich
Und Mund mich weidete,
Und mir's im Busen jung und frisch,
Wie einer Gottheit, war!
O kehre doch und bleibe dann
In meinen Armen fest,
Und keine, keine Schlachten mehr,
Nur dich in meinem Arm!
Und sollst mir, meine Liebe, sein
Alldeutend Ideal,
Madonna sein, ein Erstlingskind,
Ein heiligs an der Brust;
Und haschen will ich, Nymphe, dich
Im tiefen Waldgebüsch;
O fliehe nicht die raue Brust,
Mein aufgerecktes Ohr!
Und liegen will ich Mars zu dir,
Du Liebesgöttin stark,
Und ziehn ein Netz um uns herum
Und rufen dem Olymp,
Wer von den Göttern kommen will,
Beneiden unser Glück,
Und soll's die Fratze Eifersucht,
An Bettfuß angebannt.
Saß ich früh auf einer Felsenspitze,
Sah mit starren Augen in den Nebel;
Wie ein grau grundiertes Tuch gespannet,
Deckt' er alles in die Breit' und Höhe.
Stellt' ein Knabe sich mir an die Seite,
Sagte: "Lieber Freund, wie magst du starrend
Auf das leere Tuch gelassen schauen?
Hast du denn zum Malen und zum Bilden
Alle Lust auf ewig wohl verloren?"
Sah ich an das Kind und dachte heimlich:
Will das Bübchen doch den Meister machen!
"Willst du immer trüb und müßig
bleiben,"
Sprach der Knabe, "kann nichts Kluges werden;
Sieh, ich will dir gleich ein Bildchen malen,
Dich ein hübsches Bildchen malen lehren."
Und er richtete den Zeigefinder,
Der so rötlich war wie eine Rose,
Nach dem weiten ausgespannten Teppich,
Fing mit seinem Finger an zu zeichnen:
Oben malt' er eine schöne Sonne,
Die mir in die Augen mächtig glänzte,
Und den Saum der Wolken macht' er golden,
Ließ die Strahlen durch die Wolken dringen;
Malte dann die zarten leichten Wipfel
Frisch erquickter Bäume, zog die Hügel,
Einen nach dem andern, frei dahinter;
Unten ließ er's nicht an Wasser fehlen,
Zeichnete den Fluss so ganz natürlich,
Dass er schien im Sonnenstrahl zu glitzern,
Dass er schien am hohen Rand zu rauschen.
Ach, da standen Blumen an dem Flusse,
Und da waren Farben auf der Wiese,
Gold und Schmelz und Purpur und ein Grünes,
Alles wie Smaragd und wie Karfunkel!
Hell und rein lasiert' er drauf den Himmel
Und die blauen Berge fern und ferner,
Dass ich, ganz entzückt und neu geboren,
Bald den Maler, bald das Bild beschaute.
"Hab' ich doch," so sagt' er, "dir
bewiesen,
Dass ich dieses Handwerk gut verstehe;
Doch es ist das Schwerste noch zurücke."
Zeichnete darnach mit spitzem Finger
Und mit großer Sorgfalt an dem Wäldchen,
Grad ans Ende, wo die Sonne kräftig
Von dem hellen Boden widerglänzte,
Zeichnete das allerliebste Mädchen,
Wohlgebildet, zierlich angekleidet,
Frische Wangen unter braunen Haaren,
Und die Wangen waren von der Farbe
Wie das Fingerchen, das sie gebildet.
"O du Knabe!", rief ich, "welch ein
Meister
Hat in seine Schule dich genommen,
Dass du so geschwind und so natürlich
Alles klug beginnst und gut vollendest?"
Da ich noch so rede, sieh, da rühret
Sich ein Windchen und bewegt die Gipfel,
Kräuselt alle Wellen auf dem Flusse,
Füllt den Schleier des vollkommnen Mädchens,
Und, was mich Erstaunten mehr erstaunte,
Fängt das Mädchen an den Fuß zu rühren,
Geht zu kommen, nähert sich dem Orte,
Wo ich mit dem losen Lehrer sitze.
