Goethe

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25. Inschriften, Denk- und Sende-Blätter

1. Ihro Kaiserlichen Hoheit der Frau Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar und -Eisenach

   Zu würdiger Umgebung deines Bildes,
Wie es mir immerfort im Geiste waltet,
Wählt' ich in Tagen, wo der Frühling schaltet,
Des Gartens Blumen, Blumen des Gefildes.

   Dann schien der Rand des Achilleischen Schilds,
So reich er war, nicht reich genug gestaltet;
Ja, würd' ein Purpurteppich umgefaltet,
Darauf gesät der Sterne blendend Mildes.

   Nun aber wird ein zierlich Heft geschmücket,
Ein treuer Diener widmet's deiner Hoheit,
Und du vergönnest mir die erste Weihe.

   Wie sprech' ich aus, wie sehr mich das beglücket!
Jetzt fühl' ich erst in neubelebter Froheit:
Die schönsten Kränze winden Lieb' und Treue.

Aufklärende Bemerkung


2. Zum 2. Februar 1824

Man ist gewohnt, dass an den höchsten Tagen
Zum Herrscherthron sich alle Völkerschaften
Nach eigner Weise zuversichtlich wagen,
Mag seltsam auch der Schmuck an ihnen haften.
Wie denn das Äußre sei von Pelz und Kragen,
Man sieht hindurch die innern Eigenschaften;
Hier bringt nun ein Korsar, zum Schein verwegen,
Einsiedlerischer Zelle stillen Segen.

Aufklärende Bemerkung


3. Ihro Kaiserlichen Hoheit Großfürstin Alexandra

Der Frühling grünte zeitig, blühte froh
Narziss' und Tulpe, dann die Rose so;
Auch Früchte reiften mit gedrängtem Segen
Der nah und nähern Sonnenglut entgegen;
Sie zierten wechselnd längst ersehnte Zeit
Und schmeichelten der tiefsten Einsamkeit.
Da stellte sich dem Hocherstaunten dar
Ein hehrer Fürst und Jugend, Paar um Paar,
So gut als lieb, ehrwürdig und erfreulich;
Der innre Sinn bewahret sie getreulich,
In Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Wintertagen
Die holden Bilder auf- und abzutragen;
So kann er dann bei solcher Sterne Schein;
Auch wenn er wollte, niemals einsam sein.

Aufklärende Bemerkung


4. Weihnachten

   Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

   Aber, Fürst, wenn dir's begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Vor dir glänzten all zusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

Aufklärende Bemerkung


5. Ihro Hoheit der Prinzessin Maria von Sachsen-Weimar und -Eisenach

mit Raphaels Gärtnerin
zum 3. Februar 1820

   Sanftes Bild dem sanften Bilde
Unsrer Fürstin widmet sich;
Solche Ruhe, solche Milde
Immerfort umschwebe dich!

   Denn ein äußerlich Zerstreuen,
Das sich in sich selbst zerschellt,
Fordert inneres Erneuen,
Das den Sinn zusammenhält.

   Aus dem bunten Weltbeginnen
Wende deinen holden Blick
So vertrauensvoll nach innen,
Wie aufs heilige Bild zurück.

Aufklärende Bemerkung


5a. Ihro Hoheit der Prinzessin Auguste von Sachsen-Weimar und -Eisenach

mit Elzheimers Morgen
Aurora, zum 30. September 1820

   Alle Pappeln hoch in Lüften,
Jeder Strauch in seinen Düften,
Alle sehn sich nach dir um;
Berge schauen dort herüber,
Leuchten schön und jauchzten lieber;
Doch der schöne Tag ist stumm.

   Luftschalmeien will man hören,
Flöten, Hörner und von Chören
Alles, was nur Freude regt.
Selbst an seiner strengen Kette
Springt das Freundchen um die Wette,
Immer hin und her bewegt.

   Und so täuschen wir die Ferne,
Segnen alle holden Sterne,
Die mit Gaben sich geschmückt.
Neue Freude, neue Lieder
Grüßen dich! Erscheine wieder,
Denn der neue Frühling blickt.

Aufklärende Bemerkung


6. Dem 30. Januar 18-

Von Osten will das holde Licht
Nun glänzend uns vereinen,
Und schönre Stunden fänd' es nicht,
Als diesem Tag zu scheinen.

Aufklärende Bemerkung


7.

Vorüber führt ein herrliches Geschick
Erhabne Helden, hochverehrte Frauen;
Nun fesselt uns des heut'gen Tages Glück,
Als Bleibende dich unter uns zu schauen.

Aufklärende Bemerkung


8.

Soll auch das Wort sich hören lassen?
Der Tag ist schön, der Raum ist klein;
So mag die Inschrift kurz sich fassen:
Ein Herz wie alle, sie sind dein.

Aufklärende Bemerkung


9. Zum 16. Februar 1812

Wer Marmor hier und Erz und Elfenbein erblickt,
Und was noch sonst von Stoff die edle Kunst beschickt,
Der denkt: Wie möchten wir mit emsigem Fleiß
Und treuem Sinn das alles umgestalten,
In tausend bildern ihren hohen Preis
Und unsre Liebe zu entfalten!

Aufklärende Bemerkung


10.

Die Blumen, in den Wintertagen,
Versammeln froh sich hier zuhauf,
Mit heitern Blicken uns zu sagen:
An ihrem Fest blüht alles auf.

Aufklärende Bemerkung


11. Eleonore

Wenn's jemand ziemt zu sprechen mit Vertrauen,
So ziemt es mir: Ich stelle heut den Chor
Gebildeter und liebevoller Frauen,
Der sich so gern um sie versammelt, vor.
Mir ist vergönnt, an ihr hinaufzuschauen,
Mich zu erquicken an dem frischen Flor,
Der jede Stunde neuen Wert betätigt
Und Frauenwürde ewiglich bestätigt.

Aufklärende Bemerkung


12. An Herrn Abbate Bondi

   Aus jenen Ländern echten Sonnenscheines
Beglückten oft mich Gaben der Gefilde:
Agrumen reizend, Feigen süß und milde,
Der Mandeln Milch, die Feuerkraft des Weines.

   So manches Musenwerk erregte meines
Nordländ'schen Geistes innigste Gebilde,
Wie an Achilleus' lebensreichem Schilde
Erfreut' ich mich des günstigsten Vereines.

   Und dass ich mich daran begnügen könnte,
War mir sogar ein Kunstbesitz bereitet,
Erquickend mich durch Anmut wie durch Stärke.

   Doch nichts erschien im größeren Momente,
Voll innern Werts, von so viel Glück begleitet,
Als durch Luisen, Bondi, deine Werke.

Aufklärende Bemerkung


13. An Gräfin O'Donell

Karlsbad, den 8. August 1818

Ich dachte dein, und Farben bunt erschienen
Im Sonnenglanz mir vorm Gesicht,
Von Blättern sah ich mancherlei ergrünen,
Da waren Rosen, auch Vergissmeinnicht!
Pfeile dazwischen, golden anzuschauen,
Durchscheinend alles, rings ein goldner Kranz;
Und angestimmt das hohe Lob der Frauen -
Nun, Becher, zu der Freundin! Bleibe klar und ganz.

Aufklärende Bemerkung


14. An dieselbe

Karlsbad, den 1. Mai 1820

   Hier, wo noch ihr Platz genannt wird,
Hier, wo noch ihr Becher steht,
Doch nur wenigen bekannt wird,
Was von ihrem Grabe weht;

   Sag' ich: Freundin! Halte heilig,
Was dir von der Holden blieb,
Die so groß - ach übereilig
Von den Allertreusten schied.

   Uns, den Liebenden, den Treuen,
Sei nun weiter nichts begehrt;
Nur ist, wenn wir sie erneuen,
Unser Leben etwas wert.

Aufklärende Bemerkung


15. Herrn Staatsminister v. Voigt

zur Feier des 27. Septembers 1816

   Von Berges Luft, dem Äther gleich zu achten,
Umweht, auf Gipfelfels hochwaldiger Schlünde,
Im engsten Stollen wie in tiefsten Schachten
Ein Licht zu suchen, das den Geist entzünde,
War ein gemeinsam köstliches Betrachten,
Ob nicht Natur zuletzt sich doch ergründe.
Und manches Jahr des stillsten Erdelebens
Ward so zum Zeugen edelsten Bestrebens.

