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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 336. 337. 338. 339. 340. 341. 342. 343. 344. 345. 346. 347. 348. 349. 350. 351. 352. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
344. NachtAladdin, welcher vorausgesehen hatte, was kommen könnte, war mit Tagesanbruch aufgestanden, und nachdem er sich eines seiner prächtigsten Kleider angelegt, war er in den Saal der vierundzwanzig Fenstern hinaufgegangen, von wo aus er den Sultan kommen sah. Er eilte hinunter, und kam gerade noch zu rechter Zeit, um ihn unten an der Haupttreppe zu empfangen und ihm vom Pferd herabsteigen zu helfen. "Aladdin," sagte der Sultan zu ihm, "ich kann mit dir kein Wort sprechen, bevor ich nicht meine Tochter gesehen und umarmt habe." Aladdin führte den Sultan nach den Zimmern der Prinzessin Badrulbudur, und diese, welche beim Aufstehen durch Aladdin erinnert worden war, dass sie sich nicht mehr in Afrika, sondern in China und in der Hauptstadt ihres Vaters und zwar dicht an seinem Palast befände, war soeben mit ihrem Ankleiden fertig. Der Sultan umarmte sie mehrere Mal, das Gesicht voll Freudentränen, und die Prinzessin gab ihm ihrerseits alle möglichen Beweise der Freude, die sie darüber empfand, ihn wieder zu sehen. Der Sultan war eine Weile völlig sprachlos vor Rührung, dass er seine geliebte Tochter, die er so lange als verloren beweint hatte, wieder gefunden habe, und die Prinzessin vergoss ihrerseits ebenfalls Tränen vor Freude, dass sie ihren Vater, den Sultan, wieder sah. Endlich nahm der Sultan das Wort und sagte: "Meine Tochter, ich muss annehmen, dass die Freude, dich wieder zu sehen, macht, dass du mir so wenig verändert vorkommst, als ob dir nichts unangenehmes begegnet wäre. Doch bin ich überzeugt, dass du viel ausgestanden haben magst. Man kann mit einem ganzen Palast so plötzlich, wie du, nicht leicht fortgebracht werden, ohne dass es dabei große Unruhe und schreckliche Angst geben sollte. Erzähle mir alles, und verhehle mir nichts. Die Prinzessin machte sich ein Vergnügen daraus, dem Sultan, ihrem Vater, dies Verlangen zu gewähren. "Euer Majestät," sagte sie, "wenn ich euch so wenig verändert vorkomme, so bitte ich euch, zu erwägen, dass ich bereits gestern ganz früh wieder aufzuleben anfing, durch die Gegenwart meines teuren Gemahls und Befreiers Aladdin, den ich bereits als für mich verloren betrachtet und beweint hatte, und dass das Glück, welches ich so eben gehabt, euch zu umarmen, mich ganz wieder in denselben Zustand versetzt, wie zuvor. Um es frei heraus zu sagen, - mein ganzes Leiden bestand darin, mich Euer Majestät und meinem teuren Gemahl entrissen zu sehen, und zwar nicht bloß hinsichtlich meiner Liebe zu meinem Gemahl, sondern auch in Besorgnis wegen der traurigen Ausbrüche des Zornes Euer Majestät, denen er, so unschuldig er war, ohne Zweifel ausgesetzt sein musste. Minder habe ich von der Unverschämtheit meines Entführers zu leiden gehabt, welcher gegen mich Reden führte, die mir nicht gefallen konnten. Doch wusste ich, vermöge des Übergewichts, das ich mir über ihn verschaffte, denselben ein Ziel zu setzen. Übrigens tat man mir so wenig Zwang an, als es in diesem Augenblick der Fall ist. Was aber meine Entführung anbetrifft, so hat Aladdin daran gar keinen Anteil, sondern ich bin die einzige, obwohl unschuldige, Ursache davon." Um den Sultan zu überzeugen, dass sie die Wahrheit rede, erzählte sie ihm umständlich, wie sich der afrikanische Zauberer in einen Lampenhändler verkleidet habe, um neue Lampen gegen alte einzutauschen, wie sie zur Kurzweil die Lampe Aladdins, deren geheime Kraft und Wichtigkeit sie nicht gekannt, gegen eine neue von ihm eingetauscht habe: Ferner, wie nach diesem Tausch sie und ihr Palast aufgehoben und nach Afrika versetzt worden sei, nebst dem afrikanischen Zauberer, welcher von zweien ihrer Dienerinnen und von dem Verschnittenen, welcher den Umtausch gemacht hatte, sogleich wieder erkannt worden sei, als er nach dem glücklichen Erfolg seines Unternehmens sich ihr das erste Mal vorzustellen und um ihre Hand anzuhalten wagte: Endlich, die Anfechtungen, die sie bis zu Aladdins Ankunft zu erleiden gehabt, welche Maßregeln sie gemeinschaftlich ergriffen hatten, um ihm die Lampe, welche er bei sich trug, zu entreißen: Wie ihnen dies geglückt sei, indem sie sich gegen ihn verstellt und ihn zum Abendessen auf ihr Zimmer geladen, und so