Da nun alles, alles sich bewegte,
Bäume, Fluss und Blumen und der Schleier
Und der zarte Fuß der Allerschönsten;
Glaubt ihr wohl, ich sei auf meinem Felsen
Wie ein Felsen still und fest geblieben?
Ach, dass die innre Schöpfungskraft
Durch meinen Sinn erschölle!
Dass eine Bildung voller Saft
Aus meinen Fingern quölle!
Ich zittre nur, ich stottre nur,
Und kann es doch nicht lassen;
Ich fühl' ich kenne dich, Natur,
Und so muss ich dich fassen.
Bedenk' ich dann, wie manches Jahr
Sich schon mein Sinn erschließet,
Wie er, wo dürre Heide war,
Nun Freudenquell genießet;
Wie sehn' ich mich, Natur, nach dir,
Dich treu und lieb zu fühlen!
Ein lust'ger Springbrunn' wirst du mir
Aus tausend Röhren spielen.
Wirst alle meine Kräfte mir
In meinem Sinn erheitern
Und dieses enge Dasein hier
Zur Ewigkeit erweitern.
Kenner.
Gut! Brav, mein Herr! Allein
Die linke Seite
Nicht ganz gleich der rechten;
Hier scheint es mir zu lang
Und hier zu breit;
Hier zuckt's ein wenig,
Und die Lippe
Nicht ganz Natur,
So tot noch alles!
Künstler.
O ratet! Helft mir,
Dass ich mich vollende!
Wo ist der Urquell der Natur,
Daraus ich schöpfend
Himmel fühl' und Leben
In die Fingerspitzen hervor?
Dass ich mit Göttersinn
Und Menschenhand
Vermöge zu bilden,
Was bei meinem Weib
Ich animalisch kann und muss!
Kenner.
Da sehen Sie zu.
Künstler.
So!
Ich führt' einen Freund zum Maidel jung,
Wollt' ihm zu genießen geben,
Was alles es hätt', gar Freud' genung,
Frisch junges warmes Leben.
Wir fanden sie sitzen an ihrem Bett,
Tät sich auf ihr Händlein stützen.
Der Herr, der macht' ihr ein Kompliment,
Tat gegen ihr über sitzen.
Er spitzt die Nase, er sturt sie an,
Betracht' sie herüber, hinüber:
Und um mich war's gar bald getan,
Die Sinnen gingen mir über.
Der liebe Herr für allen Dank
Führt mich drauf in eine Ecken
Und sagt' sie wär' doch allzu schlank
Und hätt' auch Sommerflecken.
Da nahm ich von meinem Kind Adieu
Und scheidend sah ich in die Höh'
Ach Herre Gott, ach Herre Gott,
Erbarm' dich doch des Herren!
Da führt' ich ihn in die Galerie
Voll Menschenglut und Geistes;
Mir wird's da gleich, ich weiß nicht wie,
Mein ganzes Herz zerreißt es.
O Maler! Maler! Rief ich laut,
Belohn' dir Gott dein Malen!
Und nur die allerschönste Braut
Kann dich für uns bezahlen.
Und sieh, da ging mein Herr herum
Und stochert sich die Zähne,
Registriert in Katalogum
Mir meine Göttersöhne.
Mein Busen war so voll und bang,
Von hundert Welten trächtig;
Ihm war bald was zu kurz, zu lang,
Wägt' alles gar bedächtig.
Da warf ich in ein Eckchen mich,
Die Eingeweide brannten.
Um ihn versammelten Männer sich,
Die ihn einen Kenner nannten.
Was nutzt die glühende Natur
Vor deinen Augen dir,
Was nutzt dir das Gebildete
Der Kunst rings um dich her,
Wenn liebevolle Schöpfungskraft
Nicht deine Seele füllt
Und in den Fingerspitzen dir
Nicht wieder bildend wird?