   Im Garten auch, wo Dichterblumen sprossen,
Den äußern Sinn, den innern Sinn erquicken,
Gefahrlos nicht vor lustigen Geschossen,
Wie sie Eroten hin und wieder schicken,
Da haben wir der Stunden viel genossen
An frisch belebter Vorwelt heitern Blicken,
Gesellend uns den ewig teuren Geistern,
Den stets beredten, unerreichten Meistern.

   Dahin bewegten wir von dornigne Pfaden
Verowrrnen Lebens gern die müden Schritte,
Dort fanden sich, zu gleicher Lust geladen,
Der Männer Tiefsinn, Frauengeist und -Sitte,
Und Wissenschaft und Kunst und alle Gnaden
Des Musengottes reich in unsrer Mitte;
Bis endlich, längst umwölkt, der Himmel wettert,
Das Paradies und seinen Hain zerschmettert.

   Nun aber Friede tröstend wiederkehret,
Kehrt unser Sinn sich treulich nach dem Alten,
Zu bauen auf, was Kampf und Zug zerstöret,
Zu sichern, wie's ein guter Geist erhalten. -
Verwirrend ist's, wenn man die Menge höret;
Denn jeder will nach eignem Willen schalten.
Beharren wir zusamt in gleichem Sinne,
Das rechn' ich uns zum köstlichsten Gewinne.

Aufklärende Bemerkung


16. Dem Fürsten Hardenberg

Zum siebzigsten Geburtstag

   Wer die Körner wollte zählen,
Die dem Stundenglas entrinnen,
Würde Zeit und Ziel verfehlen,
Solchem Strome nachzusinnen.

   Auch vergehn uns die Gedanken,
Wenn wir in dein Leben schauen,
Freien Geist in Erdeschranken,
Festes Handeln und Vertrauen.

   So entrinnen jeder Stunde
Fügsam glückliche Geschäfte.
Segen dir von Mund zu Munde!
Neuen Mut und frische Kräfte!

Aufklärende Bemerkung


17. An Lord Byron

   Ein freundlich Wort kommt eines nach dem andern
Von Süden her und bringt uns frohe Stunden;
Es ruft uns auf, zum Edelsten zu wandern,
Nicht ist der Geist, doch ist der Fuß gebunden.

   Wie soll ich dem, den ich so lang' begleitet,
Nun etwas Traulichs in die Ferne sagen?
Ihm, der sich selbst im Innersten bestreitet,
Stark angewohnt, das tiefste Weh zu tragen.

   Wohl sei ihm doch, wenn er sich selbst empfindet!
Er wagte selbst, sich hoch beglückt zu nennen,
Wenn Musenkraft die Schmerzen überwindet;
Und wie ich ihn erkannt, mög' er sich kennen.

Aufklärende Bemerkung


18. Ottilien v. Goethe

   Ehe wir nun weiter schreiten,
Halte still und sieh dich um:
Denn geschwätzig sind die Zeiten,
Und sie sind auch wieder stumm.

   Was du mir als Kind gewesen,
Was du mir als Mädchen warst,
Magst in deinem Innern lesen,
Wie du dir es offenbarst.

   Deiner Treue sei's zum Lohne,
Wenn du diese Lieder singst,
Dass dem Vater in dem Sohne
Tüchtig-schöne Knaben bringst.

Aufklärende Bemerkung


19. An Geheimrat v. Willemer

   Reicher Blumen goldne Ranken
Sind des Liedes würd'ge Schranken,
Goldneres hab' ich genossen,
Als ich euch ins Herz geschlossen.

   Goldner glänzten stille Fluten
Von der Abendsonne Gluten,
Goldner blinkte Wein zum Schalle
Glockenähnlicher Kristalle.

   Weisen Freundes goldne Worte
Lispelten am Schattenorte,
Edler Kinder treu Bekenntnis,
Elterliches Einverständnis.

   Goldnes Netz, das euch umwunden!
Wer will dessen Wert erkunden?
Wie dem heil'gen Stein der Alten
Muss sich Golde Gold entfalten.

   Und so bringt vom fernen Orte
Dieses Blatt euch goldne Worte,
Wenn die Lettern, schwarz gebildet,
Liebevoll der Blick vergüldet.

Aufklärende Bemerkung


20. An Grafen Paar

Karlsbad, am 12. August 1818.

Der Berge denke gern, auch des Gesteins,
Sie waren Zeugen freundlichsten Vereins,
Zutrauen, schnell gegeben, schnell gefunden,
Beschleunigte das Glück gezählter Stunden.
Behagen schaut nicht vorwärts, nicht zurück,
Und so verewigt sich der Augenblick!

Aufklärende Bemerkung


21. An denselben

Karlsbad, den 16. August 1818. Nachts.

   Dem Scheidenden ist jede Gabe wert,
Ein dürres Blatt, ein Moos, ein Steinchen aus der Quelle,
Dass er des Freunds gedenke, jener Stelle,
Wohin er ewig hin und hin begehrt:
Ein Zeuge bleibt's, wie sinnig sie gewandelt.
So wird ein Nichts zum höchsten Schatz verwandelt.

   Wenn aber solche Gabe tiefen Wert,
Gestaltet, mit sich führt, für sich allein
Dem Sinn des Künstlers wünschenswert begegnete;
Wie muss das nun ein Schatz treulich segnete!

Aufklärende Bemerkung


22. Der Gräfin Titinne O'Donell,

die eine meiner Schreibfedern verlangte.

Als der Knabe nach der Schule,
Das Pennal in Händen, ging
Und mit stumpfer Federspule
Lettern an zu kritzeln fing,
Hofft' er endlich schön zu schreiben
Als den herrlichsten Gewinn;
Doch dass das Geschriebne bleiben
Sollte, sich durch Länder treiben,
Gar ein Wert der Federspule
Kam ihm in der engen Schule,
Auf dem niedern Schemelstuhle
Wahrlich niemals in den Sinn.

Aufklärende Bemerkung


23.

Die abgestützten, angetauchten,
Die ungeschickten, vielgebrauchten
Hast du, die Freundliche, gewollt.
Nun aber nimm ein frisch Gefieder,
Das niederschreiben süße Lieder
Allschönster Tage dir gesollt.

Aufklärende Bemerkung


24. An Gräfin Jaraczewska

Karlsbad, den 5. September 1818.

Da sieht man, wie die Menschen sind:
Nur Leidenschaft und kein Gewissen!
Wie haben sie dem schönen Kind
Das Röckchen halb vom Leib gerissen!
Doch mir begegnete das Glück in später Zeit,
Ein frommer Jüngling wird mich neiden:
Dir, Freundin, dank' ich die Gelegenheit,
Den holden Schatz von Kopf bis Fuß zu kleiden.

Aufklärende Bemerkung


25. An Fürst Biron von Kurland

Karlsbad, den 8. September 1818.

Als Luthers Fest mit gläubiger Schar
Im vorigen Herbst gefeiert war,
Dacht' ich, es brauche hundert Jahr,
Um es mit Würde zu erneuen;
Doch beim verliehnen Ehrenbild,
Wie ernst es ist und kräftig mild,
Beim Herkules und seinem Schild
Kann ich der Feier mich an jedem Tage freuen.

Aufklärende Bemerkung


26. Grafen Karl Harrach

Karlsbad, den 25. September 1819.

Die sich herzlich oft begrüßten,
Die das Leben sich versüßten,
Führt ein guter Geist zur Stelle
Wieder an dieselbe Quelle!
Treues Wirken, reines Lieben
Ist das Beste stets geblieben.

Aufklärende Bemerkung


27. Der vollkommenen Stickerin

Marienbad, am 28. August 1821.

   Ich kam von einem Prälaten,
Dem die herrlichsten Stolen
Über die Schulter hingen,
Worauf unverhohlen
Wundertaten
Der Heiligen auf und nieder gingen.

   Mir aber war ein andres beschert:
Lieblichste Blumen-Gehänge,
Farbenglanz und -Übergänge,
Wie Natur den Künstler belehrt.
Ein allerliebstes Frühlingsgelände,
Mit Nadeln zierlich schattiert und gebrochen,
Dass, wäre selbst das Herz durchstochen,
Man es gewiss gar wohl empfände;
Und werd' es nur zu Feiertagen
Süßer Namen und lieber Geburten tragen.

Aufklärende Bemerkung


28.

