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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 698. 699. 700. 701. 702. 703. 704. 705. 706. 707. 708. 709. 710. 711. 712. 713. 714. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
706. NachtAls der Verschnittene bei dem Schein der ihm leuchtenden Lampe den Kalifen herannahen sah, sprang er ihm mit dem Säbel in der Hand entgegen und fragte ihn, wo er hinwollte. "Was geht's Dich an, Elender?", antwortete ihm der Kalif mit furchtbarer Stimme; und der Verschnittene, so erschrocken, als wenn er einen Löwen gesehen hätte, der ihn zu verschlingen drohte, entfloh zu seinem Herrn und kam ganz zitternd herein. Dieser fragte ihn nach der Ursache seiner Furcht, und stammelnd antwortete der Verschnittene: "Ach, Herr, indem ich die Türe bewachte, trat ein Mann herein. Ich wollte ihn hindern, seinen Weg fortzusetzen, und drohte, ihn zu schlagen. Da antwortete er mir: "Flieh, elender Sklave!", und seine Stimme hat mich dermaßen erschreckt, dass ich es für meine Pflicht gehalten habe, Euch anzuzeigen, was vorgeht." "Ha, wie!", rief der Emir aus, indem er wütend aufsprang, "wer ist der Verwegene, der meine Leute in meinem Haus so zu beschimpfen wagt? Ich will sogleich seine Unverschämtheit bestrafen." Dies gesagt, bewaffnete er sich mit einer ungeheuren Keule und stürzte dem Unbekannten entgegen mit dem Ausruf: "Wo ist er? Wo ist er?" "Hier, Junis!", entgegnete ihm der Kalif: Und der wilde Emir, der sogleich die Stimme des Kalifen erkannte, warf sich zu Boden und bat ihn um Verzeihung. "Ei, ei," sprach Harun zu ihm, "während Du ruhig zu Hause sitzt, leidest Du, dass mein Polizeibeamter in Deine Nachbarschaft kommt und unglückliche Weiber misshandelt, welche keinen Mann zu ihrer Verteidigung haben, und Du denkst nicht daran, die Willkür dieses unwürdigen Beamten zurückzuweisen!" "Herr," sagte Junis, "hätte ich nicht das Amt geehrt, welches er bekleidet, und nicht gefürchtet, ihn in Vollstreckung der Befehle Eurer Majestät zu hindern, so würde er schon längst die verdiente Züchtigung empfangen haben: Übrigens dürft Ihr nur ein Wort sagen, und ich gehe auf der Stelle hin, diese elende Häscherschar zu zerstreuen. Kein Polizeibeamter, kein solches Gesindel dürfen einem Mann, wie ich bin, widerstehen." Der Kalif dankte ihm für seinen Diensteifer und sagte, er wollte in seinem Haus auf das flache Dach steigen. Der Emir führte den Fürsten dahin, und von dort konnten sie das bestürmte Haus gut sehen. Der Kalif ließ Anstalt machen, dorthin zu kommen, und mit Hilfe einer Strickleiter ließ er sich auf das flache Dach des Hauses der Frauen hinab und hieß Junis ihn dort erwarten und sich bereithalten, seine Befehle zu vollstrecken. Er schlich leise über das Dach hin, stieg, ohne bemerkt zu werden, hinab ins Haus und war ganz geblendet von dem Glanz desselben, indem es mit Vergoldungen bedeckt, mit allerlei künstlicher Arbeit geziert und von einer Menge Kronleuchter und Kerzen erhellt war. Die Braut, auf einem glänzenden Thron sitzend, war mit dem reichsten Putz bekleidet und glich der Sonne in ihrem vollen Glanz oder dem Vollmond. Während der Kalif, noch ungesehen, sie betrachtete, hörte er ihre Mutter zu ihr sagen: "Wehe, meine Tochter, was soll aus uns werden? Wer kann uns von der Wut dieser Leute befreien? Ach, wie sind wir zu beklagen? Warum muss auch dieser Räuber kommen, um Dich zu werben! Ach, wenn Dein unglücklicher Vater noch lebte...! Aber wir müssen uns in den Willen Gottes ergeben." "Liebe Mutter," antwortete das junge Mädchen, "er hat uns den Mann gesendet, welchem Ihr mich zur Frau gegeben habt, und Ihr tut unrecht, mich zu kränken und ihn einen Räuber zu nennen." "Ach, der Unglückliche!", sprach die Alte, "möge der Himmel ihn bewahren, diese Nacht hierher zu kommen, denn man würde ihm übel mitspielen!" |
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