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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 690. 691. 692. 693. 694. 695. 696. 697. 698. 699. 700. 701. 702. 703. 704. 705. 706. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
698. Nacht"Ich habe sie nicht gestohlen," antwortete der Mann, "es ist ein Geschenk von einem der Kammerherrn des Kalifen. Kommt her, freut euch alle mit mir und verzehrt sie." "Was?", rief die Frau aus, "Du willst diese Kuchen essen, während Deine Kinder nichts haben, ihre Blöße zu bedecken? Schämst Du Dich nicht dieses Gelüstes? Geh lieber hin und verkaufe die Kuchen; es ist für eine ansehnliche Summe, und wir können Geld daraus lösen." Der Wächter sah sich genötigt, seiner Frau nachzugeben, welche die Kuchen zu einem Ausrufer hintrug. Dieser rief sie zum Verkauf aus; mehrere Käufer fanden sich ein, und der Handel sollte eben geschlossen werden, als einer von ihnen auf dem Rand der Schüssel eine Inschrift entdeckte, welche anzeigte, dass die Kuchen auf Befehl des Befehlshabers der Gläubigen gebacken waren. "Unglücklicher," sprach er zu dem Ausrufer, "willst Du an den Galgen, dass Du diese Kuchen so verkaufst? Siehst Du nicht, dass sie dem Beherrscher der Gläubigen gehören?" Der Ausrufer war sehr erschrocken, als er die Wahrheit der ihm angegebenen Anzeige erkannte; und um die Gefahr, die ihm drohte, von sich abzuwenden, hielt er es für das ratsamste, gerade nach dem Palast ds Kalifen zu gehen und die Kuchen, welche man ihm zu verkaufen gegeben hatte, zurückzutragen. Harun geriet in großen Zorn, als er vernahm, dass man einem öffentlichen Ausrufer die Kuchen übergeben, welche er selber so sorgfältig zubereitet hatte; er fragte den Ausrufer, wer ihm diese Kuchen gebracht hätte. Dieser nannte den Wächter des Stadtviertels. Es wurde sogleich hingeschickt, diesen Unglücklichen zu holen; man band ihm die Hände auf den Rücken und führte ihn vor den Kalifen. "Wehe," sagte der Wächter bei sich selber, "mein verdammtes Weib ist schuld an allem diesem Unglück: Hätte sie uns die Kuchen essen lassen, so wäre ich nicht in diesen bösen Handel verwickelt worden." Als der Wächter dem Kalifen vorgeführt war, fragte dieser Fürst ihn, von wem er die Kuchen hätte. Der Wächter gestand sogleich, dass er sie der Freigebigkeit eines der Kammerherrn des Palastes verdankte, dessen Wohnung er auch angab. Harun geriet in noch heftigeren Zorn, als er vernahm, dass einer von seinen Beamten sich des Verbrechens schuldig gemacht hatte, dessen Urheber er nachforschte; er befahl auf der Stelle, ihn zu holen und ihn mit dem Gesicht auf dem Boden herbeizuschleppen, nachdem man ihm den Turban abgerissen hätte. Seine Befehle wurden vollzogen: Die Abgeschickten des Kalifen erschienen an der Tür des Kammerherrn und klopften ungestüm an. Sie bemächtigten sich seiner mit den Worten: "Armer Aladdin, es tut uns sehr leid, dass wir uns genötigt sehen, den Willen unsers Herrn zu vollstrecken, welcher uns befohlen hat, Dein Haus der Plünderung preiszugeben, Deinen Turban zu zerreißen und Dich vor ihn zu führen: Aber wir können nicht umhin, zu gehorchen." Als Aladdin vor dem Kalifen erschien, fragte dieser Fürst ihn wütend, ob er den Wächter des Stadtviertels kenne, und auf die bejahende Antwort befahl er ihm, zu gestehen, von wem er die überbrachten Kuchen hätte. Aladdin erzählte hierauf unbefangen, was zwischen ihm und einer jungen Frau mit einer Alten vorgegangen: Er sagte, diese beiden Frauen hätten ihn um ein Glas Wasser angesprochen und zum Lohn für seine Gefälligkeit ihm die Schüssel mit Kuchen geschickt, womit er dem Wächter des Stadtviertels ein Geschenk gemacht. Diese Erklärung besänftigte den Zorn des Kalifen. Unglücklicherweise aber fragte er seinen Kammerherrn, ob er in dem Augenblick, als die junge Frau ihren Schleier aufgehoben, um zu trinken, ihr Gesicht gesehen hätte. Aladdin antwortete unwillkürlich, er hätte es gesehen. Dieses Geständnis erneuerte den Zorn des Kalifen: Er ließ die Prinzessin von Persien herbeiführen und befahl, ihr wie auch dem Kammerherrn das Haupt abzuschlagen. |
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