Eine Schachtel Mirabellen
Kam von Süden, zog nach Norden;
Als die Frucht gespeist geworden,
Eilt sich wieder einzustellen
Das Gehäus, woher es kommen.
Bringet keine süßen Früchte,
Bringt vielmehr ein ernst Gesichte,
Das im Weiten und im Fernen
Nimmer will Entbehrung lernen.

Aufklärende Bemerkung


29. An Freund Mellish

   Durch Vermittlung einer Teuren
Geht ein Täschchen bis zur Elbe,
Kommt, vom Freunde zu beteuren:
Immer bleibet er derselbe.

   Immer wie in Dornburgs Gauen,
Wo, beim allerbesten Weine,
Waren hell im Sonnenscheine
Berg' und Täler anzuschauen.

   Du nun an der reichen Elbe,
An dem spiegelbreiten Flusse,
Weit entfernt vom trauten Kusse
Bleib auch immerfort derselbe!

Aufklärende Bemerkung


30. An Fräulein Kasimira Wolowska

Dein Testament verteilt die holden Gaben,
Womit Natur dich mütterlich vollendet,
Vermächtnis nach Vermächtnis ausgespendet,
Zufrieden jeder, seinen Teil zu haben.
Doch wenn du Glückliche zu machen trachtest,
So wär' es der, dem du dich ganz vermachtest.

Aufklärende Bemerkung


31. Gesendet von Marienbad einer Gesellschaft versammelter Freunde

zum 28. August 1823.

In Hygieas Form beliebt's Armiden,
Im Waldgebirg sich Schlösser aufzubauen,
Verspricht dem Kranken Heil, dem Lebensmüden
Erwacht auf einmal hoffendes Vertrauen;
Dem halb Genes'nen schnell zu heiterm Frieden
Entfaltet sich ein Kreis erles'ner Frauen;
Dann weiß sie uns nach aller Art zu kirren,
Durch Spiel und Tanz und Neigung zu verwirren.

   So wird von Tag zu Tag ein Traum gedichtet,
Dem Wachen gleich, ein labyrinthisch Wesen;
Doch zu der Ferne bleibt mein Blick gerichtet,
Wo meinem Herzen sich ein Kreis erlesen,
Wo er sich mir und ich mich ihm verpflichtet,
Dort fühl' ich mich vollkommener genesen.
So trägt es mich zum ehrenvollen Feste,
Schon bin ich da. - Gesegnet alle Gäste!

Aufklärende Bemerkung


32.

Du hattest längst mir's angetan,
Doch jetzt gewahr' ich neues Leben:
Ein süßer Mund blickt uns gar freundlich an,
Wenn er uns einen Kuss gegeben.

Aufklärende Bemerkung


33.

Tadelt man, dass wir uns lieben,
Dürfen wir uns nicht betrüben,
Tadel ist von keiner Kraft.
Andern Dingen mag das gelten,
Kein Missbilligen, kein Schelten
Macht die Liebe tadelhaft.

Aufklärende Bemerkung


34.

   Du Schüler Howards, wunderlich
Siehst morgens um und über dich,
Ob Nebel fallen, ob sie steigen,
Und was sich für Gewölke zeigen.

   Auf Berges Ferne ballt sich auf
Ein Alpenheer, beeist zuhauf,
Und oben drüber flüchtig schweifen
Gefiedert weiße lustige Streifen;
Doch unten senkt sich grau und grauer
Aus Wolkenschicht ein Regenschauer.

   Und wenn bei stillem Dämmerlicht
Ein allerliebstes Treugesicht
Auf holder Schwelle dir begegnet,
Weißt du, ob's heitert ? Ob es regnet?

Aufklärende Bemerkung


35.

Wenn sich lebendig Silber neigt,
So gibt es Schnee und Regen,
Und wie es wieder aufwärts steigt,
Ist blaues Zelt zugegen.
Auch sinke viel, es steige kaum
Der Freude Wink, des Schmerzens,
Man fühlt ihn gleich im engen Raum
Des lieb-lebend'gen Herzens.

Aufklärende Bemerkung


36.

   Du gingst vorüber? Wie! Ich sah dich nicht;
Du kamst zurück, dich hab' ich nicht gesehen -
Verlorner, unglücksel'ger Augenblick!
Bin ich denn blind? Wie soll mir das geschehn?

   Doch tröst' ich mich, und du verzeihst mir gern,
Entschuldigung wirst du mit Freude finden:
Ich sehe dich, bist du auch noch so fern!
Und in der Nähe kannst du mir verschwinden.

Aufklärende Bemerkung


37.

Am heißen Quell verbringst du deine Tage,
Das regt mich auf zu innerm Zwist;
Denn wie ich dich so ganz im Herzen trage,
Begreif' ich nicht, wie du wo anders bist.

Aufklärende Bemerkung


38. An Madame Marie Szymanowska

   Die Leidenschaft bringt Leiden! - Wer beschwichtigt,
Beklommnes Herz, dich, das zu viel verloren?
Wo sind die Stunden, überschnell verflüchtigt?
Vergebens war das Schönste dir erkoren!
Trüb ist der Geist, verworren das Beginnen;
Die hehre Welt, wie schwindet sie den Sinnen!

   Da schwebt hervor Musik mit Engelsschwingen,
Verflicht zu Millionen Tön' um Töne,
Des Menschen Wesen durch und durch zu dringen,
Zu überfüllen ihn mit ew'ger Schöne:
Das Auge netzt sich, fühlt im höhern Sehnen
Den Götterwert der Töne wie der Tränen.

   Und so das Herz erleichtert merkt behende,
Dass es noch lebt und schlägt und möchte schlagen,
Zum reinsten Dank der überreichen Spende
Sich selbst erwidernd willig darzutragen.
Da fühlte sich - o dass es ewig bliebe! -
Das Doppelglück der Töne wie der Liebe.

Aufklärende Bemerkung


39. In das Stammbuch der Frau Hofmarschall v. Spiegel

Januar 1821.

Der Dichtung Faden lässt sich heut nicht fassen;
Ich bitte, mir die Blätter weiß zu lassen!


Am 25. Februar 1824.

   Seit jenen Zeilen bis zum heutigen Tage
Sind fast zweihundert Wochen fortgeschritten,
Und immer ist es noch die alte Klage,
Als lasse sich die Muse nicht erbitten;
Doch wenn ich sie im stillen ernstlich frage,
Versetzt sie mich mit Adlerflug inmitten
Von jener Feier einzigen Augenblicken,
Wie es erscholl im freudigsten Entzücken:

   "Nun geht es auf, das Licht der Morgenländer,
Die Tochter von Byzanz. Ihr seht sie hier!
Als Kaiserskind trägt sie die Goldgewänder,
Und doch ist sie des Schmuckes höchste Zier.
Die goldnen Schuhe, jene teuren Pfänder,
Die Liebesboten zwischen ihm und ihr,
Sie bringt der Zwerg, die frohste Morgengabe:
Ein Liebespfand ist mehr als Gut und Habe."

   Da sprach das Lied, so heiter als bedächtig,
Von König Rothers unbezwungner Kraft,
Dem, wie er schon in Waffen groß und mächtig,
Auch Liebe nun das höchste Glück verschafft.
"Als Pilger klug, als Gast freigebig, prächtig,
Hat er als Held zuletzt sie weggerafft,
Zum schönsten Glück, zum höchsten Mutterlose:
Von ihnen stammt Pipin und Karl der Große."

   Wie denn das Gute, Schöne nimmer schwindet
Und immer wirkend, immer sich erhält,
Sich ungesäumt zum höchsten Wahren findet,
Als lebend zu Lebendigem gesellt;
Und glücklich ist, wer ihnen sich verbindet,
Beständig bleibt ihm die bewegte Welt;
So war's auch mir im Augenblick, dem süßen;
Nach langer Zeit die Freundin zu begrüßen.

Aufklärende Bemerkung


40. Der zierlichsten Undine

Gib acht! Es wird dir allerlei begegnen,
Bist du im Trocknen, wird es regnen,
Zum Schwimmen wird die Welle sich versagen,
Wen aber hast du deshalb anzuklagen?
Merkst du nicht eifersücht'gen Zorn?
Ein Lächeln wird er wohl verdienen;
Und du verzeihst dem Onkel Kühleborn,
Man sagt ihm nach, er liebe selbst Undinen.

Aufklärende Bemerkung


41. Reichtum und Blüte

Blumen und Gold zugleich
Machen reich
Goldnen Rahmen siehst du erfüllt
Mit deinem Bild.
Sieh nur, wie köstlich es ist,
Was du hast und bist.

