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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 433. 434. 435. 436. 437. 438. 439. 440. 441. 442. 443. 444. 445. 446. 447. 448. 449. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
441. Nacht"Lieber Bruder," erwiderte sie, "es ist mein Gemahl, sein Name ist Achmed, und er ist der Sohn des Sultans von Indien. Der Grund, warum ich dich nicht zu meiner Hochzeit eingeladen habe, war der, dass ich dich nicht von deinem Kriegszug abhalten wollte, den du damals vor hattest, und von dem du, wie ich mit vielen Vergnügen höre, jetzt so siegreich zurückgekehrt bist. Bloß um seinetwillen bin ich so frei gewesen, dich rufen zu lassen." Bei diesen Worten sagte Schaïbar, indem er den Prinzen Achmed mit einem freundlichen Blick ansah, der indessen sein stolzes und wildes Aussehen nicht im geringsten milderte: "Liebe Schwester, kann ich ihm in irgend etwas dienen? Er darf es bloß sagen. Es ist hinreichend für mich, zu wissen, dass er dein Gemahl ist, um mir es zur Pflicht zu machen, ihm in allem, was er irgend wünschen mag, gefällig zu sein." "Der Sultan, sein Vater," erwiderte Pari Banu, "ist neugierig, dich zu sehen. Ich bitte dich also um die Gefälligkeit, dich von ihm hinführen zu lassen." "Er darf bloß vorangehen," antwortete Schaïbar, "ich bin bereit, ihm zu folgen." "Lieber Bruder," erwiderte Pari Banu, "es ist wohl schon zu spät, um noch heute diese Reise zu unternehmen, du wirst sie also wohl gefälligst auf morgen früh verschieben. Indessen, da es gut ist, dass du von dem unterrichtet wirst, was zwischen dem Sultan von Indien und dem Prinzen Achmed seit unserer Verheiratung vorgefallen, so werde ich dich diesen Abend davon unterhalten." Den folgenden Morgen brach Schaïbar, von allem, was irgend ihm zu wissen nötig war, unterrichtet, sehr zeitig auf, begleitet von dem Prinzen Achmed, der ihn dem Sultan vorstellen sollte. Sie erreichten die Hauptstadt, und sobald Schaïbar sich am Tor zeigte, so wurden alle, die ihn sahen, beim Anblick eines so scheußlichen Gegenstandes von Entsetzen ergriffen, und versteckten sich teils in Buden und Häusern, deren Türen sie hinter sich zuschließen ließen, teils ergriffen sie die Flucht und teilten allen, denen sie begegneten, dasselbe Entsetzen mit, die dann sogleich umkehrten, ohne sich weiter umzusehen. Je weiter nun Schaïbar und Prinz Achmed mit abgemessenen Schritten vorwärts kamen, je öder und menschenleerer fanden sie alle Straßen und öffentlichen Plätze bis zum Palast des Sultans. Dort aber ergriffen die Pförtner, anstatt Vorkehrungen zu treffen, dass Schaïbar nicht hereinkäme, nach allen Seiten hin die Flucht und ließen das Tor offen stehen. Der Prinz und Schaïbar gelangten nun ohne Hindernis bis an den Saal der Ratsversammlung, wo der Sultan auf seinem Thron sitzend jedem Gehör gab, und da auch die Türsteher beim Erscheinen Schaïbars ihren Posten im Stich ließen, so traten sie ungehindert hinein. Schaïbar näherte sich stolz und mit erhobenem Kopf dem Thron, und ohne erst zu warten, bis der Prinz Achmed ihn vorstellte, redete er den Sultan von Indien mit folgenden Worten an: "Du hast mich zu sehen verlangt. Hier bin ich. Was willst du von mir." Der Sultan hielt sich, anstatt zu antworten, die Hände vor die Augen, und wandte das Gesicht seitwärts, um eine so fürchterliche Gestalt nicht ansehen zu dürfen. Schaïbar, voll Unwillen darüber, dass man ihn erst herbemüht habe und ihn nun auf eine so unhöfliche und beleidigende Weise empfange, hob seine Eisenstange empor, und mit den Worten: "So rede doch!", ließ er sie ihm auf den Kopf herab fallen, und schlug ihn tot, ehe noch der Prinz Achmed daran denken konnte, für ihn um Gnade zu bitten. Er vermochte nichts weiter zu tun, als zu verhindern, dass er nicht auch den Großwesir tot schlug, der nicht weit von der Rechten des Sultans entfernt war, indem er ihm vorstellte, dass er mit den guten Ratschlägen, welche derselbe von seinem Vater gegeben, nicht anders als zufrieden sein könne. |
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