Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
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176. Nacht

"Jetzt bleibt dir," fügte die Alte hinzu, "nur noch eine einzige Sache zu tun übrig, und dies ist eine bloße Kleinigkeit. Du musst wissen, dass meine Gebieterin, wenn sie, wie heute, etwas getrunken hat, keinen von allen denen, die sie liebt, sich nahe kommen lässt, außer wenn er nackend und im Hemd ist. Wenn sie dann in diesem Zustand sich befinden, so nimmt sie einen kleinen Vorsprung, und läuft vor ihnen her, die Galerie entlang und von Zimmer zu Zimmer, bis sie sie eingeholt haben. Dies ist nun einmal eine von ihren seltsamen Grillen. Indes, welchen Vorsprung sie auch immer nehmen mag, du wirst sie bei deiner Leichtigkeit und Behändigkeit schnell erhascht haben. Entkleide dich also nur ohne weiter Umstände bis aufs Hemd."

Mein guter Bruder hatte schon zu viele Schritte vorwärts getan, als dass er jetzt noch hätte zurückgehen können. Er kleidete sich also aus, und unterdessen ließ sich die junge Schöne ebenfalls ihr Kleid ausziehen und blieb in ihrem Unterröckchen, um desto leichter laufen zu können. Als sie alle beide so weit waren, um ihren Lauf beginnen zu könne, nahm die schöne junge Frau einen Vorsprung von etwas zwanzig Schritten, und fing an mit einer erstaunlichen Schnelligkeit zu laufen. Mein Bruder folgte ihr aus Leibeskräften, nicht ohne das Gelächter aller Sklavinnen, die in die Hände klatschten. Die junge Schöne, anstatt allmählich von ihrem anfänglichen Vorteil einzubüßen, gewann einen immer größeren Vorsprung vor meinem Bruder. Sie ließ ihn zwei bis dreimal um die Galerie die Runde machen, und schlug dann einen langen dunklen Baumgang ein, aus welchem sie durch einen geheimen Ausweg entschlüpfte. Alhedar, der ihr immerfort folgte, hatte sie in der Baumallee aus dem Gesicht verloren, und musste wegen der darin herrschenden Dunkelheit etwas langsamer laufen. Endlich erblickte er ein Licht. Als er seinen Lauf danach hinlenkte, kam er plötzlich durch eine Türe, die sogleich hinter ihm verschlossen wurde. Man denke sich sein Erstaunen, als er sich mitten auf einer Straße befand, wo Ledergerber wohnten. Diese waren ihrerseits nicht minder erstaunt, ihn so im Hemd, mit rot geschminkten Augen, ohne Bart und Knebelbart zu erblicken. Sie fingen an in die Hände zu klatschen, ihn auszupfeifen. Einige liefen hinter ihm her, und hieben ihn mit Fellen auf den Hintern. Sie hielten ihn sogar an, setzten ihn auf einen Esel, dem sie zufällig begegneten, und führten ihn zur großen Kurzweil des Pöbels durch die Stadt.

Zum Übermaß seines Unglücks musste er zufällig vor dem Haus des Polizeirichters vorbeikommen, welcher die Ursache dieses Auflaufs zu wissen verlangte. Die Ledergerber sagten ihm, sie hätten meinen Bruder in dem Zustand, worin er sich eben befand, aus einer Tür des Frauenhauses des Großwesirs nach der Straße herauskommen gesehen. Der Polizeirichter ließ deshalb dem unglücklichen Alhedar hundert Stockschläge auf die Fußsohlen geben, ihn aus der Stadt führen, und ihm verbieten, sich je wieder darin blicken zu lassen.

Dies, o Beherrscher der Gläubigen," sagte ich zu dem Kalifen Mostanser Billah, "ist das Abenteuer meines zweiten Bruders, welches ich Euer Majestät erzählen wollte. Er wusste nicht, dass die Frauen unserer großen Herren sich bisweilen damit belustigen, Streiche der Art jungen Leuten zu spielen, welche einfältig genug sind, um in diese Schlingen einzugehen ..."

Scheherasade war genötigt, bei dieser Stelle inne zu halten, weil sie den Tag anbrechen sah. Die folgende Nacht nahm sie ihre Erzählung wieder auf und sagte dem Sultan von Indien:

Ü   Þ

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