Geschieht wohl, dass man einen Tag
Weder sich noch andre leiden mag,
Will nichts dir nach dem Herzen ein;
Sollt's in der Kunst wohl anders sein?
Drum hetze dich nicht zur schlimmen Zeit,
Denn Füll' und Kraft sind nimmer weit:
Hast in der bösen Stund' geruht,
Ist dir die gute doppelt gut.
Mein altes Evangelium
Bring' ich dir hier schon wieder;
Doch ist mir's wohl um mich herum,
Darum schreib' ich dir's nieder.
Ich holte Gold, ich holte Wein,
Stellt' alles da zusammen.
Da, dacht' ich, da wird Wärme sein,
Geht mein Gemäld' in Flammen!
Auch tät ich bei der Schätze Flor
Viel Glut und Reichtum schwärmen;
Doch Menschenfleisch geht allem vor,
Um sich daran zu wärmen.
Und wer nicht richtet, sondern fleißig
ist,
Wie ich bin und wie du bist,
Den belohnt auch die Arbeit mit Genuss;
Nichts wird auf der Welt ihm Überdruss.
Denn er blecket nicht mit stumpfem Zahn
Lang' Gesottnes und Gebratnes an,
Das er, wenn er noch so sittlich kaut,
Endlich doch nicht sonderlich verdaut;
Sondern fasst ein tüchtig Schinkenbein,
Haut da gut taglöhnermäßig drein,
Füllt bis oben gierig den Pokal,
Trinkt und wischt das Maul wohl nicht einmal.
Sieh, so ist Natur ein Buch lebendig,
Unverstanden, doch nicht unverständlich;
Denn dein Herz hat viel und groß Begehr,
Was wohl in der Welt für Freude wär',
Allen Sonnenschein und alle Bäume,
Alles Meergestad' und alle Träume
In dein Herz zu sammeln miteinander,
Wie die Welt durchwühlend Banks, Solander.
Und wie muss dir's werden, wenn du
fühlest,
Dass du alles in dir selbst erzielest,
Freude hast an deiner Frau und Hunden,
Als noch keiner in Elysium gefunden,
Als er da mit Schatten lieblich schweifte
Und an goldne Gottgestalten streifte.
Nicht in Rom, in Magna Gräcia,
Dir im Herzen ist die Wonne da!
Wer mit seiner Mutter, der Natur, sich hält,
Findt im Stengelglas wohl eine Welt.
Ein frommer Maler mit vielem Fleiß
Hatte manchmal gewonnen den Preis,
Und manchmal ließ er's auch geschehn,
Dass er einem bessern nach musst' stehn;
Hatte seine Tafeln fortgemalt,
Wie man sie lobt, wie man sie bezahlt.
Da kamen einige gut hinaus;
Man baut' ihn'n sogar ein Heiligenhaus.
Nun fand er Gelegenheit einmal,
Zu malen eine Wand im Saal;
Mit emsigen Zügen er staffiert,
Was öfters in der Welt passiert;
Zog seinen Umriss leicht und klar,
Man konnte sehn, was gemeint da war.
Mit wenig Farben er koloriert,
Doch so, dass er das Aug' frappiert.
Er glaubt' es für den Platz gerecht
Und nicht zu gut und nicht zu schlecht,
Dass es versammelte Herrn und Fraun
Möchten einmal mit Lust beschaun;
Zugleich er auch noch wünscht' und wollt',
Dass man dabei was denken sollt'.
Als nun die Arbeit fertig war,
Da trat herein manch Freundespaar,
Das unsers Künstlers Werke liebt
Und darum desto mehr betrübt,
Dass an der losen, leidigen Wand
Nicht auch ein Götterbildnis stand.
Die setzten ihn sogleich zur Red',
Warum er so was malen tät',
Da doch der Saal und seine Wänd'
Gehörten nur für Narrenhänd';
Er sollte sich nicht lassen verführen
Und nun auch Bänk' und Tische beschmieren;
Er sollte bei seinen Tafeln bleiben
Und hübsch mit seinem Pinsel schreiben;
Und sagten ihm von dieser Art
Noch viel Verbindlichs in den Bart.
