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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 695. 696. 697. 698. 699. 700. 701. 702. 703. 704. 705. 706. 707. 708. 709. 710. 711. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
703. Nacht"Eben heute." - "Und wer ist Euer Schwiegersohn?" - "Ich weiß es in Wahrheit nicht, und wenn ich Euch meinen Verdacht gestehen soll, so glaube ich, es ist nicht das ehrlichste Handwerk, welches er treibt: Aber bildet Euch nicht ein, dass er ein gewöhnlicher Räuber ist, er ist wenigstens das Oberhaupt aller Räuber." "Um Gottes willen!", riefen die Nachbarinnen aus, "Ihr wollt die Schwiegermutter eines Räuberhaupts werden! Seid so gut und empfehlt uns Eurem Schwiegersohn und bittet ihn, die Häuser Eurer Nachbarn zu verschonen. Diese Rücksicht sind wir uns gegenseitig schuldig." Die Alte beruhigte sie, indem sie den Edelmut ihres Schwiegersohnes rühmte und ihnen versprach, dass ihr Eigentum verschont bleiben sollte. Sicher gemacht durch den Schutz, welchen die Alte ihnen verhieß, beschäftigten sich die Nachbarinnen nun mit der Anordnung des Hausgerätes, dann des Putzes der Braut, welche man mit prächtigen Zeugen bekleidete und mit Juwelen bedeckte. Bald hörte man an die Türe pochen und sah eine große Anzahl Bedienten des Kalifen eintreten: Einige trugen die erlesensten Speisen, andere das köstlichste Zuckerwerk: Sie überlieferten alles der Alten und sagten dabei, ihr Schwiegersohn sendete es ihr, um sich mit allen ihren Nachbarinnen gütlich zu tun. "Meine lieben Freunde," sprach die Alte noch zu ihnen, "habt doch die Güte und sagt mir, was macht mein Schwiegersohn?" "Wir wissen nichts von ihm, edle Frau, aber wenn Euch daran liegt, seinen Namen zu wissen, er heißt Albondukani." "Meinetwegen," sagte die Alte, "er mag tun, was er will; aber einer, der sich so großmütig beweist, hat nicht seinesgleichen in Bagdad: Kommt, meine Freundinnen, setzen wir uns zum Mahl." Die Nachbarinnen machten keine Umstände, sondern aßen mit großer Lust nach und nach von den Speisen und dem Nachtisch, die man hergeschickt hatte, doch waren sie darauf bedacht, von allem das Beste unberührt zu lassen, damit es zum Hochzeitsmahl der beiden Neuvermählten diente. Unterdessen wusste man bald in dem ganzen Stadtviertel, dass die Alte ihre Tochter an einen Räuber verheiratet hatte, und dass ihr Haus schon mit den prächtigen Geschenken angefüllt war, welche ihr Schwiegersohn ihr dargebracht hatte. Als der junge Kaumann, dem diejenige versagt worden war, welche der Kalif sich zur Gattin erwählt hatte, durch das öffentliche Gerücht vernommen, dass man ihm einen Räuber vorgezogen hatte, so wollte er diese Gelegenheit nicht versäumen, sich zu rächen; er hoffte selbst, dass dieser Umstand ihm Mittel verschaffen könnte, diejenige wiederzuerlangen, in welche er verliebt war, und begab sich in aller Eile zu dem Polizeibeamten. Diesem versprach er eine ansehnliche Belohnung, wenn er sich des Räubers, welchen er ihm beschrieb, bemächtigen könnte, und versicherte ihn zugleich, dass er bei dieser Unternehmung eine beträchtliche Beute machen würde, deren Eigentum er ihm überließ. Der Polizeibeamte war höchst vergnügt über diese Anzeige des jungen Mannes und hieß die zehnte Stunde des Abends abwarten, um den Räuber desto sicherer in dem Haus seiner Schwiegermutter zu überfallen. Er versprach ihm, sich bestimmt zu dieser Stunde dort einzufinden, und versicherte ihn, er würde den Räuber sowie die Alte auf abschreckende Weise bestrafen und ihm das junge Mädchen überliefern, mit welcher er nach seinem Belieben schalten könnte. |
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