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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 651. 652. 653. 654. 655. 656. 657. 658. 659. 660. 661. 662. 663. 664. 665. 666. 667. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
659. NachtSchluchzen und Tränen hemmten seine Worte, und ich wartete, bis er sich etwas gefasst hatte. Hierauf bat ich ihn, um seinen Schmerz zu zerstreuen, mir doch seine anderen Besitzungen zu zeigen. Er stand auf, ohne meine Hand loszulassen, die er heftig drückte, und führte uns in einen weiten Hofraum, mit Ställen umgeben, die fünfzehnhundert Kamele enthielten. Ich bewunderte, mit welcher Sorgfalt man sie pflegte; und als wir in einen dieser Ställe traten, kam ein weibliches Kamel nebst seinem Jungen fröhlich an uns heran. Sie liebkosten ihren Herrn und wollten ihn nicht verlassen, als er Miene machte, fort zu gehen. "Diese Tiere sind Euch sehr zugetan," sagte ich zu ihm. "Sie kennen mich besser, als ich sie kenne: Ich fand sie nach meiner Wiederkehr von meiner großen Reise, ohne zu wissen, woher sie kamen; denn ich habe sie nicht gekauft: Aber sie kommen mich wegen der Sorgfalt, welche sie verlangen, sehr teuer zu stehen. Niemals haben die Kameltreiber es vermocht, sie auf die Weide zu treiben. Alle Stockschläge sind unnütz gewesen: Man ernährt sie jetzt hier mit den Samenkörnern der Baumwolle und mit Stroh." "Ihr habt doch Eurer Frau ein schönes Grabmal errichten lassen?", sagte meine Gefährtin zu ihm. "So schön, als meine Kräfte es erlaubten. Ich habe ein Bethaus mit einer Kuppel erbauen lassen, und ich gebe den Vorlesern, welche darin bis zur Stunde des Abendessens Verse aus dem heiligen Koran vorlesen, täglich ein Goldstück. Alle Feiertage wird ein Gottesdienst darin gehalten. Die Ulemas, die Fakire und die Derwische führen ein geistliches Konzert auf." "Würde es uns wohl vergönnt sein," fügte sie hinzu, "den kostbaren Überbleibseln, welche dieses traurige Denkmal einschließt, unsere Verehrung zu bezeigen?" "Junger Fremdling," sagte der Greis, "Ihr begehrt eine Gunst, welche ich sonst nur den Dienern unserer heiligen Religion erweise. Indessen, wie soll ich Euch etwas abschlagen? Kommt, folgt mir in diesen langen Platanengang." Dieser führte zu dem kleinen Bethaus. Unser Wirt ging mit langsamen Schritten und nachdenklicher Miene vorwärts. Endlich öffnete er uns die Pforte dieses Trauergebäudes, und wir sahen zwei Marmorgrabmäler, eines neben dem andern. auf dem größten hatte man einen Frauenschleier mit Sprüchen aus dem Koran ausgehauen, deren Buchstaben erhaben und vergoldet waren. Auf dem kleineren befand sich nur ein Turban. Ich nahte mich meiner Gefährtin und sagte ihr ins Ohr: "Ihr werdet etwas Außergewöhnliches sehen," und indem ich mich hierauf zu unserem Wirt wandte, sagte ich zu ihm: "Ihr müsst mir einen Gefallen erzeigen, dessen Erfüllung für Euch sehr wichtig ist: Ich beschwöre Euch, lasst diese Gräber öffnen." Mein Wirt sah mich verächtlich an, ohne sein Gebet zu unterbrechen, und wandte hierauf die Augen von mir ab. Aber ich ließ mich nicht abschrecken und sagte: "Ihr erhört also meine Bitte nicht? Ja, Ihr antwortet mir nicht einmal?" "Verpflichten mich," versetzte er mit Strenge, "die Gesetze der Gastfreundschaft, den Launen eines jungen Toren Genüge zu leisten? Wozu die Ruhe der Toten stören?" "Um sie dem Leben zurückzugeben," rief ich aus. "Mein Freund, in meinem Alter glaubt man nicht mehr an die Gaukeleien eines Menschen, wie Ihr seid." "Ich verzeihe," entgegnete ich, "Eurem Schmerz eine Ungerechtigkeit, welche ich nicht verdient habe. Bewilligt mir nur, was ich verlange, und wenn ich Euch nicht mein Versprechen halte, so überliefert mich dem Kadi wie einen Unheiligen, der dem Zufluchtsort der Toten Gewalt antut." Der Greis betrachtete mich mit irrem Blick, indem er ausrief: "Mein Freund, was sagt Ihr: Sollte es möglich sein? Meine Frau, mein Sohn, ich sollte Euch noch umarmen?" |
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