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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 559. 560. 561. 562. 563. 564. 565. 566. 567. 568. 569. 570. 571. 572. 573. 574. 575. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
567. NachtBei Tagesanbruch verließ ich das Haus meines Schwiegervaters, verfügte mich in meinen Laden, den ich öffnete, und setzte mich mit sehr bekümmerten Gemüt und mit wie von einem Rausch betäubten Haupt nieder, als plötzlich die Dame erschein, die mir einen so abscheulichen Streich gespielt hatte. Sie trat ein und grüßte mich mit dem gewöhnlichen Gruß. Ich war wütend, schalt und fragte sie, warum sie mich so schändlich hintergangen hätte, worauf sie erwiderte: "Elender, gedenke des Tages, an welchem ich Dir ein Päckchen brachte, und wo Du mich zum Dank dafür ergriffst, schlugst, schaltest und mit Verachtung fortjagtest. Zur Widervergeltung einer solchen Behandlung habe ich mich dadurch gerächt, dass ich Dir eine so liebliche Braut verschaffte." Ich fiel ihr nun zu Füßen, flehte um ihre Vergebung und gab ihr meine Reue zu erkennen, worauf sich mich anlächelte und sagte: "Beruhige Dich, ich will Dich aus der Klemme befreien, in die ich Dich gebracht habe. Geh zu dem Aga der Lederbereiter, gib ihm eine Summe Geld und verlange von ihm, dass er Dich Sohn nenne. Sodann begib Dich mit ihm, seinen Dienern und Musikanten in das Haus des Oberrichters. Wenn er nach der Veranlassung dieses Besuches fragt, so lass den Aga sagen: "Herr, wir kommen, um Deinem Schweigersohn, der mein liebes Kind ist, wegen der Verheiratung mit Deiner Tochter Glück zu wünschen und uns mit ihm zu ergötzen." Der Richter wird in Wut geraten und sagen: "Hund, ist es möglich, dass Du, der Du nur ein Lederbereiter bist, es wagen kannst, die Tochter des Oberrichters zu heiraten?" Antworte Du hierauf: "Herr, es war mein Ehrgeiz, durch Eure Verwandtschaft geadelt zu werden, und da ich die Tochter Eurer Herrlichkeit geheiratet habe, wird die gemeine Benennung eines Lederbereiters bald vergessen und in dem Titel Eures Schwiegersohnes erloschen sein. Ich werde unter Eurem Schutz befördert, von dem Geruch der Gerberlohe gereinigt, und meine Kinder werden süß duften." Ich tat, wie die Schöne mir befahl, und nachdem ich das Oberhaupt der Lederbereiter bestochen hatte, begleitete er mich mit seiner Zunft und einer großen Anzahl Musikanten und Sänger zu dem Haus meines Schwiegervaters, vor welchem sie mit großem Lärm zu singen und zu tanzen begannen, indem ein jeder dann und wann ausrief: "Lange lebe unser edler Verwandter! Lange lebe der Schwiegersohn des Oberrichters!" Dieser fragte nach der Ursache dieses jubelnden Überfalls, worauf ich ihm erwiderte, es wären meine Verwandten, die mir zu der Verbindung mit seinem glorreichen haus Glück wünschen und ihm für die Ehre danken wollten, welche er in meiner Person der ganzen Zunft der Lederbereiter erwiesen hätte. Als der Oberrichter dies hörte, geriet er in heftige Wut und schalt mich. Da er jedoch bedachte, dass ohne meine Einwilligung die vermeintliche seinem Haus widerfahrene Schmach nicht getilgt werden könnte, so beruhigte er sich und bot mir Geld, damit ich mich von seiner Tochter scheiden ließe. Ich stellte mich anfangs, als wollte ich nicht, und gab erst nach einer Weile seinen ernstlichen Bitten nach, nahm vierzig Beutel mit Gold, die er mir gab, damit ich mein missgestaltetes Weib verstoßen möchte, und kehrte mit erleichtertem Herzen heim. Am folgenden Tag kam die Schöne wieder in meinen Laden. Ich dankte ihr, dass sie mich von meiner lächerlichen heirat wieder frei gemacht hätte, und bat sie, mich zum Mann zu nehmen. Sie gab ihre Einwilligung dazu, meinte aber doch, sie wäre von zu niedriger Geburt für mich, da ihr Vater nur ein Koch wäre, obschon ein vortrefflicher und sehr reich. Ich erwiderte, dass, wenn er auch ein Lederbereiter wäre, ihre Reize doch einen Thron zieren würden. Kurz, Herr, wir heirateten uns und lebten glücklich bis auf den heutigen Tag. Das ist meine Geschichte, aber sie ist minder erstaunlich als die des Weisen und seines Schülers, deren Abenteuer, die ich Dir nun erzählen will, zu den Wundern unserer Zeit gehören. |
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