| Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 619. 620. 621. 622. 623. 624. 625. 626. 627. 628. 629. 630. 631. 632. 633. 634. 635. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
627. NachtAls der Wesir nach glücklicher Fahrt in der Hauptstadt des Sultans Schamich angelangt war, überreichte er die Geschenke und richtete seinen Auftrag aus, worauf der Sultan erwiderte, Ins-al-Wudschud hätte sich zu seinem großen Leidwesen schon seit einem Har von seinem Hof entfernt, und er wüsste seitdem nichts von seinem Aufenthalt, würde aber seinem Wesir befehlen, den Gesandten, dessen Herrn er sich, soviel er vermöchte, gern gefällig zeigen wollte, zu geleiten, um ihn aufzusuchen. So reisten denn nach einigen Tagen die beiden Wesire ab, ohne zu wissen, wohin sie sich wenden sollten. Endlich erreichten sie die Küste des Meeres Kunnus, woselbst sie sich auf einem gemieteten Fahrzeug einschifften und nach der gebirgigen Insel Tukkalla segelten, von welcher der Wesir des Sultans Schamich seinem Gefährten folgenden Bericht erstattete: "Diese Insel war einige Jahrhunderte früher von Geistern bewohnt. Eine Geisterprinzessin verleibte sich heftig in einen schönen jungen Mann, den Sohn eines Emirs von Kairo, welchen sie, über die Gräten seines Vaters unsichtbar hinfliegend, erblickte, als er in der Hitze des Tages schlief. Sie setzte sich neben ihn, und nachdem sie ihn sanft erweckt hatte und er nicht wenig erstaunte, ein so schönes weibliches Wesen so zuvorkommend gegen sich zu sehen, erwiderte er ihre Liebkosungen, und es fehlte nicht an gegenseitigen Beteuerungen von Liebe und Treue. Nach einigen glücklich verbrachten Stunden nahm die Prinzessin einen zärtlichen Abschied, versprach, ihn wieder zu besuchen, und verschwand aus seinem Blick. Er blieb in Nachdenken über sein glückliches Abenteuer versunken, bis der Nachttau zu fallen begann, wo denn seien wegen seiner Gesundheit besorgten Eltern Sklaven absandten, um ihn in den Palast zu holen. Aber er wollte nicht mit ihnen gehen und sprach, wie es ihnen vorkam, so unzusammenhängend über seine Geliebte, dass sie glaubten, er wäre närrisch geworden, und ihn mit Gewalt zum Heimgehen nötigten. Seien Eltern waren beunruhigt, vergebens forderten sie ihn auf, etwas zu sich zu nehmen, er war betrübt und finster und ging endlich in sein Zimmer, wo er die ganze Nacht in rastloser Angst zubrachte und mit Ungeduld den Morgen erwartete, um sich nur wieder nach dem glücklichen Ort begeben zu können, wohin seine Geliebte wiederzukommen versprochen hatte. Sobald der Morgen dämmerte, begab sich der Emirssohn in den Garten und wurde alsbald durch den Anblick seiner Geliebten erfreut; während sie sich aber wechselweise die zärtlichste Liebe versicherten, erschien plötzlich die Mutter der Geisterprinzessin, welche aus dem Betragen ihrer Tochter den Verdacht eines heimlichen Liebeshandels geschöpft hatte. auf die Liebenden losstürzend, ergriff sie ihre Tochter bei den Haaren, schlug sie und schalt sie in den härtesten Ausdrücken, dass sie die Ehre der Geister durch die Liebe zu einem elenden Sterblichen geschadet hätte, worauf die Prinzessin erwiderte, dass ihr Schelten vergeblich, ihre Liebe eine unvertilgbare und beständige wäre und sie sich lieber in tausend Stücke zerreißen lassen, als sich von dem Gegenstand ihrer Leidenschaft trennen würde. Da nun die Mutter den Fall als einen verzweifelten erkannte und selbst von der ungemeinen Schönheit des Jünglings gerührt wurde, der ihr zu Füßen fiel und um Gnade für seine Geliebte flehte, so gab sie endlich nach und willigte in ihre eheliche Verbindung. Sie wurde feierlich begangen und dies Insel, nach dem Namen der Prinzessin Tukkalla genannt, wurde zu ihrem Aufenthaltsort bestimmt. Noch steht ihr prächtiger Palast nach dem Verlauf vieler Jahrhunderte und ist jetzt in meinem Besitz. Hier hoffe ich meine einzige Tochter zu finden, die ich vor einem Jahr hierher brachte, um sie vor den Nachstellungen eines jungen Mannes zu sichern, auf den sie gegen meinen Willen ihre Neigung geworfen hatte." |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|