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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 435. 436. 437. 438. 439. 440. 441. 442. 443. 444. 445. 446. 447. 448. 449. 450. 451. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
443. NachtGeschichte der beiden neidischen SchwesternDie Sultanin Scheherasade fuhr fort, durch ihre Erzählungen den Sultan von Indien in der Unentschlossenheit zu erhalten, ob er sie töten oder leben lassen sollte, und erzählte ihm eine neue Geschichte mit folgenden Worten: "Herr," sprach sie, "es war einmal ein König von Persien, Namens Chosru-Schach, welcher seit seinem Eintritt in die Welt sich sehr in nächtlichen Abenteuern gefiel. Er verkleidete sich häufig, und in Begleitung eines Vertrauten und ebenso verkleideten Beamten, durchstrich er die Straßen der Stadt, und es begegneten ihm da manche seltsame Abenteuer, mit welchen ich jedoch heute Euer Majestät nicht unterhalten will. Aber ich hoffe, ihr werdet mit Vergnügen dasjenige anhören, was ihm gleich bei seinem ersten Ausgang begegnete, wenige Tage darauf, als er nach dem Sultan, seinem Vater, den Thron bestiegen, welcher ihm durch seinen Tod in hohem Alter das Königreich Persien zum Erbteil hinterlassen hatte. Nach den gewöhnlichen Feierlichkeiten bei seiner Thronbesteigung und bei dem Leichenbegängnis des Sultans, seines Vaters, ging der neue Sultan Chosru-Schach, sowohl aus Neigung als aus Pflicht, eines Abends, etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang, in Begleitung seines ebenso wie er verkleideten Großwesirs, aus seinem Palast, um sich selber von dem zu überzeugen, was vorginge. Als er so in ein Stadtviertel kam, wo nur gemeines Volk wohnte, hörte er in einer Straße, welche er durchwanderte, ziemlich laut sprechen. Er näherte sich dem Haus, woher der Ton kam, blickte durch eine Spalte der Tür hinein, und sah bei einem Licht drei Schwestern auf einem Sofa sitzen, welche sich nach dem Abendessen miteinander unterhielten. Aus der Rede der Ältesten vernahm er bald, dass Wünsche den Gegenstand ihrer Unterhaltung ausmachten. "Weil wir nun einmal beim Wünschen sind," sprach sie, "so wünsche ich mir den Bäcker des Sultans zum Mann: Ich wollte mich recht nach Herzenslust satt essen in dem köstlichen Brot, welches man vorzugsweise Sultans-Brot nennt. Lasst sehen, ob euer Geschmack ebenso gut ist, als der meinige." "Und ich," sprach hierauf die zweite Schwester, "ich wünschte die Frau des Oberkochs beim Sultan zu sein: Da würde ich leckere Gerichte essen, und weil ich überzeugt bin, dass das Sultans-Brot im ganzen Palast gemein ist, so würde es mir auch daran nicht fehlen. Du siehst, meine Schwester," setzte sie hinzu, indem sie sich zu der älteren wandte, "dass mein Geschmack den deinen wohl aufwiegt." Die jüngste Schwester, welche von ausnehmender Schönheit war und weit mehr Anmut und Geist besaß, als die beiden älteren, sprach nun, da die Reihe an sie kam, also: "Was mich betrifft, meine Schwestern, so begnügen sich meine Wünsche nicht mit so geringen Dingen, ich richte mein Flug höher. Da es einmal aufs Wünschen ankommt, so wünschte ich die Gemahlin des Sultans zu sein: Ich würde ihm einen Prinzen schenken, dessen Locken auf der einen Seite von Gold und auf der andern von Silber wären. Dessen Tränen, wenn er weinte, als Perlen aus seinen Augen fielen, und dessen rote Lippen, so oft er lachte, einer sich aufschließenden Rosenknospe glichen." Die Wünsche der drei Schwestern, und besonders der Wunsch der jüngsten, erschien dem Sultan Chosru-Schach so seltsam, dass er beschloss, sie zu erfüllen, und ohne seinem Großwesir etwas von seiner Absicht mitzuteilen, trug er ihm auf, sich das Haus wohl zu merken, um am folgenden Morgen alle drei Schwestern abzuholen und ihm zu bringen. |
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