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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. 169. 170. 171. 172. 173. 174. 175. 176. 177. 178. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
170. NachtDa ich alles gehört hatte, was der Barbier zu dem Kadi sagte, so suchte ich einen Ort, um mich zu verbergen. Ich fand keinen anderen, als eine große Kiste, in welche ich mich warf, und welche ich sodann zumachte. Nachdem der Barbier überall herumgeschnüffelt hatte, kam er auch in das Zimmer, in welchem ich mich befand. Er nahte sich der Kiste, öffnete sie, hob sie, sobald er mich erblickt hatte, auf seinen Kopf, und trug mich von dannen. Er stieg eine sehr hohe Treppe hinunter in einen Hof, durch welchen er schnell hindurchging und endlich die Türe, welche auf die Straße führte, erreichte. Während er mich so trug, öffnete sich unglücklicherweise die Kiste, und da ich nun die Schmach nicht erdulden konnte, mich den Blicken und dem Gespötte des Pöbels, welcher uns nachlief, ausgesetzt zu sehen, so sprang ich mit solcher Eile auf die Straße, dass ich mir das Bein bedeutend verletzte, und seitdem immer lahm geblieben bin. Ich fühlte mein ganzes Übel nicht sogleich, und stand auf, um mich dem Gelächter des Volkes durch eine schnelle Flucht zu entziehen. Ich warf sogar mit wollen Händen Silber und Gold aus, womit mein Beutel angefüllt war, und während das Volk es aufraffte, entwischte ich durch abgelegene Straßen. Aber der verdammte Barbier, der die List benutzte, deren ich mich bediente, um mich von der Menge loszumachen, folgte mir, ohne mich aus dem Gesicht zu verlieren, und rief mir aus Leibeskräften zu: "Haltet, Herr, warum lauft ihr denn so? Wüsstet ihr nur, wie betrübt ich über die schändliche Behandlung bin, die euch der Kadi hat widerfahren lassen, euch, der ihr so großmütig seid, und dem ich und meine Freunde so vielen Dank schuldig sind! Hab' ich's euch nicht gesagt, dass ihr durch eure Halsstarrigkeit, mich nicht mit euch nehmen zu wollen, euer Leben in Gefahr setztet? Da seht ihr nun, was euch durch eure Schuld begegnet ist, und wenn ich nicht darauf beharrt wäre, euch zu folgen, wo ihr auch hingingt, was würde aus euch geworden sein? Aber wohin geht ihr denn, Herr? Wartet doch auf mich." So redete der unselige Barbier ganz laut auf der Straße. Er begnügte sich nicht damit, in dem Viertel des Kadi's einen solchen Lärm veranlasst zu haben, die ganze Stadt sollte davon erfahren. Wütend, wie ich war, hatte ich Luft, ihn zu erwarten, um ihn zu erdrosseln, aber ich würde dadurch meinen Zustand nur noch auffallender gemacht haben. Ich ergriff ein anderes Teil, da ich sah, dass sein rufen mich zum Schauspiel einer großen Menge von Leuten machte, welche an den Türen und Fenstern erschienen, oder auf den Straßen stehen blieben: Ich ging in einen Khan, dessen Aufseher ich kannte. Ich fand ihn an der Türe, wohin der Lärm ihn gelockt hatte. "Ich bitte euch um Gotteswillen," sagte ich zu ihm, "verhindert diesen Rasenden, mir in den Khan zu folgen." Er versprach mir's und hielt Wort, aber nicht ohne Mühe, denn der starrköpfige Barbier wollte trotz seiner Abwehr eindringen, entfernte sich erst, nachdem er ihm tausend Schimpfreden gesagt hatte, und hörte, auf dem Weg nach Hause, nicht auf, allen denen, welchen er begegnete, den großen Dienst, den er mir geleistet haben wollte, mit Übertreibungen zu erzählen. Auf diese Weise befreite ich mich von einem so beschwerlichen Menschen. Der Aufseher des Khans bat mich nun, ihm meine Geschichte zu erzählen. Ich tat es. Hierauf bat ich ihn meinerseits, mir bis zu meiner Genesung ein Zimmer zu vermieten. "Herr," sagte er zu mir, "würdet ihr in