Er sprach darauf bescheidenlich:
"Eure gute Meinung beschämet mich;
Es freut mich mehr nichts auf der Welt,
Als wenn euch je mein Werk gefällt.
Da aber aus eigenem Beruf
Gott der Herr allerlei Tier' erschuf,
Dass auch sogar das wüste Schwein,
Kröten und Schlangen vom Herren sein,
Und er auch manches nur ebauchiert
Und grade nicht alles ausgeführt
(Wie man den Menschen denn selbst nicht scharf
Und nur en gros betrachten darf) -
So hab' ich als ein armer Knecht
Vom sündlich menschlichen Geschlecht
Von Jugend auf allerlei Lust gespürt
Und mich in allerlei exerziert,
Und so durch Übung und durch Glück
Gelang mir, sagt ihr, manches Stück.
Nun dächt' ich, nach vielem Rennen und Laufen
Dürft' einer auch einmal verschnaufen,
Ohne dass gleich jeder, der wohl ihm wollt',
Ihn 'nen faulen Bengel heißen sollt'.
Drum ist mein Wort zu dieser Frist,
Wie's allezeit gewesen ist:
Mit keiner Arbeit hab' ich geprahlt,
Und was ich gemalt hab', hab' ich gemalt."
Apostelgeschichte 19, 39.
Zu Epheseus ein Goldschmied saß
In seiner Werkstatt, pochte,
So gut er konnt', ohn' Unterlass,
So zierlich er's vermochte.
Als Knab' und Jüngling kniet' er schon
Im Tempel vor der Göttin Thron
Und hatte den Gürtel unter den Brüsten,
Worin so manche Tiere nisten,
Zu Hause treulich nachgefeilt,
Wie's ihm der Vater zugeteilt;
Und leitete sein kunstreich Streben
In frommer Wirkung durch das Leben.
Da hört er denn auf einmal laut
Eines Gassenvolkes Windesbraut,
Als gäb's einen Gott so im Gehirn,
Da hinter des Menschen alberner Stirn,
Der sei viel herrlicher als das Wesen,
An dem wir die Breite der Gottheit lesen.
Der alte Künstler horcht nur auf,
Lässt seinen Knaben auf den Markt den Lauf,
Feilt immer fort an Hirschen und Tieren,
Die seiner Gottheit Knie zieren,
Und hofft, es könnte das Glück ihm walten,
Ihr Angesicht würdig zu gestalten.
Will's aber einer anders halten,
So mag er nach Belieben schalten;
Nur soll er nicht das Handwerk schänden;
Sonst wird er schlecht und schmählich enden.
Zweite Reihe
Aus den Wanderjahren.
Zu erfinden, zu beschließen,
Bleibe, Künstler, oft allein;
Deines Wirkens zu genießen,
Eile freudig zum Verein!
Dort im Ganzen schau, erfahre
Deinen eignen Lebenslauf,
Und die Taten mancher Jahre
Gehn dir in dem Nachbar auf.
Der Gedanke, das Entwerfen,
Die Gestalten, ihr Bezug,
Eines wird das andre schärfen,
Und am Ende sei's genug!
Wohl erfunden, klug ersonnen,
Schön gebildet, zart vollbracht,
So von jeher hat gewonnen
Künstler kunstreich sein Macht.
Wie Natur im Vielgebilde
Einen Gott nur offenbart,
So im weiten Kunstgefilde
Webt ein Sinn der ew'gen Art;
Dieses ist der Sinn der Wahrheit,
Der sich nur mit Schönem schmückt
Und getrost der höchsten Klarheit
Hellsten Tags entgegenblickt.
Wie beherzt in Reim und Prose
Redner, Dichter sich ergehn,
Soll des Lebens heitre Rose
Frisch auf Malertafel stehn,
Mit Geschwistern reich umgeben,
Mit des Herbstes Frucht umlegt,
Dass sie von geheimem Leben
Offenbaren Sinn erregt.
