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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 233. 234. 235. 236. 237. 238. 239. 240. 241. 242. 243. 244. 245. 246. 247. 248. 249. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
241. NachtDer Prinz Assad in der Stadt der MagierDer Prinz Assad nahm Geld aus dem Beutel, welchen Amgiad trug, und setzte seinen Weg bis in die Stadt fort. Er hatte kaum einige Schritte in der ersten Straße getan, als er einen ehrwürdigen Greis antraf, der wohl gekleidet war, und ein Rohr in der Hand trug. Da er ihn unbedenklich für einen bedeutenden Mann hielt, der ihn nicht täuschen würde, so nahte er sich ihm, und redete ihn an, "Herr, ich bitte euch, mir den Weg nach dem öffentlichen Platze zu zeigen." Der Greis betrachtete den Prinzen lachend, und sagte zu ihm: "Mein Sohn, vermutlich bist du ein Fremder. Du würdest mir nicht diese Frage tun, wenn dem nicht so wäre." "Ja, Herr," antwortete Assad, "ich bin ein Fremder." "Sei willkommen," sagte der Greis hierauf. "Unser Land ist sehr geehrt, dass ein wohl gebildeter Jüngling, wie du, sich bemüht, es zu besuchen. Sage mir, was du auf dem öffentlichen Platze zu tun hast." "Herr," antwortete Assad, "es sind beinahe zwei Monate, dass ich mit meinem Bruder aus einem sehr weit von hier entlegenen Land abreiste. Während dieser Zeit sind wir unaufhörlich fortgewandert, und wir kommen eben heute erst an. mein Bruder, von der so langen Reise ermüdet, ist am Fuße des Berges geblieben, und ich komme, Lebensmittel für ihn und für mich zu holen." "Mein Sohn," sagte hierauf wieder der Greis, "du bist gerade zur gelegensten Zeit gekommen, und ich freue mich für dich und deinen Bruder darüber. Ich habe heute mehreren meiner Freunde ein großes Gastmahl gegeben, von welchem eine Menge Gerichte, noch unberührt, übrig geblieben sind. Komm mit mir, ich will dir davon zu essen geben. Wenn du gesättigt bist, will ich dir davon noch für dich und deinen Bruder auf mehrere Tage Vorrat geben. Du hast also nicht nötig, dein Geld auf dem Markt auszugeben: Reisende haben nie zu viel Geld. Zugleich kann ich dich, während du ißt, von den Besonderheiten unserer Stadt besser unterrichten, als irgend jemand. Ein Mann wie ich, der die höchsten Ämter mit Ehren bekleidet hat, muss sie wohl kennen. Du darfst dich auch wohl freuen, dass du dich eher an mich, als an jemand anders gewandt hast. Denn ich muss dir im Vorbeigehen sagen, dass nicht alle unsere Bürger so gesonnen sind, wie ich. Ich versichere dir, es gibt darunter recht boshafte. Komm also, ich will dich kennen lehren, welch ein Unterschied ist zwischen einem ehrlichen Mann, wie ich bin, und so vielen Leuten, die sich dessen rühmen, aber es nicht sind." "Ich bin euch unendlich verpflichtet," erwiderte der Prinz Assad, "für den guten Willen, welchen ihr mir bezeugt: Ich überlasse mich ganz euch, und bin bereit, euch zu folgen, wohin es euch beliebt." Der Greis, der nun mit Assad an seiner Seite weiter ging, lachte in seinen Bart, und aus Furcht, dass Assad es bemerkte, unterhielt er ihn von mancherlei Dingen, damit er die gute Meinung behielte, welche er von ihm gefasst hatte. "Man muss gestehen," sagte er zu ihm, "du hast großes Glück, dass du dich früher an mich, als an einen andern gewandt hast. Ich preise Gott dafür, dass du mir begegnet bist: Du wirst erfahren, warum ich dies sage, wenn du in mein Haus kommst." Der Greis erreichte endlich sein Haus, und führte Assad in einen großen Saal, wo er vierzig Greise sah, welche im Kreis um ein Feuer saßen, das sie anbeteten. Bei diesem Schauspiel empfand Assad nicht minder Abscheu vor dem Anblick so sinnloser Menschen, dass sie dem Geschöpf, anstatt dem Schöpfer selber, ihre Verehrung widmeten, als er von Schreck ergriffen wurde, so betrogen zu sein und sich an einem so scheußlichen Ort zu befinden. Während Assad noch erstarrt dastand, grüßte der arglistige Greis die vierzig Greise und sprach zu ihnen: "Andächtige Verehrer des Feuers, heute ist ein glücklicher Tag für uns. - wo ist Gasban?"1) setzte er hinzu, "man rufe ihn her." Auf diese laut genug ausgesprochene Worte erschien ein Schwarzer, der sie unter dem Saal gehört hatte. Kaum hatte dieser Schwarze, der Gasban war, den trostlosen Assad erblickt, so verstand er, weshalb er gerufen war. Er lief auf ihn zu, stürzte ihn durch eine Maulschelle zu Boden, und band ihm die Arme mit bewundernswürdiger Geschwindigkeit. Als er fertig war, befahl ihm der Greis: "Führ' ihn hinunter, und vergiss nicht, meinen Töchtern Bostane und Kavame2) zu sagen, dass sie ihm alle Tage tüchtig die Bastonade geben, dabei ein Brot am Morgen, und eins am Abend, zur ganzen Nahrung: Das reicht hin, um ihn am Leben zu erhalten, bis zur Abfahrt des Schiffes nach dem Blauen Meere und dem Feuer-Berge. Wir wollen ihn unserer Gottheit zum angenehmen Opfer bringen ..." Die Sultanin Scheherasade erzählte diese Nacht nicht weiter, weil der Tag schon anbrach. In der folgenden Nacht fuhr sie fort, und sprach zu dem Sultan von Indien: 1)
Gasban bedeutet der Gezwungene.
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