eurer Wohnung nicht mehr Bequemlichkeit haben?" - "Ich will nicht in meine Wohnung zurückkehren," erwiderte ich ihm, "dieser abscheuliche Barbier würde nicht unterlassen, mich dort aufzusuchen. Ich würde täglich von ihm belästigt werden, und mich endlich noch darüber zu Tode ärgern, dass ich ihn immer vor Augen hätte. Übrigens kann ich nach dem, was mir heute begegnet ist, mich nicht entschließen, länger in dieser Stadt zu bleiben. Ich will hingehen, wohin mein Geschick mich führen wird." Wirklich nahm ich, sobald ich genesen war, alles Geld, dessen ich zum Reisen zu bedürfen glaubte, und machte von meinem übrigen Vermögen eine Schenkung an meine Verwandten. Ich bin danach von Bagdad abgereist und hierher gekommen. Ich hatte Ursache, zu hoffen, dass ich diesen Unheil bringenden Barbier nicht in einem von meinem Vaterland so fernen Land wieder finden würde: Und doch finde ich ihn hier unter euch. Seid also über meinen Drang, mich zu entfernen, nicht verwundert. Ihr könnt euch wohl denken, was für Ärger mir der Anblick eines Menschen verursachen muss, der Schuld an meiner Lahmheit und an der traurigen Notwendigkeit ist, dass ich fern von meinen Verwandten, meinen Freunden und meinem Vaterland leben muss." Nach diesen Worten stand der junge Lahme auf, und ging fort. Der Herr vom Haus begleitete ihn bis an die Tür, indem er ihm sein Missvergnügen bezeigte, ihm, wider sein wissen, eine solche Unannehmlichkeit bereitet zu haben. "Als der junge Mann sich entfernt hatte," fuhr der Schneider fort, "waren wir alle über seine Geschichte sehr verwundert. Wir richteten unsere Blicke auf den Barbier, und sagten ihm, dass er Unrecht hätte, wenn das, was wir eben gehört hätten, wahr wäre. "Meine Herren," erwiderte er uns, indem er sein Haupt erhub, welches er bis dahin immer gesenkt hielt, "das Stillschweigen, welches ich beobachtet habe, so lange der junge Mann mit euch gesprochen hat, beweist euch hinlänglich, dass er nichts von mir erzählt hat, was ich nicht eingestehe. Was er euch aber auch gesagt hat, ich behaupte dennoch, dass ich tun musste, was ich getan habe. Ihr mögt selbst darüber richten. Hatte er sich nicht in die Gefahr begeben, und wäre er ihr, ohne meinen Beistand, so glücklich entgangen? Er hat wohl von Glück zu sagen, dass er mit einer so leichten Verwundung weggekommen ist. Habe ich mich nicht einer größeren Gefahr ausgesetzt, um ihn aus einem Haus zu schaffen, in welchem ich ihn misshandelt glaubte? Hat er also Ursache, sich über mich zu beklagen, und mir so abscheuliche Beleidigungen zu sagen? Das hat man davon, wenn man undankbaren Leuten dient. Er beschuldigt mich, ein Schwätzer zu sein, das ist eine bloße Verleumdung: Von sieben Brüdern, die wir waren, bin ich derjenige, welcher am wenigsten spricht und den meisten Verstand besitzt. Um euch davon zu überzeugen, meine Herren, brauche ich euch nur meine und ihre Geschichte zu erzählen. Gönnt mir, ich bitte euch, eure Aufmerksamkeit. Geschichte des Barbiers"Unter der Regierung des Mostanser Billah1), eines Fürsten, der durch seine Freigebigkeit gegen die Armen so berühmt geworden, machten zehn Räuber die Straßen um Bagdad unsicher. Der Kalif ließ einige Tage vor dem Baïramfest den Polizeirichter kommen, und befahl ihm bei Lebensstrafe, sie ihm alle zehn herbeizuschaffen ..." Scheherasade hörte bei dieser Stelle auf, um dem Sultan von Indien anzuzeigen, dass der Tag bereits anbreche. Der Sultan stand auf, und in der folgenden Nacht nahm die Sultanin ihre Erzählung wieder folgendermaßen auf: 1) Der sechsunddreißigste Kalif aus dem Haus der Abassiden, um das Jahr 623 d.H. (1226 nach Chr.). |
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