Tausendfach und schön entfließe
Form aus Formen deiner Hand,
Und im Menschenbild genieße,
Dass ein Gott sich hergewandt.
Welch ein Werkzeug ihr gebrauchet,
Stellet euch als Brüder dar;
Und gefangweis flammt und rauchet
Opfersäule vom Altar.
Homer ist lange mit Ehren genannt,
Jetzt ward euch Phidias bekannt;
Nun hält nichts gegen beide Stich,
Darob ereifre niemand sich.
Seid willkommen, edle Gäste,
Jedem echten deutschen Sinn;
Denn das Herrlichste, das Beste
Bringt allein dem Geist Gewinn.
Fassest du die Muse nur beim Zipfel,
Hast du wenig nur getan;
Geist und Kunst auf ihrem höchsten Gipfel
Muten alle Menschen an.
Nachahmung der Natur,
Der schönen -
Ich ging auch wohl auf dieser Spur;
Gewöhnen
Mocht' ich wohl nach und nach den Sinn,
Mich zu vergnügen;
Allein sobald ich mündig bin,
Es sind's die Griechen!
Es ist nichts in der Haut,
Was nicht im Knochen ist.
Vor schlechtem Gebilde jedem graut,
Das ein Augenschmerz ihm ist.
Was freut denn jeden? Blühen zu sehn,
Das von innen schon gut gestaltet;
Außen mag's in Glätte, mag in Farben gehn:
Es ist ihm schon voran gewaltet.
Der Maler wagt's mit Götterbildern,
Sein Höchstes hat er aufgestellt;
Doch, was er für unmöglich hält:
Dem Liebenden die Liebste schildern,
Er wag' es auch! Ein Traum wird frommen,
Ein Schattenbild ist hoch willkommen.
Künstler, wird's im Innern steif,
Das ist nicht erfreulich;
Auch der vagen Züge Schweif
Ist uns ganz abscheulich;
Kommst du aber auf die Spur,
Dass du's nicht getroffen,
Zu der wahren Kunstnatur
Steht der Pfad schon offen.
"Wie aber kann sich Hans von Eyck
Mit Phidias nur messen?"
Ihr müsst, so lehr' ich, alsogleich
Einen um den andern vergessen.
Denn wärt ihr stets bei einer geblieben,
Wie könntet ihr noch immer lieben?
Das ist die Kunst, das ist die Welt,
Dass eins um's andere gefällt.
An Bildern schleppt ihr hin und her
Verlornes und Erworbnes;
Und bei dem Senden kreuz und quer,
Was bleibt uns denn? - Verdorbnes!
Titelbild.
Wie seit seinen Jünglingsjahren
Unser Tischbein sich ergeht,
Wie er Berg und Tal befahren,
Stets an rechter Stelle steht;
Was er sieht, weiß mitzuteilen,
Was er dichtet, ebenfalls;
Faunen bringt er auch zuweilen,
Frauen doch auf allen Zeilen
Des poetisch-plastischen Alls:
Also war es an der Tiber
Wo dergleichen wir geübt,
Und noch wirkt dieselbe Fiber,
Freund und Freunde gleich geliebt.
1.
Würdige Prachtgebäude stürzen,
Mauer fällt, Gewölbe bleiben,
Dass nach tausendjähr'gem Treiben
Tor und Pfeiler isch verkürzen.
Dann beginnt das Leben wieder,
Boden mischt sich neuen Saaten,
Rank' auf Ranke senkt sich nieder;
Der Natur ist's wohlgeraten.
2.
Schön und menschlich ist der Geist,
Der uns in das Freie weist,
Wo in Wäldern, auf der Flur,
Wie im steilen Berggehänge,
Sonnen-Auf- und Untergänge
Preisen Gott und die Natur.
3.
Wenn in Wäldern Baum an Bäumen,
Bruder sich mit Bruder nähret,
Sie das Wandern, sei das Träumen
Unverwehrt und ungestöret;
Doch, wo einzelne Gesellen
Zierlich miteinander streben,
Sich zum schönen Ganzen stellen,
Das ist Freude, das ist Leben.
