Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
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         1001 Nacht

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654. Nacht

Herr, als ich ihn nun im Begriff sah, sein Verbrechen zu vollenden, stieß ich einen lauten Schrei aus, ohne an die mir drohende Gefahr zu denken. Der überraschte Sklave ließ sein Schlachtopfer fahren, und während er sich nach allen Seiten umsah, hatte ich schon eines der Pferde bestiegen und schoss ihm von diesem herab einen Pfeil in die Brust. Der Bösewicht stürzte sogleich zur Erde und versuchte vergebens, sich wieder zu erheben; der Säbel entfiel seiner unmächtigen Hand, er versuchte es noch, das Eisen aus seinem Leib zu ziehen, aber das Blut floss stromweise aus seiner Wunde, und seine wild verstörten Augen schlossen sich auf immer. Ich lief sogleich zu der jungen Prinzessin, um ihr die Fesseln abzunehmen, mit denen sie belastet war. Sie wollte sich zu meinen Füßen werfen, aber ich hinderte sie daran. Sie ergriff meine Hand, bedeckte sie mit Küssen und benetzte sie mit Tränen, wobei sie mir ihre Dankbarkeit in den leidenschaftlichsten und kräftigsten Ausdrücken zu erkennen gab; und indem sie hierauf die Augen gen Himmel hob, rief sie aus: "Großer Gott, ich danke Dir tausendmal, dass Du mir diesen Engel geschickt hast!" Sodann sich zu mir wendend, fügte sie hinzu: "Herr, ich rechne sehr auf Eure Großmut. Habt Mitleid mit einer armen Prinzessin."

Ich suchte sie durch die süßesten und freundlichsten Reden zu beruhigen, ohne ihr jedoch meine Verkleidung zu verraten oder den geringsten Verdacht hinsichtlich meines Geschlechtes bei ihr zu erregen. Ungeachtet des eben erlittenen Anfalles schien sie keine Abneigung gegen meine Person zu haben: Es ist wahr, dass ich nicht dieselbe Farbe hatte wie der Sklave. Als sie sich ein wenig von ihrem Schrecken erholt hatte, drückte ich ihr liebreich die Hand und fragte sie, was für ein Königreich das ihrige wäre, und wie sie zu solch einem Abenteuer käme."

"Das will ich Euch sehr gern erzählen," erwiderte sie mir, indem sie mich mit Wohlgefallen ansah, und ohne ihre Hand aus der meinigen zu ziehen, begann sie wie folgt:

Geschichte der Prinzessin der Tatarei

"Ich bin die Tochter des Kara-Oglu, Königs von Balch. Der Sklave, den Ihr getötet habt, diente im Palast. Mein Vater, der ihn sehr jung gekauft, hatte ihn wegen seiner Tapferkeit lieb gewonnen; denn es gab in unserem Heer keinen ihm vergleichbaren Krieger; - aber es ist jetzt nicht der Augenblick, Euch seine erstaunenswerten Taten zu erzählen. Dieser Elende, trunken von dem Ruhm und von den Lobeserhebungen, mit welchen der König, mein Vater, ihn überhäufte, glaubte nach meiner Hand trachten zu können. Er verliebte sich sterblich in mich, und als er sich verschmäht sah, geriet er in eine Wut, die er zu verbergen wusste, und fasste den Entschluss, mich zu entführen. Dies war das einzige Mittel, seine viehische Leidenschaft zu befriedigen.

Ü   Þ

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