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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 642. 643. 644. 645. 646. 647. 648. 649. 650. 651. 652. 653. 654. 655. 656. 657. 658. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
650. Nacht"Ihr seht in mir ein Schlachtopfer des Ranges, in welchem ich geboren bin. Kaum aus dem Schoß meiner Mutter gekommen, wurde ich einer Sklavin übergeben, die mich säugte und für meine Erziehung sorgte. Diese Frau galt am Hof für ein Wunder von Wissenschaften, und es würde in der Tat schwer gewesen sein, in der Tatarei einen Weisen zu finden, der ihr zu vergleichen gewesen wäre. Gleich bewandert in der Geschichte, der Erdkunde, der Arzneiwissenschaft, der Scheidekunst, der Sternkunde und in den geheimen Wissenschaften, erzog sie mich zu dem Islam, zu welchem sie sich bekannte, und dessen Lehrbegriffe sie vollkommen inne hatte; denn die Abhandlungen der vier Imame und deren vorzüglichste Ausleger waren ihr durch die Hände gegangen." "Ich habe von dieser Sekte sprechen gehört, aber ich kenne weder ihren Ursprung noch ihren Stifter," unterbrach sie der Sultan. "Ich will mich bemühen, Euch in wenigen Worten damit bekannt zu machen. Als die Anhänger des Isa sich von dem guten Weg entfernt hatten, um sich in Ketzerei und Unglauben zu stürzen, indem sie behaupteten, dass Isa der Sohn Gottes sei, verwarf der Allerhöchste ihre Anbetung und erweckte einen großen Propheten unter den Arabern in dem Stamm der Koreischiten, gab ihm das Zepter in die rechte Hand und den Koran in die linke, um alle auf der Oberfläche des Erdbodens zerstreute Völker zu der einzigen wahren Religion zu bekehren. Von einem heiligen Eifer ergriffen, arbeitete Mohammed, das heißt der Glorreiche, kräftig an der Ausrottung der Vielgötterei und des Unglaubens. Gleich mächtig in Worten und Werken, wandte er anfangs Ermahnungen und Wunder an, und nur im äußersten Fall ließ er seinen Säbel auf die Ungläubigen fliegen, welche halsstarrig sich dem Islam entgegenstemmten, das heißt, welche nicht an die Einheit Gottes und die Sendung Mohammeds glauben wollten. Seine heilige Religion breitet sich täglich mehr aus, und wir hoffen, dass sie in der Folge der Zieten die einzige herrschende in den sieben Klimaten der Welt sein wird, so wie sie die einzig wahre und selig machende ist. Alle Muselmänner und Muselmänninnen sind Apostel, welche unermüdlich daran arbeiten, Proselyten zu machen. Sie wollen, dass alle Menschen des ihnen verheißenen Glückes teilhaftig werden. Nach diesem wohltätigen Geist erzog mich meine gute Amme in dem Schoß dieser Religion, welcher ich immer treu bleiben werde. Sie beschnitt mich insgeheim, lehrte mich die Niederwerfung, die Hersagung der fünf täglichen Gebete und ein den Vorschriften der Imame angemessenes Betragen. Außer dem Unterricht, der sich auf die Lehre des Propheten bezog, brachte mir meine Amme noch eine Menge nützlicher und angenehmer Kenntnisse bei. Sie sagte oft zu mir: "Sieh nur, meine Tochter, wie roh und unwissend die Bewohner dieses Landes sind. Sie können nicht einmal lesen. Welch ein Unterschied gegen mein Volk! Die Araber gelten für die gelehrtesten Menschen auf Erden." Auf solche Weise, Herr, befeuerte sie mich zum Fleiß, und ich beobachtete über alle unsere Beschäftigungen ein tiefes Stillschweigen, denn sie gefielen mir ungemein. Ihr wisst, dass in der Tatarei sich Brüder und Schwestern miteinander verheiraten, und als ich das Alter von fünfzehn Jahren erreicht hatte, wählten meine Eltern mir unter ihren Söhnen einen Gatten aus und machten mir in Gegenwart meiner Amme ihren Willen kund. Diese hatte Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten, denn dieser Gebrauch betrübte sie sehr, und sobald wir allein waren, umarmte sie mich zärtlich. "Meine Tochter," sagte sie zu mir, "mit was für Unmenschen leben wir hier! Dein Volk gleicht dem Vieh, das nicht unterscheidet, was sich ziemt und was nicht; denn es tut Dinge, welche die Natur empören." |
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