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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 681. 682. 683. 684. 685. 686. 687. 688. 689. 690. 691. 692. 693. 694. 695. 696. 697. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
689. Nacht"Wohlan," erwiderte der Gefangene, "so begehre ich denselben Dienst von Dir: Hilf uns aus diesem höllischen Loch und räche mich an dem Elenden, welcher uns verfolgt." In einem Augenblick hatte der Geist den Oberpriester ins Gefängnis geführt und mit den Ketten belastet, von welchen er die beiden Freunde befreit hatte; er fasste sie hierauf in seine Arme, die Erde öffnete sich unter ihren Füßen, und sie befanden sich plötzlich in einem prächtigen Palast, dessen Glanz nicht seinesgleichen hatte: Denn er war von Edelsteinen erbaut, ruhte auf Säulen von Smaragd und war von weiten Gärten umgeben, welche denen des Paradieses von Schedad glichen. Geblendet von diesem Anblick, fragte der Sohn Ali Dschoharis den Geist, wem diese prächtigen Besitzungen gehörten. "Dieser Palast," antwortete der Geist, "ist einer der Paläste Salomons; an diesem Ort wohnt meine Herrin, und wie sehr man auch die Schönheiten von Damaskus rühmt, ihr werdet sehen, dass diejenige, welche ich Euch zeigen werde, sie alle übertrifft." Diese Worte erregten lebhaft die Neugierde des Sohnes Ali Dschoharis. Man führte sie beide in einen prächtigen Badesaal, wo vierundzwanzig weiße Sklaven und Sklavinnen sie mit aller Aufmerksamkeit bedienten. Von hier traten sie in einen Saal, wo ein glänzendes Mahl bereit stand; vier Springbrunnen, mit duftenden Blumen umgeben, verbreiteten darin eine köstliche Kühlung. Aber alle diese Pracht konnte den Sohn Alis nicht von der tiefen Unruhe befreien, welche ihn um seine Gattin erfüllte: Vergebens ließ man vor ihm eine Menge junger Sklavinnen erscheinen, deren Schönheit die der Huris übertraf; er blieb allen ihren Reizen unbeweglich. Der Geist fragte ihn um die Ursache seiner Betrübnis. "Ach," antwortete er ihm, "ich habe meine Familie in tiefsten Schmerz versunken daheim gelassen: Meine geliebte Gattin ist dem Tode nahe und stirbt unfehlbar, wenn es mir nicht gelingt, das Vogelkraut zu gewinnen, und ich weiß nicht, wie ich dazu gelangen soll." "Hüte Dich wohl, mein Sohn," erwiderte ihm der Geist, "eine so gefährliche Unternehmung zu versuchen: Das Kraut, welches Du holen sollst, ist in der Gewalt der gegen Salomon empörten Geister, welche sich desselben bemächtigt haben, und Dein Tod wäre unvermeidlich." Was aber der Geist auch sagen mochte, es gelang ihm nicht, den Entschluss des jungen Mannes zu ändern, und als er ihn so unerschütterlich sah, so gab er ihm alle Anweisungen, welche, wie er glaubte, ihm nützlich sein konnten, und ließ ihn abreisen. Der junge Reisende stieg zu Pferde und folgte einem Knäuel, welches sein Wirt ihm gegeben hatte, und welches, stets vor ihm dahinrollend, ihn zu dem Ort seiner Bestimmung bringen sollte. Er kam endlich an einen großen Wald, und das Knäuel stand am Eingang einer tiefen Höhle still, deren Finsternis abschreckend war. Der Sohn Ali Dschoharis stieg von seinem Pferd, und nachdem er es an einen Baum gebunden hatte, drang er in das Innere der Höhle; er gelangte endlich an ein großes Feuer, welchem ein altes Weib gegenübersaß, deren Finger die Gestalt einer Gabel hatten, und deren Nägel so groß waren wie die Austerschalen des Roten Meeres: Sie drehte einen ungeheueren Bratspieß, an welchem drei Männer steckten. |
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