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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 156. 157. 158. 159. 160. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. 169. 170. 171. 172. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
164. Nacht"Ihr erinnert euch wohl, wertes Fräulein, wie streng ihr mich kürzlich behandeltet, als ich euch von seiner Krankheit erzählen und euch ein Mittel vorschlagen wollte, ihn aus der Gefahr, in welcher er sich befand, zu retten. Ich kehrte, nachdem ich euch verlassen hatte, zu ihm zurück, und er bemerkte kaum, als er mich erblickte, dass ich ihm keine günstige Antwort brachte, als sein Übel sich verdoppelte. Seit dieser Zeit ist er dem Tod nahe, und ich weiß nicht, ob ihr ihm noch, wenn ihr euch seiner erbarmt, das Leben retten könnt." "So sprach ich zu ihr," fügte die Alte hinzu. "Die Furcht vor eurem Tod erschütterte sie, und ich sah, wie ihr Gesicht die Farben wechselte." - "Ist das," sagte sie, "was ihr mir erzählt, auch gewiss wahr? Und ist er wirklich nur aus Liebe zu mir so krank?" - "Ach, edle Frau, das ist nur zu wahr! Wollte Gott, dass es falsch wäre!" - "Und glaubt ihr," versetzte sie, "dass die Hoffnung mich zu sehen und mit mir zu sprechen, dazu beitragen könnte, ihn seiner jetzigen Gefahr zu entreißen?" - "Das ist wohl noch möglich," sagte ich zu ihr, "und wenn ihr es mir befehlt, so werde ich dieses Mittel versuchen." - "Nun wohlan," erwiderte sie seufzend, "macht ihm also Hoffnung, mich zu sehen, aber er erwarte keine andere Gunst von mir, am wenigsten trachte er danach, mich zu heiraten, und dass mein Vater in unsere Heirat willige." - "Meine Gnädige," rief ich aus, "ihr seid sehr gütig. Ich werde zu dem jungen Herrn gehen, und ihm sagen, dass er das Vergnügen haben wird, euch zu sprechen." - "Ich weiß," sagte sie, "keine bequeme Zeit, ihm diese Gunst zu erweisen, als nächsten Freitag1), während des Mittagsgebetes. Er soll aufpassen, bis mein Vater sich in die Moschee begibt, und, wenn er sich wohl genug befindet, sich an der Haustüre zeigen. Aus meinem Fenster werde ich ihn kommen sehen und herunter kommen, um ihm aufzumachen. Wir können uns während der Dauer des Gebetes unterreden, und er muss sich vor der Rückkehr meines Vaters entfernen." "Heute," fuhr die Alte fort, "ist Dienstag. Ihr könnt euch bis Freitag erholen, und euch zu dieser Zusammenkunft anschicken." Je mehr die gute Alte sprach, je mehr fühlte ich, dass mein Übel sich minderte, und am Ende ihrer Worte fühlte ich mich geheilt. "Nehmt," sagte ich zu ihr, indem ich ihr einen ganz vollen Beutel gab: "Euch allein verdanke ich meine Heilung, und ich halte dieses Geld für besser angewendet, als das, was ich den Ärzten gab, die mich in meiner Krankheit nur gequält haben." Als die Alte mich verlassen hatte, fühlte ich mich kräftig genug, um aufzustehen. Meine Verwandten, die höchst erfreut waren, mich so wohl zu sehen, wünschten mir Glück dazu, und entfernten sich. Freitag früh kam die Alte, als ich mich eben anzog, und das schönste Kleid aus meinem Vorrat wählte. "Ich frage euch nicht," sagte sie, "wie ihr euch befindet, das, womit ich euch beschäftigt sehe, gibt mir deutlich genug zu erkennen, was ich davon denken soll. Aber werdet ihr euch nicht baden, ehe ihr zu dem ersten Kadi geht?" - "Das würde," erwiderte ich, "zu viel Zeit erfordern. Ich werde mich damit begnügen, einen Barbier kommen und mir Kopf und Bart scheren zu lassen." Sogleich befahl ich einem meiner Sklaven, mir einen geschickten und schnellen Barbier zu holen. Der Sklave brachte mir hier diesen unglücklichen Barbier, der, nachdem er mich gegrüßt hatte, zu mir sagte: "Herr, nach eurem Gesicht zu urteilen, befindet ihr euch nicht wohl." Ich sagte ihm, dass ich eben erst von einer Krankheit genesen wäre. "Ich wünsche," versetzte er, "dass Gott euch von allen Arten von Übeln befreien, und seine Gnade euch immer und überall begleiten möge." - "Ich hoffe," entgegnete ich ihm, "dass er euren Wunsch, für welchen ich euch schönstens danke, erhören wird." - "Weil ihr eben erst von einer Krankheit genesen seid, so bitte ich Gott, dass er euch bei guter Gesundheit erhalte. Sagt mir jetzt nur, was ich bei euch soll. Ich habe mein Schermesser und meine Lanzetten mitgebracht: Soll ich euch barbieren oder Blut lassen?" - "Ich habe euch," erwiderte ich, "gesagt, dass ich soeben erst genesen bin, und ihr könnt euch wohl denken, dass ich euch nur des Barbierens wegen habe kommen lassen: Sputet euch, und lasst uns keine Zeit mit Schwatzen verlieren, denn ich habe es eilig, und werde zur Mittagsstunde pünktlich erwartet." 1) Der Freitag ist der Feiertag der Muselmänner. An diesem Tag dürfen die Gläubigen die gemeinschaftlichen Gebete in der Moschee nicht versäumen. |
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