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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 708. 709. 710. 711. 712. 713. 714. 715. 716. 717. 718. 719. 720. 721. 722. 723. 724. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
716. Nacht"Das ist unsere Wohnung," sprach Abutawil zu mir; "morgen sollst Du auch Frauen zur Bedienung haben." Seitdem bewohne ich nun diesen Ort, wo nichts an meinem Glück fehlen würde, wenn ich bei meinen Verwandten und fern von dem Ungeheuer wäre, welches mich hier zurückhält und mich zum Zeugen seiner Grausamkeit macht. Er hat die Gewohnheit, sich auf vierzig Tage zu entfernen, um den Karawanen nachzustellen: Er tötet und beraubt die Führer derselben und kommt dann auf drei Tage heim. Morgen muss er kommen, und da er ein erklärter Feind aller Menschen ist, so schaudere ich bei dem Gedanken an den Empfang, der Dir von ihm bevorsteht." Chansad wurde durch die Erzählung seiner Schwester nicht erschreckt. Er erinnerte sie daran, dass er schon im Alter von achtzehn Jahren die sieben Könige von Indien überwunden hatte, und versicherte sie, er würde nicht anstehen, den Geist anzugreifen und alle Anstrengungen machen, um sie zu befreien, aber er konnte ihre Unruhe nicht beschwichtigen. Sie brachten die Nacht unter solchen Gesprächen zu. Mit Anbruch des Tages sah die Prinzessin auch den Augenblick herannahen, wo Abutawil erscheinen würde. Sie flehte ihren Bruder an, nichts gegen ihn zu unternehmen, sondern sich bewegen zu lassen, bis zur Wiederabreise des Geistes sich verborgen zu halten. Der Sultan gab den Tränen seiner Schwester nach, und kaum hatte er sich in dem entlegensten Winkel des Palastes versteckt, als Abutawil erschien. Alles zitterte bei seiner Annäherung. Die Prinzessin verbarg ihre Unruhe, flog ihm entgegen, und nachdem sie ihn zärtlich umarmt hatte, beklagte sie sich, so lange des Glückes seines Anblickes beraubt gewesen zu sein. Der Geist, der wohl wusste, dass Chansad in seinem Palast war, machte seiner Gattin lebhafte Vorwürfe über ihr Stillschweigen von ihm. "Kannst Du," sprach er zu ihr, "wegen der Aufnahme besorgt sein, welche ich Deinem Bruder zugedacht habe, der, ohne mich zu kennen, und mich für einen armen Sterblichen haltend, dennoch den Edelmut gehabt hat, mir Deine Hand zu bewilligen, als ich ihn darum angesprochen habe? Verstelle Dich nicht länger und beraube mich nicht des Vergnügens, ihn zu sehen. Ich weiß, wo er verborgen ist, aber ich wünsche, dass Du selber mich zu ihm führst." Die Prinzessin hatte kein großes Vertrauen auf die Beteuerungen ihres Gemahls. Da sie aber wohl sah, dass es unnütz war, ihm die Wahrheit zu verhehlen, so führte sie ihn nach dem Zimmer, in welches der Fürst sich zurückgezogen hatte. Abutawil empfing ihn aufs freundlichste, er umarmte ihn zärtlich und führte ihn in das Zimmer seiner Gattin, wo er ihm Erfrischungen vorsetzen ließ. Kurz, er bewirtete ihn so wohl, dass Chansad, von diesen Freundschaftsbeweisen gerührt, nicht begreifen konnte, wie Aischah irgend eine üble Behandlung von ihm fürchten konnte. So brachten sie drei Tage unter Festen und Ergötzlichkeiten hin, durch welche der Geist sich zu gefallen schien, die Zuneigung zu beweisen, welche er gegen den Bruder seiner Gattin hegte. Als der Augenblick gekommen war, dass Abutawil wieder auf vierzig Tage abreisen musste, lud er den Sultan ein, noch einige Zeit bei seiner Schwester zu verweilen. "Ich habe eine kleine Reise zu machen," sprach er zu ihm, "und ich hoffe, Euch bei meiner Heimkehr noch zu finden. Bleibt hier und betrachtet Euch als den Herrn meines Palastes. Aber bevor ich abreise, möchte ich Euch noch meinen Garten zeigen." Chansad reichte ihm die Hand zum Zeichen seines Dankes, und sie gingen zusammen hinaus. Die Prinzessin erwartete vergeblich bis zum folgenden Morgen die Rückkehr ihres Bruders; und überzeugt, dass er als ein Schlachtopfer der Treulosigkeit ihres Mannes umgekommen wäre, zerriss sie ihre Kleider und klagte in ihrem Schmerz sich als die Ursache des Untergangs ihrer Familie an. |
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