Aufklärende Bemerkung


42.

Myrt' und Lorbeer hatten sich verbunden;
Mögen sie vielleicht getrennt erscheinen,
Wollen sie, gedenkend sel'ger Stunden,
Hoffnungsvoll sich abermals vereinen.

Aufklärende Bemerkung


43.

Das holde Tal hat schon die Sonne wieder
Mit Frühlingsblüt' und Blumen angefüllt,
Die Nachtigall singt immer neue Lieder
Dem Hochgefühl, das ihr entgegenquillt;
Erfreue dich der Gott verliehnen Gaben!
Froh, wie er dich erschuf, will er dich haben.

Aufklärende Bemerkung


44. Julien Gräfin Eglosffstein

Freundlich werden neue Stunden
Zu vergangnen sich gesellen,
Blüten, Blumen, wohl empfunden,
Bleiben ewig Immortellen.

Aufklärende Bemerkung


45. Derselben

Sei die Zierde des Geschlechts! -
Blicke weder links noch rechts;
Schaue von den Gegenständen
In dein Innerstes zurück;
Sicher traue deinen Händen,
Eignes fördre, Freundes Glück!

Aufklärende Bemerkung


46. An Julien.

Zur Dresdner Reise.

   Ein guter Geist ist schon genug,
Du gehst zu hundert Geistern,
Vorüber wandelt dir ein Zug
Von großen, größern Meistern.

    Sie grüßen alle dich fortan
Als feinen Junggesellen
Und winken freundlich dich heran,
Dich in den Kreis zu stellen.

    Du stehst und schweigst am heil'gen Ort
Und möchtest gerne fragen,
Am Ende ist's ein einzig Wort,
Was sie dir alle sagen.

Aufklärende Bemerkung


47. An Julien

   Von so zarten Miniaturen,
Wie der schönen Hand sie glücken,
Schreitest du auf breitre Spuren,
Wichtiger umher zu blicken.

   Heil den ernsteren Geschäften!
Seligen Erfolg zu schauen,
Einigest zu Mannes Kräften
Liebenswürdiges der Frauen.

Aufklärende Bemerkung


48. Derselben

Abgeschlossen sei das Buch,
Es enthält fürwahr genug;
Was davon dich kann erfreuen,
Wird sich immerfort erneuen,
Und was mag dem Scheiden frommen,
Als ein baldig Wiederkommen?

Aufklärende Bemerkung


49. Herrn Kanzler v. Müller

Weimar, den 13. April 1822.

Will sich's wohl ziemen dir zum zweiten Male
Dieselbe Gabe festlich darzubringen?
Den Dichtertrank in deiner eignen Schale,
Und nur dazu das alte Lied zu singen?
So sei es denn! - Es bleiben alte Lieder
Den Christgemeinden wie gewohnt erbaulich;
Und hört er Freundes Wunsch und Segen wieder,
Er findet sie wie immer lieb und traulich.

Aufklärende Bemerkung


50. Zu Thaers Jubelfest,

den 14. Mai 1824.

   Wer müht sich wohl im Garten dort
Und mustert jedes Beet?
Er pflanzt und gießt und spricht kein Wort,
So schön auch alles steht.
Das es gepfropft und okuliert
Mit sichrer kluger Hand,
Das Bäumchen zart ist anspaliert
Nach Ordnung und Verstand.

   Doch sagt mir, was es heißen soll?
Warum ist er so still?
Man sieht, ihm ist der Kopf so voll,
Dass er was andres will.
Genug, ihm wird nicht wohl dahier,
Ich fürcht' er will davon,
Er schreitet nach der Gartentür,
Und draußen ist er schon.

   Im Felde gibt's genug zu tun,
Wo der Befreite schweift;
Er schaut, studiert und kann nicht ruhn,
Bis es im Kopfe reift.
Auf einmal hat's der Biedre los,
Wie er das Beste kann:
Nicht ruhen soll der Erdenkloß,
Am wenigsten der Mann!

   Der Boden rührt sich ungesäumt
Im Wechsel jedes Jahr,
Ein Feld so nach dem andern keimt
Und reift und fruchtet bar,
So fruchtet's auch von Geist zu Geist
Und nutzt von Ort zu Ort.
Gewiss, ihr fragt nicht, wie er heißt,
Sein Name lebe fort!

Aufklärende Bemerkung


51. Die Feier des achtundzwanzigsten Augusts dankbar zu erwidern

   Sah gemalt, in Gold und Rahmen,
Grauen Barts, den Ritter reiten,
Und zu Pferd an seinen Seiten
An die vierundzwanzig kamen;
Sie zum Thron des Kaisers ritten,
Wohlempfangen, wohlgelitten,
Derb und kräftig, hold und schicklich.
Und man pries den Vater glücklich.

   Sieht der Dichter nah und ferne
Söhn' und Töchter, lichte Sterne,
Sieht sie alle wohlgeraten,
Tüchtig, von geprüften Taten,
Freigesinnt, sich selbst beschränkend,
Immerfort das Nächste denkend;
Tätig treu in jedem Kreise,
Still beharrlich jeder Weise;
Nicht vom Weg, dem graden, weichend
Und zuletzt das Ziel erreichend.
Bring' er Töchter nun und Söhne,
Sittenreich, in holder Schöne,
Vor den Vater alles Guten,
In die reinen Himmelsgluten,
Mitgenossen ew'ger Freuden! -
Das erwarten wir bescheiden.

Aufklärende Bemerkung


52. Der Frau v. Ziegesar, geb. v. Stein,

zum Geburtstage.

   Zwar die vierundzwanzig Ritter
Ehren wir in allen Fällen;
Doch auch Fräulein sind nicht bitter,
Wenn sie sich dazwischenstellen.

   Heute lasset mich beachten
Solche lieblichsten Vereine,
Wenn sie bunte Reihe machten,
Die Ziegesar und die Steine.

   Kämen sämtlich angezogen
Dieser Stämme frohe Lichter,
Würden Könige gewogen
Und begrüßten sie die Dichter.

   Und besonders aber eine,
Welche wir zu segnen kamen;
Freunde nennen sie die Kleine,
Sie verdient gar viele Namen.

Aufklärende Bemerkung


53. Meinem Freunde v. Knebel

zum 30. November 1817.

Lustrum ist ein fremdes Wort!
Aber wenn wir sagen:
Lustra haben wir am Ort
Acht bis neun ertragen
Und genossen und gelebt
Und geliebt bisweilen,
Wird, wer nach dem Gleichen strebt,
Heute mit uns teilen;
Wenn wir sagen: Das ist viel!
Denn das Leben streuet
Blum' und Dorne! - Ziel ist Ziel!
Das uns heute freuet.

Aufklärende Bemerkung


54. An Bernhard v. Knebel

Weimar, den 30. November 1820.

Den November, den dreißigsten,
Feire stets als heiligen Tag
Mit Opfern, wie's nur dem fleißigsten,
Dem besten Sohne gelingen mag:
Denn der Vater ist heut geboren,
Der dich liebt, wie's billig ist.
Kindlein, sei ihm zugeschworen!
Freude nur bringt, was willig ist.

Aufklärende Bemerkung


55. An Gräfin Marie v. Einsiedel,

geboren Jena, den 18. Oktober 1819.
Zum Tauftage, den 30. Oktober 1819, treuliches Eingebinde.

Töchterchen! Nach trüben Stunden
Zu der Eltern Lust erschienen,
Hast so jung das Glück gefunden,
Den Geliebtesten zu dienen.
Mögest du den fröhsten Stunden
Ihres Lebens blühend grünen!

Aufklärende Bemerkung


56. Wiegenlied dem jungen Mineralogen Walter v. Goethe

Den 21. April 1818.

   Singen sie Blumen der kindlichen Ruh,
Käfer und Vögel und Tierchen dazu;
Aber du wachest, wir treten herein,
Bringen was Ruhiges, bringen den Stein.

   Steinchen, die bunten, ein lustiges Spiel!
Was man auch würfe, und wie es auch fiel'!
Kindischen Händchen entschnickt sich so fein
Knöchlein und Bonen und Edelgestein.

   Knabe, du siehest nun Steine behaun,
Ordnend sich fügen, zu Häusern sich baun.
Wohl! Du verwunderst dich, stimmest mit ein:
Das ist wahrhaftig ein nützlicher Stein!

