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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 691. 692. 693. 694. 695. 696. 697. 698. 699. 700. 701. 702. 703. 704. 705. 706. 707. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
699. NachtDie unglückliche Prinzessin empfand einen tiefen Schmerz, als sie die Vorwürfe und den Befehl des Kalifen vernahm; sie wandte sich jetzt zu Aladdin und fragte ihn, welche Ursache ihn bewöge, etwas Falsches auszusagen, das ihnen beiden den Tod brächte. "Ohne Zweifel," antwortete der unglückliche junge Mann, "hat das Schicksal es so gewollt: Ich wollte gerade das Gegenteil von demjenigen sagen, was mein Mund ausgesprochen, und es ist eine Verirrung meiner Zunge, welche uns ins Verderben stürzt." Während dieses Gesprächs breitete man den ledernen Teppich aus, welcher bald von ihrem Blut gefärbt werden sollte; man zerriss ihre Kleider und verband ihnen die Augen. Der Scharfrichter fragte hierauf den Kalifen, ob er zuhauen sollte, und der Kalif antwortete mit Ja. Drei Mal dem Gebrauch gemäß wiederholte er dieselbe Frage, und drei Mal erhielt er dieselbe Antwort; nun fragte er Aladdin, ob er vor dem Todesstreich noch etwas von ihm begehrte. Aladdin bat sich's zur Gnade aus, ihm auf einen Augenblick die Binde abzunehmen, damit er noch zum letzten Mal seine Freunde sehen könnte. Der Scharfrichter erfüllte seine Bitte. Aladdin blickte um sich her und sah alle seine Freunde in Bestürzung. Hierauf wandte er sich selber an den Kalifen und sprach folgendermaßen zu ihm: "Herr, geruht Ihr, meine Hinrichtung noch drei Tage aufzuschieben, so versichere ich Euch dreist, Ihr werdet Zeuge von den außerordentlichsten Dingen sein." "Nach Verlauf dieser Frist," erwiderte ihm der Kalif, "bist Du des Todes, und nichts vermag Dich meiner Rache zu entziehen." Drei Tage waren schon verlaufen, und der Kalif war noch von keinem der ihm verkündigten Abenteuer Zeuge gewesen; ungeduldig über diese Zögerung, entschloss er sich, eine neue Verkleidung anzunehmen und auszugehen, um selber dergleichen aufzusuchen. In dieser Absicht hüllte er sich in grobe Kleider, warf einen schlechten Turban um seinen Kopf, bewaffnete sich mit einer Patronentasche und einer Flinte und durchstrich am vollen Tag die Straßen von Bagdad, ganz unbesorgt, in dieser Kleidung erkannt zu werden. Er trat in einen Basar, als er einen jungen Mann sein Erstaunen in den stärksten Worten ausdrücken hörte. Harun fragte ihn nach der Ursache seines Erstaunens. "Da ist," antwortete ihm der junge Mann, "eine alte Frau, welche den Koran mit lauter Stimme und so trefflich auswendig hersagt, dass man glauben sollte, den Engel Gabriel selber zu hören, der ihn unserm heiligen Propheten offenbarte: Und nun, diese Unglückliche sitzt da schon lange Zeit , ohne dass jemand noch daran gedacht hat, ihr irgend etwas zu schenken: Das ist die Ursache meines Erstaunens, und Ihr werdet eingestehen, dass sie begründet ist." |
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