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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
44. NachtDinarsade, die nicht zweifelte, dass die Geschichte des zweiten Kalenders ihr eben so viel Vergnügen gewähren würde, als die des ersten, ermangelte nicht, die Sultanin vor Tages aufzuwecken und sie zu bitten, die versprochene Geschichte anzufangen. Scheherasade wandte sich sogleich zu dem Sultan, und sprach also: "Herr, die Geschichte des ersten Kalenders dünkte der ganzen Gesellschaft sehr seltsam, und vor allen dem Kalifen. die Gegenwart der Sklaven, mit ihren Säbeln in der Faust, hielt ihn nicht ab, ganz leise zu dem Wesir zu sagen: "So lange ich denken kann, habe ich wohl mancherlei Geschichten gehört, aber niemals habe ich etwas vernommen, das der Geschichte dieses Kalenders gleich käme." Während er also sprach, nahm der zweite Kalender das Wort, wandte sich zu Sobeïde, und sprach also: Geschichte des zweiten Kalenders und Königssohns"Gnädige Frau, um eurem Befehle zu gehorchen und euch zu berichten, durch welches seltsame Abenteuer ich auf dem rechten Auge blind geworden bin, muss ich euch meine ganze Lebensgeschichte erzählen. Ich war kaum aus den Kinderjahren, als der König, mein Vater, der in mir viel Geistesanlagen bemerken wollte, nichts sparte, sie auszubilden. Er versammelte um mich alles, was es in seinen Staaten an ausgezeichneten Männern in den Wissenschaften und den schönen Künsten gab. Ich konnte nicht sobald lesen und schreiben, als ich den ganzen Koran1) auswendig lernte, dieses bewundernswürdige Buch, welches die Grundlehren, die Gebete und Vorschriften unsers Glaubens enthält: und um ihn gründlich verstehen zu lernen, las ich die Werke der bewährtesten Schriftsteller, welche ihn durch ihre Auslegung erläutert haben. Ich verband damit die Kunde aller aus dem Munde unserer Propheten durch die großen Männer, ihre Zeitgenossen, gesammelten Überlieferungen. Ich begnügte mich nicht, alles zu erlernen, was unsern Glauben betrifft, ich betrieb auch mit besonderem Eifer unser Geschichte; ich vervollkommnete mich in den schönen Wissenschaften, der Lesung unserer Dichter, und der Verskunst; ich befliss mich der Erdbeschreibung, Zeitkunde, und der Reinheit unserer Sprache, ohne bei alle dem eine der Übungen zu vernachlässigen, welche einem Prinzen geziemen. Aber was ich besonders liebte, und mir vorzüglich gelang, war, die Schriftzeichen unserer Arabischen Sprache zu bilden. Ich machte darin so große Fortschritte, dass ich die berühmtesten Schreibmeister unsers Königreichs übertraf. Das Gerücht tat mir mehr Ehre an, als ich verdiente. Es begnügte sich nicht, den Ruf von meinen Gaben in den Staaten des Königs, meines Vaters, auszustreuen, es verbreitete ihn sogar bis an den Hof von Indien, wo der mächtige König neugierig ward, mich zu sehen, und einen Gesandten mit reichen Geschenken schickte, um mich von meinem Vater zu erbitten. Dieser war über diese Gesandtschaft aus mehreren Gründen sehr erfreut. Er war überzeugt, dass einem Prinzen meines Alters nicht angemessener wäre, als, die auswärtigen Höfe zu bereisen; und zugleich war er froh, sich die Freundschaft des Sultans von Indien zu erwerben. Ich reiste also mit dem Gesandten, aber nur mit kleinem Gefolge, wegen der Länge und Beschaffenheit des Weges. Wir waren schon einen Monat unterwegs, als wir von fern eine dicke Staubwolke erblickten, aus welcher wir bald fünfzig wohl bewaffnete Reiter hervortreten sahen. Es waren Räuber, welche in vollem Galopp auf uns zu sprengten. Scheherasade bemerkte bei dieser Stelle den Tag, und erinnerte den Sultan daran. Dieser stand auf; aber neugierig, zu wissen, was zwischen den fünfzig Reitern und dem Gesandten von Indien vorgehen würde, erwartete er mit Ungeduld die folgende Nacht. 1)
Der Koran, von den Arabern alkuran ulasym, auch asscheryl, die here Lesung
genannt, ist von Abu-bekr, dem Nachfolger Mohameds, verfasst nach den
Aussprüchen, welche er von dem Propheten gehört hatte. |
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