Spielst du mit Schussern, das Kügelchen rollt,
Dreht sich zur Grube, so wie du gewollt,
Läufest begierig auch hinter ihm drein,
Das ist fürwahr wohl ein lustiger Stein!

   Steinchen um Steinchen verzettelt die Welt,
Wissende haben s' zusammengestellt;
Trittst du begierig zu Sälen herein,
Siehst du zuerst nicht den Stein vor dem Stein.

   Doch unterscheidest und merkest genau:
Dieser ist rot, und ein andrer ist blau,
Einer, der klärste, von Farben so rein,
Farbig erblitzet der edelste Stein.

   Aber die Säulchen, wer schliff sie so glatt,
Spitzte sie, schärfte sie glänzend und matt?
Schau in die Klüfte des Berges hinein,
Ruhig entwickelt sich Stein aus Gestein.

   Ewig natürlich bewegende Kraft
Göttlich gesetzlich entbindet und schafft;
Trennendes Leben, im Leben Verein,
Oben die Geister und unten der Stein.

   Nun, wie es Vater und Ahn dir erprobt,
Gott und Natur und das All ist gelobt!
Komme! Der Stiftende führet dich ein,
Unserem Ringe willkommener Stein!

Aufklärende Bemerkung


57. Zum Geburtstag

mit meinen kleinen Gedichten.

Wenn Kranz auf Kranz den Tag umwindet,
Sei dieser auch ihr zugewandt,
Und wenn sie hier Bekannte findet,
So hat sie sich vielleicht erkannt.

Aufklärende Bemerkung


58.

Wen ein guter Geist besessen,
Hält sich das Gedächtnis rein;
Alles Übel ist vergessen,
Eingedenk der Lust zu sein!
Bleib' ein fröhliches Vermächtnis
Jed' Ergetzen, jede Ruh;
So belebe dein Gedächtnis
Und dann denke mich dazu!

Aufklärende Bemerkung


59.

Zur Erinnerung trüber Tage
Voll Bemühen, voller Plage;
Zum Erinnern schöner Stunden,
Wo das Rechte war gefunden.

Aufklärende Bemerkung


59a.

Viel Geduldetes, Genossnes,
Halb Verschwiegenes, laut Ergossnes
Ward in ferner Welt vertan;
Aber jene guten Zeiten,
Tiefurts Tal, ätherische Weiten,
Gehen dich besonders an.

Aufklärende Bemerkung


60.

Lieblich ist's, im Frühlingsgarten
Mancher holden Blume warten;
Aber lieblicher, im Segen
Seiner Freunde Namen pflegen:
Denn der Anblick solcher Züge
Tut so Seel' als Geist Genüge,
Ja, zu Lieb' und Treu' bekennt
Sich der Freund, wie er sich nennt.

Aufklärende Bemerkung


61.

Hörst du reine Lieder singen,
Ohr ist eins mit deiner Brust;
Siehst du Farben um dich klingen,
Wirst du deines Augs bewusst.
In das Innere zu dringen,
Gibt das Äußre Glück und Lust.

Aufklärende Bemerkung


62.

Zuerst im stillsten Raum entsprungen,
Das Lied erklingt von Ort zu Ort;
Wie es in Geist und Seel' erklungen,
So hallt's nach allen Seiten fort.

Aufklärende Bemerkung


63. In ein Stammbuch
Zum Bildchen: Ruine Pleß bei Göttingen

Auf diesen Trümmern hab' ich auch gesessen,
Vergnügt getrunken und gegessen
Und in die Welt hinausgeschaut:
War aber wenig nur erbaut.
Kein liebes Kind gedachte meiner,
Und ich fürwahr gehörte keiner;
So war die ganze Welt umgraut.
Ihr wisst ja selbst, was sie erheitert,
Die Horizonte stufenklar erweitert.

Aufklärende Bemerkung


64. In ein Stammbuch
Zum Bildchen von Ulrichs Garten

Dass zu Ulrichs Gartenräumen
Soll ein Verslein mir erträumen,
Ist ein wunderbarer Streich;
Denn es war von süßen Träumen
In den ländlich engen Räumen
Mir ein Frühling hold und reich.
Sollt' es euch zu Lust und Frommen
Auch einmal zugute kommen,
Freut euch in dem engsten Raum.
Was beglückt, es ist kein Traum.

Aufklärende Bemerkung


65. In eine Sammlung
künstlich ausgeschnittener Landschaften

Zarte schattende Gebilde,
Fliegt zu eurer Künsterlin,
Dass sie, freundlich, froh und milde,
Immer sich nach ihrem Sinn
Eine Welt von Schatten bilde;
Denn das irdische Gefilde
Schattet oft nach eignem Sinn.

Aufklärende Bemerkung


66.

   Flora, welche Jenas Gauen
Reich mit Blum- und Früchten schmückt,
Ist verwundert, anzuschauen,
Was ein fremder Himmel schickt.

   Sorget nun, in dichten Häusern,
Dass auch hier der Wachstum frei,
Dass den allerzartsten Reisern
Hier ein ewiger Sommer sei.

Aufklärende Bemerkung


67.

Wer hat's gewollt? Wer hat's getan?
So Liebliches erzielt?
Das ist doch wohl der rechte Roman,
Der selbst Romane spielt.

Aufklärende Bemerkung


68.

Verirrtes Büchlein! Kannst unsichre Tritte
Da- oder dorthin keineswegs vermeiden;
Irrsternen zu bewegst du deine Schritte,
Und vor dem Kommen bist bereit zu scheiden.
Für diesmal aber wollen wir dich fesseln,
Du sollst mir diese Botschaft nicht verfehlen;
Sei es durch Rosen, Dornen, Veilchen, Nesseln,
Nur immer grade zu, geh zu Adelen!

Aufklärende Bemerkung


69. An zwei Gebrüder, eifrige junge Naturfreunde

Marienbad, 182-.

Am feuchten Fels, den dichtes Moos versteckt,
Erblühen Blumen, flattert manch Insekt;
Scheint es auch dürr den kahlen Berg hinan,
So nährt es doch, das Schaf bewollt sich daran.
Die Wiese grünt, gehörnte Herde braunt,
Da wandeln Menschen gut und bös gelaunt,
Genießen reichlich, spärlich, früh und spät,
Den Wunderwuchs der folgereichen Saat.
Und wenn der Kranke fast am Ziel erliegt,
So steigt die Quelle rasch, die Hoffnung siegt.
Ihr! Vom Gestein hinauf zur Atmosphäre
Gedenket mein! - Dem Höchsten Preis und Ehre!

Aufklärende Bemerkung


70. Toast zum akademischen Mittagsmahl

am 22. April 1820.

Abwesend ist kein Freund zu achten,
Der immer für uns denkt und strebt
Und, wie es auch die Zeiten brachten,
Für uns in gleichem Sinne lebt.
Bei Sonnenschein und Regenschauer
Ruft ein verklärter heitrer Blick
Dem zweifelhaften Zustand Glück
Und jedem Glück die längste Dauer.

Aufklärende Bemerkung


71. Toast zum 28. August 1820

beim akademischen Gastmahl auf der Rose.

Wo Jahr um Jahr die Jugend sich erneunt,
Ein frisches Alter würd'ge Lehre beut,
Wo Fürsten reichlich hohe Mittel spenden,
Was alles kann und wird sich da vollenden,
Wenn jeder tätig froh an seinem Teil. -
Heil jedem einzelnen! Dem Ganzen Heil!

Aufklärende Bemerkung


72. Toast zum Landtage

Das Wohl des einzelnen bedenken,
Im ganzen auch das Wohl zu lenken,
Welch wünschenswertester Verein!
Den guten Wirt beruft man zum Berater,
Ein jeder sei zu Hause Vater,
So wird der Fürst auch Landesvater sein.

Aufklärende Bemerkung


73. Maskenzüge

   Die Gestalten gehn vorüber,
Masken scheinen sie zu sein;
Doch sie sind uns beiden lieber,
Uns vom edelsten Verein.

   Sie sind wahr; denn wohl vernommen
Haben wir sie selbst gefühlt
Und, wie es vielleicht gekommen,
Sie zum Teile mitgespielt.

   Denke nun zum vielten Male,
Was nach sternenheller Nacht
Holder Tag im holden Saale
Wunderfältig dargebracht.

Aufklärende Bemerkung


74. Der Abwesende beim Maskenfest

zum 16. Februar 1818.

