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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 649. 650. 651. 652. 653. 654. 655. 656. 657. 658. 659. 660. 661. 662. 663. 664. 665. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
657. Nacht"Gott verhüte," sagte ich zu unserem Wirt, "dass ich euer großmütiges Anerbieten durch eine abschlägige Antwort zurückweisen sollte." Hierauf verneigte er sich tief und bat uns, ihm zu folgen. Indem wir durch den Flecken ritten, fragte ich unsern Führer, in welchem Land wir uns befänden. "Ihr seid," sagte er zu mir, "an den Grenzen des Königreiches Balch." "Ist der König Kara-Oglu noch immer auf dem Thron?", fragte meine Gefährtin. "Dem Himmel sei Dank," erwiderte der Greis, "haben wir noch unseren Vater; aber wir fürchten, ihn nicht mehr lange zu behalten: Der Verlust seiner geliebten Tochter, die ein nichtswürdiger schwarzer Sklave entführt hat, wird ihm wohl bald das Leben kosten." Inzwischen traten wir in sein Haus, welches uns angenehm und bequem schien. Es waren zahlreiche Herden dabei, denn der Greis war einer der reichsten Landwirte. Er führte uns in ein bequemes Zimmer, seine Sklaven kamen, um uns aufzuwarten, und er selbst bediente uns. Er zündete Feuer an, man brachte Wasser herbei, und er wusch uns die Füße. Hierauf bot er uns Wäsche und Kleider an, indem er uns sagte, dass wir zu ermüdet wären, um unsere Felleisen zu öffnen; aber da ich befürchtete, dass er unser Geschlecht entdecken möchte, dankte ich ihm unter dem Vorwand, dass wir erst am Abend zuvor Wäsche gewechselt hätten. Man reichte uns Erfrischungen, deren wir ebenso sehr als der Ruhe bedurften. Der Herr hieß seine Sklaven sich entfernen und bat um die Erlaubnis, nachzusehen, ob man das Abendessen bereitete. Er hatte einen schönen fetten Hammel zurichten lassen, um unsere Ankunft zu feiern. Während seiner Abwesenheit empfahl ich meiner Gefährtin, sich weder durch Reden noch durch Handlungen zu verraten; denn es war mir wichtig, dass man weder ihr Geschlecht noch ihren Rang erriet. Wir kamen überein, dass sie den Namen Aladdin annehmen sollte. Ich sagte ihr, dass ich mich Mahmud nenne. Sie versprach mir, sich wohl in acht zu nehmen. Aber urteilt, Herr, wie groß mein Zwang und meine Unruhe war: Ich musste mich gleich sorgfältig vor meiner Gefährtin und meinem Wirt verbergen, denn keines von beiden wusste mein Geheimnis. Wir besprachen uns miteinander über die Mittel, uns unbekannt an den Hof des Königs von Balch zu begeben, als Sklaven erschienen und vor unseren Füßen einen großen Teppich ausbreiteten, auf welchem sie sodann eine große Schüssel Pillau, einen halben gebratenen Hammel und im Ofen mit Zwiebeln gekochte Hühner setzten. Wir ersparten unserem Wirt die Mühe der Nötigung, und seine hauptsächliche Beschäftigung war, uns zu bedienen. Meine Gefährtin konnte sich nicht sättigen. Sie rief mehrmals aus: "Nie hab' ich so guten Pillau gegessen und mit solchem Wohlgeschmack, selbst nicht in der ..." und plötzlich biss sie sich in die Lippen. Der Greis sah sie an, ohne ein Wort zu sagen. Am Ende der Mahlzeit trug man uns zum Getränk Sorbet und Wein auf, und ich konnte, obgleich Muselmännin, diesem Rebensaft nicht wieder stehen. Die Nacht rückte vor, und wir baten um die Erlaubnis, uns entfernen zu dürfen. Alsbald geleiteten uns vier Sklaven in ein geweißtes Gemach. Man hatte auf dem Fußboden zwei Betten nebeneinander ausgebreitet. Es war eine Matratze auf einem Teppich mit einer kleinen Decke aus Kamelhaar. Meine Gefährtin wagte es nicht, sich niederzulegen; und erst nachdem ich sie tausendmal gebeten hatte, ruhig zu sein, und ihr zugeschworen, sie wie eine Schwester zu achten, brachte ich sie dahin, sich zu Bett zu legen; aber auskleiden wollte sie sich nicht. Obgleich es kalt war, schliefen wir doch sehr gut, weil das an das unsrige anstoßende Gemach mit Tieren angefüllt war, deren Atem uns in der Nacht erwärmte. Am andern Morgen kam unser Wirt selbst, um sich nach unserem Befinden zu erkundigen. Er brachte ein Handtuch und Wasser mit, damit wir uns das Gesicht waschen könnten. Wir tranken eine Tasse Kaffee, und man führte uns zum Frühstück in den Saal, in welchem wir den Abend vorher gegessen hatten. |
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