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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 632. 633. 634. 635. 636. 637. 638. 639. 640. 641. 642. 643. 644. 645. 646. 647. 648. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
640. NachtDer Mann, der sein Versteck verlassen und wirklich an die Türe gepocht hatte, trat nun ein und setzte sich, nachdem er seine Frau begrüßt hatte, nieder. Er genoss von den für die Galane aufgetragenen Erfrischungen, und das glückliche Ehepaar unterhielt sich laut genug, um von den armen Liebhabern, die vor Furcht zitterten, gehört zu werden. "Licht meiner Augen," sagte der Mann, "ist Dir irgend etwas Ergötzliches auf Deinem Heimgang aus dem Bad begegnet? Wenn es der Fall ist, so lass mich's wissen!" - "Ich traf," versetzte die Frau, "in der Tat auf meinem Weg vier alte Geschöpfe, die ich große Lust hatte mit mir nach Haus zu nehmen, damit wir uns an ihnen ergötzen könnten; aber ich fürchtete, Du möchtest ungehalten darüber sein. Wenn es Dir jedoch Spaß macht, so können wir morgen nach ihnen schicken." Die erschrockenen Galane schöpften nun wieder einige Hoffnung, dass sie durch die Güte ihrer listigen Geliebten entwischen könnten, und begannen freier zu atmen; aber diese Hoffnung währte nicht lange. "Es tut mir sehr leid," sagte der Mann, "dass Du sie heute nicht mitgebracht hast, da mich morgen ein Geschäft auf einige Tage vom Haus entfernt." Hierauf erwiderte die Dame lachend: "Nun, ich will Dir nur gestehen, ich habe sie wirklich mitgebracht und belustigte mich eben an ihnen, als Du eintratest; da ich jedoch befürchtete, Du möchtest irgend etwas Schlimmes vermuten, so trieb ich sie in unser Schlafzimmer, um sie dort verborgen zu halten, bis ich wüsste, ob Du auch bei guter Laune wärest; denn wäre es nicht der Fall gewesen, so hätte ich wohl Mittel gefunden, sie unbemerkt aus dem Haus zu lassen." Es ist unmöglich, die Angst zu schildern, in welcher sich jetzt die armen Galane befanden, besonders als nun der Mann seiner Frau befahl, einen nach dem anderen herauszuholen. "Jeder von ihnen," sagte er, "soll uns durch einen Tanz ergötzen und uns eine Geschichte erzählen; aber wenn ich daran kein Vergnügen finde, so will ich ihnen die Köpfe abschlagen." - "Gott sei uns gnädig!", sagte der Kadi, "wie können Männer von unserem Gewicht tanzen! Aber wer kann seiner Bestimmung entgehen? Und ich sehe auch kein anderes Mittel, um von dieser listigen Hexe und ihrem wilden Kerl von Mann loszukommen, als wenn wir ihren Willen, so gut wir es vermögen, erfüllen." Seine Unglücksgefährten meinten dasselbe und erwarteten stillschweigend, was über sie ergehen würde. Die Dame ging nun in die Kammer, gab dem Kadi ein Tamburin in die Hände, führte ihn vor ihren Mann, begann auf ihrer Laute eine lustige Weise zu spielen, wozu der erschrockene Richter mit solchen Grimassen und seltsamen Sprüngen tanzte, dass er sich vollkommen wie ein herum springender Affe ausnahm. "In der Tat," sagte der Mann zu seiner Frau, "wenn ich nicht wüsste, dass dieser Mensch ein Spaßmacher ist, so würde ich ihn für unsern Kadi halten; aber Gott verzeihe mir, ich weiß, dass unser würdiger Richter entweder seien Andacht verrichtet oder sich mit den Rechtshändeln beschäftigt, welche er morgen entscheiden soll." Als er dies nun gehört hatte, tanzte der Kadi mit verdoppelter Anstrengung und noch lächerlicheren Gebärden, um zu vermeiden, dass man ihn erkannte. Endlich wurde er aber durch eine so ungewohnte Übung ganz erschöpft; der Hausherr hatte jedoch kein Mitleid mit seinen Leiden und drohte ihm mit der Bastonade, wenn er nicht weitertanzte, was denn nun der arme Richter tat, bis er über und über schwitzend auf die Erde fiel, von welcher man ihn dann aufhob, und man ihn durch einen Becher Wein, den man ihm eingoss, wieder etwas belebte. Als er sich nun nach und nach erholt und auch etwas Speise zu sich genommen hatte, wurde er aufgefordert, eine Geschichte zu erzählen, ehe er wieder in Freiheit gesetzt würde. Als der Kadi fort war, holte die Dame den Obereinnehmer herbei, den der Hausherr bei seinem Namen nannte und zu ihm sagte: "Ehrwürdiger Herr, Ihr müsst mir die Gnade erzeigen, zu tanzen." Der beschämte Einnehmer erwiderte keine Silbe, macht seine Bocksprünge und erhielt nicht eher die Erlaubnis aufzuhören, als bis seine Ermüdung den höchsten Grad erreicht hatte. Hierauf ließ man ihn nieder sitzen, reichte ihm einige Erfrischungen und entließ ihn, indem man ihm den Rat gab, künftig seine Liebesanträge mehr am rechten Ort anzubringen. Die beiden anderen Galane wurden auf gleiche Weise entlassen und gaben sich gegenseitig das Versprechen, künftig klüger oder minder leichtgläubig zu sein. |
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