So wandelt hin, lebendige Gestalten,
Bewegten Lebens reichliche Gebilde,
Dem schönsten Tage lasset Liebe walten,
Im Reihen schmückt elysische Gefilde!
Ergetzen sollt ihr, geistreich unterhalten,
Belehren auch und warnen freundlichst milde.
Der Dichter alle segnet euch zum Frieden,
Abwesend sei es oder abgeschieden.

Aufklärende Bemerkung


75. Bilderszenen

Zur Feier des 2. Februar 1817.

Mit Säulen schmückt ein Architekt aufs beste,
Mit Statuen, Gemälden seine Hallen,
Dann finden sich am frohen Tag die Gäste,
Von Melodie bewegt, einher zu wallen.
Nun wirket umgekehrt am schönsten Feste
Durch Widerspruch die Kunst, ihm zu gefallen.
Statt laute Freude frisch bewegt zu schildern,
Erstarrt das Lebende zu holden Bildern.

Aufklärende Bemerkung


76. Bilderszenen

Den 15. März 1816 bei Freiherrn v. Helldorf.

Ihr kommt, Gebildetes allhier zu schauen,
Gebildet scheinbar, doch ein lebend Bild;
So weiß die Kunst vielfältig anzubauen
Der Fabel, der Geschichte reich Gefild.
Ihr sehet tücht'ge Männer, wackre Frauen,
Zu Taten mächtig wie zur Hilfe mild,
Und so entgegnen wir euch, starr erscheinend,
Lebendig, uns zu eurer Lust vereinend.

Aufklärende Bemerkung


77.

Wohin er auch die Blicke kehrt und wendet,
Je mehr erstaunt er über Kunst und Pracht,
Mit Vorsatz scheint der Reichtum hier verschwendet,
Es scheint, als habe sich nur alles selbst gemacht.
Soll er sich wundern, dass das Werk vollendet?
Soll er sich wundern, dass es so erdacht?
Ihn dünkt, als fang' er erst mit himmlischen Entzücken
Zu leben an in diesen Augenblicken.

Aufklärende Bemerkung


78. Den 6. Juni 1816.

Du versuchst, o Sonne, vergebens
Durch die düstren Wolken zu scheinen!
Der ganze Gewinn meines Lebens
Ist ihren Verlust zu beweinen.

Aufklärende Bemerkung


79.

Lebe wohl auf wieder sehn!
Wenig Jahre meine Freude,
Sei mir Hoffnungstrost im Leide,
Du, nun als ein Engel schön.
Lebe wohl auf wieder sehn!

Aufklärende Bemerkung


80.

Lasst nach viel geprüftem Leben
Hier den edlen Pilgrim ruhn!
Ehrt sein Wollen und sein Streben,
Wie sein Dichten und sein Tun!

Aufklärende Bemerkung


81.

Reichen Beifall hattest du erworben,
Allgemeine Neigung rein erzielt;
Viel Personen sind in dir gestorben,
Und du hast sie alle gut gespielt.

Aufklärende Bemerkung


Rhein und Main

82.

Zu des Rheins gestreckten Hügeln,
Hochgesegneten Gebreiten,
Auen, die den Fluss gespiegeln,
Weingeschmückten Landesweiten
Möget mit Gedankenflügeln
Ihr den treuen Freund begleiten.

Aufklärende Bemerkung

83.

Was ich dort gelebt, genossen,
Was mir all dorther entsprossen,
Welche Freude, welche Kenntnis,
Wär' ein allzulang Geständnis!
Mög' es jeden so erfreuen,
Die Erfahrenen, die Neuen!

Aufklärende Bemerkung

84.

Erst Empfindung, dann Gedanken,
Erst ins Weite, dann zu Schranken,
Aus dem Wilden hold und mild
Zeigt sich dir das wahre Bild.

Aufklärende Bemerkung

85.

Wenn ihr's habt und wenn ihr's wisst,
Wisst ihr denn, wer es vermisst?
Bleibet eurem Sinne treu!
Neu ist alt, und alt ist neu.

Aufklärende Bemerkung

86.

Hier sah ich hin, hier sah ich zu
Nach liebevoller Weise,
Die fernen Lieben, du, auch du,
Sie lebten froh im Kreise.

Aufklärende Bemerkung

87. Aussicht

Siehst du das, wie ich es sah,
Wohnst du so, wie ich gewohnt;
Lieb' und Freundschaft sind dir nah,
Und ein jeder Tag betont.

Aufklärende Bemerkung

88.

Blumenkelche, Blumenglocken
Folgen deinem Reiselauf;
Unter Schneegestöbers Flocken
Suche mir ein Liebes auf.

Aufklärende Bemerkung

89.

Nicht ist alles Gold, was gleißt,
Glück nicht alles, was so heißt,
Nicht alles Freude, was so scheint.
Damit hab' ich gar manches gemeint.

Aufklärende Bemerkung

90.

An die Stelle des Genusses
Trete Bildchen holden Scheins,
Zu Erinnerung des Flusses,
Der Terrasse, dieses Hains.

Aufklärende Bemerkung

91.

Den 15. August 1815.

Wohl erleuchtet, glühend-milde
Zog der Fluss im Abendschein,
Über Brück' und Stadtgebilde
Finsternisse sanken ein.

Den 16. August.

Doch am Morgen ward es klar,
Neu begann's umher zu grünen
Nach der Nacht, wo jenes Paar
Sternengleich uns angeschienen.

Aufklärende Bemerkung

92.

Du bist auch am Rhein gewesen,
Auch am Hof zu Bieberich;
Magst nun an dem Maine lesen,
Wie es lustig war um dich.

Aufklärende Bemerkung

93.

   Also lustig sah es aus,
Wo der Main vorüberfloss,
Als im schmucken Hain und Haus
Festlich Eilfer überfloss.

   Ferner Freunde ward gedacht;
Denn das heißt genießen,
Wenn zu Fest- und Flusses-Pracht
Tausend Quellen fließen.

Aufklärende Bemerkung

94.

Wasserfülle, Landesgröße,
Heitrer Himmel, frohe Bahn!
Diese Wellen, diese Flöße
Landen auch in Winkel an.

Aufklärende Bemerkung

95.

Fluss und Ufer, Land und Höhen
Rühmen seit geraumer Zeit
So dein Kommen, so dein Gehen,
Zeichen deiner Tätigkeit.

Aufklärende Bemerkung

96.

Pfeifen hör' ich fern im Busche!
Das ist wohl der Vogelsteller? -
Neben mir es pfeift noch greller;
Schelme sind's, es sind Kartusche!
Diese geben sich ein Zeichen. -
Keineswegs! Ein Vielgewandter
Und uns allen Wohlbekannter
Kommt zum Lustmahl ohnegleichen.

Aufklärende Bemerkung


97.

Wenn was irgend ist geschehen,
Hört man's noch in späten Tagen;
Immer klingend wird es wehen,
Wenn die Glock' ist angeschlagen.
Und so lasst von diesem Schalle
Euch erheitern, viele, viele!
Denn am Ende sind wir alle
Pilgernd Könige zum Ziele.

Aufklärende Bemerkung


98.

Worte sind der Seele Bild -
Nicht ein Bild! Sie sind ein Schatten!
Sagen herbe, deuten mild,
Was wir haben, was wir hatten. -
Was wir hatten, wo ist's hin?
Und was ist's denn, was wir haben? -
Nun, wir sprechen! Rasch im Fliehn
Haschen wir des Lebens Gaben.

