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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 618. 619. 620. 621. 622. 623. 624. 625. 626. 627. 628. 629. 630. 631. 632. 633. 634. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
626. NachtIns-al-Wudschud nahm gern und willig eine solche freundliche Einladung an und erblickte, als er in den Hof trat, einen hohen, seine Äste weit ausbreitenden Baum, an dem mehrere goldene Käfige hingen, deren jeder einen schönen Vogel enthielt. diese Vögel wetteiferten untereinander in melodischem Gesang und schienen den Eintretenden gleichsam willkommen zu heißen. Er fragte seinen Wirt, wem das prächtige Gebäude gehörte, und erheilt zur Antwort, dass es ein Besitztum des Wesirs Ibrahim wäre, der seine Tochter, um sie vor dem Wechsel des Schicksals zu bewahren, hätte hierher bringen lassen und sie jährlich nur einmal besuchte, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen und sie mit dem nötigen Bedarf für sie und ihre Begleitung zu versehen. Als Ins-al-Wudschud dies hörte, war er nahe daran, in lautes Entzücken auszubrechen; Er hielt sich aber zurück und begnügte sich damit, zu sich selbst zu sagen: "Endlich habe ich den Aufenthalt meiner Geliebten erreicht und kann auf Erfüllung hoffen, welche mir bis jetzt noch so fern lag." Seine reizende Schöne, die nichts weniger vermutete, als dass ihr Liebster ihr so nahe wäre, und die dieses einsamen Aufenthalts längst überdrüssig war, hatte aber diesen Abend beschlossen, aus ihrem Gefängnis zu entfliehen. Sie ließ sich also in der Dunkelheit der Nacht aus dem Fenster ihres Schlafgemachs an einem seidenen Strick herab, den sie aus zerschnittenen Kleidern geflochten hatte, und erreichte glücklich und unversehrt den Erdboden. Eilig floh sie zur Seeküste, wo sie ein Fischerboot sah, dessen Eigner sie zwar in der ersten Bestürzung für einen Geist hielt, da sie von Schönheit und Juwelen glänzte, endlich aber auf ihre Versicherungen, dass sie wirklich eine Frau wäre, sie in sein Fahrzeug aufnahm. Sie dankte ihm für seine Güte, die sie ihm durch manchen kostbaren Edelstein lohnte, und bat ihn, sie über den See zu fahren. Der Fischer spannte seine Segel auf, und der Wind war eine Zeitlang günstig; aber auf einmal erhob sich ein heftiger Sturm, der sie drei Tage lang in großer Gefahr hin und her und weit von ihrem Weg abtrieb. Endlich legte sich der Sturm, die See beruhigte sich, und es war Land zu sehen. Als sie sich der Küste näherten, erblickten sie eine ansehnliche Stadt, deren Gebäude ungewöhnlich prächtig erschienen. Sie gingen unter der Terrasse, die zu dem Palast des Sultans gehörte, vor Anker. Zufällig saß dieser, welcher Sultan Dara hieß, mit seiner Tochter auf einem Balkon, um der frischen Luft und des Anblicks des weiten, mit Schiffen aus allen Gegenden der Erde angefüllten Hafens zu genießen. Als er das Boot erblickte, gab er Befehl, dass man dessen Herrn und seine Mannschaft vor ihn bringen sollte. Sein Erstaunen bei dem Anblick der schönen Wird-al-Ikmam war nicht gering. Aus ihrem reichen Anzug, ihrem würdigen Anstand und Betragen schloss er, dass sie von hohem Rang sein müsste; und nachdem sie auf sein Ersuchen sich neben seine Tochter gesetzt hatte, fragte er sie freundlich nach ihrem Vaterland und der Ursache ihrer Reise in seine Hauptstadt, worauf sie ihm in beredter Kürze ihre Abenteuer erzählte. Der Sultan tröstete sie durch Zusicherungen seines Schutzes, versprach ihr, alle seine Macht anzuwenden, um sie mit ihrem Geleibten zu vereinigen, und sandte sogleich seinen Wesir an den Sultan Schamich ab mit kostbaren Geschenken und der Bitte, den Ins-al-Wudschud an seinen Hof zu senden. |
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