| Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 656. 657. 658. 659. 660. 661. 662. 663. 664. 665. 666. 667. 668. 669. 670. 671. 672. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
664. NachtEs fehlte viel daran, dass die Angelegenheiten meiner Schwester in ebenso günstigem Zustand waren. Nachdem sie Persien durchzogen hatte, ohne ihr Vermögen sehr vermehrt zu haben, wollte sie sehen, ob die Tatarei ihr nicht günstiger sein würde. Bochara, der Stapelplatz dieser beiden Länder, war der Ort, an welchem die größten Kaufleute Asiens zusammenkamen. Meine Schwester wollte diese berühmte Stadt kennen lernen: Aber sie kam ohne Gepäck hin; denn dieses war ihr von Indern genommen worden, während sie längs des Gebirges von Kandahar reiste. Nur die Schnelligkeit ihres Pferdes hatte sie und einige Goldstücke und Edelsteine, welche sie bei sich trug, gerettet. Die ersten Tage ihrer Ankunft waren dazu bestimmt, die Basare und die Karawansereien zu besuchen. Als sie so auf der Straße einherging, redete eine Alte sie an, die zu ihr sagte: "Guter junger Mann, Ihr habt eine Haltung, die sich mit Eurem Alter und Eurem Gesicht nicht verträgt. Ihr scheint sehr beunruhigt: Darf man die Ursache wissen?" "Ach," sagte meine Schwester, "Wie sollte ein Fremder, dem man alles, was er besaß, genommen hat, und der niemand in dieser Stadt kennt, nicht beunruhigt sein? Ohne Freunde, ohne Verwandte, ohne Geld, was soll aus mir werden?" Indem sie dies sagte, rannen Tränen aus ihren Augen. "Mein Kind, Euer Schicksal ist mitleidswert," sagte die Alte zu ihr, "kommt mit mir, Ihr sollt einen sichern Zufluchtsort finden." Nach einigen Tagen wollte meine Schwester fortgehen, aber ihre Wirtin hielt sie durch die dringendsten Aufforderungen zurück und sagte zu ihr, als sie nicht nachgeben wollte: "Ihr fürchtet ohne Zweifel, verraten zu werden: Aber wisst, dass ich euer Geheimnis schon bei unserer ersten Zusammenkunft erraten und doch davon weder mit Euch noch mit sonst jemand gesprochen habe. Unsere Kenntnis macht uns verschwiegen. Wenn ich euch für eine Person von dem Geschlecht gehalten hätte, dessen Kleidung Ihr tragt, würde es klug gewesen sein, Euch Gastfreundschaft zu erweisen?" Diese Alte lebte mit ihrer zwölfjährigen Enkelin, welche sie erzog. Die Wahrheit war nun nicht länger zu verhehlen. Die Erzählung meiner Schwester von ihren Reisen flößten ihrer Wirtin viel Achtung vor ihrem Geist und Mut ein. "Ich kann euer Vertrauen durch nichts als durch ein nicht minder wichtiges vergelten. "isst, dass ich eine Zauberin bin: Ich will Euch, wenn Ihr es wünscht, in allen bewundernswürdigen Geheimnissen meiner Kunst unterrichten." |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|