fort, bis zum gemischten Becher, den sie ihm dargereicht hatte. "Was das übrige betrifft," fuhr sie fort, "so überlasse ich es meinem Gemahl, euch davon Rechenschaft abzulegen." Aladdin hatte nur weniges noch hinzuzufügen. "Als man mir," erzählte er weiter, "die verborgene Tür geöffnet hatte, und ich zum Saal von vierundzwanzig Fenster hinaufgestiegen war und den Verräter durch die Kraft des Pulvers tot auf dem Sofa liegen sah, so bat ich die Prinzessin, da ein längeres Verweilen ihr nicht wohl geziemt hätte, sich mit ihren Frauen und Verschnittenen nach ihrem Zimmer zu begeben. Ich bleib allein zurück, und nachdem ich dem Zauberer die Lampe aus dem Busen gezogen, bediente ich mich derselben geheimen Kraft, deren er sich bedient hatte, um diesen Palast nebst der Prinzessin zu entführen. Ich habe nun bewirkt, dass der Palast sich wieder an seiner Stelle befindet, und habe das Glück gehabt, Euer Majestät, wie mir befohlen, die Prinzessin wieder zuzuführen. Übrigens täusche ich Euer Majestät gewiss nicht, und wenn ihr euch bis in den Saal hinauf bemühen wollt, so werdet ihr sehen, wie der Zauberer nach Gebühr bestraft worden." Um sich ganz von der Wahrheit zu versichern, stand der Sultan auf und ging hinauf, und als er den afrikanischen Zauberer tot und im Gesicht ganz schwarzblau vom Gift daliegen gesehen hatte, umarmte der Aladdin sehr zärtlich und sagte zu ihm: "Mein Sohn, nimm mir die Maßregeln, die ich gegen dich ergriffen, nicht übel. Meine väterliche Liebe zwang mich dazu, und ich verdiene es, dass du mir diesen übereilen Schritt, zu welchem ich mich hinreißen ließ, verzeihst." - "Herr," erwiderte Aladdin, "ich habe nicht die mindeste Ursache, mich über das Verfahren Euer Majestät zu beklagen. Ihr tatet bloß, was ihr tun musstet. Dieser Zauberer, dieser Schändlichste, dieser Nichtswürdige war die einzige Ursache, dass ich in eure Ungnade fiel. Wenn Euer Majestät einmal Muße haben wird, so werde ich euch einen anderen boshaften Streich erzählen, den er mir gespielt hat, und der nicht minder schwarz ist, als dieser, vor welchem mich noch Gottes besondere Gnade behütet hat." - "Ich werde selber," erwiderte der Sultan, "dir eine gewisse Stunde dazu bestimmen, und das recht bald. Doch lass uns jetzt darauf denken, uns zu erholen, und lass diesen verhassten Gegenstand fortschaffen. Aladdin ließ den Leichnam des afrikanischen Zauberers hinweg nehmen und befahl, ihn auf den Schindanger zum Fraß für Tiere und Vögel hinzuwerfen. Der Sultan befahl unterdessen, durch Trommeln, Pauken, Trompeten und andere Instrumente ein Zeichen zur allgemeinen und öffentlichen Freude zu geben, und ließ zur Feier der Rückkehr der Prinzessin Badrulbudur und Aladdins ein zehntägiges Fest ankündigen. So entkam denn Aladdin zum zweiten Male einer fast unvermeidlichen Lebensgefahr. Aber es war noch nicht die letzte, sondern er kam noch zum dritten Male in eine solche, die wir hier umständlich erzählen wollen. Der afrikanische Zauberer hatte noch einen jüngeren Bruder, der in der Zauberkunst nicht minder erfahren war als er, ja man kann sagen, dass er an Bösartigkeit und verderblichen Ränken ihn noch übertraf. Da sie nicht immer beisammen, noch auch in einer und derselben Stadt lebten, und da oft der eine im Osten, der andere im Westen sich befand, so unterließen sie nicht, mit Hilfe der Punktierkunst gegenseitig alle Jahre auszumitteln, in welchem Teil der Welt ein jeder von ihnen lebe, wie jeder sich befände, und ob er nicht die Hilfe des andern bedürfe. Kurze Zeit nachher, als der afrikanische Zauberer in seiner Unternehmung gegen Aladdin Glück seinen Tod gefunden, wollte sein jüngerer Bruder, der seit Jahr und Tag nichts von ihm erfahren, und sich nicht in Afrika, sondern in einem sehr entfernten Land aufhielt, gern wissen, an welchem Ort der Erde jener lebe, wie er sich befinde, und was er mache. Wo er nur ging und stand, hatte er, so wie sein Bruder, stets sein Punktierviereck bei sich. Er nahm jetzt dieses vor, ordnete den Sand, machte seine Punkte, zog Figuren und Linien und stellte die Nativität. Indem er alle die Figuren durchlief, fand er, dass sein Bruder nicht mehr auf der Welt, sondern vergiftet und plötzlich gestorben sei, und das in der Hauptstadt Chinas, an dem und dem Ort, und zwar sei er durch einen Mann von niederer Herkunft, welcher des Sultans Prinzessin geheiratet, vergiftet worden. |
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