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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 635. 636. 637. 638. 639. 640. 641. 642. 643. 644. 645. 646. 647. 648. 649. 650. 651. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
643. NachtAuf dieser Reise traf der Kadi seinen Bruder, der, sein gottloses Leben bereuend, auch in Derwischtracht zu der Heiligen reiste, um ihr seine Sünden zu beichten und ihre Fürbitte beim Himmel anzuflehen. Die Veränderung beider, Folge der Zeit und ihrer Verkleidung, bewirkte, dass sie sich nicht erkannten. Sie knüpften ein Gespräch an, und als sie voneinander erfuhren, dass sie desselben Weges gingen, so beschlossen sie, ihre Reise gemeinschaftlich fortzusetzen. Nach einigen Tagen begegneten sie einem Kameltreiber, der, wie er ihnen sagte, den gleichen Weg und Zweck verfolgte, weil er ein schreckliches Verbrechen begangen hätte, dessen Erinnerung sein Gewissen quälte und sein Leben elend machte, weshalb er seine Sünden der Heiligen beichten und von ihr sich eine Buße zur Sühnung seiner von Herzen bereuten Missetat auferlegen lassen wollte, wo er sodann die Vergebung des Himmels durch eine aufrichtige Lebensbesserung zu erhalten hoffte. Das Verbrechen dieses Elenden war nichts weniger als ein Mord, dessen Umstände nicht an ihrer eigentlichen Stelle erzählt worden sind. Des Kadis Frau hatte nämlich unmittelbar nach ihrer Vertreibung aus Bagdad und ehe sie dem jungen Mann begegnete, der sie nachmals als Sklavin verkaufte, in der Hütte eines Kameltreibers eine Zuflucht gesucht, und die Frau desselben, die ihr sehr verpflichtet war, hatte sie mit wahrer Gastfreundschaft und Güte aufgenommen, sie in ihrem Unglück getröstet, ihrer Wunden gepflegt und sie genötigt, so lange zu verweilen, bis sie sich von den Folgen ihrer ungerechten und schmachvollen Bestrafung gänzlich erholt hätte, mit welcher Bitte auch der Mann die seinige vereinigte. Bei diesem ehrlichen Paare, welches einen kleinen Sohn hatte, blieb sie nun einige Zeit und erlangte ihre Gesundheit und Schönheit wieder, als der gottlose oben erwähnte Kameltreiber ihren Wirt besuchte und, von ihrer Schönheit bezaubert, ihr ungebührliche Anträge machte, welche sie mild, aber entschieden zurückwies und ihm sagte, dass sie verheiratet wäre. Von Leidenschaft verblendet, beharrte der Elende auf seinen Zumutungen, aber vergebens, bis sich endlich, durch Widerstand gereizt, seine Liebe in Wut verwandelte und er seine unbefriedigte Lust durch ihren Tod zu rächen beschloss. Er bewaffnete sich demnach mit einem Dolch und stahl sich um Mitternacht, als alles im Schlafe lag, in die Kammer, in welcher sie und, dicht neben ihr, das kleine Kind ihres großmütigen Wirtes lag. Da der Mörder in der Finsternis aufs Geradewohl zustieß und nicht wusste, dass der Knabe neben der Frau lag, so traf der Dolch die Brust des Kindes, welches laut aufschrie, worauf der Bösewicht, der entdeckt zu werden fürchtete, aus dem Haus entfloh. Die Frau des Kadis erwachte voll Schrecken und weckte durch ihr Geschrei ihre unglücklichen Wirtsleute, welche, nachdem sie Licht gemacht, zu ihrer Hilfe herbei eilten, aber nun mit Schaudern ihr sterbendes Kind und, in seinem Blut gebadet, ihre ohnmächtig gewordene Gästin sahen. Die unglückliche Frau kam bald wieder zu sich; aber ihr kleiner Liebling war und blieb tot. Einige Tage nach diesem tragischen Vorfall begann sie ihre Pilgerschaft und kam in die Stadt, in welcher sie, wie schon erzählt ist, den jungen Mann von seinen grausamen Gläubigern befreite und bald nachher von ihm als Sklavin verkauft wurde. Doch wir wollen zu dem Kadi und seinen gottlosen Begleitern zurückkehren. Sie waren noch nicht weit miteinander gereist, als sie einen jungen Mann trafen, der sie grüßte und befragte, wohin sie gingen. Als sie ihm das gesagt hatten, bat er sie, ihm zu vergönnen, dass er mit ihnen reiste, da auch er zu der Heiligen wollte, durch deren Fürbitte bei Gott er Vergebung für eine höchst undankbare Tat hoffte, welche er, seit er sie begangen, zu bereuen nicht aufhörte. die vier Pilger setzten ihre Reise fort und trafen nach einigen Tagen einen Schiffspatron, der ihnen erzählte, er hätte vor einiger Zeit Schiffbruch und seitdem nichts als Missgeschick erlitten, und er wollte nun zu der weltberühmten Frau gehen, deren Almosen und Gebete in allen Ländern gepriesen würden. Die Gefährten forderten ihn nun auf, sich mit ihnen zu vereinigen, und so zogen sie denn gemeinschaftlich weiter, bis sie am Hof des guten Sultans, der die Frau des Kadis in seinen Schutz genommen hatte, glücklich anlangten. |
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