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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 706. 707. 708. 709. 710. 711. 712. 713. 714. 715. 716. 717. 718. 719. 720. 721. 722. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
714. NachtEines Tages, als Chansad bei der Hütte des Derwisches sich erging, war er nicht wenig überrascht, nicht weit von sich und mitten in der Sandwüste einen Baum zu erblicken, der mit sehr schönen, ihm unbekannten Früchten beladen war. Mit lebhafter Begierde, ihn näher zu betrachten und von seinen Früchten zu pflücken, schritt er mehrere Stunden lang darauf los, und obgleich er gar nicht ferne von ihm schien, so konnte er ihn doch nicht erreichen. Endlich, nachdem er den ganzen Tag gelaufen war, gelangte er an den Fuß dieses außerordentlichen Baumes. Ein Greis saß auf einem der Zweige, der grüßte den Sultan freundlich, und nachdem er von dem Baum gestiegen war, welcher sogleich verschwand, fragte er ihn, warum er ihn so hartnäckig verfolgt hätte, und was der Beweggrund seiner Reise wäre. Chansad, der befürchtete, einen großen Fehler begangen zu haben, dass er den Rat des guten Derwisches nicht befolgt hatte, beschloss, sich mit Vorsicht zu benehmen. Demzufolge antwortete er dem Geist, er wäre ein Kamelhüter, der, angelockt durch die Schönheit der Früchte, und in der Hoffnung, einige davon zu erlangen, auf einen Augenblick seine Herde verlassen hätte; da jedoch seine Mühe fruchtlos gewesen, so würde er wieder zu den seiner Obhut anvertrauten Tieren gehen. "Mein Sohn," sagte lächelnd der Geist zu ihm, "Du wirst heute nicht wieder nach dem Ort zurückkehren, von welchem Du diesen Morgen ausgegangen bist. Dieses Land ist durch den Geist Abutawil bezaubert, welcher unaufhörlich den Reisenden Schlingen legt. Der Derwisch, welchen Du heute verlassen hast, ist einer von den Dienern dieses bösen Geistes. Er nahm Dich nur in Obhut, um Dich seinem Herrn zu überliefern. Aber Du bist ein guter Muselmann, und der Prophet hat Dich vermittelst dieses Baumes gerettet. Sei jetzt ruhig und stärke Dich wieder durch einige Früchte, welche ich Dir will reichen lassen." Der Greis klatschte hierauf drei Mal in die Hände, und auf der Stelle stand ein mit den erlesensten und köstlichsten Speisen besetzter Tisch vor ihnen. Der Sultan war ungewiss, ob er den Versprechungen seines neuen Wirtes großen Glauben beimessen sollte; weil er aber kein Mittel sah, zu dem Derwisch zurückzukehren, dem er das Leben verdankte, so überließ er sich seinem Schicksal. Als er sich wieder gestärkt hatte, fragte der Greis ihn, ob er ihm folgen wollte, und versprach, ihn in wenigen Tagen nach der Hauptstadt seines Reiches zu bringen. Chansad willigte ein, und beide schlugen einen schmalen, mit brennendem Sand bedeckten Weg ein. Kaum hatte der Fürst einen Schritt getan, als es ihm unmöglich war, weiter zu schreiten. Der Greis lud ihn jetzt ein, auf seinen Rücken zu steigen. "Die Stärkung des großen Propheten verlässt mich nie," sprach er zu ihm, "meine Füße sind gewohnt, durch den Sand zu waten, und in einem Augenblick kann ich Dich ans Ziel des Weges versetzen." Der Sultan scheute sich anfangs, einen Greis zu belästigen, dessen Schwachheit ihm so auffallend erschien, doch entschloss er sich endlich, auf seinen Rücken zu steigen. Sogleich erhob sich der Greis mit ihm in die Luft, erreichte bald einen prächtigen Palast, setzte hier den Prinzen auf den Boden und verschwand. Chansad, noch voll Furcht über die Art, wie er eben gereist war, wurde nicht wenig überrascht, als er vor sich einen unermesslichen Palast aus einem einzigen Diamanten erblickte, welcher einen solchen Glanz ausstrahlte, dass er genötigt wurde, die Augen niederzuschlagen. In der Hoffnung, in diesem Palast einige Hilfe zu finden, ging der Fürst mehrmals ringsumher. Aber es war vergeblich, er konnte die Türe dieses Gebäudes nicht entdecken. Endlich, erschöpft von der Anstrengung, lehnte er seinen Kopf an eine Mauer und schlief ein. |
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