Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
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163. Nacht

Nachdem die alte Frau dies gesagt hatte, hielt sie inne, um eine Antwort abzuwarten, aber obgleich ihre Worte auf mich einen großen Eindruck gemacht hatten, so wagte ich es doch nicht, ihr den Grund meines Herzens aufzudecken. Ich wandte mich nur nach ihrer Seite und seufzte tief, ohne ihr etwas zu sagen. "Ist es die Scham," versetzte sie, "die euch hindert, mit mir zu sprechen, oder fehlt es euch an Vertrauen? Zweifelt ihr an der Erfüllung meines Versprechens? Ich könnte euch eine Anzahl von jungen Leuten aus eurer Bekanntschaft anführen, welche eben solches Leid fühlten, wie ihr, und denen ich geholfen habe."

Kurz, die gute Alte sagte mir noch so viel andere Dinge, dass ich mein Stillschweigen brach, ihr mein Leid anvertraute, ihr den Ort bezeichnete, wo ich die Ursache meines Übels gesehen hatte, und ihr alle Umstände meines Abenteuers erzählte. "Wenn es euch gelingt," sagte ich zu ihr, "und ihr mir das Glück verschafft, diese bezaubernde Schönheit zu sehen und ihr von meiner glühenden Leidenschaft für sie sagen zu können, so könnt ihr auf meine Erkenntlichkeit zählen." - "Mein Sohn," erwiderte die Alte, "ich kenne die Person, die ihr meint. Sie ist, wie ihr ganz richtig geschlossen habt, die Tochter des ersten Kadis in dieser Stadt. Ich wundere mich nicht, dass ihr sie liebt, sie ist die schönste und liebenswürdigste Jungfrau in Bagdad, aber es verdrießt mich, dass sie sehr stolz und unzugänglich ist. Ihr wisst, wie streng unsere Gerichtspersonen auf die Beobachtung der harten Gesetzte halten, welche den Frauen so lästigen Zwang auferlegen. Sie selbst beobachten sie noch strenger in ihren eigenen Häusern, und der Kadi, den ihr gesehen habt, hält noch viel schärfer darauf, als alle die anderen zusammengenommen. Da sie ihren Töchtern immer vorpredigen, dass es ein großes Verbrechen sei, sich den Männern zu zeigen, so sind diese größtenteils so vollkommen davon überzeugt, dass sie auf den Straßen nur Augen haben, um auf ihren Weg zu sehen, wenn die Notwendigkeit sie zum Ausgehen zwingt. Ich will nicht geradezu behaupten, dass die Tochter des ersten Kadis auch so gesonnen sei, aber das hindert mich nicht, zu fürchten, dass in Hinsicht ihrer eben so große Schwierigkeiten zu überwinden sind, als in Hinsicht ihres Vaters. Wollte Gott, ihr liebtet ein anderes Fräulein, ich würde dann nicht so viele Schwierigkeiten finden, als ich hier voraussehe. Ich werde jedoch mein ganzes Geschick anwenden, aber es wird Zeit kosten, bis wir zum Ziel gelangen. Fasst jedoch Mut, und vertraut mir!"

Die Alte verließ mich, und durch die lebhafte Vorstellung aller der Schwierigkeiten, von welchen sie mir vorgeredet hatte, und durch die daraus hervorgehende Furcht, dass ihr Unternehmen nicht gelingen würde, verschlimmerte sich mein Übel.

Sie kam am nächsten Tag wieder, und ich las auf ihrem Gesicht, dass sie mir nichts günstiges zu melden hatte. Auch sagte sie mir in der Tat: "Mein Sohn, ich habe mich nicht betrogen, ich habe noch etwas anderes zu überwinden, als die Wachsamkeit eines Vaters. Ihr liebt einen unempfindlichen Gegenstand, der sich darin gefällt, allen, die sich von ihm bezaubern lassen, eine glühende Liebe einzuflößen. Sie hat mich mit Vergnügen angehört, so lange ich nur von dem Übel erzählt habe, welches sie euch verursacht hat. So wie ich aber nur den Mund geöffnet habe, um sie zu bewegen, dass sie euch erlauben sollte, sie zu besuchen und zu sprechen, hat sie mir einen schrecklichen Blick zugeworfen und gesagt: "Ihr seid sehr dreist, mir solch einen Antrag zu machen, und ich verbiete euch, mich jemals wieder zu sehen, wenn ihr solche Reden führen wollt."

"Lasst euch dadurch nicht betrüben," fuhr die Alte fort, "ich bin so leicht nicht abzuweisen, und wenn ihr nur nicht die Geduld verliert, so hoffe ich doch noch zum Ziel zu kommen."

Um meine Erzählung abzukürzen," fügte der junge Mann hinzu, "will ich euch nur sagen, dass diese gute Unterhändlerin bei der stolzen Feindin meiner Ruhe noch mehrere unnütze Versuche zu meinen Gunsten machte. Der Kummer, welchen ich darüber empfand, trieb mein Übel auf eine Höhe, dass die Ärzte mich gänzlich aufgaben. Ich wurde schon wie ein Sterbender angesehen, als die Alte kam, um mir das Leben wiederzugeben.

Damit niemand es hörte, sagte sie mir ins Ohr: "Denkt auf das Geschenk, welches ihr mir für die gute Nachricht, die ich euch bringe, zu machen habt." Diese Worte brachten eine wunderbare Wirkung hervor, ich erhob mich auf meinem Sitz und erwiderte ihr mit Entzücken: "Am Geschenk soll's nicht fehlen. Was habt ihr mir zu sagen?" - "Mein lieber Herr," versetzte sie, "ihr werdet nicht daran sterben, und ich werde bald das Vergnügen haben, euch in vollkommener Gesundheit und sehr zufrieden mit mir zu sehen. Gestern, Montags, ging ich zu dem Fräulein, welches ihr liebt, und fand sie bei guter Laune. Ich machte ein trauriges Gesicht, stieß im Überfluss tiefe Seufzer aus und ließ einige Tränen fließen. "Meine gute Mutter," sagte sie zu mir, "was habt ihr, warum scheint ihr so betrübt?" - "Ach, mein liebes und verehrungswürdiges Fräulein," antwortete ich ihr, "ich komme von dem jungen Herrn, von welchem ich neulich mit euch sprach: Mit dem ist's vorbei. Er wird aus Liebe zu euch das Leben verlieren. Es ist sehr Schade um ihn, das versichere ich euch, und ihr seid wirklich sehr grausam gegen ihn." - "Ich weiß nicht," erwiderte sie, "warum ihr mich zur Ursache seines Todes machen wollt! Wie kann ich dazu beigetragen haben?" - "Wie?", versetzte ich, "habe ich euch denn nicht neulich gesagt, dass er eurem Fenster gegenüber saß, als ihr es öffnetet, um eure Blumen zu begießen? Er sah dieses Wunder von Schönheit, diese Reize, die euer Spiegel euch täglich zeigt: Seit diesem Augenblick verschmachtet er, und sein Übel hat sich so verschlimmert, dass er sich im kläglichsten Zustand befindet.

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