4.
Mitten in dem Wasserspiegel
Hob die Eiche sich empor,
Majestätisch Fürstensiegel
Solchem grünen Waldesflor;
Sieht sich selbst zu ihren Füßen,
Schaut den Himmel in der Flut:
So des Lebens zu genießen
Einsamkeit ist höchstes Gut.
5.
Harren seht ihr sie, die Schönen,
Was durchs Ohr das Herz ergreife.
Flöte wird für diese tönen,
Für die andern Pans Gepfeife.
6.
Heute noch im Paradiese
Weiden Lämmer auf der Wiese,
Hüpft von Fels zu Fels die Ziege;
Milch und Obst nach ew'ger Weise
Bleibt der Alt- und Jungen Speise;
Mutterarm ist Kinderwiege,
Vaterflöte spricht ans Ohr,
Und Natur ist's nach wie vor.
Wo ihr huldiget der Holden,
Erd' und Himmel silbern, golden.
Darum Heil dem Freunde sei,
Der sich fühlt so treu und frei!
7.
Was die Alten pfeifen,
Das wird ein Kind ergreifen;
Was die Väter sungen,
Das zwitschern muntere Jungen.
O möchten sie zum Schönen
Sich früh und früh gewöhnen,
Und wären sie geboren
Den siebenfüßigen Ohren.
8.
Edel-ernst, ein Halbtier liegend,
Im Beschauen, im Besinnen,
Hin und her im Geiste wiegend,
Denkt er Großes zu gewinnen.
Ach! Er möchte gern entfliehen
Solchem Auftrag, solcher Würde;
Einen Helden zu erziehen,
Wird Zentauren selbst zur Bürde.
9.
Was wir froh und dankbar fühlen,
Wenn es auch am Ende quält,
Was wir lechzen zu erzielen,
Wo es Herz und Sinnen fehlt:
Heitre Gegend, groß gebildet,
Jugendschritt an Freundesbrust,
Wechselseitig abgemildet,
Holder Liebe Schmerzenslust;
Alles habt ihr nun empfangen,
Irdisch war's und in der Näh';
Sehnsucht aber und Verlangen
Hebt vom Boden in die Höh'.
An der Quelle sind's Najaden,
Sind Sylphiden in der Luft,
Leichter fühlt ihr euch im Baden,
Leichter noch in Himmelsduft;
Und das Plätschern und das Wallen,
Ein und andres zieht euch an;
Lasset Lied und Bild verhallen,
Doch im Innern ist's getan.
10.
Jetzo wallen sie zusammen,
Kühle kühlt und birgt die Flammen,
Tiefer unten werden Hirten
Sich zum Wonnebad entgürten;
Um den Schönsten von den dreien
Werden beide sich entzweien.
Diese fließt in offner Schwüle,
Jene zu gewohnter Kühle
Sucht den Liebsten in der Mühle.
11.
Was sich nach der Erde senkte,
Was sich an den Boden hielt,
Was den Äther nicht erreicht,
Seht, wie es empor sich schwenkte,
Wie's auf Rohr und Ranken spielt!
Künstlerwille macht es leicht.
12.
Wenn um das Götterkind Auroren
In Finsternis werden Rosen geboren,
Sie fleucht, so leicht, so hoch gemeint,
Die Sonne ihr auf die Fersen scheint.
Das ist denn doch das wahre Leben,
Wo in der Nacht auch Blüten schweben.
13.
Ohne menschliche Gebrechen,
Göttergleich mit heiterm Sinn,
Tauig Moos und Wasserflächen
Überschreitend, schwebt sie hin.
Heute floh sie, floh wie gestern,
Riss der Muse sich vom Schoß;
Ach! Sie hat so lästige Schwestern,
Peinlich werden wir sie los.
14.
Wirket Stunden leichten Webens,
Lieblich lieblichen begegnend,
Zettel, Einschlag längsten Lebens,
Scheidend, kommend, grüßend, segnend.
