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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 557. 558. 559. 560. 561. 562. 563. 564. 565. 566. 567. 568. 569. 570. 571. 572. 573. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
565. NachtWährend ich in diesem Zustand war, rief sie ihre Dienerinnen, welche sogleich die Treppe herabkamen, die hauptlose Leiche eines jungen Mädchens tragend, deren Haupt sie auf die Mitte des Rumpfes legten. Ich erkannte es als das Haupt des Mädchens, das mir das Kleinod für einen Kuss auf die Wange verkauft und mich gebissen hatte. Meine Frau rief nun aus: "Ich brauche solche Spielereien nicht, denn ich besitze deren genug: Aber ich wollte wissen, ob Du Deinem mir gegebenen Versprechen, Dich mit keinem anderen Weib außer mir in Liebkosungen einzulassen, treu bleiben würdest, und deshalb sandte ich das Mädchen, um Dich in Versuchung zu führen. Da Du Dein Versprechen gebrochen hast, so geh und kehre nimmer wieder." Als meine Frau zu reden aufgehört hatte, nahm mich meine Schwiegermutter bei der Hand, verband mir mit dem Tuch die Augen, führte mich an den gewöhnlichen Ort und sagte zu mir: "Geh!", und verschwand. Ich war über die seltsame Geschichte und den Verlust meiner Frau so betrübt, dass ich gleich einem Wahnsinnigen durch die Straßen rannte und ausrief: "Ach wie viel Schönheit, wie viel Zierlichkeit besaß sie doch!", worauf das Volk, welches mich für wahrhaft toll hielt, mich in dieses Hospital brachte und mich, wie Ihr seht, in Banden legte." Als der Sultan die Geschichte dieses jungen Mannes gehört hatte, war er sehr bewegt, neigte einige Augenblicke sein Haupt gedankenvoll und sagte dann zu dem Wesir: "Beim Allah, der mir die Herrschaft anvertraut hat, wenn Du die Frau, die diesen jungen Mann geheiratet hat, nicht ausfindig machst, soll Dein Haupt verfallen sein." Der Wesir war bestürzt, fasste sich jedoch und bat um eine Frist von drei Tagen, welche der Sultan ihm bewilligte. Der Wesir nahm den jungen Mann mit sich, und sie suchten zwei Tage lang das Haus vergebens. Endlich fragte er ihn, ob er wohl den Fleck erkennen würde, wo ihm das Tuch umgebunden, und den Torweg, wo es ihm abgebunden worden, was der junge Mann beides bejahte. Er führte den Minister auf die Straße, wo er verbunden worden war, und sie erreichten einen Torweg, an welchen der Wesir anpochte. Die Dienerinnen öffneten, und da sie den Wesir kannten und den jungen Mann an seiner Seite sahen, erschraken sie und eilten, ihrer Gebieterin zu melden, wer da wäre. Diese wünschte die Befehle des Wesirs zu erfahren, der sie wissen ließ, dass der Sultan ihre Versöhnung mit ihrem Gatten wünschte. "Da der Sultan befiehlt," sagte sie, "so ist es meine Schuldigkeit, zu gehorchen." Der junge Mann wurde aufs neue mit seiner Frau verbunden, welche die Tochter eines früheren Sultans von Kairo war. Das waren die Abenteuer des jungen Mannes, welchen der Sultan und der Wesir im Hospital lesend fanden. Folgendes ist nun die Geschichte des jungen Mannes, der jenem zuhörte, und der sie dem Sultan auf Verlangen erzählte. Geschichte des zweiten Narren"Herr," sagte der junge Mann, "ich war ein Kaufmann und, als ich es zu treiben begann, der jüngste meines Gewerbes; denn ich war erst sechzehn Jahre alt. Als ich eines Tages in meinem Landen beschäftigt war, trat ein Mädchen herein und übergab mir ein Päckchen, in welchem ich, als ich es öffnete, mehrere an mich gerichtete, mich lobpreisende Verse und einen Brief voll feuriger Zärtlichkeit fand. Da ich das Ganze als eine Verspottung betrachtete, so ergriff ich die Trägerin und schlug sie heftig. Als sie fort war, machte ich mir jedoch Vorwürfe über mein unschickliches Benehmen und fürchtete, sie möchte sich bei ihren Verwandten beklagen und diese sich an mir durch einen plötzlichen Überfall rächen. So sehr ich aber auch das Vorgefallene bereute, so konnte jedoch meine Reue meine Verschuldung nicht wieder gutmachen. |
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