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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 604. 605. 606. 607. 608. 609. 610. 611. 612. 613. 614. 615. 616. 617. 618. 619. 620. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
612. NachtBei seinem Einzug in die Stadt sah Abu-Nyut das ganze Volk in Bewegung und hörte, als er nach der Veranlassung fragte, dass man einen Arzt hinrichten würde, der vergebens versucht hätte, einen bösen Geist, von welchem die Prinzessin besessen wäre, auszutreiben, und dass ein gleiches Missgeschick schon mehrere Unglückliche betroffen, welche ihre Geschicklichkeit an der besessenen Prinzessin versucht hätten. Hierauf eilte er zum Sultan in den Palast, warf sich vor ihm nieder und erbot sich, den bösen Geist auszutreiben, wofür er keine andere Belohnung verlangte als die Begnadigung des armen Arztes. Der Sultan war es zufrieden, erklärte aber, dass, wenn Abu-Nyut den Geist nicht austriebe, er und der Arzt, als anmaßliche Stümper in ihrer Kunst, hingerichtet werden sollten. Abu-Nyut bat, dass die Prüfung seiner Geschicklichkeit bis zum nächsten Freitag verschoben bleiben möchte: Eine Bitte, die er dem Sultan feierlich ans Herz legte, damit die Gebete der Gläubigen seinen Unternehmen ein gesegnetes sein ließen. Der Sultan willigte ein, der unglückliche Arzt wurde vom Richtplatz in den Palast geführt, um dort, wo auch dem Abu-Nyut ein Zimmer angewiesen wurde, aufbewahrt zu werden. Es erging nun ein Befehl durch die ganze Stadt, den nächsten Feiertag streng zu feiern, wobei denen, die diese Feier versäumen würden, die königliche Ungnade angedroht wurde. Als der Freitag nun da und die ganze Stadt zum Gebet versammelt war, bereitete Abu-Nyut den von dem bösen Geist erwähnten Aufguss von Wermut. Er wurde in das Gemach der Prinzessin geführt, die in schwermütigem Stumpfsinne dalag, und sprengte den Aufguss vor ihre Füße, worauf ein lautes Gellen dicht neben ihr gehört wurde, sie sich, gleichsam wie vom Schlaf erwachend, aufrichtete und ihre Sklavinnen rief, um ihr beim Aufstehen und Ankleiden zu helfen. Man benachrichtigte sogleich den Sultan von der Wiederherstellung der Prinzessin, und er kam voll Freunde, um ihre Genesung zu sehen. Er ordnete öffentliche Freudenfeste an, ließ große Summen unter die Armen verteilen, forderte Abu-Nyut auf, für seinen wichtigen Dienst sich eine Belohnung zu wählen, und befahl, den unglücklichen Arzt in Freiheit zu setzen und zu beschenken. Abu-Nyut, den die Reize der Prinzessin bezaubert hatten, verlangte zur Belohnung ihre Hand, worauf sich der Sultan mit seinen Wesiren beriet, die ihm den Rat gaben, die Antwort bis zum folgenden Morgen zu verschieben, da die Sache wohl überlegt sein wollte. Als Abu-Nyut sich entfernt hatte, stellten die Wesire dem Sultan vor, dass der Gemahl seiner Tochter doch mindestens ein großes Vermögen besitzen müsste; denn wenn Abu-Nyut auch den bösen Geist ausgetrieben, so wäre er jedoch nicht würdig, sie zu heiraten, wenn er sie nicht auf eine ihrem Rang geziemende Weise zu unterhalten vermöchte. Sie reiten ihm daher, eine Anzahl seiner kostbarsten Juwelen auszusuchen, sie dem Abu-Nyut zu zeigen, welche von gleichem Wert für die Prinzessin als Heiratsgut zu verlangen und ihn nur nach Erfüllung dieser Bedingung zum Schwiegersohn anzunehmen. Bliebe sie jedoch unerfüllt, so müsste er für seine Dienste eine Belohnung annehmen, die seinem Stand angemessener wäre als eine so hohe Verbindung. Als nun Abu-Nyut am nächsten Morgen bei Hof erschien, zeigte ihm der Sultan die Juwelen und machte ihm die mit den Wesiren verabredete Bedingung, worauf dieser mit der größten Gleichgültigkeit auf die glänzenden vor ihm liegenden Steine sah und dem Sultan versicherte, er würde ihm am nächsten Tag zehn Mal so viel von noch höherem Wert und schönerem Glanz anbieten, über welche Erklärung der ganze Hof höchlich erstaunte, da es bekannt war, dass kein Fürst kostbarere Edelsteine besäße als der Sultan von Mossul. Nachdem Abu-Nyut sich dem Sultan empfohlen hatte, begab er sich auf den Hühnermarkt, kaufte einen ganz weißen und fleckenlosen Hahn, welchen er nach Haue trug, bis zum Aufgang des Mondes aufbewahrte und dann mit dem Hahn auf den von dem Geist bezeichneten Berg eilte. Dort schnitt er dem Hahn die Kehle ab, dessen Blut zu fließen begann, als plötzlich die Erde bebte und in dem Berg eine Öffnung entstand, durch welche zu seiner großen Freude er solche Haufen unschätzbarer Edelsteine von allen Gattungen erblickte, dass es unmöglich ist, sie zu beschreiben. Abu-Nyut kehrte nun in die Stadt zurück, wo er zehn Kamele, deren jedes zwei Körbe trug, holte, sie zum Berg führte, dort mit seinem Schatz belastete und diesen, nachdem er die Öffnung des Berges wieder zugefüllt hatte, in seine Wohnung schaffte. |
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