15.
Ruhig Wasser, grause Höhle,
Bergeshöh' und ernstes Licht,
Seltsam, wie es unserer Seele
Schauderhafte Laute spricht.
So erweist sich wohl Natur,
Künstlerblick vernimmt es nur.
16.
In dem lieblichsten Gewirre,
Wo das Bild um Bilder summt,
Dichterblick wird scheu und irre,
Und die Leier, sie verstummt.
17.
Die Lieblichen sind hier zusammen,
Es ist doch gar zu viel der Flammen.
Der Überfluss erregt nur Pein,
Es sollten alle nur eine sein.
18.
"Was trauern denn die guten Kinder?
Sie sind so gung, da hilft's geschwinder."
Habt ihr's vergessen, alte Kinder?
Es schmerzt im Augenblick nicht minder.
19.
Glücklicher Künstler! In himmlischer Lust,
Bewegen sich ihm schöne Weiber.
Versteht er sich doch auf Rosenduft
Und appetitliche Leiber.
20.
Hier hat Tischbein, nach seiner Art,
Striche gar wunderlich gepaart;
Sie sind nicht alle deutlich zu lesen,
Sind aber alles Gedanken gewesen.
21.
Wie herrlich ist die Welt! Wie schön!
Heil ihm, der je sie so gesehn!
So wie Moses, kaum geboren
Gewissem Tode bestimmt,
Wunderbar ward gerettet:
So mancher, schon halb verloren,
Da der Feind eindrang, ergrimmt,
Ward wieder froh und glücklich gebettet.
Johannes erst in der Wüste predigt:
"Seht Gottes Lamm, das von Sünden erledigt!"
Nun deutet er in die himmlischen Auen:
"Dort sollt ihr den Herrn, den erlösenden, schauen!"
Nicht gedeutet!
Ob Mutter? Tochter? Schwester? Enkelin?
Von Helios gezeugt? Von wer geboren?
Wohin gewandert? Wo versteckt? Verloren?
Gefunden? - Rätsel ist's dem Künstlersinn.
Und ruhte sie verhüllt in düstre Schleier,
Vom Rauch umwirbelt acherontischer Feuer,
Die Gottnatur enthüllt sich zum Gewinn:
Nach höchster Schönheit muss die Jungfrau streben,
Sizilien verleiht ihr Götterleben.
Ich sah die Welt mit liebevollen
Blicken,
Und Welt und ich, wir schwelgten im Entzücken;
So duftig war, belebend, immer frisch,
Wie Fels, wie Strom, so Bergwald und Gebüsch.
Doch unvermögend Streben, Nachgelalle
Bracht' oft den Stift, den Pinsel bracht's zu Falle;
Auf neues Wagnis endlich blieb doch nur
Vom besten Wollen halb und halbe Spur.
Ihr Jüngern aber, die ihr unverzagt
Unausgesprochnes auszusprechen wagt,
Den Sinn, woran die Hand sich stotternd maß,
Das Unvermögen liebevoll vergaß,
Ihr seid es, die, was ich und ihr gefehlt,
Dem weiten Kreis der Kunstwelt nicht verhehlt.
Und wie dem Walde geht's den Blättern allen.
Sie knospen, grünen, welken ab und fallen.
Hier sind wir denn vorerst ganz still zu Haus,
Von Tür zu Türe sieht es lieblich aus;
Der Künstler froh die stillen Blicke hegt,
Wo Leben sich zum Leben freundlich regt.
Und wie wir auch durch ferne Lande ziehn,
Da kommt es her, da kehrt es wieder hin;
Wir wenden uns, wie auch die Welt entzücke,
Der Enge zu, die uns allein beglücke.
Wir wandern ferner auf bekanntem Grund,
Wir waren jung, hier waren wir gesund
Und schlenderten den Sommerabend lang
Mit halber Hoffnung mannigfalt'gen Gang.