Aufklärende Bemerkung


Aufklärende Bemerkungen

Festliche Lebensepochen
und
Lichtblicke traulicher Verhältnisse,
vom Dichter gefeiert

1. Ihro kaierlichen Hoheit der Frau Erbgroßherzogin war ein kostbares Stammbuch von treuer geschätzter Hand verehrt worden, und mir ward die Gnade zugedacht, dasselbe durch vorstehendes Sonett einzuweihen. ­

2. Das löbliche Herkommen die höchsten Herrschaften bei festlichen Maskenzügen durch ein dichterisches Wort zu begrüßen, ließ man auch diesmal obwalten. Ein Korsar, an den Helden Byrons erinnernd, übergab es im Namen des als Anachoret lebenden Dichters. ­

3. Durch meine beinah absolute Einsamkeit, auf welche schon der Schluss des vorigen Gedichtes anspielt, hatte ich mir den Namen des Eremiten verdient, der sich aber in Zelle und Garten höchst geehrt und erfreut fühlte, als mein Herr und Gebieter mir zwei liebenswürdige junge Fürstenpaare zuführte und der freundlichste Besuch durch das Gedicht erwidert werden durfte. ­

4. Als der Fürst bei der Christbescherung seiner teuren Enkel gegenwärtig war, überreichten sie ihm ihrerseits mit obigen zwei Strophen eine Sammlung Gedichte auf die Gründung der neuen Bürgerschule, im Namen sämtlicher Jugend. ­

5. An Prinzessin Maria mit Raphaels Gärtnerin. ­

5a. An Prinzessin Auguste. Der Kupferstich von Elzheimers Aurora mit einigen Strophen zum Geburtstag, von Jena her, geschrieben in dem Garten der Prinzessinnen. ­

6. 7. 8. Inschriften bei der Anwesenheit Ihro Majestät der regierenden Kaiserin von Russland. ­

9. 10. Tafelaufsätze zum Geburtstag Ihro Kaiserlichen Hoheit der Frau Erbgroßherzogin. ­

11. Zum Schluss einer dramatischen Vorstellung in Töplitz, an Ihro Majestät die Kaiserin von Österreich, gesprochen von Gräfin Odonell. ­

12. Ein Prachtexemplar der Werke des Abbate Bondi ward mir durch die allerhöchste Gnade Ihro Majestät der Kaiserin; zur Erwiederung schrieb ich das mitgeteilte Sonett. ­

13. Mit einem heiter und glänzend gemalten Glase der unschätzbaren Freundin von Karlsbad nach Franzenbrunnen. ­

14. An dieselbe, als ich sie ganz unverhofft in Franzenbrunnen antraf, wo sich unsere Unterhaltung ganz auf den höchst beklagenswerten Verlust unserer Herrin einschränkte. Sie vertraute mir, dass noch manches teure Pfand von der Höchstseligen in ihren Händen sei, wozu sie ein kostbares Kästchen habe verfertigen lassen, für welches sie eine Inschrift von mir verlange, sie wolle damit die inwendige Seite des Deckels bekleiden. Hiezu sendete ich jene Strophen von Karlsbad, und wer über Bedeutung des darin erwähnten Platzes und Bechers das Nähere zu erfahren wünscht, findet solches in der Reihe der Karlsbader Gedichte. ­

15. Herrn Staatsminister von Voigt zu seiner Jubelfeier: Ein Denkmal vieljährigen und mannigfaltigen Zusammenwirkens. Die erste Strophe bezieht sich auf den Ilmenauer Bergbau, dem wir mit Fleiß und Studium mehrere Jahre vorstanden. Die zweite und dritte deutet auf die in Gesellschaft höchst gebildeter Frauen und Männer gefundene Erheiterung von oftmals lästigen und gefährlichen Geschäften; der Schluss auf die Schrecken der feindlichen Überschwemmung, auf den Drang der wechselvollen Kriegsjahre, auf das Glück endlicher Befreiung und zugleich auf die Notwendigkeit des Zusammenhaltens geprüfter Freunde in einer Zeit, wo eine Verwirrung aller Begriffe die hohe Kultur des Vaterlandes zu vernichten drohe. ­

16. Dem Fürsten Hardenberg Durchlaucht zum siebzigsten Geburtstag unter dessen Bildnis, auf Anregung der Gebrüder Henschel, der ich mich um so lieber fügte, als der Fürst im Jahre 1813 sich bei seiner Anwesenheit in Weimar der frühsten akademischen Jahre in Leipzig erinnerte, wo wir zusammen bei Ösern Zeichenstunde genommen hatten. ­

17. An Lord Byron. Dieser merkwürdige Mann hatte manches Freundliche schriftlich und mündlich durch Reisende begrüßend nach Weimar gelangen lassen, welches ich durch jene Strophen zu erwidern für Pflicht hielt. Sie trafen ihn noch glücklicherweise in Livorno, eben als er für Griechenland sich einzuschiffen im Begriff war, und veranlassten ihn noch zu einer schriftlichen Erwiderung vom 24. Juli 1823, die mir unschätzbar bleibt; wie denn das Nähere dieser Verhältnisse in den Beilagen zu Kapitän Medwins Unterhaltungen, dem ich auf Anfrage das Allgemeinste mitteilte, zu finden ist. Das Umständlichere, zugleich mit Abschriften der Originale, wird früher oder später bekannt werden. ­

18. Der unter meinen Augen aufgewachsenen lieben Gattin meines Sohnes, als Zuschrift der Wanderjahre. ­

19. Als ich eine Zeitlang im Orient hauste, liebte ich meine Gedichte mit goldblumigen Verzierungen einzufassen; dies geschah denn auch an diesem Gedichte, dem geprüften alten Freunde Geheime-Rat von Willemer gewidmet. ­

20. Graf Paar, Adjutant des Feldmarschalls Fürsten von Schwarzenberg, war mir in Karlsbad einer der liebsten und eifrigsten Gesellschafter. Aus Wohlwollen zu mir befreundete er sich mit der ihm bisher ganz fremden Geognosie; ich überreichte ihm ein Heft über böhmische Gebirgsarten mit diesen wenigen Reimzeilen. ­

21. Derselbe ließ abreisend eine höchst merkwürdige Statue von Bronze mir zurück, wofür ich meinen Dank auf einem Erwiderungsblatt ausdrückte. Noch jetzt schmückt dieses Gebilde vorzüglich meine kleine Sammlung. ­

22. Gräfin Titiane Odonell, geborne Gräfin Clary, hatte in jugendlicher Heiterkeit und freundlicher Laune eine meiner Schreibfedern verlangt, die ich ihr mit solchen Zeilen zuschickte. ­

23. An dieselbe, mit einer neuen, kaum angeschriebenen Federn zugesendet. ­

24. Eine mit der deutschen Literatur aufs innigste bekannte polnische Dame vereinigte sich mit mir im Lobe von Fouqués Undine und bemerkte zugleich, dass eine französische Übersetzung das Original keineswegs erreiche, und versprach sie mir zu eigner Überzeugung mitzuteilen. Als ich das Buch erhielt, fand ich es in einem Zustande, der dem Verfasser gewiss geschmeichelt hätte. Die vordere Decke fehlte ganz, die ersten Bogen konnten als gerollt und geknittert kaum gelesen werden; ich schaffte es zum Buchbinder, der es denn völlig wiederherstellte, und so erhielt es die Dame zurück mit jenen eingeschriebenen Zeilen. ­

25. Fürst Biron von Curland, dessen freundlicher Neigung ich schon früher angenehme Kunstgaben verdankte, schickte mir von Töplitz nach Karlsbad eine höchst merkwürdige Zeichnung. Sie ist sehr wohl erhalten, in mäßigem Querfolio, von Peter Vischer, dem trefflichen Erzgießer, mit der Feder sehr sauber gezeichnet, ausgetuscht und angefärbt, eine Allegorie zu Ehren Luthers vorstellend, welcher hier als Herkules siegreich aufgeführt wird. ­

26. Graf Karl Harrach, mit dem ich vor vielen Jahren zu Karlsbad, in Gesellschaft der Seinigen, glückliche Tage verlebte, hatte sich der Heilkunde gewidmet und darin durch eifriges Studium und getreuliche Ausübung bedeutend hervorgetan. Er begegnete mir wieder an derselbigen Stelle, das alte Vertrauen trat sogleich wieder ein, und es eröffnete sich von dem bisherigen Leben und Treiben die erfreulich wirksamste Unterhaltung. ­

27. Zwar kein Kleidungsstück, aber ein zum Ankleiden höchst nötiges Erfordernis, welches wohl zu erraten sein möchte, war in seltenem Grade verziert worden. Es begrüßte mich im böhmischen Gebirg an meinem Geburtstag aus weiter Ferne, und sein blumenreicher Anblick ergetzte mich mitten zwischen Fichten und Tannen. ­

28. Aus der Strophe selbst erklärbar: Das Bildnis des Freundes, in einer ausgeleerten Schachtel getrockneter Früchte übersandt. ­

29. Die Tochter eines Freundes, mit dem man frei heitere Tage zugebracht, der nun aber längst entfernt lebte, diese findet zufällig unter den ausgestellten Waren des Frauenvereins ein Taschenbuch, von dem Dichter dorthin geschenkt, eignet sich's an und verlangt dazu einige Worte von dessen Hand. ­

