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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 805. 806. 807. 808. 809. 810. 811. 812. 813. 814. 815. 816. 817. 818. 819. 820. 821. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
813. NachtWas dünkt Euch, Herr," unterbrach sich hier die Prinzessin, "von der Übereilung und der Unbilligkeit dieses Fürsten?" Der Kalif antwortete, der Fürst hätte, obschon er volle Gewalt über sie hatte, ihnen verzeihen sollen, und zwar aus drei Gründen: Erstens, weil die beiden jungen Gatten sich so innig liebten; zweitens, weil sie sich in seinem Palast und unter seinem Schutz befänden; und drittens, weil ihm mehr Mittel, als dem jungen Mann, zu Gebot ständen, sich eine andere Sklavin zu verschaffen: "Dieser Fürst," fügte er hinzu, "hat eine eines Königs unwürdige Handlung begangen." "Geruht jetzt," sagte hierauf die Prinzessin zu ihrem Bruder, "einen Augenblick anzuhören, was Naam uns singen wird." Und nun begann die junge Sklavin in den leidenschaftlichsten Versen die Qualen zu schildern, welche zwei durch die süßesten Gefühle vereinte Herzen empfinden müssen, welche die Härte des Schicksals getrennt hat. Ihre rührende Stimme machte dem Kalifen so viel Vergnügen, dass er ihr durch die schmeichelhaftesten Ausdrücke seine Zufriedenheit bezeigte. Die Prinzessin ergriff diesen günstigen Augenblick, und sagte zu ihm, ein großer König hätte nur ein Wort, und das einmal von ihm ausgesprochene Urteil wäre unwiderruflich. Und als sie nun Naam und Naama hatte aufstehen lassen, sprach sie zu ihrem Bruder: "Großmächtiger Beherrscher der Gläubigen, ihr seht hier vor Euch die beiden Unglücklichen, deren Schicksal ihr so eben beklagt habt: Naam ist die junge Sklavin, welche Hedschadsche ebn Jussuf ihrem Gemahl entführt hat, um sie Euch zu senden. Er hat Euch in seinem Brief hintergangen, wenn er Euch angekündigt, er habe sie für zehntausend Goldstücke erkauft. Naama, den ihr hier in der Verkleidung einer jungen Sklavin vor Euch seht, ist in Wahrheit ihr Herr und Gemahl. Im Namen Eurer ruhmvollen Voreltern wage ich es, Euch zu bitten, Herr, mit ihrer Jugend Mitleid zu haben, und ihnen den Fehler zu verzeihen, welchen sie begangen haben. Ihr werdet in Eurem innersten Herzen die Belohnung für die großmütige Teilnahme finden, welche ihr ihnen angedeihen lässt. Bedenkt, dass sie beide in Eurer Gewalt sind, dass sie die Ehre gehabt haben, an Eurem Tisch zu essen, und dass Eure Schwester es ist, welche Euch beschwört, ihr Blut nicht zu vergießen." Der Kalif antwortete mit Bewegung: "Du hast Recht, meine Schwester. Ich habe über diesen Fall schon einen Ausspruch getan, und Du weißt, dass ich nimmer ein Urteil zurücknehme, welches ich einmal gefällt habe." Hierauf wandte er sich zu Naam und fragte: "Dass also ist Dein Herr?" "Ja, mein Fürst," antwortete in tiefer Ehrfurcht die junge Sklavin. "Sei ohne Frucht," sagte der Kalif freundlich, "ich vergebe von Herzen gern Euch allen beiden. - Aber, Naama, wie hast Du entdeckt, dass Deine Sklavin sich hier befindet, und wie hast Du es angestellt, hier herein zu kommen?" "Herr," antwortete der junge Mann, "geruht, die Erzählung meiner Schicksale anzuhören: Ich schwöre Euch, bei Euren glorreichen Ahnen, ich will Euch keinen Umstand davon verbergen." Hierauf erzählte Naama dem Kalifen alles, was ihm begegnet war. Die Verpflichtungen, welche er dem persischen Arzt und der Alten hatte; wie die letzte ihn in den Palast geführt, und wie er sich darin verirrt. Der Kalif, voll Verwunderung über diese Geschichte, ließ den persischen Arzt kommen, ihn mit einem Ehrenrock bekleiden, und gab ihm eine ausgezeichnete Stelle an seinem Hof. Er verheiratete ihn mit einer reizenden Sklavin, und äußerte ihm verbindlich, er wünschte stets einen solchen Mann bei sich zu behalten, der so viel Verstand und Geschicklichkeit besäße, und dessen Gaben auch ihm nützlich werden könnten. Er überhäufte auch Naam und Naama mit Wohltaten, ebenso wie die Alte. - Während sieben Tagen waren nichts als Feste und Lustbarkeiten in dem Palast. Kaum hatte Scheherasade die Geschichte von Naama und Naam beschlossen, als sie die noch übrige Zeit benutzte, und die Geschichte Aladdins anfing, von welcher sie sich wohl versah, dass der Sultan von Indien die Fortsetzung würde hören wollen. |
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