Und wie man kam, so ging man nicht zurück:
Begegnen ist ein höchstes Liebesglück.
Und zwei zusammen sehen Fluss und Bahn
Und Berg und Busch sogleich ganz anders an.
Und wer dieselben Pfade wandernd schleicht,
Sei ihm des Zieles holder Wunsch erreicht.
Wie das erbaut war, wie's im Frieden
lag,
Es kommt vielleicht vom Altertum zu Tag
Denn vieles wirkte, hielt am sel'gen Fleiß,
Wovon die Welt noch keine Silbe weiß.
Der Tempel steht, dem höchsten Sinn geweiht,
Auf Felsengrund in hehrer Einsamkeit.
Daneben wohnt die fromme Pilgerschar,
Sie wechseln, gehend, kommend, Jahr für Jahr.
So ruhig harrt ein wallendes Geschlecht,
Geschützt durch Mauern, mehr durch Licht und Recht,
Und wer sich dort sein Probejahr befand,
Hat in der Welt gar einen eignen Stand;
Wir hofften selbst uns in Asyl zu gründen.
Wer Buchten kennt, Erdzungen, wird es finden.
Der Abend war unübertrefflich schön,
Ach, wollte Gott, ein Künstler hätt's gesehn.
Hier sind, so scheint es, Wandrer wohl
bedacht;
Denn jeder fände Pfad um Mitternacht.
Wir sagen nicht, wir hätten's oft gesehn,
Dergleichen Wege doch gelang's zu gehn;
Denn freilich, wo die Mühe war gehoben,
Da kann der Waller jede Stunde loben;
Er geht beherzt, denn Schritt für Schritt ist leicht,
So dass er fröhlich Zweck und Ziel erreicht.
O selige Jugend, wie sie Tag und Nacht
Den Ort zu ändern innigst angefacht,
Durch wilden Bergriss höchst behaglich steigt
Und auf dem Gipfel Nebeldunst erreicht.
Man schelt' es nicht, denn wohl genießt sie rein
Auch über Wolken heitern Sonnenschein.
Wie sich am Meere Mann um Mann befestigt
Und am Gestade Schiffer überlästigt,
Die engen Pfade völlig weglos macht,
Auf Sicherheit, mehr auf Gewalt bedacht,
Bald Recht, bald Plackerei, sein selbst gewiss,
Sei, wie es sei, und immer Hindernis,
So Tag und Nacht den Reisenden zur Last:
Es ist vielleicht zu düster aufgefasst.
Die Nachtigall, sie war entfernt,
Der Frühling lockt sie wieder;
Was Neues hat sie nicht gelernt,
Singt alte liebe Lieder.
Übermütig sieht's nicht aus,
Dieses kleine Gartenhaus;
Allen, die sich drin genährt,
Ward ein guter Mut beschert.
Gar manches artig ist geschehn
Durch leichte Griffelspiele;
Doch recht betrachtet, wohl besehn,
Fehlt immer Hain und Mühle.
Erinnr' ich mich doch spät und früh
Des lieblichsten Gesichts,
Sie denkt an mich, ich denk' an sie,
Und beiden hilft es nichts.
Das alles sieht so lustig aus,
So wohl gewaschen das Bauernhaus,
So morgentaulich Gras und Baum,
So herrlich blau der Berge Saum!
Seht nur das Wölkchen, wie es spielt
Und sich im reinen Äther kühlt!
Fände sich ein Niederländer hier,
Er nähme wahrlich gleich Quartier,
Und was er sieht und was er malt,
Wird hundert Jahre nachgezahlt.
Wie kommt dir denn das alles vor?
Es glänzt als wie durch Silberflor,
Durchscheinend ist's, es steht ein Licht
Dahinter, lieblichstes Gesicht.
Durch solcher holden Lampe Schein
Wird alles klar und überrein,
Was sonst ein garstig Ungefähr,
Tagtäglich, ein Gemeines wär'.
Fehlt's dir an Geist und Kunstgebühr,
Die Liebe weiß schon Rat dafür.
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