30. Fräulein Wolowska, Schwester der Madame Szymanowska, von einigen vielleicht eingebildeten Leiden geplagt, schön und anmutig, mitunter traurig gestimmt und vom Tode sprechend. Ein geistreicher Freund schrieb in ihr Stammbuch ein Testament, worin sie ihre höchst liebenswürdigen Eigenschaften und Vorzüge einzeln und an verschiedene Personen vermacht. Der Scherz konnte für sehr anmutig gelten, indem der Bezug der Legate auf die Legatarien teils Mängel, teils gesteigerte Vorzüge derselben andeutete, und ich schrieb dieses Gedicht unmittelbar in jener Voraussetzung. ­

31. Eine Gesellschaft versammelter Weimarischer Freunde hatte sich verabredet meinen Geburtstag zu feiern, und ich veranstaltete, als die Nachricht zu mir kam, dass die beiden Strophen gerade am Schluss des Festes zu dankbarer Erwiderung konnten vorgetragen werden. ­

32 - 37. Sind als Aufblicke von Galanterie, Neigung, Anhänglichkeit und Leidenschaft im Konflikt mit Weltleben udn täglicher Beschäftigung zu betrachten; wie denn der Liebende auch als Wetterbeobachter auftritt. ­

38. Dieses Gedicht, die Leiden einer bangenden Liebe ausdrückend, steht schon im vorigen Band an seinem gemütlichen Platze; hier durfte es nicht fehlen, weil es ursprünglich durch die hohe Kunst der Madame Szymanowska, der trefflichsten Pianospielerin, zu bedenklicher Zeit und Stunde aufgeregt und ihr ursprünglich übergeben wurde. ­

39. Frau Hofmarschall von Spiegel hatte mir ein neues Album im Jahre 1821 übergeben; es war mir im Augenblick nicht möglich etwas Gehöriges zu finden, ich behielt mir ein paar weiße Seiten vor. Ende Februar 1824 erbat ich mir das Album wieder und schrieb jenes Gedicht hinein. Die zwei mittleren Stanzen wird man in dem Maskenzuge "die romantische Poesie" wiederfinden, wo gedachte Dame als Prinzessin von Byzanz mit König Rother im Glanze der Schönheit und Majestät auftrat. Schade dass solche Erscheinungen nicht festgehalten, ja nicht einmal, wie gute Theaterstücke, wiederholt werden können. ­

40. Der zierlichsten aus den Wellen gebornen Undine auf einem Maskenballe durch einen neckischen Unterhändler zugebracht. ­

41. Ein vorzügliches Blumengemälde in dem reichsten Goldrahmen an passender Stelle geziemend dargebracht. ­

42. Dieses Gedicht begleitete einen geschlungenen Lorbeer- und Myrtenkranz zum Symbol eines wie Hatem und Suleika in Liebe und Dichtung wetteifernden Paares. ­

43. Aufruf im Frühling an Gesunde und Genesende. ­

44. An Julie Gräfin Egloffstein, die ein seltenes Talent zur bildenden Kunst mit manchem andern und überdies persönlichen Eigenschaften verbindet, welche allein hinreichend wären sie als höchst vorzüglich in der Welt auftreten zu lassen. Dieses Gedicht war veranlasst durch unverwelkliche Blumen von ausgezeichneter Schönheit. ­

45. Derselben auf die Reise mitgegeben, die sie in einigem Zwiespalt zwischen sich und eifrig beratenden Freunden antrat, welche besonders wegen Anwendung ihres schönen Talents nicht einig werden konnten. ­

46. Eben dieselbe hatte sich zu einem Aufenthalt in Dresden entschlossen, wo sie die eigentlichste Fördernis ihrer Bemühungen finden konnte. ­

47. Dieselbe hatte sich nun aus dem kleinen Format in größeres erhoben, worin es ihr ebenfalls nach Wunsch glückte. ­

48. Zum Abschluss eines voll geschriebenen und voll gezeichneten Albums. ­

49. Herrn Kanzler von Müller hatte ich das vorige Jahr ein vollständiges Exemplar meiner Werke zum Geburtstage überreicht, ungebunden und ungeschmückt. Derselbe gab mir ein Jahr darauf den ersten Band zurück und Gelegenheit mich an demselben Tage nachträglich einzuzeichnen. ­

50. Thaers Jubelfest, bei welchem ich, ob schon abwesend, meinen aufrichtigen Anteil dem würdigen Manne zu beweisen nicht verfehlen wollte. Es ward von Zelter komponiert und von ihm an Ort und Stelle selbst ausgeführt. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass an einen so geistverwandten und Herz verbundenen Freund wie Zelter kein besonderes Gedicht in dieser ganzen Sammlung sich vorfindet. Es kommt aber daher, dass alles Lyrische, was ich seit dreißig Jahren gedichtet, als in seinem Sinne verfasst ihm zu eigentlicher musikalischer Belebung gesendet worden! ­

51. Mit diesem Gedicht suchte ich den vielfachen Ausdruck von Liebe und freundschaftlicher Neigung zur Feier meines siebzigsten Geburtstags nach allen Seiten hin dankbar zu erwidern. ­

52. Hierauf ließ der immer tätige und ergetzliche junge Freund Sulpiz Boisseré die zum Andenken auf einen mit Söhnen reich gesegneten Ritter Waldstein geschlagene Medaille in Kupfer stechen. Ich bediente mich dieser neuen Anregung, um jenen Dankesgruß zu wiederholen und zu vermannigfaltigen. Dies geschah denn auch im gegenwärtigen Gedicht. Es ward mit dem vorigen allgemeinen, nebst beigefügter Medaillen-Abbildung, als wahrer, heitrer Ausdruck von Teilnahme, einem liebenswürdigen Gliede der gleichfalls zahlreich ausgebreiteten Familien überreicht. ­

53. An meinen alten weimarischen Urfreund, Major von Knebel, gleichfalls von Zelter komponiert, um vierstimmig zum gefeierten Tage vorgetragen zu werden. ­

54. An dessen herangewachsenen Sohn, einige Jahre später. ­

55. Patengruß einem während der schweren Krankheit des Vaters sehnlichst erwarteten Ankömmling. ­

56. Einem Neugebornen, den die mineralogische Gesellschaft zu Jena nicht früh genug an sich heranziehen konnte. ­

57. Mit meinen kleinen Gedichten, wo sie sich auf manchem Blatt wie im Spiegel wieder finden konnte. ­

58 - 66. In Stammbücher, Zeichnungsmappen, Notenhefte und sonst eingeschrieben. Sie sind teils allgemein verständlich, oder auch im besondern leicht zu deuten. ­

67- 68. Zwei Exemplare der Wanderjahre hatten zwischen zwei Freundinnen gekreuzt und dadurch heitere Missverständnisse veranlasst, welche hier freundlich ausgesprochen werden. ­

69. An zwei hoffnungsvolle Knaben, welche, entzündet durch eifrige Geologen, sich leidenschaftlich ihnen zugesellten und im Aufspüren von merkwürdigen Gebirg- und Gangarten sich besonders tätig erwiesen. ­

70 - 72. Bei verschiedenen Gastmahlen. ­

73 - 74. Zwischen jene ausführlicheren Maskenzüge einzuschalten. ­

75 - 76. Bilderszenen, zu den so beleibten Darstellungen von Gemälden durch lebendige Personen. ­

77. Ein Bruchstück, das aber der Denkende anzuschließen wissen wird. ­

78 - 81. Grabschriften: Der Gatte der Gattin, der Vater dem Kinde; die Kinder dem Vater; letzteres für Kosegarten bestimmt und, wie ich vernehme, auf seinen Denkstein gesetzt; das Publikum dem Schauspieler, auf den guten alten Malkolmi gemeint. ­

82 - 96. Rhein und Main. Bei meinem Aufenthalt in jenen Gegenden wurden eine Menge kleinere Gedichte, teils in manches Album, meist unter landschaftliche Zeichnungen, ja manchmal als Besuch- und Abschiedskarten verteilt; von denen sich vorstehende, vielleicht hie und da rätselhafte, erhalten haben. Freunde werden sich deren gern erinnern, und so mögen sie denn auch hier eingeschlossen stehen. Zu bemerken ist bei Nr. 91, dass Herzog und Herzogin von Cumberland, Hoheiten, in der Nacht zum 16. August die Einsiedler am Flusse unverhofft besuchten. ­

97. Im Wandersinne zu einem alten Manuskript der heiligen drei Königs-Legende. ­

98. Der Worte, flüchtiger wie bleibender, Wert und Wirkung. ­

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