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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 177. 178. 179. 180. 181. 182. 183. 184. 185. 186. 187. 188. 189. 190. 191. 192. 193. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
185. NachtNachdem der Barmekide von seiner Bäckerin gesprochen und ihr schönes Brot belobt hatte, welches mein Bruder bloß in der Einbildung speiste, rief er: "Bursche, bringe uns eine andere Schüssel! Mein wackerer Gast," fuhr er hierauf zu meinem Bruder fort, obwohl kein Bursche sich sehen ließ, "koste jetzt von diesem neuen Speisen und sage mir, ob du jemals Hammelfleisch mit geschältem Korn gegessen hast, welches besser zugerichtet gewesen wäre, als dies hier?" - "Es ist ganz bewunderungswürdig schön," antwortete mein Bruder, "ich lasse es mir auch ganz gehörig schmecken." - "Das ist mir sehr angenehm," erwiderte der Barmekide. "Ich beschwöre dich bei dem Vergnügen, welches ich daran habe, dich so fröhlich essen zu sehen, dass du nichts von diesen Speisen übrig lassest, da du sie so ganz nach deinem Geschmack findest." Bald darauf verlangte er eine Gans mit süßer Brühe, aus Weinessig, Honig, Rosinen, Kichererbsen und trockenen Feigen bereitet, die ihm denn auch eben so wie die Schüssel mit Hammelfleisch gebracht wurde. "Die Gans ist sehr fett", sagte der Barmekide, "iss davon bloß einen Schenkel und einen Flügel. Du musst dir schon noch etwas Appetit übrig lassen, denn es kommen noch verschiedene andere Sachen." Auch ließ er wirklich noch verschiedene andere Schüsseln mit allerlei Gerichten bringen, die mein Bruder, der vor Hunger fast starb, mitzuspeisen sich stellte. Aber was der Wirt mehr als alles übrige pries, war ein mit Pistazien gefüttertes Lämmchen, welches er sich geben ließ, und welches so wie die übrigen Gerichte aufgetragen wurde. "Ach, ein solches Gericht wie dieses," sagte der Barmekide, "kann man sonst nirgends als bei mir speisen. Ich wünsche daher, dass du dich recht satt daran essen magst." Indem er dies sagte, tat er, als hätte er ein Stück in der Hand, näherte es dem Mund meines Bruders, und sagte: "Da nimm und schlucke es hinunter. Du wirst bald sehen, ob ich Unrecht hatte, wenn ich dir dies Gericht heraus pries." Mein Bruder streckte den Kopf vorwärts, öffnete den Mund, und stellte sich, als nähme er das Stück, kaute es und schluckte es mit unbeschreiblichem Vergnügen hinunter. "Ich wusste schon," sagte der Barmekide, "dass du es sehr gut finden würdest." - "Es gibt auf der Welt keine auserlesenere Speise," erwiderte mein Bruder. "Ganz offen gesprochen, der Tisch, den ihr führt, ist etwas ganz köstliches." - "Man bringe jetzt das Ragout!", rief der Barmekide. "Ich denke, du wirst damit nicht minder zufrieden sein, als mit dem Lämmchen. Nun, was meinst du dazu?" - "Oh, es ist wunderschön!", erwiderte Schakaïk. "Man schmeckt darin zugleich den Ambra, die Gewürznelken, die Muskatnüsse, den Ingwer, den Pfeffer und die wohl riechendsten Kräuter, und alle diese Gewürze sind in so gehörigem Maße angewendet, dass man eines neben dem anderen immer noch hervorschmeckt. Welcher Wohlgeschmack!" - "Drum lange zu und iss," antwortete der Barmekide, "ich bitte dich darum. He da, Bursche," fügte er mit lauter Stimme hinzu, "man bringe uns noch ein neues Ragout." - "Ach, nein, wenn ihr es erlaubt!", unterbrach ihn mein Bruder. "In der Tat, Herr, es ist nicht möglich, dass ich noch mehr esse. Ich kann nicht mehr." "Man trage also das Essen ab," rief nunmehr der Barmekide, "und bringe die Früchte!" Er wartete einen Augenblick, gleichsam um der Dienerschaft Zeit zu lassen, die Tafel abzuräumen, dann fuhr er fort: "Koste doch von diesen Mandeln. Sie sind gut und frisch gepflügt." Sie taten nun beide so, als ob sie die Mandeln ausschälten und äßen. Hierauf lud der Barmekide meinen Bruder ein, auch von dem übrigen zuzulangen, und sagte zu ihm: "Da sind noch verschiedene Arten von Früchten, Kuchen, trockenem Konfekt und Eingemachtem. Wähle dir nach Belieben davon aus." Sodann streckte er die Hand aus, als ob er ihm etwas überreichte, und sagte: "Da, nimm dies wohlschmeckende Täfelchen, das dir die Verdauung befördern wird." Schakaïk stellte sich, als nähme und äße er, und sagte hernach: "Herr, der Bisam ist darin nicht geschont." - "Diese Art Täfelchen," erwiderte der Barmekide, "wird bei mir im Haus zubereitet, und es wird darin, so wie bei allem übrigen, was bei mir bereitet wird, freilich nichts gespart." Er forderte jetzt meinen Bruder nochmals auf, zu essen, und äußerte: "Für einen Mann, der bei seinem Eintritt bei mir noch ganz nüchtern war, scheinst du mir eben nicht viel gegessen zu haben." - "Herr," antwortete mein Bruder, dem von dem Kauen bei leeren Munde schon die Kinnbacken wehtaten, "ich versichere euch, das ich so voll bin, dass ich auch nicht einen Bissen mehr zu essen im Stande wäre." "Lieber Gast," fuhr jetzt der Barmekide fort, "nachdem wir so gut gegessen haben, müssen wir auch etwas trinken."1) - "Herr," sagte mein Bruder zu ihm, "wenn ihr erlaubt, so werde ich keinen Wein trinken, denn er ist mir verboten." - "Ihr seid zu ängstlich," erwiderte der Barmekide, "macht es so wie ich." - "So werde ich denn bloß aus Höflichkeit mittrinken," antwortete Schakaïk. "Ihr wollt, wie ich sehe, dass bei eurem Gastmahl nichts fehlen soll. Allein, da ich an das Weintrinken nicht gewöhnt bin, so fürchte ich, irgend einen Fehler gegen den Wohlstand und gegen die euch schuldige Ehrerbietung zu begehen. Ich bitte euch daher nochmals, mir das Weintrinken zu erlassen, ich werde mich damit begnügen, Wasser zu trinken." - "Nein, nein," sagte der Barmekide, "du wirst Wein trinken." Zugleich befahl er, welchen zu bringen, aber der Wein war ebenso wenig wirklich, als früher das Fleisch und die Früchte. Er tat, als schenkte er sich Wein ein und tränke zuerst, dann tat er, als ob er auch meinem Bruder zu trinken einschenkte und ihm das Glas darreichte: "Da, trinke auf meine Gesundheit," sagte er zu ihm, "wir wollen doch einmal sehen, ob er dir schmecken wird." Mein Bruder stellte sich, als nähme er das Glas in die Hand, betrachtete es in der Nähe, um zu sehen, ob der Wein eine schöne Farbe habe, brachte es dann an die Nase, um den Duft des Weines einzuschlürfen, machte sodann mit dem Kopf eine tiefe Verbeugung gegen den Barmekiden, zum Zeichen, dass er sich die Freiheit nähme, seine Gesundheit zu trinken, und tat dann, als tränke er, und zwar mit der Gebärde eines Mannes, dem der Wein sehr gut schmeckt. "Herr," sagte er hierauf zu ihm, "ich finde diesen Wein köstlich. Allein, wie es mir vorkommt, ist er nicht sehr stark." - "Wenn du stärkeren wünschst," sagte der Barmekide, "so darfst du es nur sagen. In meinem Keller habe ich mehrere Sorten. Sieh einmal zu, ob dir dieser hier behagt." Bei diesen Worten stellte er sich, als schenkte er zuerst sich selber, sodann meinem Bruder, anderen Wein ein. Er tat dies so oft, dass Schakaïk sich stellte, als steige ihm der Wein in den Kopf, und zuletzt sich berauscht stellend, schlug er den Barmekiden so derb an den Kopf, dass er ihn zu Boden warf. Er wollte ihm noch einen Schlag versetzen, aber der Barmekide hielt die Hand vor und rief ihm zu: "Bist du toll?" Da hielt mein Bruder ein, und sagte zu ihm: "Herr, ihr hattet die Güte euren Sklaven in eurem Hause aufzunehmen, und ihm einen großen Schmaus zu geben. Ihr hättet euch nun damit begnügen sollen, denn ich sagte euch voraus, dass ich leicht die Ehrerbietung gegen euch dabei verletzen könnte. Übrigens tut es mir selber leid, und ich bitte euch tausend Mal um Vergebung." Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als der Barmekide, anstatt in Zorn zu geraten, aus vollem Halse zu lachen anfing. "Schon lange," sagte er zu ihm, "suche ich einen Mann von eurem Charakter ..." "Jedoch, Herr," sagte Scheherasade zum Sultan von Indien, "ich habe gar nicht darauf Acht gegeben, dass es schon Tag ist." Schachriar stand sogleich auf. In der nächsten Nacht fuhr die Sultanin in ihrer Erzählung fort, wie folgt: 1) Die Morgenländer und besonders die Mohammedaner trinken immer erst nach der Mahlzeit. |
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